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Bionic Ghost Kids

Interview von: arne mit Chris Raven & CJ, am: 02.12.2009 ]

Nach Metrostation, Enter Shikari, I Set My Friends On Fire und – Obacht! – Scooter ist man Crossover-Sounds, wie sie von den Bionic Ghost Kids zu hören sind, längst gewohnt bzw. ist nicht von Beginn an abgeneigt. Das wäre auch fatal. Selbst die Vegan-Metaller Deadlock kokettierten auf ihren letzten beiden Platten mit Euro-Dance-Einlagen und dominantem Pop-Touch. Das Besondere an den BIONIC GHOST KIDS ist nun, dass sie es auf Plattenlänge tun und nicht nur partiell. Zwischen Dance, Elektro, Techno, Screamo, Post-Rock-Core (im weitesten Sinn) und Pop entwickeln sich ein gleichsam grelle wie positiv chaotische Sounds, die man so noch nicht gehört hat und die ordentlich Spaß bringen.

 

Musicscan: Was zeichnet ein Bionic Ghost Kid aus? Über welche Superkräfte verfügt Ihr? Lässt sich Eure Musik als "Waffe" verstehen, die jeden und alles bezwingen kann? (auch entkoppelt von der Band gesehen)

Bionic Ghost Kids: Chris Raven: Jeden und alles bezwingen zu wollen, wäre utopisch. Auch zu denken, dass wir mit dem was wir machen alle Kritiker überzeugen werden. Aber das wollen wir auch gar nicht. Ob jemand die Songs liebt, versteht oder nicht, wir sorgen mit unserer gezielten Sprengung von Genregrenzen ordentlich für Gesprächsstoff und insofern ist die Musik schon als „Waffe“ der Bionic Ghost Kids zu sehen. Sie ist aber auch gleichzeitig die Quelle aus der wir unsere Superkräfte für den Kampf gegen das Böse schöpfen, da man sich ja auch in den Songs und Texten auslebt. Die Facettenvielfalt des (alltäglichen) Lebens zeigt sich somit natürlich auch in der Geschichte hinter „Horrorshow“ und auf dem Album selbst. Von daher zeichnet einen Ghost Kid wohl ein gutes Stück Beharrlichkeit, eine Offenheit und Liebe zur Musik, sowie ein großes Stück Humor aus.

Bionic Ghost Kids: CJ: Mit unserer Musik verhält es sich so ähnlich wie mit einem B-Movie aus dem Zombiegenre. Das ist zwar hart und brutal, aber immer mit einer ironischen Seit und sich nicht zu ernst nehmend.

Musicscan: Warum muss man immer als Duo gegen das Böse der Welt antreten? Welche Vorteile hat das? Und gibt es eventuell auch Nachteile? (Natürlich auch im Kontext der Konstellation als Band mit zwei Mitgliedern beantworten.)

Bionic Ghost Kids: Chris Raven: Kein Mensch ist gern allein, wobei ich ja angeblich ein halber Mutant bin…aber das Thema hatten wir ja schon in unserem Hörspiel. Auf jeden Fall braucht man immer Mitstreiter im Kampf für Gerechtigkeit und einen Gegenüber, um sich selbst zu definieren und (gemeinsam) stärker zu sein. Die Dyade der Bionic Ghost Kids zeigt, dass dies bestens funktionieren kann. Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung, aber zu zweit einen Kompromiss zu finden ist oft viel leichter und vereinfacht das zielgerichtete Arbeiten. Wir haben beide schon in mehreren Bands gespielt und kennen diese Problematik nur zu gut. Auch logistisch ist bei uns alles mit viel weniger Aufwand verbunden, wir sind also eine sehr pflegeleichte und veranstalterfreundliche Band.

Musicscan: Pro und Contra bitte auch zum Auftreten mit Masken und Pseudonymen. Spätestens seit Slipknot ist bekannt, dass man es so weit bringen kann. Hat es für Euch benennbare Vorteile gehabt, dass um Eure Identitäten spekuliert wird und Ihr ein Stück weit im Verborgenen agiert?

