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Dying Fetus

Storie von: arne, am 02.10.2009 ]

Zu DYING FETUS braucht man nicht mehr viele Worte verlieren. Das Trio aus Maryland ist einschlägig bekannt und eine international respektierte Größe im Death Metal. Zwei Jahre nach „War Of Attrition” melden sich John Gallagher (Gitarre, Vocals), Sean Beasley (Bass, Vocals) und Schlagzeuger Trey Williams wieder lautstark und vehement zu Wort. „Descend Into Depravity” ist der neue Brutalo-Streich der Relapse-Kombo betitelt.

 
Überraschungen bietet die neue Platte zwar keine, wohl aber qualitativ hochwertigen Extrem-Metal, wie man ihn von DYING FETUS erwarten darf. Die Gruppe ist seit Jahren eingespielt und transportiert einen eigenständigen Death-Sound, der Wiedererkennung besitzt: „In Bezug auf „Descend Into Depravity” ist für uns das Wichtigste, dass wir es geschafft haben, endlich einmal eine richtig gute Produktion hinzubekommen,“ erzählt Bassist Sean am Telefon. „Das war unser größtes Ziel, und wir haben es erreicht. Mit dem Songwriting und dem handwerklichen Teil des Recordings sind wir auf allen Platten zufrieden gewesen. Am Ende fiel die Produktion meistens nicht optimal aus. Das ist dieses Mal endlich anders. Wir sind nah an dem, wie das Album klingen sollte. Von Beginn an hatten wir ein gutes Gefühl. Das Studio hatten wir mit Bedacht gewählt und vorher kurz getestet. Wir wussten, dass wir den Freiraum haben würden, neue Sachen ausuprobieren, und das haben wir ausgenutzt, um das beabsichtigte Ergebnis zu erzielen. „Descend Into Depravity” klingt schön transparent, fällt aber dennoch heavy und brutal aus. Alles kommt dicht und direkt, ohne noisig oder künstlich zu wirken. Der Mix und die Balance stimmen, denn wir haben den richtigen Punkt getroffen, nach dem wir schon längere Zeit gesucht haben.“

Der volle Tour-Kalender und EDV-technische Widrigkeiten verwehrten es DYING FETUS bis zum Zeitpunkt des Interviews allerdings, den letzten Mix des neuen Longplayers selbst zu testen, um sich von dessen Klasse zu überzeugen: „Um ehrlich zu sein, kenne ich die finale Version noch gar nicht,“ so Sean. „Das Letzte, was wir gehört haben, war der Rough-Mix, bevor es ins richtige Mixing und Mastering ging. Wir haben gerade heute einen Stream-Zugang erhalten, den wir noch nicht testen konnten, weil hier die Internet-Verbindung nicht funktioniert. Es ist schon verrückt, über das Album zu sprechen, und selbst gar nicht zu wissen, wie es nun genau klingt. Du bist mir gegenüber im Vorteil. Als wir kurz auf die Seite gekommen sind, konnten wir von drei oder vier Stücken um die 20 Sekunden hören. Das reicht natürlich nicht aus, um ein richtiges Urteil zu bilden. Da ich aber weiß, dass der Sound gegenüber dem Rough-Mix noch besser geworden ist, habe ich keine Bedenken. „Descend Into Depravity” ist das Album geworden, das wir machen wollten.“ Eine gewisse Vorhersehbarkeit im Songaufbau ist zwar gegeben, doch das ist der Spielart und der offenkundigen Old School-Attitüde der Beteiligten geschuldet. DYING FETUS schränken das Crossover-Potenzial ihrer Stücke bewusst ein, um nicht in den Verdacht zu geraten, Deathcore sein zu wollen:

„Im Songwriting sind wir eingespielt. John (Gallagher, Gitarren und Vocals) und ich schreiben Riffs und arbeiten mit einem Drum-Computer. Wenn ein Stück halbwegs steht, nehmen wir es mit in die Probe. Der überwiegende Teil der Lieder stammt von John, der dieses Mal sechs Tracks geschrieben hat. Von mir sind zwei, und die übrigen haben wir gemeinsam erarbeitet. So ähnlich ist die Verteilung schon immer gewesen. Nur bei den Lyrics hat sich etwas verändert. Die stammen inzwischen alle von mir. Was die Gewichtung des Materials anbelangt, denke ich, dass wir insgesamt noch etwas technischer als in der Vergangenheit orientiert sind. Damit meine ich nicht, dass die Riffs noch technischer sind oder wir deutlich komplexer geworden wären. Es verhält sich eher so, dass wir überall ein wenig mehr Tiefe geschaffen haben, ohne es zu übertreiben. „Descend Into Depravity” ist härter als seine Vorgänger, doch wir haben auch den Groove nicht vergessen. Beides kommt ausgewogen zusammen und erschafft abwechslungsreiche Songs.“ Anspruchsvolles Handwerk und rigorose Kompromisslosigkeit halten sich dabei die Waage:

