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Antigama

Storie von: arne, am 22.07.2009 ]

Bereits vor der Veröffentlichung ihrer neuen Abrissbirne hatte es ANTIGAMA gemeinsam mit den kanadischen Label-Kollegen von Fuck The Facts auf Europa-Tour gezogen. Es ist kein Zufall, dass die zweite Relapse-Scheibe der Polen den Titel „Warning“ trägt. Für die Auseinandersetzung mit den abgedrehten und herausfordernden Extrem-Metal-Tracks der Warschauer sollte man zwingend vorbereitet sein. Die komplexe und vielschichtige Mischung unterscheidlicher Underground-Spielarten hat es in sich.

 
„Die Shows waren okay, wenn man berücksichtigt, dass es sich um eine kleine Tour dreier Underground-Acts handelte. Wir hatten nicht mit zu vielen Besuchern gerechnet, und eben so ist es gekommen,” äußert sich Gitarrist Sebastian Rokicki im Gespräch. „Es hat aber viel Spaß gemacht, mit Fuck The Facts und Dr. Doom unterwegs zu sein. Die besten Show hatten wir in Slovenien, Frankreich, Polen und in der Tschechischen Republik. Wir wollen zukünftig weitere Europa-Touren spielen, doch zunächst geht es zum ersten Mal nach Amerika. Im Mai werden wir für zehn Tage mit Complete Failure touren und dabei auch das Maryland Deathfest und das Midwest Fuckfest spielen. Wir können es kaum erwarten, denn eine bessere Promotion für ANTIGAMA gibt es in den Staaten nicht.”

Mit einer Platte wie „Warning” in der Hinterhand sollte dem Quartett wenigstens auf den Festivals Aufmerksamkeit garantiert sein. Maßgeblich schlagen Grindcore und Brutalo-Death durch, doch mittels der Integration von Elementen aus dem Jazz, MathCore und füllenden Noise-Versatzstücken bzw. Samples erlangen die Kompositionen eine unglaubliche Vehemenz: „Einer unserer Vorteile dürfte es sein, dass wir uns alle nicht so sehr mit neuen Bands und Veröffentlichungen beschäftigen. Es ist nach wie vor der Oldschool-Stuff wie Napalm Death, Repulsion und Terrorizer, mit dem wir aufgewachsen sind, der uns inspiriert, weiter zu grinden. Wenn man sich die Jahre unseres Bestehens anschaut, muss man resümieren, dass sich heute mehr Leute für uns interessieren, obwohl wir eigentlich nichts anders als früher machen. Das ist toll, denn gerade als osteuropäische Band hast du es schwer. Schon hier in Europa, aber mehr noch in Amerika. Die Tour im Mai ist unser erster Versuch, die Situation für ANTIGAMA dort zum Besseren zu wenden.” Das Warschauer Quartett verfolgt klare Absichten, die es mit unerbittlicher Härte, verspielter Rhythmik und vielschichtigen Strukturen umsetzt:

„„Warning” ist genau das Album geworden, das wir vorab in unseren Köpfen hatten. Es klingt erkennbar nach ANTIGAMA, ist aber wieder schneller und brutaler als der letzte Longplayer. Verglichen mit „Resonance“ ist es zudem abwechslungsreicher und unberechenbarer. Mehr denn je haben wir mit Sounds experimentiert und unsere Musik mit neuen Stilelementen angereichert. Die Grindcore-Parts, heavy Gitarren und der „fucked up“ Jazz sind nach wie vor da. Neu sind die offensiven Ambient/Electronica-Sachen, die dem Album einen besonderen Twist geben. Dadurch klingen wir im Ergebnis noch verrückter.” Trotz eines nicht zu leugnenden modernen Anstrichs weisen die Tracks der früheren Selfmadegod-Kombo jederzeit


auch eine wahrnehmbare Old School-Attitüde auf, die ANTIGAMA letztlich von vielen ihrer Kollegen im Frickel-Grindcore absetzt: „Rund um den Globus gibt es viele tolle Bands, die musikalisch eine Menge drauf haben, und die so wie wir danach streben, etwas Eigenes zu machen. Wichtig ist dabei, dass man sich Konventionen gegenüber nicht beugt, allein seinen Ideen folgt und versucht, diese ohne Kompromisse umzusetzen. Es muss egal sein, wie komplex oder abgefahren die Ideen sind. Schließlich ist es schon hart genug, überhaupt originell zu sein. Das ist jedoch unser Anspruch, und wir tun alles dafür, Stilgrenzen zu überwinden und uns von nichts und niemandem aufhalten zu lassen.”

Selbst unerwartete Line-Up-Wechsel kompensieren die Polen problemlos, um den Rückschlag sogleich in eine Chance zu verwandeln: „Mit Patryk, der im letzten Jahr zu uns gestoßen ist, haben wir einen neuen Shouter, der sich deutlich von Lucas unterscheidet und einen eigenständigen Stil einbringt. Er ist auch Sänger der Sludge-Band Blindead und seit Jahren ein enger Freund. Ihn in der Band zu haben, hat neue kreative Energie freigesetzt und ist so etwas wie ein Neustart gewesen. „Warning” markiert den Beginn eines neuen Kapitels der Band, auch wenn sich die Art und Weise, wie wir Musik machen, nicht verändert hat. Selbst wenn sich die einzelnen Veröffentlichungen voneinander unterscheiden, ist der Entstehungsprozess doch immer derselbe. Wir wollen niemals still stehen und immer weiter gehen. Es gibt nichts Spannenderes, als zu sehen, wohin wir es mit ANTIGAMA noch bringen werden. Musikalisch ist die Richtung gesetzt: Wir wollen harten und schnellen „Blurry-Shit“ spielen, und das ist es. Unser Ansatz ist überschaubar, deshalb nehmen wir es so, wie es kommt, und machen das Beste draus.” Auch textlich verfolgen die Warschauer ein klares Anliegen:

„„Warning” ist unsere Warnung an die moderne Globalisierungsgesellschaft. Der Labyrinth-Würfel auf dem Cover symbolisiert die Welt, in der wir leben. Die Menschen sind zu namenlosen Sklaven verkommen und leben ein verrücktes, unbestimmtes Leben. Sie sind immer weniger fähig, Gefühle zu zeigen; nicht einmal mehr richtig zu lieben. Die Menschlichkeit geht uns verloren. Der Alltag im Eiltempo bringt so viele Probleme mit sich, die wir kaum überblicken. Da wir permanent beschäftigt sind, bemerken wir nicht einmal, dass inzwischen sogar die Zeit für die wichtigen Dinge im Leben fehlt. Als wäre das noch nicht genug, bringen wir weder der Natur noch anderen Menschen gegenüber den nötigen Respekt und die ihnen gebührende Achtung entgegen. So kann es nicht mehr lange weitergehen.”

 
 Links:
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