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Misery Speaks

Storie von: arne, am 18.05.2009 ]

Die Gelegenheit war günstig und verlockend: Im Zuge des Einstiegs ihres neuen Frontmanns Przemek Golomb haben MISERY SPEAKS die Chance genutzt, auch eine stilistische Kurskorrektur vorzunehmen. Das stellt der dritte Longplayer der Münsteraner, „Disciples Of Doom“, klar heraus. Das variable Organ des Neuzugangs bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten, die das Quintett gerne ausschöpft.

 
Nach dem beinharten, selbst betitelten Debüt zeigten sich MISERY SPEAKS bereits auf dem Zweitwerk „Catalogue Of Carnage“ vielschichtiger angelegt und in ihren Einflüssen breiter aufgestellt. Ohne den Basis-Sound im melodischen Death Metal zu offensichtlich aufzugeben, setzen die Musiker auf ihrem Drittwerk noch stärker auf rockige Tedenzen, indem sie Groove-betonter agieren und sumpfig-sludgige Tendenzen im Stile von Withered, Entombed oder Mastodon zwanglos mit einbinden. Kein Wunder also, dass die Erwartungen an das Feedback von engen Freunden, Label und Management groß waren: „Die Reaktionen aus unserem nächsten Umfeld waren durchweg sehr positiv,“ verrät Schlagzeuger Janosch Rathmer.

„Gut, ein paar Leute beim Label mußten sich erstmal an den „neuen“ Sound gewöhnen, aber nach mehrmaligem Hören sind alle sehr begeistert. Das gilt auch für uns. Die Platte zeigt MISERY SPEAKS zum ersten Mal als komplette Einheit. Die Musik ist pures Herzblut, und auch der Sound ist der, den wir uns für die Platte gewünscht haben. Geplant war dieser Schritt nur bedingt. Wir wollten einfach eine ehrliche Platte machen, in erster Linie ehrlich zu uns selbst. Das Ergebnis hat auch uns überrascht.“ Während eine Vielzahl von Metal-Kombos ihre eingängige Anlage in der Hoffnung betont, kommerziellen Anklang zu finden, straffen andere Gruppen ihren Sound und stellen ihre technische Seite heraus. Die Münsteraner tun weder das eine noch das andere. Gerade deshalb stehen sie mit ihrem „Disciples Of Doom“ am Ende als Sieger im Ring:

„Ich muß sagen, dass mir die Entwicklungen, die der Metal im Moment durchmacht, zum größten Teil gar nicht schmecken. Du hast schon Recht mit deiner Beschreibung. Entweder, die Bands klingen weichgespült und setzen auf schmierige Melodien, oder sie wollen immer extremer, technischer und härter klingen. Dabei vergessen viele Bands allerdings, dass es viel wichtiger ist, gute Songs zu schreiben, als einen Blastbeat in 2000 bpm zu spielen oder 350 Breaks in einen Song zu packen. Zudem klingen doch fast alle Sachen heute total totproduziert und klinisch trocken. Jeder versucht, noch mehr die Extreme auszuloten und krampfhaft etwas Neues oder noch Krasseres zu erschaffen. Das funktioniert auf Dauer nicht. Da sind mir die Leute, die sich bei Papa die erste Black Sabbath-Scheibe ausleihen, sich eine „Sportzigarette“ anzünden und versuchen, einfach gute Rocksongs zu schreiben, um Einiges lieber.“

Angesichts dieser Aussage überrascht es nicht, wenn MISERY SPEAKS nicht mit dem Trend gehen, für sich einen eigenen Weg suchen und weit zurück blicken, um sich inspirieren zu lassen: „Wir hatten dieses Mal eine klare Vorstellung davon, wie der Sound der neuen Platte sein sollte. Unsere Vorstellungen konnten wir mit unserem Produzenten Jonas Kjellgren (Sonic Syndicate, Scar Symmetry) auch super umsetzen. Wir haben z. B. nicht mal die Bassdrum getriggert. Es ist alles sehr natürlich und erdig geblieben. Künstler, die uns heute noch beeinflussen, sind vor allem die Bands, mit denen alles angefangen hat. Auf der einen Seite Black Sabbath, Thin Lizzy, Iron Maiden usw. Da wir aber immer noch extremen Metal spielen, gilt es auch Bands wie Edge Of Sanity, Pantera


