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Shadows Fall

Storie von: arne, am 09.10.2009 ]

Das neue Album von SHADOWS FALL erscheint über das bandeigene Label Everblack Industries und in Europa als Lizenz via Spinefarm. „Retribution“ steht für einen stimmigen Kompromiss zwischen Tradition und Moderne und balanciert die harte und die verträgliche Seite der Bostoner Metal-Heroen optimal aus.

 
Die aktuelle Tour mit den Label-Kollegen Five Finger Death Punch bewirbt die Band offensiv im Internet. Shouter Brian Fair postet auf Twitter täglich neue Losungen und Codes, bei deren Nennung Fans und Interessierte auf den Shows kleine Überraschungen am Merch-Tisch erhalten. Die Resonanz ist atemberaubend, wie der Frontmann erzählt: „Es ist verrückt. Sobald die Türen öffnen, sind wir förmlich belagert und alle wollen etwas haben. Mit diesem Ansturm habe ich nicht gerechnet, doch es ist schön. Lieber so, als wenn niemand kommen würde. Den ganzen Internet-Kram mache ich selbst, und die Möglichkeit, auf diesem Weg noch engeren Kontakt mit den Fans zu halten, schätze ich sehr. Nichts ist wichtiger, als sich mit seinen Fans auszutauschen und sie von Angesicht zu Angesicht zu treffen. Metal hat sich in der Vergangenheit häufig dadurch ausgezeichnet, dass es keine Verbindung zwischen Musikern und Fans gegeben hat. Das hat uns noch nie gefallen, denn wir bewegen uns auf einem Level mit den Leuten, die unsere Musik hören. Das wollen wir zeigen, und wir leben es. Ohne die Fans könnten wir all das schließlich nicht machen. Wir sind dankbar für unsere privilegierte Position und geben zurück, was uns möglich ist. Rockstar-Bullshit ist uns fremd. Wir sind heute noch genauso bodenständig und ansprechbar, wie zu Beginn unserer Karriere. Jeder, der ein Bier mit uns trinken will, bekommt auch die Gelegenheit dazu. Das ist ein Versprechen. Neben dem persönlichen Kontakt auf Shows, sind Facebook, Twitter, etc. die Kanäle, über die wir mit unseren Fans in Verbindung bleiben und sie an unserem Treiben teil haben lassen.“

Man sollte sich übrigens nicht dem Irrglauben hingeben, dass nur ein bestimmtes Klientel über die neuen Kommunikationswege anzusprechen ist: „Das ist bunt durchmischt und geht von jungen Kids bis hin zu ganz alten Semestern,“ so Fair. „Es erfüllt uns mit stolz, dass wir Hörer jeden Alters haben. Das liegt mit Sicherheit daran, dass wir entlang unserem Weges mit so vielen unterschiedlichen Gruppen getourt sind und auch unpassend scheinende Angebote angenommen haben. In der langfristigen Perspektive zahlt sich das aus, denn so haben viele Leute von uns Notiz genommen, die uns heute die Treue halten und wiederkommen. Über das Internet erreichen wir einen guten Querschnitt unseres Publikums, denn online sind heute viele. Es wäre ein Trugschluss, zu glauben, dass ausschließlich die Jugendlichen die Nutzer sind. Die Ersten, die zum Tourauftakt an unseren Tisch kamen, waren ein Vater mit seinem erwachsenen Sohn, die beide völlig vernarrt in uns sind. Das war cool, sie zu treffen, und der Beweis dafür, dass wir auch die nächste Generation der Metalheads für uns gewonnen haben.“

Kampferprobt

So verlockend und erfolgreich die Nutzung der neuen Medien auch ist; die Metal-Landschaft ist ganz schön durcheinander gekommen: „Das Internet hat alles verändert,“ bestätigt es der Shouter aus Boston. „Ich bin in einer überschaubaren Hardcore-Szene aufgewachsen, in der die Namen neuer Bands noch von Mund zu Mund weitergeben wurden und man Tapes und 7Inches getauscht hat. Heute hat man auf myspace oder Facebook sofort auch Songs von neuen Gruppen und kann sich ein Bild von ihnen machen. Wer will, kann sie direkt kontaktieren, und wenn sie cool sind, antworten sie auch. Natürlich gibt es auch negative Aspekte, wenn man sieht, wie die Alben illegal zum kostenfreien Download stehen und manchmal schon im Netz kursieren, bevor sie offiziell veröffentlicht sind. Dennoch überwiegt meiner Auffassung nach das Positive, denn man hat viele Möglichkeiten, die eigene Band zu pushen und auf sich aufmerksam zu machen.“ Mit den Erfahrungen aus der Hardcore-Szene kann Brian die multimediale Situation jedoch nur ansatzweise vergleichen: „Da gibt es schon Parallelen, doch heute geht es für viele Bands direkt ums Geld, was ein entscheidender Unterschied ist. Als wir mit SHADOWS FALL unsere erste 7Inch aufgenommen haben, war das Ziel, überhaupt etwas zu veröffentlichen, und etwas für uns und unsere Freunde zu haben. Erst danach haben wir geschaut und gehofft, dass sich auch Andere dafür interessiren. Die Auflage war klein, und es gab keinen Plan. Die Pressung haben wir sogar noch selbst bezahlt. Der Stolz, etwas selbst auf die Beine gestellt zu haben, war Lohn genug. Die ersten Touren haben wir ebenfalls selbst gebucht und um jede einzelne Show gekämpft. Ohne Anstrengung ging es nicht. Deshalb sind es die kleinen Erfolge gewesen, die uns vorangebracht haben. Weil es so lange gedauert hat,


eine komfortable Position zu erreichen, wissen wir sie umso mehr zu schätzen. Diese Erfahrung fehlt heute vielen Bands, denn sie gehen direkt aus dem Proberaum auf große Touren. Sobald Probleme auftreten, können sie diese nicht bewältigen, weil sie niemals kämpfen mussten.“