Bionic Ghost Kids: Chris Raven: Contra ist ganz klar die schlechte Sicht und das Schwitzen unter dem Teil, wobei das eine mit dem anderen einhergeht. Pro ist, dass man sich hinter einer Maske und einem Pseudonym sowohl verstecken, als auch in gewisser Weise nach außen geschützt fühlen kann und dadurch ein Stück Freiheit gewinnt. Am Anfang der Band war wohl ersteres der Fall, haha. Jedenfalls sind sie fester Bestandteil der Ghost Kids Army. Dieses Konzept, sofern überhaupt ein tiefgründigeres dahintersteckt, haben Slipknot oder neuerdings Hollywood Undead genauso wenig erfunden wie wir. Mit Spekulationen um die eigene Identität und irgendwelchen Erfolgsabsichten hat das ebenfalls nichts zu tun, wir setzen die Dinger ja außerhalb der Geschichte und den Shows auch mal ab.

Bionic Ghost Kids: CJ: Ich nicht.

Musicscan: Das Konzept mit Hörspiel, Comic, Musik, Legende, usw. zeugt von viel kreativem Einfallsreichtum und einem reflektierten und gehobenen Bewusstsein in Bezug auf das eigene Schaffen. Wie ist das alles aber entstanden, und wie hat es sich entwickelt? Und wie wird es weiter gehen?

Bionic Ghost Kids: Chris Raven: Am Anfang war der Horrormovie…in der Tat! Spätestens nachdem wir „Dawn Of The Dead“ gesehen hatten, wollten wir so etwas unbedingt selbst auf musikalischer Ebene entwickeln – ein zu Musik gewordener Splatterfilm mit uns als Protagonisten. „Horrorshow“ liefert dem Hörer den Soundtrack zur Hintergrundgeschichte, erzählt diese jedoch auch gleichzeitig! Das Hörspiel sollte aus diesem Grund eigentlich auch mit auf der CD landen und die Songs besser in den Gesamtkontext einbetten bzw. diesen verständlicher machen, das wäre aber zu viel des Guten geworden. Der Comic ist nur ein kleiner Ausschnitt und wo das alles enden wird…frag mal CJ, der ist ja ständig am rumexperimentieren.

Bionic Ghost Kids: CJ: Das war eine längere, ganz natürliche Entwicklung. Als die grobe Geschichte um die „Horrorshow“ - songs stand und die ersten Demos aufgenommen waren, wurde und auch klar, dass es noch viele weitere Medien gibt auf denen wir die Story weiterspinnen können, außer alles nur auf die CD an sich zu limitieren.

Musicscan: Wie viel Selbstbewusstsein braucht man, um Sounds zu spielen, wie Ihr sie auf der Horrorshow im Programm führt?

Bionic Ghost Kids: Chris Raven: Wir sind viel zu Emo um Selbstbewusstsein zu haben! (lacht) Ich denke schon ne ganze Menge, denn die Sounds sind sehr gewagt und für den „Audio-Normalverbraucher“ sicherlich nicht besonders leicht verdaulich kombiniert…aber nur so und nicht anders soll es sein! Ob sich jemand darauf einlässt, muss er oder sie selbst entscheiden. Für uns hat jedenfalls vor allem der Spaßfaktor Priorität und der ist bei uns auch für den Zuhörer garantiert!!!

Musicscan: Habt Ihr Euch selbst irgendwelche musikalischen Grenzen gesetzt? Es ist gut vorstellbar, dass beim Experimentieren mit Sounds noch obskurere Ergebnissse heraus kommen. Woran macht Ihr fest, was "funktioniert" und für Platten oder die Shows in Frage kommt?

Bionic Ghost Kids: CJ: Die letzte Instanz, was wir auf einer Platte haben wollen oder was wir live spielen möchten, ist immer unser eigener Geschmack. Ob das dann „funktioniert“ oder nicht ist uns erstmal egal :) Und was ist schon „Funktionieren“? Hauptsache ist, es gefällt erst mal uns, dann gefällt es schon mal 2 Leuten. Die Frage, ob wir uns da Grenzen setzen, kann ich klar verneinen. Wir limitieren uns da erstmal überhaupt nicht.

Musicscan: Egal, wie sehr einzelne Songs der Platte auch abdrehen: Am Ende fallen die Stücke fast durchgängig tanzbar aus und eingängig sind die Hooklines alle. Zufall oder Plan? Wie geht Ihr grundsätzlich im Songwriting vor?

Bionic Ghost Kids: CJ: Du planst natürlich immer einen möglichst guten Song zu schreiben. Dass die Hookline dann eingängig wird oder der Song tanzbar ist, entscheidet aber immer noch der Hörer. Bei Songwriting für „Horrorshow“ gab es zumindest thematisch einige Vorgaben, die wir uns selbst gestellt haben. So sind dann z.B. Songs wie „Tarantulas Attack!“ entstanden. Grundsätzlich schreibe ich aber die Playbacks und mache ein Demo davon und Chris Raven lässt sich dann einen Text dazu einfallen und kommt aber natürlich auch noch mit Ideen zu der Musik und ich wiederum zum Text. So verschmilzt das alles bis der Song steht.

