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Sonic Syndicate

Storie von: arne, am 14.11.2009 ]

Nach der Veröffentlichung von „Love And Other Disasters” im letzten Jahr haben SONIC SYNDICATE u. a. mit Nightwish, In Flames und den Deathstars getourt. Die sechs Schweden schrieben ihre Erfolgsgeschichte nahtlos fort, bis im Frühjahr Sänger Roland Johansson seinen Ausstieg bekannt gab. Daraufhin begann die öffentlichkeitswirksame Suche nach einem Nachfolger. Die Wahl fiel auf den 23-jährigen Briten Nathan J Biggs, der auf der „Burn This City“-Single seinen offiziellen Einstand gibt.

 
„Die Vorstellung von mir als neuem Sänger sollte zeitnah mit neuem Material flankiert werden,“ klärt Nathan über den Hintergrund der Single auf. „Da es nicht möglich ist, in so kurzer Zeit ein qualitativ hochwertiges Album zu schreiben, haben wir uns voll und ganz auf zwei Stücke konzentriert, die beide auf der Single zu finden sind. Sie zeigen, welches Potenzial für den nächsten Longplayer in uns steckt. ,Burn This City’ ist ein eingängiger Rock-Song, während ,Rebellion In Nightmareland’ tolle Heavy-Parts aufweist. Als ich in Götheborg aufschlug, war es fast unwirtlich. Es schien, als würden wir uns alle bereits ewig kennen. Wir haben einige Tage gemeinsam Party gefeiert und uns fest aufeinander eingeschworen. Mit dem Material der Longplayer war ich bestens vertraut, so dass wir direkt mit der Arbeit an neuen Stücken weitermachen konnten. SONIC SYNDICATE sind an der Spitze der Rebellion, und genau dort gehören wir auch hin. Das beweisen die beiden neuen Stücke.“ Der Blick des Briten ist allein in die Zukunft gerichtet, und er zweifelt nicht daran, die Position hinter dem Mikro würdig auszufüllen: „Was Roland in den letzten Jahren geleistet hat, verdient eine Menge Respekt. Er ist sowohl eine tolle Persönlichkeit als auch ein hervorragender Sänger. Innerhalb der Band gab es jedoch schon etwas länger kleinere Reibereien, so dass sich sein Ausstieg abzeichnete. Für den Moment kann ich festsstellen, dass SONIC SYNDICATE eine eingeschworene Gemeinschaft sind, die zusammen Spaß hat und gerade dabei ist, tolle neue Songs zu schreiben und sich auf die nächsten Touren und die Studio-Arbeit vorzubereiten. Mit der Veröffentlichung der Single wollen wir den Fans beweisen, dass wir stärker denn je sind und noch einiges vorhaben. Macht euch auf das nächste Jahr gefasst, da geht es dann so richtig los!“

