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Grantig

Storie von: arne, am 21.05.2009 ]

Manchmal braucht es seine Zeit, bis man den „anderen“, mutigen Ansatz einer jungen Band verstehen und gebührend zu würdigen lernt. Wo das Debüt „So muss es sein“ noch ein wenig auf Skepsis bzw. Unverständnis stieß, rennen die Münchener mit ihrem Zweitwerk „Medizin“ heute offene Türen ein. Dabei behalten GRANTIG ihren schwer rollenden Stil im Grunde unverändert bei. Das Zusammenspiel aus Elementen zwischen Thrash- und Heavy Metal wird neuerlich mit einem sumpfigen Southern-Feeling und groovigem Blues kombiniert.

 
Bassist Alex resümiert zunächst die Reaktionen auf den ersten Longplayer, der insgesamt überaus wohlwollend aufgenommen worden ist: „Wir haben uns schon viel positive Kritik erwartet, da wir fest an uns geglaubt haben und mit der Platte auch sehr zufrieden waren. Uns war aber auch klar, dass wir nicht nur Lorbeeren ernten würden, da wir doch von vornherein eine Band sind, die polarisiert. Insgesamt betrachtet sind wir aber mehr als zufrieden mit der Presseresonanz und hoffen, dass wir mit „Medizin“ genau so gut wegkommen. Wenn ich jetzt ein besonderes Feedback nennen müsste, was sich am stärksten eingeprägt hat oder worüber ich mich heute noch freue, würde ich spontan die Auszeichnung als CD des Monats mit anschliessender dreiseitiger Story im Schlagzeug-Magazin Sticks nennen. Und das sage ich als Nicht-Schlagzeuger.“

Die Verbindung brachialen Metals mit harten, deutschen Texten meistern GRANTIG so unpathetisch und souverän wir nur wenige andere Kapellen. Allein auf „Metal-Band mit deutschen Texten“ reduziert zu werden, greift zu kurz, auch wenn sich Alex verständnisvoll zeigt: „Es fällt ja extrem schwer, über die Texte hinwegzuhören, wenn man sie gleich versteht und vor die Birne geknallt bekommt. Von daher nehme ich das keinem Übel, wenn er uns zunächst nur auf die Texte limitiert. Ich habe damit auch an sich kein Problem, nur gibt es viele Leute, die sich das alles gar nicht erst anhören wollen und sich davor sperren. Das ist natürlich Scheiße. Die Stärken von GRANTIG entfalten sich meiner Meinung nach über die Gesamtlänge eines Songs. Ich denke nicht, dass wir mit einem bestimmten Trademark glänzen und den Rest vernachlässigen. Im Gegenteil: Auf der neuen Platte sind sogar viele kleine Details, bei denen man aufmerksam hinhören muss, um sie zu erkennen.“

Das Zweitwerk fällt locker und zwingend aus. Die Bayern agieren im Songwriting sowohl variabel als auch offensiv, wodurch „Medizin“ längst nicht so eindimensional wie sein Vorgänger wirkt. Dennoch gilt es dieselben Referenzen zu benennen: Pantera, Down und Corrosion Of Conformity. Einer „Szene“ oder Spielart fühlt sich die Band indes nicht zugehörig: „Im Prinzip ziehen wir schon unser Ding durch, aber natürlich heißt das nicht, dass wir versuchen, uns von irgendwas abzugrenzen. Wir sind eine Metal-Band und sehen uns dementsprechend auch in der Sparte der härteren Musik. Ob man das jetzt aber Thrash-Metal oder Hardcore-Metal oder wie auch immer nennt, bleibt jedem selbst überlassen.“ Vor dem Hintergrund prägnanter Hooklines und Melodien, die sich ins Hirn der Hörer bohren, ist es ohnehin egal, wie man den Sound tauft. Wichtig ist, das er mitreißt: „Die Reaktionen bislang waren sehr gut, wenn nicht gar überragend. Wir haben dieses Mal wirklich hart daran gearbeitet, die Platte so hinzubekommen, wie wir sie haben wollten. Ich möchte die Platte jetzt aber nicht mit dem Vorgänger vergleichen. Beide Alben stehen für sich und reflektieren die Zeit, zu der sie geschrieben worden sind. Das hört man auch am Charakter der Platten. Für die eine haben wir schnell losgeholzt, waren heiß darauf, was auf den Markt zu werfen, jung und frisch gesignt. Da lautete die Devise „Abrissbirne“. Jetzt haben wir uns ein halbes Jahr Zeit genommen,


viel nachgedacht, viel gemacht und auch viel wieder verworfen. Wir sind einfach systematischer rangegangen und haben versucht, jede Facette, die GRANTIG ausmacht, genauer und besser auszuarbeiten.“

