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Interviews/Stories gesamt: 1648

Cable

Storie von: arne, am 20.11.2009 ]

Der Split währte glücklicherweise nicht lange. Nur zwei Jahre nach dem selbst verkündeten Ende reformierten sich CABLE bereits 2008, und nun gibt es Hörbares. „The Failed Convict“ ist ein fieser, schwer verdaulicher Bastard von einem Sludge-Rock-Noise-Core-Heavy-Metal-Album.

 
„Wir sind mit dem, was wir als Band erreicht haben, und unserem Platz im Lexikon der Musikgeschichte völlig zufrieden,“ äußert sich Gitarrist Bernie Romanowski. „Mit unserem Außenseiter-Dasein haben wir uns angefreundet. Wir streben auch nicht danach, diese Situation zu verändern. Nach all den Jahren wäre das ein vergebener Krafteinsatz, der zu nichts führt. Für uns stehen von jeher das Kreative und die Selbstverwirklichung im Vordergrund. Plattenverkäufe und vergänglicher Ruhm sind nebensächlich und interessieren uns nicht. Das mag unverständlich klingen, doch es ist so. Band und Musik sind unser liebstes Hobby, in das wir viel Zeit und Leidenschaft investieren. Wir alle haben normale Jobs, die unsere Rechnungen zahlen. Mit der Band müssen wir nichts verdienen, was uns alle Freiheiten lässt. Das Nischendasein von CABLE ist da nur konsequent und passt. Alle Bands, die ich schätze, bewegen sich auf einem vergleichbaren Level und haben den so genannten großen Durchbruch nie geschafft; Gruppen wie Craw, Rorschach, Glazed Baby und Swans. Sie haben einige der besten Platten überhaupt veröffentlicht, sind jedoch weitgehend unbeachtet geblieben. Diejenigen, die von ihnen Notiz genommen haben, sind jedoch bis heute beeindruckt. Meine Gesprächspartner in Interviews und die Reviews zur neuen Platte zeugen davon, dass wir eine vergleichbare Stellung im Heavy-Underground errungen haben. Darauf bin ich stolz, und es bedeutet mir viel.“

Das Quintett aus Hartford, Connecticut bleibt seiner unbequemen, vielschichtigen Anlage treu und präsentiert sich auf „The Failed Convict“ rhythmisch verspielt, dreckig und manchmal sogar schroff-eingängig. Der Sound der Band hat sich mit den Jahren nicht verändert, wohl aber das Umfeld in dem sie sich bewegt: „Die frühen Jahre sind unvorstellbar chaotisch und zufällig verlaufen,“ stellt der Gitarrist rückblickend fest. „Das ist wohl bei jeder Band so, die zunächst zu einem festen Line-Up und einem eigenständigen Sound finden muss. Die DIY-Ethik prägt uns bis heute maßgeblich. Die ersten Shows und Platten haben wir selbst gebucht bzw. veröffentlicht. Als wir das erste Mal für einen Monat auf Tour wollten, haben wir die Gigs per Brief und Telefon fest gemacht und sind im blinden Vertrauen zu den Orten gefahren. Unser Wahlspruch lautete „Book Your Own Fucking Life.” Vic, unser Schlagzeuger, hat hunderte von Dollar und viele Stunden am Telefon seiner Eltern verloren, um eine einzige Show in Missouri zu


bekommen. Natürlich war es naiv, hunderte von Kilometern zu fahren, um eine Basement-Show in einem Coffee-Shop zu spielen, aber vor zwölf Jahren hat man so etwas gemacht. Es gab weder Internet noch File-Sharing. Als Band ist man bekannt geworden, indem man zu den Leuten gefahren ist. Spätestens seit wir zurück sind, handhaben wir alles ergebnisorientierter. Die Probezeiten sind gesetzt und werden effektiv genutzt. Shows buchen wir Wochen und Monate im Voraus, wobei wir versuchen, vor allem lange Wochenenden zu spielen. Als wir kürzlich „The Failed Convict“ mit Joel Hamilton (u. a. Unsane und Made Out Of Babies) aufnahmen, haben wir hinsichtlich der Studio-Arbeit ein neues Verständnis erlangt, das uns zukünftig zugute kommen wird. Wir haben viel Zeit auf einen konsistenten Sound verwandt, den wir live ebenbürtig reproduzieren können. Noch immer diskutieren wir bei den Proben darüber, wie wir unseren Sound mit möglichst einfachen Mitteln weiterentwickeln können.“

CABLE führen Genre übergreifende Heavy-Tracks im Programm, die Kraft ziehen und stets brutal ausfallen. Es ist egal, ob sich die Band nun zäh schleppend oder wuchtig eruptiv bewegt. Brutal wirkt ihr Schaffen immer, und ist es schon immer gewesen: „Als wir wieder gemeinsam im Proberaum standen, war es, als hätte es keine Pause gegeben,“ stellt Romanowski fest. „Energie und Leidenschaft waren sofort wieder da. Wann immer wir kleinere Auszeiten einbauen, stellen wir fest, dass wir anschließend fokussierter weitermachen. Unser Blick auf die Musik hat sich jedoch grundsätzlich verändert. Die Dominanz des Internet ist etwas völlig Neues, und gegenüber der neuen Generation von myspace-Bands haben wir Vorbehalte. Es ist nicht so, dass ich der Vergangenheit nachhänge, doch es ist nur schwer zu ertragen, dass neuen Bands, die kaum etwas vorzuweisen haben, mehr Glaubwürdigkeit und Beachtung entgegen gebracht wird als uns, die sieben Alben veröffentlicht und hunderte von Shows gespielt haben. Natürlich könnte ich ein Projekt starten, dass sich der Möglichkeiten von Internet, myspace, youtube, etc. bedient, und den Aspekt ignorieren, dass es eigentlich darum geht, live zu spielen und gute Songs zu schreiben, doch das kann und will ich nicht. Ohne die reale Welt geht es am Ende glücklicherweise nicht. Wer zu sehr darauf aus ist, in virtuellen Welten präsent zu sein und sich dort zu promoten, kann mittel- und langfristig auch heute nicht bestehen. Davon bin ich überzeugt.“

 
 Links:
  myspace.com/cablerock
 
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Interviews/Stories:

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Shows:

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  11.12. Mia Aegerter - Koln
  12.12. Jo Stockholzer - Wuppertal
  12.12. Doro - Regensburg
  13.12. Peter And The Test Tube Babies - Bremen