Standortbestimmung

Es ist offenkundig, dass die Schweden beide Lieder auf ihre Refrains hin geschrieben haben, die eingängig und cheesy ausfallen. Kalkulierte Chart-Absichten sind den sechs Musikern zwingend zu unterstellen, wobei es nicht stört, dass die Tracks so rund und effektiv ausfallen: „,Burn This City’ spiegelt wider, an welchem Punkt wir uns als Band gerade befinden. Das Stück ist positiv, eingängig und überaus lebendig. Dem gegenüber steht mit ,Rebellion in Nightmareland’ ein geradliniger, schwerer Track, der zum Härtesten gehört, was SONIC SYNDICATE bislang geschrieben haben. In diesem Spannungsfeld wird sich auch die nächste Platte bewegen, ohne, dass ich damit schon zu viel verrate. Fest steht, dass sich niemand langweilen wird und wir für etliche Überraschungen gut sein werden. Die Richtung weist mehr denn je in die Exterme; sowohl was die kommerzielle als auch was die metallische Ausrichtung anbelangt. Wir sind eine aufrichtige Band, die sich nicht verstellt, sondern das, was sie tut, vollkommen ernst meint. Wir sind von Natur aus aufgedreht und positiv eingestellt. Andernfalls würden wir dunkle, melancholische Songs schreiben. Da es das Leben jedoch gut mit uns meint, stehen Eingängigkeit und Party-Tauglichkeit im Mittelpunkt. Und doch sind wir eine Metal-Band.“ Das klingt, als ginge es ohne gravierende Kurskorrekturen weiter. Die zahllosen Fans der Schweden dürften beruhigt sein: „Auch wenn ich noch nicht so lange dabei bin: Ich kenne keine Band, die so abgeht, wie es SONIC SYNDICATE tun,“ fasst Nathan seine ersten Eindrücke zusammen. „Wir achten darauf, dass wir nichts für selbstverständlich nehmen, den Spaß nicht verlieren und beständig daran arbeiten, uns individuell zu verbessern und gemeinsam noch besser zu werden. Wir haben unseren Fans und der Metal-Szene noch eine Menge zu sagen und werden sie und uns selbst weiter überraschen. Es passiert schließlich immer etwas Unvorhersehbares, was Veränderungen nach sich zieht und den davor bestehenden Status verschiebt. Die Notwendigkeit der Anpassung sorgt automatisch dafür, dass man in Bewegung bleibt. Nimm meinen Einstieg, der noch vor einem Jahr nicht abzusehen war. Doch nun bin ich Teil von SONIC SYNDICATE und arbeite mit den anderen daran, die Band weiter zu bringen und den Sound weiter zu entwickeln. Jeder von uns gibt sein Letztes, um noch lange weitermachen zu können. Jede neue Tour, jeder neue Song und jedes neue Album ist aufregend und ein Abenteuer.“

Das Feeling stimmt

Mit Dead By April haben sich SONIC SYNDICATE inzwischen gegenüber junger „Konkurrenz“ aus dem eigenen Land zu erwehren, die nicht minder dreist Metal, Rock und Pop zusammen bringt. Die „Burn This City“-Single stellt heraus, dass die Nuclear Blast-Kombos vorerst noch die prägnanteren und besseren Stücke im Programm führt: „Es war keine bewusste Entscheidung oder gar Kalkül, den Sound der Band in dieser Richtung zu positionieren,“ erläutert Neuzugang Nathan. „Es passierte von selbst, ohne dass es die anderen verhindern konnten. Gerade daraus resultiert


meiner Meinung nach die Stärke von SONIC SYNDICATE. Wir folgen dem, was sich richtig anfühlt und sich von ganz alleine einstellt. Die Idee, tolle Metal-Gitarren mit einer Mixtur aus harschen und melodischen Vocals zu kombinieren, haben ja viele Gruppen. Solche Musik würde ich auch hören wollen, wenn ich kein Teil dieser Gruppe wäre. Man muss sich dem verschreiben, was man liebt. Anders geht es nicht. Gegen ein Spektrum, das von Heavy-Stuff bis hin zu poppigen Sachen reicht, ist aus meiner Sicht nichts einzuwenden, solange man als Band authentisch bleibt. Im Proberaum singen wir bei den Refrains immer alle mit. Das beweist, dass wir mit Herzblut bei der Sache sind und das, was wir selbst geschrieben haben, richtig gut finden. Arbeiten wir an neuen Tracks muss es auch so sein. Für jedes Stück ist es die erste Bewährungsprobe. Wenn wir ein Lied mögen und abfeiern, erhöht es die Chance, dass es auch unseren Fans zusagen wird.“ Der britische Shouter fügt sich stimmig und souverän ins Line-Up. Wüsste man vom Wechsel am Mikro nichts, würde man ihn nicht einmal vermuten. Nathan schätzt das Arbeiten mit den neuen Kollegen schon jetzt und ist noch immer begeistert, wenn ein neuer Song fertig ist: „Das zugrunde liegende Gefühl hat sich bis heute nicht verändert. Zunächst einmal geht es darum, sich selbst zufrieden zu stellen. Erst, wenn man selbst vom eigenen Schaffen überzeugt ist, kann man sich daran machen, es anderen vorzuspielen. Im Kontext von SONIC SYNDICATE bieten sich tolle Möglichkeiten. Die einzelnen Mitglieder sind unglaublich erfahren, und auch die Produzenten, mit denen wir arbeiten, haben klasse Ideen, die den Sound weiter bringen. Dennoch bin ich immer wieder verwundert, wie schnell das, was ich mir in meinem Kopf vorstelle, zum Leben erweckt wird. Das zeigt mir, wie sehr ich als Musiker gewachsen bin. Früher waren selbst die Ideen rauher und noch nicht ganz ausgegoren. Heute habe ich sehr schnell genaue Vorstellungen davon, wie etwas klingen soll, und wie es mithilfe von Keyboards, Effekten oder Samples noch besser werden kann.“

