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Hellbastard

Storie von: arne, am 23.11.2009 ]

Mit ihrem „Ripper Crust“ Demo und der 1990er Earache-Scheibe „Natural Order” haben HELLBASTARD kratzige Klassiker im Sektor zwischen Metal, Punk und Crust abgeliefert, die von vielen Gruppen und Fans bis heute als Meilensteine im DIY-Underground angesehen werden. Das 1984 gegründete Quartett gilt als Initiator und wesentlicher Katalysator der britischen Crossover-Welle in den 80ern, die Gruppen wie Axegrinder, Amebix, Concrete Sox und Deviated Instinct hervorbrachte. Nach Jahren der Ruhe melden sich Scruff & Co. mit neuen Releases via Selfmadegod Records zurück.

 
In den Jahren von 1993 bis 2008 legten die Briten eine Pause ein, doch auf dem neuen Longplayer „The Need To Kill” und der ebenfalls neuen „Eco-War” MCD zeigen sie sich so kratzig und roh wie eh und je: „Es fühlt sich gut an, wieder mit HELLBASTARD unterwegs zu sein,“ bestätigt Bandkopf Scruff. „Natürlich bin ich die Jahre, in denen die Band auf Eis lag, mit anderen Gruppen und Projekten unterwegs gewesen, bin getourt und habe Platten veröffentlicht. Es ist aber nicht dasselbe gewesen. Als ich nach der Reuinon die Rohmixe der neuen Aufnahmen hörte, hat mich das umgehauen. Ich habe mich gefragt, warum wir nicht früher zurück gekommen sind. Heute weiß ich, dass HELLBASTARD ein Teil von mir ist, der gelebt werden muss. Natürlich gibt es Leute, die meinen, unser Sound sei heute zu gut und professionell, doch wir haben wiederum mit wenig Zeit und kleinem Budget gearbeitet. Dass die neuen Releases besser klingen, ist der besseren Studio-Technik geschuldet und meiner Meinung nach auch nicht verkehrt. Die 80er Jahre liegen Jahrzehnte zurück. Warum sollten wir qualitativ wie damals klingen? Kritik, die in diese Richtung geht, ist quatsch. Spätestens auf Tour ist ohnehin wieder alles gerade gerückt. Letztlich zählt die Attitüde, und die hat sich nicht verändert. Wir sind reduziert, angepisst und wütend. So, wie wir es von jeher gewesen sind.“ Auch Einstellung und „Status“ haben sich nicht verändert, wie der Shouter und Gitarrist ausführt:

„Wir haben mit nichts angefangen, hatten weder Geld noch Equipment. Ausgehend davon sind wir schlicht und einfach unseren Weg gegangen und das war es. Stolz bin ich darauf, dass wir uns nie von unseren Idealen verabschiedet haben und kein Teil der Industrie geworden sind. Um uns herum gab es viele Gruppen, die von ihrem Weg abgekommen sind und sich aus den falschen Gründen verändert haben. HELLBASTARD sind immer sie selbst geblieben. Damit ist eigentlich alles gesagt. Zeit unseres Bestehens haben wir das gemacht, was sich richtig anfühlte und was wir kannten. Hier und da ein Release und so viele Shows wie möglich, egal, ob die Kosten gedeckt waren oder nicht. Heute gibt es nur noch wenige Bands, die auf diese Art und Weise unterwegs sind. Wir kommen aus seiner Zeit, in der es kein Internet und gedeckte Teller gab. Den ersten „Plattenvertrag“ ergatterten wir, weil wir hart gearbeitet haben. Dann bekamen wir einen „besseren Vertrag“, weil wir noch härter gearbeitet haben. So ging es über die Jahre weiter.“ Die eigene Release-Historie bewertet Scruff rückblickend mit Augenmaß und Pragmatismus:

„Die frühen Sachen sind wie erste Drinks. Je mehr man kippt, desto besser wird es. Ich bin überzeugt davon, dass unser Debüt „Heading For Internal Darkness“ wesentlich


besser als sein Ruf ist. Dass eine Band mit allen weiteren Platten technisch und handwerklich besser wird, ist keine Überraschung, und auch bei uns war es so. Der Blick zurück spielt aber keine Rolle mehr, denn es war eine andere Zeit. Natürlich bin ich froh darüber, dass es Leute gibt, die sich an unsere frühen Sachen erinnern. Heute gilt es aber, weiter zu gehen. Was gewesen ist, zählt nicht mehr. Wir müssen uns neu beweisen, auch wenn wir Stücke wie ,Death Camp’ oder ,Pylons’ immer noch live spielen. In ihrer simplen, rohen Anlage sind sie halbwegs zeitlos und zurecht Klassiker. Zu viel von den Sachen möchte ich dennoch nicht spielen, denn mir fehlt es an Abwechslung. Die neu aufgenommenen Versionen gefallen mir da schon wesentlich besser.“

Der Longplayer „The Need To Kill” spiegelt den schneller und rougher orientierten Bandsound wider, während die „Eco-War” MCD vom Tempo her etwas gemäßigter ausfällt. Rauhe, kratzige Crust-Metal-Stücke transportieren aber beide Releases: „Anfangs haben wir älteres Material aufgegriffen und umgestellt. Die neu aufgenommenen Stücke sind das Bonus-Material. Wichtiger sind mir jedoch die wirklich neuen Tracks, die stilistisch breiter aufgestellt sind. Ich schätze viele, unterschiedliche Stile und möchte nicht ausschließlich auf einen bestimmten Sound festgelegt sein. Deshalb gibt es immer wieder Verschiebungen und Unterschiede zwischen den Releases. Die neuen Songs sind insgesamt reifer und technischer als die unseres Backkatalogs. HELLBASTARD erfahren dadurch eine Schärfe, die es früher nicht gegeben hat. In den 80er Jahren hätte nicht nie geglaubt, dass wir jemals so straight und brutal klingen würden. Wir profitieren davon, dass jeder von uns andere Richtungen präferiert und andere Ansprüche an die Songs hat. Im gemeinsamen Arbeiten im Proberaum kommen sie zusammen und bilden einen extremen Sound, bei dem man nie weiß, wie er klingen wird. Natürlich wissen wir, was wir mögen, doch es gibt keine Formel, nach der die Stücke von HELLBASTARD entstehen. Wenn etwas gut klingt, machen wir so lange weiter, bis es noch besser klingt. Das ist unsere Arbeitsmaxime.“

Die Briten agieren zumeist simpel und effektiv, doch auch sie schauen über den Tellerrand hinaus. So darf man sich über den Einsatz eine Hammond-Orgel oder ein Slayer-Cover nicht wundern. Punkiger Thrash steht dem Quartett ebenfalls richtig gut zu Gesicht. Den Legenden-Status der Gruppe begründen ihre Vehemenz und ihre ausgelebte Fuck Off-Attitüde. Scruff & Co. gehen dahin, wo es weh tut, und sie kennen keine Kompromisse. Textlich sind sowohl „The Need To Kill” als auch „Eco-War” politisch motiviert und eine deutliche Kampfansage an die Industriegesellschaft. So kennt man HELLBASTARD.

 
 Links:
  myspace.com/rippercrust
 
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