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Airpeople

Interview von: arne mit Florian, am: 14.12.2009 ]

AIRPEOPLE gründeten sich vor zwei Jahren und sind mit früheren Mannen von Eniac, Oliver Twist und Fuckuismyname besetzt. Dass man in der neuen Konstellation instrumentalem Indie-/Post-Rock frönt, ist angesichts der Vorgeschichte keine Überraschung, auch wenn man verträglicher und akzenturierter als in der Vergangenheit aufspielt. Rhythmische Verspielheit, noisige Avancen, verquerer Indie, fordernder Prog und bisweilen auch verschrobene Poppigkeit duellieren sich bzw. interagieren auf dem Debüt „The Golden City“ in dynamisch arrangierten Stücken, die Kopfkino im besten Sinne sind.

 

Musicscan: Wenn Ihr auf Eure Anfänge zurück blickt: Wie habt Ihr in der Bandkonstellation zu dem Sound gefunden, der auf "The Golden City" zu hören ist? Wie verlief der "Abstimmungsprozess"?

Airpeople: Wir wollten von Anfang an mehr experimentieren, uns Zeit nehmen, mit Sounds und Abläufen zu spielen. Da gibt es immer noch viele viele neue Möglichkeiten und neues Spielzeug. Daß es schön, laut und was für die Beine werden sollte, da waren wir uns stillschweigend einig. Mal gibt es am Anfang eines neuen Stückes eine grobe Vorstellung, die einer von uns in den Raum wirft. Mal fängt einer an mit einer Melodie, oder alle zusammen, und später wird aufgeräumt. Jedenfalls bisher immer im Zusammenspiel. Nicht weil es bei uns verboten ist, alleine zu basteln, das hat sich einfach so ergeben und macht Spaß.

Musicscan: Gibt es irgendwelche "Beeinträchtigungen" dadurch, dass Ihr in unterschiedlichen Städten lebt, die teils weit voneinander entfernt sind? Wie regelt Ihr das mit Proben, Songwriting, etc. Nähe zueinander ist ja häufig eine Voraussetzung dafür, dass Bands kontinuierlich wachsen...

Airpeople: Die Entfernung ist eigentlich kein Problem. Wir sind schon lange lange befreundet, hatten früher schon Bands zusammen, und die Idee, zusammen was neues zu machen gab es schon eine Weile vor der ersten Probe. Die war dann auch gleich super, und langweilig ist es bis heute nicht. Dann ist das mit den Entfernungen eben so. Hat ja auch einen netten Nebeneffekt, kleine Reisen. Wir treffen uns im Schnitt einmal im Monat für mehrere Tage und machen Musik. Ideen kann man auch gut über Entfernungen austauschen und sich auf die nächste Gelegenheit freuen damit rummzuspielen. Aufgenommen haben wir in Bitburg und Liverpool, weil wir das dort eben gut mit dem Tonmeister unseres Vertrauens machen konnten. Wer weiss, vielleicht rücken wir irgendwann näher zusammen, falls unser Proberhytmus langweilig werden sollte.

Musicscan: Inwiefern hat sich Eure Einstellung zu und Eurer Zusammensein als Airpeople bis heute verändert? In zwei Jahren dürfte da ja schon etwas passiert sein, oder? Wie lässt sich Euer Selbstverständnis als Band in Worte fassen?

Airpeople: In Zahlen hat sich geändert, dass wir mehr geworden sind. Die ersten paar Proben waren wir drei. Dann kam Marco dazu. Kurz vor der letzten Tour kam dann noch Oliver Bersin für mehr Gitarre und Synth dazu. Sind jetzt also zehn Hände, die können sich noch mehr um Details kümmern. Gefühlt ist das ganze in den fast drei Jahren fester geworden. Selbstverständnis in Worten, nie drüber nachgedacht, einfach Freunde, die zusammen was machen, was sie lieben.

