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Burnt By The Sun

Storie von: arne, am 03.08.2009 ]

Mit dieser Platte war nicht zu rechnen. Umso schöner ist es, dass sich BURNT BY THE SUN noch einmal zusammengerauft haben, um „Heart Of Darkness” zu veröffentlichen. Nach dem 2003er „The Perfect Is The Enemy Of The Good“ verließen sowohl Shouter Mike Olender als auch Kult-Drummer Dave Witte die Band, um drei Jahre später wieder zurück zu kehren. Mit Nick Hale (ex-Premonitions Of War) rekrutierte man zudem einen neuen zweiten Gitarristen. Doch außer der 2007er Split-Single mit den Relapse-Kollegen Car Bomb gab es kein neues Material der Gruppe aus New Jersey.

 
Mit seinem Drittwerk feiert das Quintett nun ein imposantes Comeback, wird zum ersten Mal live nach Europa kommen, und dann ist das Kapitel BURNT BY THE SUN höchstwahrscheinlich auch schon für immer beendet. Bassist Teddy Patterson erläutert im Gespräch zunächst das Eigenverständnis der Band: „Wir verfolgen keine übergeordneten Ziele. Es geht uns allein um den Spaß und die Möglichkeit, uns kreativ auszuleben. Wir sind vier Freunde, die gerne zusammen sind, Songs schreiben und gelegentlich auch live spielen. BURNT BY THE SUN sind vor Jahren auf traditionelle Art und Weise entstanden. Als Gruppe von Freunden haben wir die Band gestartet, und das ist sie bis heute geblieben. Im Verlauf der Jahre gab es sowohl unproduktive Phasen als auch Meinungsverschiedenheiten, doch wir sind noch immer da. „Heart Of Darkness“ ist der beste Beweis, doch ob oder wie es weitergehen wird, lässt sich noch nicht sagen.“ Trotz beeindruckender Releases ist dem Fünfer flächendeckende Wertschätzung stets verwehrt geblieben. Patterson sieht es pragmatisch:

„Daran sind wir nicht ganz unbeteiligt. Einen Teil der Schuld müssen wir bei uns suchen. Wir haben es beispielsweise nie geschafft, nach Europa zu gehen, um zu touren. Wir sollen wir da erwarten können, dass die Leute uns kennen oder schätzen. Auch wenn sich vieles verändert hat, ist es noch immer so, dass Bands touren müssen, um sich Respekt und Anerkennung zu verdienen. Wer das nicht beherzigt, ist selbst Schuld.“ Besserung ist in Sicht, auch wenn nur eine Handvoll Shows auf dem Programm stehen. Der Wille ist da, doch wie im Songwriting sind BURNT BY THE SUN besonderen Restriktionen unterworfen, die u. a. in der Personalie Dave Witte begründet liegen: „Für das Songwriting zeichen vor allem Gitarrist John und ich verantwortlich. Dave lebt inzwischen in einem anderen Bundesstaat und ist mit seinen diversen Bands und Projekten ständig auf Tour. Deshalb haben wir die Ideen und Songs per Email ausgetauscht, so dass er stets im Bilde war, was passiert. Es ist nicht einfach gewesen, abwechselnd in New Jersey und Virginia zu proben, um gemeinsam an den neuen Stücken zu arbeiten. Eine Tour mit ihm zu organieren, stellt sich ebenfalls schwierig dar, denn sein Kalender ist unglaublich voll.“

Finden die fünf Amerikaner aber die nötige Zeit, arbeiten sie hoch konzentriert: „Natürlich sind wir ernsthaft bei der Sache und versuchen stets, unser Bestes zu geben. Dennoch übertreiben wir es nicht und bewahren uns die Lockerheit, die es braucht, gute Songs zu schreiben, und das eigene Schaffen kritisch zu überprüfen.“ Die Relapse-Kombo kreiert kompakte Desktrukto-Kollagen auf der Basis eines durchdachten, wirkungsorientierten Songwritings. Elemente aus dem Heavy Metal, Grindcore, Death Metal, Hardcore,


Noise und Rock formen in ihrem Zusammenspiel ein organisches, größeres Ganzes: „Mit BURNT BY THE SUN sind wir von jeher egoistisch und selbstbewusst unseren Weg gegangen. Wir haben auf nichts und niemanden Rücksicht genommen und getan, was wir wollten. Dass sich dafür eine Handvoll Leute interessiert und wir auf Relapse Records veröffentlichen, ist mehr, als wir jemals zu träumen gewagt hätten,“ so Patterson.

„Es ist uns nie darum gegangen, bewusst abgefahren oder anders als andere in Erscheinung zu treten. Schließlich wollen wir mit BURNT BY THE SUN weder Trends auslösen noch Grenzen zwischen Genres einreißen. Was immer passiert, passiert eben. Wenn du mich nach dem fragst, was wir tun, würde ich sagen, dass wie laut und noisig sind.“ Das Drittwerk „Heart Of Darkness“ ist der gewichtige Beweis dieser Aussage: „Wir haben nichts anders gemacht als bei den früheren Releases. Als wir uns entschieden haben, das neue Album zu machen, war unser Plan, die roughe Energie der EPs und von „Soundtrack To The Personal Revolution“ mit der klareren Strukturierung von „The Perfect Is The Enemy Of The Good“ zu verbinden. Einige neue Dinge haben wir natürlich ausprobiert, doch im Kern baut alles auf unserer Historie auf.“ Der vertrackte, vielschichtige Weg ist das Ziel, und doch nehmen sich die Musiker die Freiheit, starke Hooklines zu setzen, von denen einige sogar Erinnerungspotenzial besitzen:

„Das ist ein Dualismus, den man berücksichtigen muss. Natürlich kann man komplex und extrem aufspielen. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass es klarer Songstrukturen und verträglicher Passagen bedarf, damit die Leute die Songs nachvollziehen können. Stücke gnadenlos vollzupacken, bringt nichts. Dann schafft kaum ein Hörer mehr als eine Rotation.“ „Heart Of Darkness“ ist gut ausbalanciert und transportiert ein einheitliches Feeling. BURNT BY THE SUN liefern eine schwergewichtige Cossover-Platte im besten Sinn ab, die sich jenseits gängiger Strömungen positioniert und schon allein deshalb Aufmerksamkeit verdient:

„Heutzutage gibt es die unterschiedlichsten Crossover-Varianten. Ich habe schon seit Jahren den Überblick verloren. Vieles interessiert mich auch gar nicht. Bricht man die Trends und Stile auf ihren Kern herunter, gibt es mehr Gemeinsamkeiten, als man im ersten Moment glaubt. Als das alles anfing, gab es große Unterschiede. Den Bands war es wichtig, sich voneinander abzusetzen. Stell beispielsweise „Age Of Quarrel“ von den Cro-Mags neben „Seven Churches“ von Possessed. Zwischen beiden Alben liegen Welten. Heutzutage haben sich die Gruppen stark aneinander angenähert. Die Szene ist quantitativ größer, doch qualitativ ist alles viel näher beisammen. Das ist schade, denn viele kreative Möglichkeiten bleiben ungenutzt.“

 
 Links:
  myspace.com/burntbythesun
 
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