Musicscan: Für all diejenigen, die noch keine Show von Euch gewesen haben: Inwiefern unterscheidet sich der Live-Sound von dem, was auf Platte zu hören ist? Oder könnt Ihr alles so umsetzen?

Bionic Ghost Kids: CJ: Wir sind ja „2 boys & a hard disc“! Live ist also der Gesang und die Gitarre. Die Halbplaybacks sind allerdings teilweise andere Mixe als auf der Platte und wir spielen natürlich auch Songs, die nicht auf „Horrorshow“ sind. Einige neue werden auf den nächsten Konzerten zu hören sein.

Bionic Ghost Kids: Chris Raven: Außerdem sind Erweiterungen auf visueller Ebene geplant, die wir aber an dieser Stelle noch nicht verraten. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, bei den zukünftigen Shows vorbeizuschauen!

Musicscan: Welche Reaktionen beachtet Ihr auf Konzerten bei Leuten, die Euch zuvor nicht kannten? Gibt es so etwas wie einen "typischen" Verlauf hinsichtlich Mimik und artikuliertem Feedback auf das, was Ihr treibt?

Bionic Ghost Kids: CJ: Das ist mal wieder sehr gespalten. Viele Leute kennen uns ja mittlerweile und wissen zumindest ungefähr, was sie zu erwarten haben. Denjenigen kannst du dann meist auch ein Lächeln im Gesicht ablesen. Wenn wir irgendwo spielen, wo uns niemand kennt und die anderen Bands eine ganz andere Musik machen, kann es schon mal passieren, dass beim ersten Technopart manche den Kopf schütteln und den Raum verlassen. Bei einer Show neulich hatte ein Großteil des Publikums noch nie ansatzweise was von Screamo oder Hardcore gehört, da kann es dann zu größerem Unverständnis kommen.

Musicscan: Gibt es Unterschiede im Umgang mit Euch zwischen einzelnen Ländern oder kleinen und großen Städten?

Bionic Ghost Kids: CJ: Nein, eigentlich nicht. Die eben beschriebenen Reaktionen sehen wir überall. Ich könnte jetzt auch nicht behaupten, dass die Leute in größeren Städten da anders sind als in kleineren. Wir waren auch schon in Frankreich, Italien, Slowenien,... und da war es auch überall super.

Musicscan: Wie aufgeschlossen ist denn die deutsche Underground-Szene? "Darf" man Euro-Dance und Techno mit Screamo und Chaos verbinden?

Bionic Ghost Kids: CJ: „Dürfen“ tut man ja erstmal alles :) An dem Großteil der Reaktionen auf unsere Musik sieht man ja auch, dass die Welt nur darauf gewartet hat (lacht). Die Szene ist da an sich schon recht aufgeschlossen, ich glaube sie fragt sich aber auch selbst immer noch, wie sie mit uns umgehen soll. Auf Gegenwind stößt man aber natürlich auch. Aber wer uns nicht mag, braucht uns ja auch nicht zu hören.

Musicscan: Wie ist es denn um das Presse-Feedback auf Horrorshow bestellt. Ist die Welt schon bereit für die Bionic Ghost Kids? Was ist Euch besonders in Erinnerung geblieben - positiv oder negativ? Ist das Feedback nachvollziehbar und halbwegs objektiv, oder wird es direkt unfair und beleidigend?

Bionic Ghost Kids: CJ: Besonders in Erinnerung bleibt schon das Gute. Es gibt ja auch viel positives Feedback. Mich freut es einfach, wenn jemandem die Platte gefällt und er Spaß dabei hat, sie zu hören. Wir haben sehr viel Zeit, Mühe und Herzblut in das Album gesteckt. Die paar negativen Reviews fallen dann halt aber auch entsprechen hart und teilweise tatsächlich beleidigend aus. Wir machen etwas Neues, stellen uns damit der Öffentlichkeit und müssen auch mit so was rechnen. Das ist uns schon immer bewusst und letztendlich auch scheißegal. Soll ich jetzt Musik machen wie alle anderen nur damit 2 Musikjournalisten wieder ihren Frieden haben?

Bionic Ghost Kids: Chris Raven: Niemals!!!

 
 Links:
  myspace.com/bionicghostkids666
 
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