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Winds Of Plague

Storie von: arne, am 15.08.2009 ]

Eine Gruppe wie WINDS OF PLAGUE muss einfach polarisieren, denn in ihrer Positionierung ist sie ein Stück weit einzigartig. Dominante Keyboard-Epik und rasante Tempo-Attacken paaren sich auf „The Great Stone War”, dem dritten Album der Century Media-Kombo, mit schleppenden Mosh-Parts und rollendem MidTempo-Death. Die im toughen Hardcore liegenden Roots des Sextetts sind nach wie vor präsent, doch die Kalifornier agieren gedanklich längst als astreine Metal-Kapelle.

 
Auf dem amerikanischen Markt hat die Gruppe mit dreist-frechen und durchschlagenden Sounds zwischen Bleeding Through, Behemoth, Nile und Dimmu Borgir bereits merkliche Spuren hinterlassen und sich eine ansehnliche Fan-Basis erspielt. In Europa sind WINDS OF PLAGUE hingegen noch nicht so recht zum Zug gekommen: „Die Touren, die wir bislang gespielt haben, beschränkten sich auf wenige Staaten, in denen es für uns allerdings gut lief,“ erwidert Shouter Johnny Plaque. „Die Durchdringung könnte aber besser sein, das stimmt. Wir werden nachlegen müssen, um auch bei euch mehr Gewicht zu erlangen. Dessen sind wir uns bewusst, doch wir warten noch auf den richtigen Zeitpunkt, um intensiv loszulegen. Die neue Platte bietet sicherlich eine gute Gelegenheit. Dass wir es auch in der europäischen Metal-Szene zu etwas bringen können, wissen wir. Das nötige Selbstvertrauen haben wir uns auf dem amerikanischen Markt erworben, auf dem wir uns durchgesetzt und inzwischen auch erfolgreich behauptet haben.“

Egal, ob man die Kalifornier nun mag oder nicht, man kommt nicht umhin, festzustellen, dass sie sich einen eigenständigen Sound angeeigent haben, der wirkt und wiedererkennbar ist: „Es gibt kaum eine andere Band, die wie WINDS OF PLAGUE klingt,“ bekräftigt es der Sänger. „Die Verbindung von Metal, Hardcore-Einflüssen, Keyboards und vielen anderen Elementen ist über die Jahre gewachsen und nicht so leicht zu imitieren. Außerdem suchen wir beständig nach Erweiterungen, die man nicht erwarten würde, und unser Spektrum ausbauen. Dichter, unbarmherziger Metal ist unsere Stärke, wobei unser Metal-Verständnis anders als beim Gros junger Bands ausgeprägt ist.“ Trotz seines Eingängigkeitspotenzials und seiner Hymnenlastigkeit ist das Drittwerk der Band harter Tobak. Das liegt daran, dass die Gruppe jederzeit übertrieben und „großspurig“ in Erscheinung tritt. Noch sind die Musiker mit ihrem Stil nicht vollends zufrieden:

„Vom Gefühl her würde ich sagen, dass wir uns noch immer auf der Suche nach unserem Sound befinden. Sicherlich stechen wir schon heute aus der Masse der Metal-Acts hervor, doch unsere Entwicklung ist längst noch nicht beendet. Als wir die Band starteten, sind wir noch sehr jung und unerfahren gewesen. Wir haben das zusammen geworfen, was wir hörten und gut fanden. Nun sind wir dabei, zu wachsen und die verschiedenartigen Einflüsse stimmiger miteinander zu kombinieren und bewusster einzusetzen. Mit unserem Sound bewegen wir uns jenseits der gängigen Konventionen. So soll es bleiben. Der überwiegende Teil der Gruppen, die versuchen, sich einen Namen zu machen, bewegt sich in ähnlichen Gefilden und klingt für das untrainierte Ohr mehr oder minder gleich. Wenn man unterschiedlichste Stile und Stil-Elemente zusammenbringt, so wie wir es


tun, fällt man allein schon deshalb auf, weil man etwas anderes macht.“ Das Selbstbewusstsein von Johnny ist berechtigt, der dennoch realistisch bleibt und klaren Zielen folgt:

„Es geht uns nicht darum, die größte und bekannteste Metal-Band überhaupt zu werden. Ein solches Ziel wäre vermessen und nicht zu erreichen. Unser Anspruch ist es, mit WINDS OF PLAGUE so weit wie möglich zu kommen und Songs zu schreiben, die uns und den Hörer gefallen und etwas bedeuten. Vor dem Tag, an dem ich auf der Bühne keinen Spaß mehr haben werde, graut mir schon jetzt. Dennoch bin ich mir bewusst, dass er eines Tages kommen kann. Noch sind wir aber zu sehr damit beschäftigt, Neues auszuprobieren und unsere Spuren im Metal zu hinterlassen.“ Verglichen mit „Decimate The Weak“ ist „The Great Stone War” ein reifes und durchdachtes Album, das prägnannter auf den Punkt kommt. Johnny sieht es ebenso: „Die Song-Strukturen, die Texte, die Riffs – alles ist mit einem greiften Musikverständnis, mit mehr Anspruch und mit größerer Sorgfalt geschrieben worden. Wir sind heute schließlich älter und dank der Erfahrung der Touren auf unseren Instrumenten versierter. Damit erweitern sich die Möglichkeiten dessen, was man umsetzen kann, automatisch. Es war unser Anspruch, dass die Hörer unser neues Album komplett durchhören können, ohne gelangweilt zu werden. Die Songs, Riffs und Vocals sollten eingängig und hart zugleich sein und immer wieder auch überraschen. Selbst wenn man immer die gleichen Zutaten nutzt, kann man als Musiker etwas verändern und anders machen. Als wir in die Arbeit für „The Great Stone War“ gingen, war es uns wichtig, unseren charakteristischen Sound beizubehalten, jedoch merklich weiter zu entwickeln. Das Album sollte heavy und episch zugleich klingen, ohne kitschig zu sein. Das umzusetzen, war nicht einfach. Man muss sich jedoch anspruchsvolle Ziele setzen, denn nur dann kann es wirklich weitergehen.“

Die Kalifornier punkten auch mit der drückenden Intensität und der düsteren Emotionalität ihrer Songs: „Egal, ob man sich den Metal, Hardcore oder andere Arten extremer und schwerer Musik anschaut: Letztlich geht es immer um Aufrichtigkeit und Hingabe. Nur, wenn man das eigene Schaffen ernst nimmt, sich kreativ nicht einschränkt und über seinen Horizont hinaus geht, schafft man es, etwas zu schreiben, dass gut und bestenfalls auch neu ist. WINDS OF PLAGUE erfinden die Welt des Metal sicherlich nicht neu und sind auch nicht die technisch versierteste Band. Doch wir sind stets mit vollem Herzen bei der Sache. Musik ohne Emotionen und Herzblut funktioniert nicht. Das ist unstrittig. Wenn man unsere Songs hört, kann man stets nachvollziehen, wie wir uns gefühlt haben, als wir sie geschrieben haben. Erst das schafft die Verbindung zum Hörer.“

 
 Links:
  myspace.com/windsofplague
 
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