Die von Alex zusammengefassten Schlussfolgerungen nach dem Schreiben und Aufnehmen von zwei Longplayern überraschen nicht: „Vor allem, dass man nicht hetzen sollte. Natürlich muss man sich einen zeitlichen Rahmen vorgeben, sonst wird eine Platte ja nie fertig. Änderungen fallen einem ja immer ein, aber dieses Mal haben wir uns mehr Zeit nehmen können, obwohl es am Ende trotzdem noch mal stressig wurde. Anders als bei der ersten Platte hatten wir jetzt auch die Erfahrungen, die wir auf Tour und mit dem ganzen Business generell sammeln konnten. Auch das ist mit ins Songwriting eingeflossen, wenn auch nicht immer bewusst. Die Zeit nach unserm Debüt-Release war auf jeden Fall prägend für den Nachfolger.“

„Medizin“ stellt heraus, dass GRANTIG an Reife insbesondere im Songwriting hinzugewonnen haben und heute noch offenkundiger ganzheitliche Songs schreiben, die einen stimmigen Rahmen haben und miteinander in Verbindung stehen. Darüber hinaus ist eine bessere und stimmigere Verbindung von Musik und Lyrics entstanden, was für Alex den entscheidenden Unterschied ausmacht: „Wir haben dieses Mal mehr mit den Texten gearbeitet. Wenn der Text oder eine bestimmte Stelle gerade nicht eine härtere musikalische Untermalung braucht, haben wir das auch gelassen. Beim letzten Mal haben wir die Texte meist auf fertige Songs gemacht. Da fiel es dann schwer, noch Akzente zu setzten. Jetzt ist das alles ausgefeilter und wenn wir singen „Lass es raus“ haben wir das Ganze auch versucht musikalisch spürbar zu machen. Der Hörer begreift die Symbiose zwischen Musik und Text besser.“ Doch auch musikalisch gab es Baustellen, die bewusster bearbeitet worden sind:

„Hooklines waren uns dieses Mal besonders wichtig. Ich würde nicht leugnen, dass wir versucht haben, viele Refrains catchy zu machen. Das heißt aber nicht, dass wir uns an plakativen Schlagwörtern bedient haben und sie mit schönem melodsichen Cleangesagn untermalt haben. Generell wollten wir den Gesang und die Texte mehr in Vordergrund rücken. Beide sind facettenreicher und ansprechender geworden, was ein wichtiges Merkmal der Platte darstellt. Der Groove kommt dann meistens von alleine.“ Mit der bisherigen Entwicklung von GRANTIG und auch der Aufnahme im In- und Ausland zeigt sich der Bassist insgesamt zufrieden:

„Über uns wurde ja sehr viel geschrieben und gesprochen, und auch im Ausland genießen wir einen gewissen Exotenbonus. Die Presse-Resonanz war hervorragend. Ich bin mir nicht sicher, aber wahrscheinlich hätten wir weitaus weniger Aufmerksamkeit bekommen mit englischen Texten. Deswegen glaube ich, kann es auch leichter sein, als deutsche Band mit deutschen Texten an den Start zu gehen. Was sich allerdings als schwierig herausstellt, ist, gebookt zu werden. Als 08/15 Death-Metal-Band hat man es leichter einen Festivalslot zu bekommen als wir. Bisher jedenfalls.“

GRANTIG sind von den eigenen Qualitäten felsenfest überzeugt und das spürt man auf „Medizin“ deutlich. Gebt ihnen ruhig eine Chance. Sie haben es verdient!

 
 Links:
  myspace.com/grantig
 
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