Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1769

Marionette

Storie von: arne, am 27.10.2009 ]

Die schwedischen MARIONETTE sind nach der Veröffentlichung ihres Debüts im letzten Jahr mit den Apokalyptischen Reitern, Deathstars und Sonic Syndicate getourt. Das intensive Live-Programm hat Spuren im Sound der Göteborger hinterlassen, die die gewonnenen Eindrücke auf ihrem Zweitwerk „Enemies“ sogleich berücksichtigen und ihren Sound noch effektiver anlegen.

 
„Für uns ging es mit „Spite” richtig gut los, denn wir konnten viele Leute auf uns aufmerksam machen,“ bestätigt Shouter Alex. „Das Album ist für Hörer unterschiedlicher Stil-Richtungen geeignet gewesen, was uns auf Tour enorm geholfen hat und einer der Gründe für den Zuspruch ist, den wir erfahren haben. Eine wirkliche Überraschung war das für uns jedoch nicht, eher die Bstätigung unserer Auffassung, auf einem guten Weg zu sein. Es gibt bei MARIONETTE so viele verschiedene Stil-Elemente, die wir selbstbewusst miteinander kombinieren. Die Intensität des Death Metal trifft auf die Dramatik des Gothic, eine Punk-Attitüde und poppige Eingängigkeit. Das bietet automatisch Identifikationspunkte für Leute mit unterschiedlichen Ansprüchen. Dennoch ist es nie unser Ziel gewesen, massenkompatibel aufzuspielen. Es ist lediglich die Folge unseres diversen Backgrounds und unserer breit gestreuten Einflüsse. Musikalisch zwischen den Stühlen zu sitzen, hat allerdings nicht nur Vorteile. Es kann sich negativ auswirken, wenn man den eigenen Sound weiter entwickelt und bestimmte Stilelemente irgendwann nicht mehr bedient. Darüber hinaus läuft man unter Umständen Gefahr, nicht klar genug positioniert zu sein und zu konturlos aufzuspielen. Dem kann man nur vorbeugen, indem man in alle Richtungen gleichzeitig geht, was kein leichtes Unterfangen ist. Schließlich gilt es, metallischer, leidenschaftlicher, dynamischer und verträglicher auf einmal zu sein. Das ist eine große Herausforderung und genau das, was wir mit „Enemies“ bewältigt haben.“

MARIONETTE haben ihr Zweitwerk weniger komplex, dafür jedoch kompakter und songdienlicher angelegt. Die Kontraste zwischen den offensiv-schroffen Speed-Vorstößen und dem gemäßigten MidTempo sind geschickter ausgearbeitet und zeugen von gereiften Fähigkeiten im Songwriting. Die poppige Kante des Sounds wird zwanglos integriert und niemals überstrapaziert. Und doch bergen mehrere Stücke bestes Hymnenpotenzial und basieren auf tollen Melodien, die sich im Ohr festsetzen: „Mit aktuellen Trends im Metal beschäftige ich mich nicht,“ so Alex, der mit seiner Aussage negiert, dass das Treiben von Kollegen wie Sonic Syndicate oder Dead By April Eindruck auf die Musiker ausübt.

„Privat interessiere ich mich vor allem für Black Metal, Ambient und elektronische Musik. Generell scheint es mir aber so zu sein, dass Musiker und Fans aktuell nach dem nächsten großen Ding suchen und noch immer nicht klar ist, in welche Richtung es gehen wird. Deshalb sind vorerst die Gruppen im Vorteil, die unterschiedliche Stilelemente zusammen führen und einen stimmigen Mix


aus Brutalität und Verträglichkeit setzen. Darauf führe ich auch unseren Erfolg zurück, wobei ich keinen Grund dafür erkenne, dass es irgendwann nicht mehr so sein sollte. Was sich jedoch nicht vorhersehen lässt, ist das Umfeld, in dem man sich behaupten muss und das darüber entscheidet, was gelungen und erfolgreich ist. Geschmack ist nicht planbar, und genau deshalb konzentrieren wir uns ausschließlich auf unsere eigenen Vorlieben, wenn wir Songs schreiben. Ein entscheidender Vorteil von MARIONETTE ist es, dass wir mit Schubladen nicht zu fassen sind. Das führt dazu, dass über uns gesprochen wird, und genau so soll es sein.“

Die Listenable-Kombo ist moderner skandinavischer Metal im besten Sinn. Die Basis im Melodic Death wird um thrashige Zitate, eine Core-Schlagseite und Düster-Ästhetik mit Keyboards und Visual Kei-Optik ausgebaut, die überall auf offene Ohren trifft: „Interessanterweise sind wir bislang auf allen Shows und vor jedem Publikum gut weggekommen,“ so der Shouter. „Anfangs werden uns bisweilen Mistrauen und Unglaube entgegen gebracht, doch wenn wir loslegen und die Leute sehen, wie viel Spaß wir auf der Bühne haben, springt der Funke schnell über. Die größten Herausforderungen sind es, für einschlägig etablierte Größen zu eröffnen, deren Publikum nur für sie gekommen ist und keine Vorband sehen will. Doch auch diese Situationen konnten wir stets zu unseren Gunsten drehen. Hier sind mir vor allem die Auftritte mit den MetalCorelern August Burns Red und den J-Rockern Girugämesh in Erinnerung geblieben. Die Fans beider Gruppen waren anfangs nur uninteressiert und skeptisch, doch am Ende haben sie uns abgefeiert. Die Erfahrungen auf den Touren mit den Deathstars, Sonic Syndicate und den Apokalyptischen Reitern, nach denen du fragst, waren allein positiv.“

Das Sextett hat mit seinem Zweitwerk innerhalb kürzester Zeit zu einem stimmigen Gesamtpaket gefunden, das Beachtung bei allen Freunden moderner Heavy-Sounds rechtfertigt. Fans zwischen In Flames, Raunchy, Dark Tranquillity, Nightrage und Sonic Syndicate sollten MARIONETTE eine Chance geben: „Früher gab es voneinander separierte Szenen, doch längst sind neue Hörergenerationen nachgewachsen, die keinen Unterschied mehr zwischen Hardcore- und Metal-Bands machen, weil sie mit beiden und vielen Mix-Formen groß geworden sind. Sie legen neue Maßstäbe an und bewerten allein die Qualität der Musik. Die verwandten Stile sind ihnen egal, und auch wir selbst zählen in diese Gruppe. „Enemies“ ist der Beweis dafür, dass wir scheuklappenfrei und modern eingestellt sind und uns nicht um Konventionen scheren.“

 
 Links:
  myspace.com/marionettesweden
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Aleister
  Beneath The Massacre
  Regarde Les Hommes Tomber
  Sylosis
  Eizbrand

Interviews/Stories:

  Spoil Engine
  Une Misere
  Eskimo Callboy

Shows:

  20.02. Engst - Wiesbaden
  20.02. Erik Cohen - Dortmund
  20.02. Beartooth - Munchen
  21.02. Beartooth - Oberhausen
  21.02. Engst - Weinheim