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Insect Warfare

Storie von: arne, am 02.05.2009 ]

Die Texaner von INSECT WARFARE sind dieser Tage präsenter denn je. Obwohl sich die Grindcore-Kombo aus Houston bereits vor einiger Zeit aufgelöst hat, erschienen kürzlich die lang angekündigte Split-5Inch mit Agoraphobic Nosebleed, Stücke auf dem Relapse-Sampler „This Comp Kills Fascists“ und natürlich die Wiederveröffentlichungen des einzigen Longplayers „World Extermination“ auf Earache. Die One-Sided-LP „Noise Grind Power Death”, die gerade auf 625 Thrashcore von Max Ward erschienen ist, wird das letzte Release der Gruppe sein.

 
„Das Kapitel INSCET WARFARE ist eigentlich längst durch, denn die Band gibt es ja schon lange nicht mehr,“ bestätigt Gitarrist Beau Beasley. „Die 53-Song-EP auf 625 muss aber noch sein. Das sind unsere letzten Aufnahmen, die für mich die besten Stücke der Band darstellen. Wir wollten etwas machen, das zwischen der ersten Anal Cunt 7Inch und Arsedestroyer's „Teen Ass Revolt“ liegt, und das ist uns gelungen. Allein mit dem Einsatz von Schlagzeug, Vocals und Noise ist etwas entstanden, was sich gänzlich von „World Extermination“ unterscheidet. Zu hören sind Störgeräusche; Blurrcore ohne Gitarren und Bass.“ Die Gründe für das zu frühe Aus der Texaner sind verständlich, so, wie sie Beau darstellt: „Ich langweilte mich immer mehr. Für INSECT WARFARE habe ich insgesamt 75 Songs geschrieben. Danach hatte ich weder Ideen für weitere Stücke, noch wollte ich weiter mit diesem Stil unterwegs sein. Es war schlichtweg alles gesagt. Wer an einem solchen Punkt steht, und sich durchringt, einfach weiterzumachen und sich zu wiederholen, langweilt sowohl sich als auch andere. Das wollten wir nicht tun. Es war nur konsequent, aufzuhören.“

Die Erlebnisse mit der Band sind schnell zusammen gefasst: „Wir sind 2004 gestartet und haben von Beginn an Grindcore im Stile des frühen 88/89 UK Grinds gespielt, den wir später mit einigen noisigen Elementen der 90er angereichert haben, wie sie von Warsore, IRF, World, 7 Minutes Of Nausea etc. bekannt sind. Wir haben einige schreckliche Songs geschrieben, wenige Touren gespielt und uns wieder aufgelöst.“ Dabei unterschlägt der Gitarrist, dass alle Releases von INSECT WARFARE schnell vergriffen waren und bereits zu gesuchten Sammel-Objekten geworden sind. Fans haben sich die Texaner trotz ihrer propagierten Anti-Haltung mit krassen und effektiven Stücken schon erspielt:

„Ich selbst habe für uns das Label „Elitist Grindcore Assholes“ geprägt, dass unsere Einstellung meiner Meinung nach am Besten widerspiegelte. Wir sind sehr ignorant gewesen und das völlig bewusst. Einen besonderen Ansatz hatten wir aber nicht, sieht man von der Tatsache ab, dass wie versucht haben, immer schneller und schneller zu werden. Mit der Zeit haben wir dann stärker mit Blurrcore-Sounds experimentiert, doch abgesehen davon, sind INSECT WARFARE die Zeit ihres Bestehens musikalisch unverändert geblieben.“ Wie sehr sich Beau von seinem früheren Outlet gedanklich distanziert hat, wird im Rückblick auf den einzigen Longplayer deutlich: „Wenn ich „World Extermination“ heute höre, klingt die Platte für mich einfach tot. Die Band ist lange durch und heute stehen andere Projekte im Vordergrund. Natürlich spiegelt das Album wider, wer wir zum Zeitpunkt der Aufnahmen gewesen sind, doch es gefällt mir nicht, im Zuge der Wiederveröffentlichung so intensiv zurück blicken zu müssen. Das Re-Release zieht größere Kreise, als ich es für möglich gehalten hätte. Wir haben ja nichts Besonderes gemacht. Ich habe unglaublich viele Songs geschrieben, von denen die besten 20 auf der Platte gelandet sind. Der Anspruch war schon fokussiert, denn es sollte ein


straffes Album ohne Filler entstehen. Andere Bands haben das auch getan und ebenfalls gute Longplayer veröffentlicht.“