„Die technische Seite ist uns sehr wichtig, doch sie steht nicht über allem anderen. Man muss aufpassen, wie viele technische Parts man in einen Song packt. Das geht nicht beliebig, denn irgendwann ist es einfach zu viel. Doch auch wir haben komplexe Songstrukturen und sind nicht zu Unrecht als technische Death Metal-Band bekannt. Natürlich gibt es heutzutage


viele junge Bands, die deutlich abgefahrener und extremer aufspielen als wir, doch in unserem Old School-Verständnis sind wir überaus technisch.“ Ausreichend Groove, grindige Tendenzen und straightes Tempo sind die wesentlichen Zutaten, auf denen die direkten Songs von DYING FETUS basieren: „Wenn wir Songs schreiben, müssen sie grooven. Schließlich sollen die Leute headbangen, wenn sie auf unseren Konzerten sind. Es muss ja auch Spaß machen, die Stücke zu spielen. Die Leute sehen, wenn man zu angestrengt ist. Das wirkt sich unweigerlich auf die Show aus und ist schlecht. Uns gefällt es auch nicht, wenn wir es anderen Gruppen ansehen, dass sie sich nicht locker machen können und ihr Material gerade so eben live spielen können. Wir haben uns noch immer daran gehalten, dass wir Songs schreiben, die wir gerne auch von anderen Bands hören würden. Denn bis heute sind wir Fans geblieben, die zufällig eine etwas bekanntere Gruppe am Laufen haben.“

Europa, wir kommen!

Auf der „Summer Slaughter Tour“, die das Trio kürzlich in Nordamerika absolvierte, haben einige neue Tracks bereits ihre Feuertaufe bestanden, wie Sean verrät: „Zwei der neuen Stücke haben wir da schon im Set gehabt, und die Leute sind sofort auf sie abgegangen. Jede Nacht war das Fall, womit wir nicht gerechnet haben. Wenn man neue Tracks spielt, die noch niemand kennt, ist es ja meistens so, dass die Leute sie erst einmal kritisch prüfen und nur zugucken. Diesen Schritt haben die Leute übersprungen und uns direkt abgefeiert. Das bestärkt uns in der Überzeugung, dass „Descend Into Depravity” ein verdammt starkes Album ist.“ Für den Oktober ist eine Europa-Tour mit Cannibal Corpse angekündigt, die immerhin vier Mal Station in Deutschland einlegt: „Vier Shows haben sich als optimale Anzahl für uns herausgestellt. Deutschland ist zwar ein großes Land, doch die Leute fahren viel herum, um Bands zu sehen. Bei vier Shows haben wir die Gewissheit, dass wir in jeder Himmelsrichtung einmal auftreten und jeder die Chance hat, uns irgendwo zu sehen. Wir müssen ja auch die anderen europäischen Staaten mit abdecken, so dass es nirgends mehr als vier-fünf Shows gibt. Es macht Spaß, in Europa zu spielen, denn auf den Shows passiert gewöhnlich mehr als in den Staaten, und insgesamt scheinen wir etwas besser anzukommen. Hier bei uns gibt es nur wenige Städte, in denen wir uns wirklich willkommen fühlen. Gewöhnlich spielen wir jährlich eine Tour in Europa und versuchen darüber hinaus möglichst viele der Sommer-Festivals mitzunehmen. Damit sind wir in den letzten Jahren gut gefahren und haben uns etliche Fans erspielt.“

Anders, als es im ersten Moment klingt, sind DYING FETUS auch in Nordamerika ein etablierter Death Metal-Act, wie Sean auf Nachfrage bestätigt. Seine Kritik gilt eher den Umständen des Tourens: „In den Staaten gibt es zwar viele Clubs und Venues, doch man muss herausfinden, welche zu einem passen und wo man erst gar nicht hinfahren sollte. Da es ein so großes Land ist, dauert eine ganze Weile, bis man ungefähr weiß, was einen wo erwartet. Angebote, zu spielen, gibt es viele, doch man sollte und kann nicht alle wahrnehmen. Deshalb lieben wir Europa. Wir wissen, dass unsere Booking-Agentur Avocado gute Shows bucht, die auch besucht werden. Hier kann man darauf nur hoffen. Nur bei den Festival-Touren, oder wenn man mit großen, angesagten Gruppen unterwegs ist, weiß man, dass etwas geht.“ Am Tag des Interviews startete das Trio aus Maryland gerade eine interessant zusammengesetzte Tour:

„Wir spielen als zweite von fünf Bands. Nach Toxic Holocaust kommen wir, bevor es mit Winds Of Plague, Chimaira und Hatebreed weitergeht. Das ist ein schön durchmischtes Paket, bei dem wir alle viel Spaß haben werden. Vor Crossover-Crowds fürchte ich mich nicht. Das ist heute weitaus einfacher und hat sich für uns bewährt. Hatebreed haben eine etwas ältere Fan-Basis, so dass auch wir gut ankommen werden. Probleme gibt es nur im Deathcore-Umfeld, wo die Hörer sehr jung sind, direkt mit diesem verrückten Zeug einsteigen und kaum etwas über den Metal und seine Historie wissen.“

 
 Links:
  myspace.com/dyingfetus
 
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