Musicscan: Auf Eurer myspace-Seite gibt es den Blog-Punkt Reviews. Clickt man auf den Link, findet man nur "bla", das aber in vielfältigen Kombinationen. Was steckt dahinter? Kümmert es Euch nicht, was Andere über Euch denken? Die Rezeption ist doch gut ausgefallen, nach allem, was ich gesehen habe. Darauf kann man doch stolz sein und das auch guten Gewissens posten?

Airpeople: Klar, auch wir freuen uns über gute Besprechungen. Wir machen Musik ja nicht abgeschnitten von der Außenwelt, obwohl das ja auch was haben kann. Was andere über unsere Musik denken kümmert uns also schon. Wie das „bla“ und die vielfältigen Kombinationen zustande gekommen sind, weiss ich nicht. Würde aber tippen, dass die Kombinationen eher zufällig zustande gekommen sind.

Musicscan: Welche Reaktionen erlebt Ihr denn auf den Konzerten. Welches Feedback tragen die Leute an den Merch-Tisch, und was nehmen sie besonders von Euren Gigs mit?

Airpeople: Ganz unterschiedlich, wobei die, denen es nicht gefällt ja selten direkt auf einen zukommen. Kann also nur zum positiven Feedback was sagen. Die Leute mögen oft diesen Mix aus Details und vielen Instrumenten und auf der anderen Seite für Instrumentalmusik eher kompakten Songstrukturen. Das ist gerade für die Leute im Publikum eine Überraschung, die uns vorher nicht kannten. Und Überraschungen auf Konzerten sind gut. Oft gibt es Vergleiche, die ich garnicht nachvollziehen kann, mit anderen Bands, die ich so nicht bei uns raushören würde. Schlimm finde ich das nicht, das ist wohl normal, da fehlt einem selbst ja auch ein bischen der Abstand zur eigenen Musik.

Musicscan: Wo seht Ihr selbst die musikalischen Stärken von Airpeople? Und könnt Ihr Platte zu diesem frühen Zeitpunkt schon reflektieren und für das Schaffen bzw. die weitere Entwicklung von Airpeople einordnen?

Airpeople: Wir spielen schon lange zusammen, die erste Band hatten David, Oliver und ich vor 12 Jahren oder so. Beim Zusammenspiel spontan aufeinander eingehen, alle Ideen ausprobieren können, ohne dass einer der Chef ist. Sowas klappt sehr gut bei uns. Die Platte ist schon ein Kapitel, nach dem wir nochmal mehr Zeit mit suchen verbringen wollen. Die nächsten Stücke werden auf die ein oder andere Art schon eine Weiterentwicklung der Platte sein. Da kristallisiert sich schon langsam raus, was wir anders machen wollen und wovon wir erstmal genug haben. Jetzt ist wieder mehr Zeit fürs Experimentieren da. Die Platte ist da, die Tour vorbei, das hat viel Zeit in Anspruch genommen.

Musicscan: In meinem Review habe ich geschrieben: "Rhythmische Verspielheit, noisige Avancen, verquerer Indie, fordernder Prog (weigstens tendenziell) und bisweilen auch verschrobene Poppigkeit duellieren sich bzw. interagieren in dynamisch arrangierten Stücken, die Kopfkino im besten Sinne sind." Trifft diese Skizze, was Ihr musikalisch treibt?

Airpeople: Mit Beschreibungen in Worten tue ich mich bei der eigenen Musik zwar schwer, aber ja, Deine Beschreibung würde ich zu den treffenderen zählen.

Musicscan: Aktuell scheinen im Spannungsfeld zwischen Punk, Rock, Emo, Hardcore, etc. zwei wesentliche Strömungen vorzuherrschen. Die einen betonen ihre eingängige Anlage, werden melodischer und hoffen darauf, kommerziell anzukommen, während andere ihren Sound in Richtung Nische bewegen und ihre progressive und experimentelle Seite herausstellen. Seht Ihr diese Tendenzen ebenfalls, und was sind Eurer Meinung nach die Treiber/Auslöser? Sind Airpeople davon irgendwie beeinflusst?

