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Redcraving

Interview von: arne mit Manuel, am: 05.12.2009 ]

Unverhofft kommt oft! Frei nach diesem Motto veröffentlichen REDCRAVING aus Berlin einen Debüt-Longplayer, der seine Hörer unvorbereitet trifft. Und das sogar gleich zwei Mal, sowohl in der Magengrube als auch am Kopf. „Lethargic, Way Too Late“ ist ein clever arrangiertes Album, das einerseits bauchgesteuert in Richtung New School unterwegs ist, und eine leichte Emo/Screamo-Kante aufweist, und das sich andererseits herrlich fordernd und vertrackt entwickelt.

 

Musicscan: Stellt eingangs doch bitte Redcraving und die involvierten Musiker kurz vor. Für all diejenigen, die Euch noch nicht kennen: Was haben die in den letzten zwei Jahren verpasst? Welche wichtigen Etappen hat es gegeben? Welche Sporen habt Ihr Euch erworben?

Redcraving: Redcraving besteht aus Max, der shoutet und ab und zu an seinen Elektrowunderkästen und der Tastenmaschine werkelt, Manuel und Recep, die Gitarre spielen – wohlgemerkt, Recep ist nach dem Ausstieg von Basti, der noch Gitarre auf Lethargic, Way too Late gespielt hat, vom Bass auf die Gitarre gewechselt -, Can, der Drums spielt und Dustin, der jetzt seit kurzem den vakanten Platz des Bassisten übernommen hat. In den letzten zwei Jahren haben wir uns musikalisch im Grunde zu dem entwickelt, was wir jetzt sind, mit ein paar Ausflügen in Metalcore- und Grindcoregefilde haben wir dann endlich unseren Stil gefunden. Von daher ist es nicht unbedingt schlimm, wenn man uns bisher noch nicht kannt, da man jetzt gewissermaßen die Synthese der letzten Jahre geballt geliefert bekommt. Als Highlights 2009 kann man sicherlich die Tour im April mit An Early Cascade sowie das Signing bei Midsummer Records und Glasstone Records bezeichnen.

Musicscan: Wie lässt sich Euer Anspruch an das eigene Banddasein und an Eure Musik in Worte fassen?

Redcraving: Wir sind da recht puristisch. In erster Linie sind wir als Band das geworden, was wir sind, weil wir die Musik machen, die uns gefällt. So hat jeder von uns Anteil am kreativen Prozess und trägt seinen Teil zum Gesamtbild bei. Daraus entstehen logischerweise auch oft Reibungspunkte untereinander. Doch gerade jener “Kampf” um die Musik prägt unsere Eigenständigkeit. Dazu muss man wissen, dass wir alle unterschiedliche Musik hören und keinesfalls einheitliche Hörgewohnheiten aufweisen. Kurzum: Der Mix machts!

Musicscan: Wie verlief der bandinterne Verständigungsprozess, der in der Konsequenz zum Album geführt hat? Lethargic, Way Too Late klingt von seinen Einflüssen her älter, als es Band und Bandmitglieder sind…

Redcraving: Wir haben immer davon gesprochen, wie die Platte klingen soll und vor allem wie nicht. Wir wollten immer klare Linien und ein bißchen von dem und ein Tick von dem. Letztendlich haben wir die Musik einfach geschrieben und uns nicht mehr groß Gedanken über Konzepte und dergleichen gemacht. Es hat sich einfach richtig angefühlt. Wir freuen uns schon auf die kommenden Aufnahmen, wo wir dann noch mehr experimentieren wollen. Leider fehlte uns aufgrund verschiedener Schicksalschläge bei Lethargic, Way too Late einfach die Zeit dazu, wer weiß was dann noch alles draus geworden wäre…

Musicscan: Im Kontext von Redcraving kommen Elemente aus unterschiedlichen Heavy-Spielarten zusammen. Welche sind Euch besonders wichtig und welche Relevanz besitzen Faktoren wie Emotionalität, Eingängigkeit und Wiedererkennung für Eure Stücke?