Zurück in die Garage

Versteht man ,Burn This City’ und ,Rebellion In Nightmareland’ tatsächlich als Messlatte für den neuen Longplayer, kann einem nur Angst und Bange werden. Beide Stücke sind gleichermaßen tight wie klasse. Es sind typische SONIC SYNDICATE-Tracks, die das Sextett dennoch neu erfinden: „Superlative wie perfekt bemühe ich nur sehr selten,“ wiegelt Nathan ab. „Mit dem, was ich bislang geschrieben und aufgenommen habe, bin ich jedoch sehr zufrieden, doch ich bin auch mein größter Kritiker. Schließlich kommt es immer auf den jeweiligen Tag und die Umstände an, wie man etwas macht und was man gerade präferiert. Das Zusammenspiel von Instrumenten und Gesang kann schon aufgrund kleiner Unterschiede völlig anders klingen. Mit SONIC SYNDICATE streben wir danach, jedes Stück und jedes Release möglichst unglaublich und einzigartig werden zu lassen. Da wir niemals still stehen und auch unsere eigenen Ansprüche wachsen, sind wir niemals so zufrieden, als dass wir dazu perfekt sagen würden. Das Streben nach Perfektion und eigener Zufriedenheit ist etwas, dass eine gute Ausgangsbasis dafür setzt, immer besser zu werden.“ Am Album-Format werden die Musiker auch zukünftig festhalten. „Burn This City“ wird wohl aber nicht die letzte Single der Band bleiben: „Im Pop ist es schon lange so, und auch in den härteren Spielarten der Musik scheinen wenigstens bei den bekannten Gruppen Singles immer wichtiger zu werden,“ weiß Nathan. „Noch ist es nicht so weit, dass Bands ihre Karriere ausschließlich auf die Vermarktung einzelner, zeitlich getimter Stücke stützen, doch es scheint möglich zu sein. Ob man das nun gut oder schlecht findet, ist eine andere Frage. Ich persönlich schätze die Vorzüge eines richtigen Albums, einem Auf und Ab, das den Hörer emotional und stilistisch an verschiedenen Orten vorbei führt.“ Nathan outet sich als Traditionalist: „Schau dich nur um. Alles wiederholt sich und kommt wieder. Egal, ob es um Vorlieben bei der Kleidung, im Design oder in der Musik geht. Bis hin zur technologischen Überlegenheit ist es nicht mehr weit. Spätestens dann werden sich einige der großen und wichtigen Bands an ihre Ursprünge erinnern und ihre Platten wieder in Garagen auf 8-Spur-Bändern aufnehmen. Es gibt ja bereits jetzt erste Gruppen, die im Studio wieder live einspielen und sich gegen das Triggern aussprechen. Die technologischen Möglichkeiten sind toll, doch wenn man sie einsetzt, sind die Ergebnisse nicht zwangsläufig gut. Es ist perfide, wenn man bedenkt, dass man nicht einmal mehr eine Gitarre in die Hand nehmen muss, um Gitarren-Spuren „einzuspielen.“ Das bedeutet, dass eigentlich jeder Musiker sein und Platten aufnehmen kann. Den Spaß, gemeinsam mit Freunden abzuhängen, zu proben, Songs zu schreiben und auf Tour zu sein, ersetzt es jedoch nicht.“

 
 Links:
  myspace.com/sonicsyndicate
 
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