Die späte Würdigung des Schaffens von INSECT WARFARE auf breiterer Front hat für den Gitarristen dennoch benennbare Gründe: „Mir scheint es so zu sein, als wären viele Leute von dem ganzen modernen Kram gelangweilt. Bands, die Millionen Breaks und Parts aneinander reihen und übertrieben technisch agieren, hat man irgendwann einfach über. An diesem Punkt stehen wir heute. So geht es mir ja auch. Was mich catcht und meine Aufmerksamkeit erregt, sind direkte, klare und brutale Songs, die eben das sind, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Unnütze Komplexität bringt einfach nichts. Von dem Interesse an INSECT WARFARE bin ich schon ein wenig überrascht, aber letztlich stehe ich all dem, was jetzt passiert, sehr gleichgültig gegenüber. Natürlich ist es schön, wenn „World Extermination“ breiter gestreut wird und mehr Leute davon erfahren. Was mir auffällt, ist die Tatsache, dass die Zeit heute reifer zu sein scheint. Leute verschiedener Underground-Spielarten suchen neue Sounds und sind offen für Neues. Der Blick zurück auf die Ursprünge extremer Musik hilft der Platte, die scheinbar perfekt in die Zeit passt. Die eine Minute sind wir Grindcore, in der nächsten experimentell und in der dritten dann psychotisch. Eben so ist die heutige Zeit.“

Neben der eigenen Scheibe empfielt Beau dieselben Bands und Alben, die auch ihn maßgeblich geprägt haben: „Was die Leute hören sollten, sind Klassiker wie Napalm Death's „From Enslavement”, Phobia's „Means Of Existence”, ArseDestroyer's „Teen Ass Revolt“, Assuck's „Misery Index“ und schließlich Discordace Axis' „JouHou”. Diese fünf Platten spiegeln all das wider, was extreme Underground-Musik stark macht und auszeichnet.“ Entgegen eigentlich berechtigt scheinender Erwartungen wehrt sich Gitarrist Beau entschieden dagegen, INSECT WARFARE als DIY-Band zu verstehen: „Auf keinen Fall. Mit DIY möchte ich unter keinen Umständen assoziiert werden. Das steht für mich für reiche Muttersöhnchen in Hoodies, die Crust-Patches und Dystopia-Shirts tragen und sich selbst zu wichtig nehmen. Mit denen will ich nichts zu tun haben. Alles, was ich je getan habe, ist das Ergebnis meiner Hände Arbeit. Dabei hat mir niemand geholfen. Natürlich versuche ich, auf alles einen möglichst starken Einfluss zu nehmen, aber das ist nicht mit DIY gleich zu setzen. Ich bin zu penibel und ein zu großes Arschloch, um andere meine Probleme und Aufgaben lösen zu lassen.“

Vom diesem Statement lässt sich prima auf die Attitüde von „World Extermination“ und den anderen Veröffentlichungen der Texaner schließen. Dabei scheint gerade die arrogante und rigorose Haltung der Musiker den entscheidenden Unterschied auszumachen. Es ist wirklich schade, dass es INSECT WARFARE nicht mehr gibt: „Unser Schlagzeuger ist heute in der Death Metal-Band Demonical Genuflection aktiv. Ich selbst experimentiere mit Noise-Sounds und spiele in der 70er-Style-Punk-Band The Homopolice irgendwo zwischen GISM und The Stooges.“

 
 Links:
  insectwarfare.com
 
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