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Despised Icon

Storie von: Arne, am 20.09.2009 ]

ABWRACKGARANTIE. DESPISED ICON schlagen erst in die Magengrube und sägen dann den Kopf des Hörers weg. Oder auch gerne anders herum. Die zehn Stücke von „Day Of Mourning”, dem neuen Album der Kanadier, bieten ausreichend Spielzeit, beides zu tun und mit extremen Sounds zwischen Tech-Death, Grindcore und MetalCore alles in Schutt und Asche zu legen.

 
„Die Natur ist voll von einzigartigen und unverwechselbaren Klängen. Was wir als Menschen hören, ist eine Kombination verschiedener Fragmente und Geräusche, die uns umgeben. Je nachdem, wo man gerade ist, hört man Unterschiedliches, doch eine Basisschnittmenge ist stets gegeben,“ führt Gitarrist Eric Jarrin bei der Beantwortung der Frage aus, ob Innovation in der Musik überhaupt noch möglich ist: „Beschäftigt man sich mit dem Metal, ist festzustellen, dass sich viele Musiker damit begnügen, kleinere Details zu variieren und schnell zufrieden sind. Ich denke nicht, dass sich das Rad neu erfinden lässt, fordere von mir jedoch mehr Einsatz. Es bieten sich viele Möglichkeiten, jenseits der bekannten Hörmuster frische Ideen und andere Fragmente zu bemühen, mit denen man Hörer überraschen kann. Es gibt noch so viel, was wir nicht gehört haben! Wird es gut und interessant klingen? Keine Ahnung. Wir werden es hören.“ DESPISED ICON verfolgen gehobene Ansprüche, was ihre stets fordernden und genreübergreifend angelegten Longplayer bestätigen: „Wir sind schon eine ganze Weile unterwegs, seit Alex und ich die Band vor neun Jahren gegründet haben. Unser Sound hat sich in dieser Spanne gewandelt, doch im Kern ist er derselbe geblieben. Vom Start weg war es unser Anliegen, Musik zu schreiben, die eingängig, groovig und brutal zugleich ist. So, wie es SUFFOCATION, DYING FETUS, DEVOURMENT und INTERNAL BLEEDING in den späten 90er Jahren vorgemacht haben. Unsere Einflüsse sind mit der Zeit breiter geworden und haben die eine oder andere Spur in unserem Sound hinterlassen. Da wir kein Album zwei Mal machen wollen, ist das nicht weiter schlimm.“

DESPISED ICON nehmen sich bewusst die Freiheit, toughe Hardcore-/MetalCore-Zitate zu setzen. Am Ende sind es gerade die Shout-Outs, Breakdowns und kurzen Mosh-Parts, die das sonst beinharte „Day Of Mourning” auflockern und für wiedererkennbare Momente sorgen: „Es ist doch gut, wenn es unterschiedliche Strömungen gibt,“ so der Gitarrist. „Man kommt nicht umhin, festzustellen, dass einige Bands vermehrt auf einfache, geradlinige Sounds setzen, während andere Technik und Geschwindigkeit betonen. Meiner Ansicht nach, funktioniert auf lange Sicht keines der Extreme, denn Beides muss in einem stimmigen Mix zusammenkommen. Mit DESPISED ICON stehen wir nicht zufällig zwischen den Stühlen. Wir schätzen es, schnell und technisch abzudrehen, wissen aber auch, dass es wichtig ist, catchy Riffs einzubauen, die Headbangen ermöglichen und das Ganze nicht zu komplex werden lassen. Es kommt auf die richtige Balance an. Zu viel von einer Richtung ist niemals gut.“ Gegenüber „The Ills Of Modern Man” hat sich gar nicht so viel verändert, und doch klingt das Sextett aus Montreal auf seiner neuen Scheibe wiederum anders: „Das Album ist im Tourbus entstanden, was für uns eine Premiere darstellt.


Vielleicht ist es deshalb etwas rougher und geradliniger ausgefallen. Da wir wenig Zeit hatten, lag der Fokus insbesondere auf den Riffs und den Arrangements. Der Soundfluss ist für uns über die Jahre immer wichtiger geworden. Viele Bands setzen ein Riff ans andere, doch das klingt im Ergebnis weder konsistent noch wirkt es nachhaltig. Deshalb streben wir danach, gute Songs zu schreiben, die auf starken Riffs basieren. Deutlicher als in der Vergangenheit haben wir mit Melodien gearbeitet, allerdings mit den dunklen und nicht mit den netten.“ Dieser Ansatz ist auf dem neuen Longplayer nachzuvollziehen, und auch der folgenden Aussage von Eric Jarrin ist zuzustimmen: „Als besonderen Verdienst rechne ich es uns an, einen Sound entwickelt zu haben, der unserer ist, und den niemand so schnell kopieren kann. Natürlich gibt es bereits einige Nachahmer, doch keine Band wird exakt so klingen, wie wir es tun.“

DESPISED ICON haben längst Eigenständigkeit erreicht und sich international als inspirierte und kreative Extrem-Kombo zwischen Tech-Death, Grindcore und MetalCore etabliert: „Uns reicht es schon, wenn die Leute etwas in unserer Musik finden, das ihnen was bedeutet,“ gibt sich der Gitarrsist bescheiden, um diese Haltung direkt zu erläutern. „Auch wenn es eigensinnig klingt, bietet die Band uns die Möglichkeit, uns selbst auszuleben und das zu tun, worauf wir Lust haben. Wenn Leute eine Verbindung zu unserem Schaffen finden, ist das toll. Dennoch schreiben wir die Songs nicht in der Hoffnung, dass sie irgendwem gefallen. Wir sind allein uns selbst verpflichtet und achten nicht darauf, was gerade populär oder erfolgreich ist. Unser Herzblut treibt uns an, mehr nicht. Deshalb bleiben wir uns selbst treu und schauen, wie weit uns das bringt. Einige Leute können nachvollziehen, was wir tun, und vielleicht verstehen uns auch einige von ihnen. Davon sind wir jedoch nicht abhängig. Natürlich wollen wir beachtet und gehört werden, doch das erreichen wir auch damit, zu touren und zu den Leuten zu gehen. Es gibt nichts Besseres, als das zu tun, was man liebt, und dabei keine Kompromisse eingehen zu müssen. Wir sind allein wir selbst, und vielleicht gerade deshalb einzigartig.“

„Ohne Spaß und Leidenschaft geht es nicht,“ weiß Gitarrist Eric Jarrin. „Diese Lektion haben wir mit unseren früheren Bands gelernt. Metal spielt man, weil man es will, und nicht, um Millionär zu werden. Als Musiker ist man vor allem sich selbst und seinen Bandkollegen verpflichtet. Deshalb gilt es, Songs zu schreiben, die man selbst gerne hört. Wer als Fan an die Sache geht, hat gute Karten, es weit zu bringen. Dann ist man automatisch kritischer mit der eigenen Arbeit und gibt sich nicht mit kleineren Fehlern und Ungereimtheiten zufrieden. Gerade die kleinen Feinheiten machen am Ende den Unterschied aus.“

 
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