Redcraving: Wir zielen mit unseren Songs nicht zwingend auf die typische Wiedererkennung oder Eingängigkeit. Dafür fehlen dann oft Parts, die sich in Popmanier wiederholen und dem alten Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Interlude-Refrain Schema folgen. Dennoch denke ich, dass wir grade durch unsere Art, Musik eben anders zu strukturieren, wiedererkennbar sind. Wichtig ist uns besonders der genannte Faktor der Emotionalität. Wir wollen keine plumpen Breakdown-Orgien feiern, sondern in unseren Songs stets eine spannungsvolle Entwicklung zu einem finalen Höhepunkt führen.

Musicscan: In den Songs von Lethargic, Way Too Late treffen Intuition und vertrackte Komplexität gleichberechtigt aufeinander? Wie stellt Ihr sicher, dass keine der beiden Richtungen die Oberhand gewinnt?

Redcraving: Wir empfinden unsere Musik immer gar nicht als so vertrackt. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Bands wie The Dillinger Escape Plan usw. die “Vertracktheit” auf die Spitze getrieben haben. Im Grunde ist eben jene Komplexität bei uns auch immer Teil der Intuition. Wir sind im kreativen Prozess unglaublich intuitiv. Da jammt einer zufällig ein Riff im Bandraum und es entwickelt sich eine ausgedehnte Session, aus der wir dann wieder neue Ideen schöpfen.

Musicscan: Woran macht Ihr im Songwriting fest, dass ein Stück gelungen und fertig zum Aufnehmen ist. Gerade in anspruchsvollen Crossover-Sounds ist das ja mitunter schwierig…

Redcraving: Bisher haben sich unsere Songs stetig weiterentwickelt. Da wir die Sachen jetzt aber auf CD gebannt haben, können wir das wohl nicht mehr machen. ? Wir haben für die CD eine ausgedehnte Preproduction durchlaufen und letztendlich im Studio noch sehr viel verändert und vor allem hinzugefügt. Wir tun uns sehr schwer damit, Songs als “fertig” zu sehen…

Musicscan: Besitzt der Titel der Platte Gültigkeit in Bezug auf Eure Band? Falls nein, welche Hintergedanken stehen hinter Lethargic, Way Too Late?

Redcraving: Wir haben komischerweise die Angewohnheit (gehabt), immer zu spät zu kommen und für alles immer zu lange zu brauchen. Allerdings nicht unbedingt durch eigenes Verschulden. Wenn man sich die CD einmal anschaut: Wir haben im November 2008 die Aufnahmen begonnen und mussten dann abbrechen, weil bei Max (Sänger) zuhause eingebrochen und seine Elektro- und Keyboardsachen geklaut wurden. Dann konnten wir die Aufnahmen erst Ende Januar beenden. Mastern hat lange gedauert, Design hat ewig gedauert usw….. Es machte sich eine gewisse Lethargie breit. Aber hoffen wir, dass die Platte nicht wirklich “zu spät” herausgekommen ist. Ich bin da sehr zuversichtlich!

Musicscan: Ist es für die Entwicklung einer Band hilfreich oder eher hinderlich aus einer Großstadt wie Berlin zu stammen? Das Überangebot von Musikern, Bands, Shows usw. macht es ja schwer, Beachtung und Relevanz zu finden. Oder seht Ihr das anders?

Redcraving: Dafür kann man hier doch recht gut Kontakte knüpfen. Allerdings hat sich das Überangebot und die Übersättigung an Bands erst im letzten Jahr wirklich dermaßen gesteigert, dass es kaum noch Bedarf bei den Hörern zu geben scheint. Shows werden weniger, es kommen weniger Leute zu Konzerten. Ich habe das Gefühl, dass die Szene hier sehr rückläufig ist und sich gerade in andere Bereich verstreut. Früher war es zwar schwerer in guten Clubs hier in Berlin zu spielen, aber dafür gab es auch weit weit mehr Leute, die man erreichen konnte. Demgegenüber kennen wir die Szene in Dessau als sehr vitales Beispiel.

Musicscan: Hier noch die Chance, Eigenwerbung zu betreiben: Wer sollte Euch warum eine Chance geben? Was habt Ihr zu bieten?

Redcraving: Wir machen ehrliche Musik, rennen keinen Trends hinterher und lieben es, Live zu spielen. Wir sind jedem unheimlich dankbar, der uns bei dem unterstützt, was wir am besten können!

 
 Links:
  myspace.com/redcraving
  midsummer-records.de
 
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