und Testament zu nennen. Die paar Tage auf Tour mit Entombed haben uns zudem gezeigt, wie wichtig es ist, dass die Songs rocken müssen. Unabhängig von der Frage, welche Musik man spielt.“ Auf den Gesamtsound und die Nachhaltigkeit von „Disciples Of Doom“ wirkt sich die skizzierte Einstellung bzw. Erkenntnis unglaublich aus. Ähnlich der letzten Fear My Thoughts-Scheibe ist ein organisches, brachiales und schön differenziertes Werk entstanden, an dem sich Freunde Stil-übergreifender Modern-Heavy-Sounds kaum satthören können werden:

„Meiner Meinung nach sollte eine Band immer das machen, worauf sie Bock hat. Es gibt genug gesichtslose Bands die sich irgendwelchen Trends anpassen. Es ist allerdings viel wichtiger, dass man auch zu 100 Prozent hinter der Mucke, die man spielt, stehen kann. Es ist wichtig, mit Leidenschaft und Herzblut zu spielen. Das hört man hinterher schließlich auch. Wie die Entwicklung einer Band dann von den Fans und der Presse aufgenommen wird, ist dann fast zweitrangig. Wenn es den Leuten gefällt und sie merken, dass die jeweilige Band eine ehrliche und gute Platte aufgenommen hat, ist es umso besser. Natürlich haben wir uns auch Gedanken darüber gemacht, wie der kleine „Kurswechsel“ bei den Leuten wohl ankommt, aber letztendlich müssen wir uns mit dem Sound, den wir spielen, wohl fühlen. Ich denke, man hört es, dass wir dieses Mal einfach tierisch Bock hatten, diese Songs aufzunehmen.“ Die Mischung aus rollend-stampfiger Lockerheit und offensiver Brutalität, die stets mit guten Melodien kombiniert wird, hat es in sich. Dabei finden MISERY SPEAKS gerade in den vielschichtigen, düsteren Passagen ihre besten Momente, in denen sie die musikalische Dichte und das Volumen ihrer Stücke in ungeahnte Höhen schrauben. Da bleibt nur zu hoffen, das Fans und Presse nicht vorschnell urteilen, denn das würde zu falschen Schlüssen führen:

„Diese Gefahr besteht auf jeden Fall und ist auch, denke ich, ein Problem für viele Bands. Gerade bei einer Platte wie „Disciples Of Doom“ ist es wichtig, dass man ihr ein bisschen Zeit gibt. Vielleicht gefällt sie auch Leuten, die vorher noch nicht viel mit uns anfangen konnten, aber man muß sich wenigstens mit ihr beschäftigen. Ich weiß, dass viele Journalisten in eine Platte maximal zehn Minuten reinhören und dann die Punkte vergeben oder sogar ein Review schreiben. Das geht gar nicht und ist unfair.“ Stimmt, zumal MISERY SPEAKS ein Album vorlegen, das es in sich hat, und dass sich als brachiales „Groove-Monster“ entpuppt: „So kann man es ausdrücken,“ stimmt Janosch zu. „Nein mal im Ernst, es war uns einfach wichtig, dass die neue Platte rockt, groovt und einfach Eier hat. Für mich ist ein Song auch nicht heavy, wenn er nur aus Blastbeats und derben Moshparts besteht. Guck dir Pantera an. Jeder, der bestreitet, dass sie die härteste Band aller Zeiten waren und auch noch immer sind, sollte sich was schämen. Sie sind es, weil sie den Heavy-Groove perfektioniert haben. Wir haben uns dieses Mal alle etwas zurück genommen, um als Band zusammen den Groove zu finden. Die ganze Herangehensweise war bei „Disciples Of Doom“ insgesamt sehr klassisch, ohne dass wir unsere Wurzeln vergessen haben.“

 
 Links:
  myspace.com/miseryspeaks
 
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