SHADOWS FALL gehen mit gutem Beispiel voran und laden heute wieder mehr Verantwortung auf die eigenen Schultern. Das bandeigene Label Everblack Industries haben sie bewusst und nach reiflicher Überlegung gegründet: „Wir haben jede Stufe der Musik-Industrie kennen gelernt. Das Debüt haben wir einst in Eigenregie heraus gebracht. In der Zusammenarbeit mit Century Media lernten wir die Arbeitsweise eines Independent-Labels kennen, bevor wir zu Atlantic gingen und auf einem Major veröffentlichten. Das alles führen wir nun zusammen. Wir haben die Stärke eines Majors, was den Vertrieb anbelangt, während die Promotion in unseren Händen bzw. unterstützend bei Ferret in den Staaten und Spinefarm in Europa liegt. Als Band oder Szene-Label weißt du schließlich am Besten, wer die Fans sind und wo sie zu treffen sind. Majors sind vor allem im Verkaufsgeschäft stark und können die Alben in die Läden bringen. Davon, wie eine Metal-Band zu promoten ist, verstehen sie jedoch weitaus weniger. Es ist uns wichtig, dass wir die letzte Entscheidung über alle Belange rund um die Band treffen, schließlich geht es um unsere Karriere und unser Auskommen. Natürlich bedeutet das Stress und Mehrarbeit, doch die tragen wir gerne.“

Wider die Krise

Die Labelgründung kann aber auch als Reaktion auf zurückgehende Verkaufszahlen interpretiert werden. Während SHADOWS FALL von „The War Within” noch 300.000 Exemplare absetzen konnte, waren es bei „Threads Of Life” „nur noch“ 100.000 Einheiten. Brian zeigt sich jedoch nicht sonderlich beunruhigt: „Dafür gibt es verschiedene Gründe. Es ist ein Fakt, dass die Musik-Industrie insgesamt Einbußen zu verzeichnen hat, und dass davon fast alle Künstler betroffen sind. Das Überangebot trägt auch seinen Teil zum Rückgang bei, denn die Leute können sich zwischen unzähligen Releases entscheiden. Man darf zudem nicht vergessen, dass sich ein Teil der Hörer, die Alben kostenlos im Internet zieht. Es ist nicht möglich, jeden zu überzeugen, die $10 im Laden auszugeben, wenn er dieselben Songs gratis zum Herunterladen findet. Was unsere Platten betrifft, gilt es darüber hinaus festzustellen, dass „Threads Of Life” ein sehr melodisches Album gewesen ist. Einigen Fans war es im Vergleich mit den Veröffentlichungen davor zu verträglich. Deshalb ist „Retribution“ nicht mehr so einseitig angelegt. Die neue Scheibe steht für eine gesunde Balance zwischen Melodie und Aggression, so dass wir die unterschiedlichen Hörergruppen mitnehmen. Dennoch stehe ich nach wie vor zu „Threads Of Life”, das einige der besten Songs beinhaltet, die wir als SHADOWS FALL jemals geschrieben haben. Es ist schade, dass es einige Leute anders gesehen haben. Musikgeschmack ist aber immer individuell, weshalb eine Band immer das machen muss, was sich zum jeweiligen Zeitpunkt richtig anfühlt. Erfolg ist nicht planbar und das Streben nach ihm nimmt kreative Freiheiten. Es wäre der falsche Weg, es Anderen recht machen zu wollen.“

Mit „Retribution“ gelingt es den Ostküsten-Musikern tatsächlich ein Brückenschlag. Spuren von Judas Priest und Iron Maiden sind ebenso zu vernehmen wie Gemeinsamkeiten mit Kollegen vom Schlage Lamb Of God, God Forbid oder Killswitch Engage. Das Album ist spritziger Metal im besten Verständnis, dessen Songwriting auf einem intuitiven Gespür für große Hooks fußt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Musiker alle Stücke gemeinsam im Proberaum geschrieben haben: „Das hat sich einfach so ergeben. Niemand war auf Tour, und wir hatten die nötige Zeit, gemeinsam zu jammen und Songs zu schreiben,“ so Brain. „Das Material unserer früheren Platten ist häufig auf Tour entstanden, und jeder hat seine Ideen zunächst für sich selbst entwickelt. Dieses Mal wollten wir es anders machen. Von Beginn an haben wir als Gruppe gearbeitet. Dabei hat sich schnell ein besonderes Energielevel herausgebildet, das „Retribution“ widerspiegelt. Deshalb ist die Platte schneller und härter ausgefallen. Es ist der Ausdruck der fokussierten Arbeit im Proberaum und des Spaßes, den wir hatten. Die etwas technischere Anlage erklärt sich dadurch, dass alle Ideen spontan aufpoppten und wir sie direkt umgesetzt und ausgearbeitet haben. Wir haben nichts ausgeschlossen und auch die verrückten Einfälle aufgegriffen.“

 
 Links:
  myspace.com/shadowsfall
 
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