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Baroness

Storie von: arne, am 04.09.2009 ]

Zwei Jahre nach dem fabelhaften „Red Album“ schicken sich BARONESS aus Savannah, Georgia an, im Oktober ihren neuen Longplayer „Blue Record” zu veröffentlichen. Gemeinsam mit Produzent John Congleton (u. Explosions In The Sky, The Polyphonic Spree) hat das Quartett zwölf Stücke zwischen Post-, Prog-, Stoner-/Hard-Rock und Heavy-Doom eingespielt, die wiederum unglaublich intensiv und fesselnd ausfallen. Das verspricht jedenfalls Bandkopf John Dyer Baizley.

 
Im Verlauf ihrer Karriere sind die Musiker immer rockiger und eingängiger geworden. Diese Entwicklung setzt sich auf der neuen Platte fort. Die Relapse-Kombo arbeitet mehr denn je mit Melodien: „Das ist durchaus risikoreich, denn man weiß nicht, wie es ankommt. Einigen Bands hilft es, andere werden deswegen abgestraft. Doch was wir super-slow und super-heavy zu sagen hatten, ist gesagt. Nun geht es dort weiter, wo wir in der Vergangenheit zu selten verweilt haben. Die Mischung aus seichteren und schweren Passagen hat es in sich. Wir erkunden ein Gelände, das wir noch nicht betreten hatten. Im Ergebnis steht ein neues Level an Abwechslung, das unsere Veröffentlichungen so noch nicht aufgewiesen hat. Die richtige Balance zu finden, hat uns viel Zeit gekostet. Ist man nicht mehr nur heavy unterwegs, braucht man starke Kontraste. Für jede aggressive Passage gibt es eine relaxte. Für jeden Heavy-Moment gibt es einen leichter verdaulichen. Die Art und Weise, wie wir unsere Songs schreiben und Instrumente spielen, hat sich über die Jahre aber nicht wesentlich geändert. Als Kids fingen wir damit an, die Musik zu entdecken und die Instrumente zu verstehen, und das setzt sich bis heute fort. Dass wir noch immer als Band beisammen sind, ist dem Umstand geschuldet, dass es da draußen Leute gibt, die sich genauso gerne in den Songs verlieren, wie wir es selbst tun.“

In dieser Hinsicht bieten die Stücke des Quartetts ein immenses Tiefenpotential. Die gestiegene Wertschätzung unterschiedlichster Hörer-Gruppen bestätigt das: „Für uns bietet es Vorteile, dass Post-Rock und Post-Metal bei vielen Hörern derzeit hoch im Kurs stehen. Das hat zur Folge, dass sich aktuell viele Leute für uns interessieren. Wir würden jedoch kaum anders klingen, wenn das nicht der Fall wäre. Was wir tun, ist, uns in unserem kreativen Schaffen beständig herauszufordern und unsere eigene, undurchsichtige Gefühlswelt zu vertonen. Das ist es, was zählt. Als BARONESS sind wir seit sieben Jahren unterwegs, schreiben beständig neue Songs und haben unglaublich viele Shows gespielt. Das ist die Basis der Achtung, die wir erfahren, nichts anderes. Die Hörer sind mit uns über die Jahre gewachsen und haben gemeinsam mit uns immer neue Ausdrucksmöglichkeiten der Rock-Musik kennengelernt. Das Einzige, was wir uns selbst hoch anrechnen, ist, dass wir bis heute aufgeschlossene Künstler geblieben sind, die nichts per se ausschließen und kontinuierlich neue Dinge ausprobieren.“

Der kreative Arbeitsprozess findet bei der Band aus Savannah als Interaktion zwischen allen vier Bandmitgliedern statt: „Wir wachsen als Einheit, wobei jedes Mitglied gleichberechtigt ist und sich einbringt. Wir teilen sowohl die Risiken und Ängste als auch die Leidenschaft und die Fertigkeiten


jedes Einzelnen, die auf das Songwriting Einfluss nehmen. Zwischen dem kreativen Ideenpotential, den handwerklichen Fähigkeiten und technischen Restriktionen haben wir uns über die Jahre immer weiter entwickelt. Ein Ende des Weges ist noch nicht in Sicht.“ Kein Wunder, wo sich die Band um John Dyer Baizley doch mit jedem neuen Release ein Stück weit neu erfindet: „Stagnation wäre das Ende von BARONESS. Wir alle stimmen in der Überzeugung überein, dass man als Musiker die Verpflichtung hat, immer weiter zu gehen und sich selbst nicht zu wiederholen. In dieser Hinsicht sind wir konsequent. Geht es irgendwann nicht mehr weiter, lösen wir die Band auf. Schließlich gibt es genügend anspruchslose Gruppen, die langweilen. Wir wollen keine weitere sein. Musik ist nicht anders als es die anderen Bereiche des Lebens sind. Ohne Anstrengung kann man es zu nichts bringen. Nur wer sich voll und ganz einbringt, wird belohnt. Kunst muss sowohl den Künstler als auch das Publikum herausfordern.“

Die Möglichkeiten digitaler Technik und die veränderten Rezeptionsmuster auf Hörerseite sieht der Amerikaner kritisch: „In den letzten Jahren haben Veränderungen stattgefunden, die unübersehbar sind. Damit meine ich noch nicht einmal die unglaublichen Studio-Tricks, die von so vielen Bands genutzt werden. Der Fakt, dass inzwischen fast alle Musiker semi-analoge Instrumente spielen, ist ein offenkundiger Ausdruck einer neuen Zeit. Kids mit Laptops sind uns doch längst zwei Schritte voraus. Doch wohin soll das alles führen? Als BARONESS schreiben wir unsere Songs, wie es schon unsere Helden getan haben – mit Sorgfalt, ohne Festplatten und ohne digitalen Speicher. Meine Musik existiert in meinen Muskeln und in meinem Gehirn. Langfristig wird es nicht anders gehen.“ Die Auseinandersetzung mit dem Output des Quartetts erfolgt dann auch entlang gelernter Muster und fordert Zeit:

„Das Album-Format ist noch längst nicht tot, und ich glaube auch nicht, dass es dazu kommen wird. Die Leute gehen noch immer ins Kino und schauen zweieinhalb Stunden lange Filme. Und sie werden auch weiterhin die Zeit haben, ganze Alben zu hören, die sich aus mehreren Songs zusammensetzen. Tradition und Aufrichtigkeit werden sich am Ende durchsetzen, so skurril die zwischenzeitlichen Entwicklungen auch sein mögen.“ BARONESS wissen, was sie wollen, und welche Ansprüche sie an ihr eigenes Schaffen richten: „Unser Leitspruch lautet „Death To False Metal“, auch wenn wir ihn für unsere Zwecke leicht abgewandelt haben. Wenn wir irgendwann die emotionale Verbindung zu dem verlieren, was wir tun, hören wir auf. Ich bin noch immer nervös, wenn ich auf die Bühne gehe und bin nach jedem Konzert aufs Neue überwältigt. Geht es nach mir, wird es immer so bleiben.“

 
 Links:
  myspace.com/yourbaroness
 
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