Airpeople: Mit Tendenzen und Spannungsfeldern zwischen den Szenen kenne ich mich nicht aus. Das Hören in Hardcore, Punk etc. hat sich bei mir mit der Zeit immer mehr aufgelöst. Interessante, sympatische Bands kann man ja überall antreffen. In sofern sehe ich uns auch nicht in einer der Strömungen. Beeinflussen und inspirieren lassen wir uns natürlich schon von anderer Musik, das kommt ja nicht aus dem Nichts. Wir kommen vom Noise Rock, Punk, Frickel und wie man das noch nennen kann. Das hört man uns schon an. Bei Airpeople fühlt sich das auf jeden Fall freier an als bei früheren Bands. Wenn uns nach einem Metalteil mit vier Gitarren ist, dann wird das gemacht, wenn sich viel Delay mit Disco Beats gut anfühlt, dann wird das gemacht. Es muss beim Hören und beim Selbermachen einfach das gewisse etwas haben.

Musicscan: Wie ist die Idee entstanden, die "unterhaltsame Reise" mit Städten zu verknüpfen? Und warum geht Eure Route von der ,Golden City' gerade bis nach ,Stockholm'?

Airpeople: Auf Städtenamen sind wir zufällig gekommen, weil auf einem Feuerzeug Denver draufstand. Wir haben dann Städtenamen genommen, deren Klang wir gut fanden. Die Route, die man verständlicher Weise darin sehen kann, geht von Golden City nach Stockholm, weil wir die Reihenfolge der Lieder so gut finden. Aus den zufälligen Städtenamen und dem Albumtitel 'The Golden City' ist wiederum, die Idee für das Artwork entstanden. Übergroße Goldsucher und Tiere in einer goldenen Stadt. Was man darin sehen kann, überlassen wir den Batrachtern. Vielleicht ein Hinterherjagen nach einer waagen Vorstellung von Glück in der Stadt, das schnelle Geld, oder einfach ein schönes Plattencover.

Musicscan: Wie viel Intuition und Bauchgefühl steckt in den Songs? Mehr als man denkt, oder? Wie habt Ihr dafür gesorgt, das der "natürliche Soundfluss" nicht dem Arbeits- und Recordingsprozess zum Opfer gefallen ist?

Airpeople: Die Ideen kommen wie gesagt beim Zusammenspiel. Da muss das Bauchgefühl schon stimmen. Wir hören uns die Sachen dann schon zwischendurch an, bis wir merken, was noch fehlt und basteln weiter drann. Aufgenommen haben wir mit Robert Whiteley, einem alten Freund. Ein paar Lieder in Bitburg, die meisten dann im Whitewood Recordings Studio in Liverpool, seinem eigenen Studio. Wir hatten schon vorher mit ihm mit anderen Bands aufgenommen und hatten vollstes Vertrauen, dass wir mit ihm feine Aufnahmen machen würden. Der Sound ist schön räumlich, offen und gleichzeitig druckvoll geworden, Robert ist super mit Räumen. Wir haben spontan Spielereien ausprobiert und teilweise altes, sehr eigen klingendes Equipment benutzt, das bringt nochmal Leben in die Sache.

Musicscan: Es heißt immer, dass es deutsche Bands schwerer haben, sowohl in Deutschland als auch im Ausland Anerkennung zu finden oder überhaupt auf sich aufmerksam zu machen. Teilt Ihr das und welche Erfahrungen habt Ihr diesbezüglich gemacht?

Airpeople: Ich finde diesen Vergleich schwierig. Es gibt auch viele gute Bands aus dem Ausland, die regelmäßig hier her kommen, nicht selten vor drei zahlenden Gästen spielen und zu Hause in vollen Clubs spielen. Das kann viele Gründe haben, die ich nicht mit so einem Vergleich zusammenfassen würde. Die ersten Touren als neue Band zusammenzukriegen darf auch mal schwierig sein und ist vielleicht nochmal schwieriger, wenn man weiter weg von der vertrauten Szene ins Ausland will. Auf der anderen Seite eine gesunde Erfahrung, einfach irgendwo anfangen, ich finde das lohnt sich.

Musicscan: Letzte Worte?

Airpeople: Ich brauch was zu essen.

 
 Links:
  myspace.com/airpeopleairpeople
 
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