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Hacride

Storie von: arne, am 30.06.2009 ]

Die Entwicklung, die HACRIDE über ihre drei Longplayer genommen haben, ist mehr als beachtlich. Ausgehend vom Debüt „Deviant Current Signals“, das noch merklich in der Tradition von Meshuggah stand und im technischen Death Metal zu verorten war, über das weitaus offener und Genre übergreifender aufgestellte Zweitwerk „Amoeba“ bis hin zum eigenständig klingenden und herausfordernden neuen Album „Lazarus“ hat sich das Quartett immer weiter verbessert und den Mut bewiesen, die eigene Vision selbstbewusst umzusetzen.

 
Mit ihrem Drittwerk positionieren sich die Franzosen direkt hinter den Listenable-Kollegen Gojira, was für Sänger Samuel Bourreau die logische Auswirkung der eigenen Anstrengungen ist: „„Deviant Current Signal” und „Amoeba” sind Alben gewesen, die sich aus mehreren Songs zusammensetzten. „Lazarus“ hingegen fühlt sich wie ein einziges Stück an. Das resultiert nicht zuletzt daher, dass es von Adrien (Gitarre) als Soundtrack geschrieben worden ist, während ich die Lyrics wie Kapitel für ein Buch verfasst habe. Jeder Song gleicht dem Kapitel eines Films oder eines Buchs, so dass sich das große Bild erst dann eröffnet, wenn man alles gehört hat.“ Die Scheibe entwickelt sich als ein gelungener, fordernder Zeitvertreib, der die Auseinandersatzung wert ist:

„Zentral steht das Stück ,To Walk Among Them’ gleich zu Beginn des Albums. Es stimmt auf das Wesen der Platte ein und fasst all das zusammen, was in den darauffolgenden sechs Tracks zu hören ist. Wir haben den Song gewissermaßen als Einladung angelegt, der darüber entscheidet, ob sich jemand mit uns beschäftigen wird oder nicht. Das ist ein mutiger Schritt, denn Außenstehende wollten uns dazu bringen, das Stück ganz ans Ende zu setzen, wo es wohl jede andere Band ansiedeln würde. Wir schätzen jedoch die Herausforderung.“ Diese offensive Einstellung zieht sich als roter Faden durch „Lazarus“:

„Mit jedem Song und jedem Album etwas Neues zu erschaffen und neue Dinge auszuprobieren, ist unser wesentlicher Antrieb, als HACRIDE aktiv zu sein. Wir streben danach, eigenständig zu klingen und unsere Gefühle und Emotionen mit Songs auszudrücken, die nach Möglichkeit über die Grenzen des Bekannten hinaus gehen. Es ist uns klar, dass es im Prinzip unmöglich ist, heutzutage noch wirklich originell zu sein. Unser Maßstab ist unser eigener Output. Wenn man versucht, individuell und als Einheit immer besser zu werden, vermeidet man es, sich selbst zu wiedeholen. Nach dieser Maxime handeln wir.“ Angesichts


dieser Worte überrascht es nicht, dass Sänger Samuel Bourreau in seinen Texten ebenfalls einen weiten Bogen spannt:

„Der Titel ist an den sogenannten Lazarus-Effekt angelehnt, unter dem man eigentlich die Wiederauffindung von Tierarten versteht, die als ausgestorben gelten. Auf den Menschen übertragen wird von ihm gesprochen, wenn Leute kurze Zeit tot gewesen sind, ins Leben zurück geholt werden, und ihr Umfeld fortan mit anderen Augen sehen. Sie erleben die Welt intensiver und nehmen alles um sich herum viel bewusster wahr. Der Lazarus-Effekt ist der biblischen Geschichte von der Wiedererweckung des Lazarus durch Jesus entlehnt. In unserem Kontext erzählen wir die Geschichte eines beliebigen Menschen nach einem einschneidenden Zusammenbruch. Die Quintessence von „Lazarus” ist Aufrichtigkeit und der Wunsch zu lernen.“

Im Ergebnis steht ein Album, das sich natürlich entwickelt und insgesamt angenehm reflektiert und reif klingt. Man hört, dass es HACRIDE wichtig war, Songs zu schreiben, die auch live gut funktionieren: „In Support von „Lazarus“ haben wir bislang erst einige Shows in Frankreich gespielt, die wir alle mit dem 15-minütigen ,To Walk Among Them’ eröffnet haben. Live setzen wir fort, was wir auf dem Album begonnen haben, frei nach dem Motto: „Lass dich auf eine besondere Reise ein, und du wirst es nicht bereuen.“ Nach den Gigs kommen immer wieder Leute zum Merch-Tisch, die mir bestätigen, dass es genau so funktioniert. Aus der Arbeit an „Amoeba“ sind wir als gereifte und routinierte Band hervorgegangen, die im Songwriting endlich all ihre Ideen umsetzen konnte und in Live-Situationen die nötige Kontrolle über das eigene Tun erlangte. Das hat uns die Möglichkeit geschaffen, mit „Lazarus“ ein weitaus persönlicheres Stück Musik zu schaffen, das ganz anders wirkt.“

Mit ihrer speziellen Anlage haben es HACRIDE in Frankreich schon weit gebracht. Mit ihrem dritten Album wollen sie ihre Präsenz nun auch im übrigen Europa ausbauen.

 
 Links:
  myspace.com/hacrideV2
 
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