Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1758

War From A Harlots Mouth

Interview von: Flo mit Simon, am: 29.04.2009 ]

Ihr letztes Album und Lifeforce Debüt „Transmetropolitan“ ist seit knapp 1 ½ Jahren veröffentlicht und schon läuft die Berliner Kreativzentrale erneut auf Hochtouren. „Schlüssiger“, „salonfähiger“ soll es sein, das neue Werk. Der Band selbst gehen Stil und Genrebezeichnungen gegen den Strich, man wolle schließlich spielen, wo nach einem der Sinn steht. Generell hat man es aber auf „In Shoals“ mit einer lupenreinen Frickel-Brutalo-Scheibe zu tun, welche sich aus einem wilden Mix aus Grindcore-Gemetzel, Death Metal, Mathcore und Screamo Metal, garniert mit Drum ´n Bass bzw. relaxten Instrumental-Parts, zu einer erstaunlich homogenen Rille formt.

 

Musicscan: Was genau hat es mit dem Cover bzw. mit euren unkenntlich gemachten Gesichtern auf sich? Kritik an einer gesichtslosen Gesellschaft, an Gleichschaltung oder einfach nur ein unbedarfter Gag?

War From A Harlots Mouth: Die ursprüngliche Idee hinter dem unkenntlich machen unserer Gesichter lag darin begründet, dass wir uns als Band sehen, in der die einzelnen Individuen einfach keine große Rolle spielen. Wir legen keinen Wert darauf, als Personen im Mittelpunkt zu stehen oder als Einzelpersonen besonders wahrgenommen zu werden. Die Band funktioniert als Einheit und sie brauch keine einzelnen Rockstar-Figuren. Nicht, dass wir das Potential zu Rockstars hätten, aber wir wollten damit einfach nur verdeutlichen, dass wir da keinen Antrieb haben. ;) Im Kontext des Albums bot sich das dann ebenfalls an, da in den Texten oft von „Ihnen“ und „Sie“ gesprochen wird. Es geht um Personen in Machtpositionen, vor allem um solche, von denen wir nicht wissen, wer sie sind und was sie genau tun. Wir sind auch alle ein bisschen von Akte-X inspiriert (und große Fans der Serie), daher hat uns dieser Einfluss im Endeffekt die konspirative Komponente in Texten und Cover-Artwork schmackhaft gemacht.

Musicscan: Falls ich richtig liegen sollte, schließt sich der Kreis hier mit dem Albumtitel bzw. einer „massenhaften Gleichschaltung“?

War From A Harlots Mouth: Das kann man schon zusätzlich auch so sagen, ja…mit der Kritik an einer gesichtslosen Gesellschaft oder Gleichschaltung, die du schon in deiner ersten Frage vermutet hast, liegst du auch teilweise richtig. An sich decken Titel und Texte also schon auch diese Formen der Kritik ab, aber auch hier setzen wir wieder auf die konspirative Note und spielen zusätzlich auf die Unbekannten an, die quasi bedrohlich in Schwärmen über uns einfallen…ohne, dass wir es unbedingt bewusst wahrnehmen.

Musicscan: Was würdet ihr als größten Missstand im Jahr 2009 bezeichnen? Wie versucht ihr als Band, das aufzuarbeiten, zu verarbeiten? Wie politisch darf / sollte man als Band werden bzw. sein dürfen?

War From A Harlots Mouth: Ich denke das viele Menschen zu faul sind, gegen offensichtliche Missstände etwas zu unternehmen, ist eigentlich einer der großen Missstände im Jahr 2009…auch wenn dieser nicht erst seit 2009 besteht. Es gibt in vielerlei Dingen ein Ungleichgewicht, es werden Entscheidungen getroffen, die wir als Volk, von dem angeblich die Macht ausgeht, nicht unterstützen…und trotzdem werden sie durchgesetzt. Und ich denke, das liegt auch daran, dass viele Menschen vor dem Fernseher hocken und mit Chips auf dem Bierbauch darüber nörgeln, im Endeffekt aber weniger dazu bereit sind, aktiv zu werden und etwas zu tun. Wir verarbeiten das in unseren Texten in sofern, dass wir darüber sprechen. Wir wollen niemandem vorgeben, was er zu denken hat…wir wollen maximal zum Denken anregen. Und auch das erwarten wir nicht von dem, der unsere Musik hört. Im Endeffekt ist unsere Musik ein gutes Ventil für unsere Gedanken und für das, was uns bewegt und eine gute Möglichkeit, darüber zu sprechen. Was der Hörer damit anfängt, ist seine Sache. Und eine Band darf denke ich so politisch werden, wie sie will, wenn sie einem die Möglichkeit lässt, sich seine eigene Meinung zu bilden, statt vorzuschreiben oder zu missionieren.

Musicscan: Sobald eine Band technischen Anspruch oder Komplexität an den Tag legt, wird meistens gleich der Meshuggah-Vergleich auf den Tisch gebracht. Wo seht ihr euch im heutigen Sumpf bzw. der Vielfalt an Bands, die fast wie Unkraut aus dem Boden sprießen?

War From A Harlots Mouth: Nun ja…was sprießt schon nicht wie Unkraut aus dem Boden?! Vor ein paar Jahren waren es die Metalcore-Bands, davor war es der New Metal…die Dinge entwickeln sich halt und so auch die Musik. Das ist ja auch nicht nur auf den Metal- und Hardcore-Sektor beschränkt, sondern zieht sich ja durch die meisten (modernen) Genres. Es ist eigentlich ganz interessant…als wir damals mit WFAHM anfingen, war es irre schwer Leute zu finden, die Lust auf die Musik hatten, die wir spielen wollten. Wir waren ein Neben- und Spaßprojekt und hätten auch nie erwartet, dass sich daran je etwas ändern würde. Musik wie diese ist erstaunlich salonfähig geworden, aber auch das bringt diese Entwicklung mit sich. Extreme Musik gibt es schon lange, und es gibt immer noch extremere Musik, und je weiter das geht, desto mehr sind die Leute dafür sensibilisiert. Wo wir uns da sehen, kann ich im Endeffekt garnicht so sehr benennen. Wir limitieren uns nicht auf ein eingeschränktes Spektrum…wir machen einfach das, was wir wollen. Idealistisch gesehen sind wir daher wohl am ehesten in der Hardcore / Punk Ecke einzuordnen, denn wir lassen uns nicht diktieren, was wir zu spielen haben, um irgendwo hinzupassen.

Musicscan: Im April seid ihr auf Tour mit 6 weiteren Bands… Wie wollt ihr die Leute vor den Kopf stoßen bzw. heraussstechen, damit sie am nächsten Tag eine WFAHM CD und keine Darkest Hour Scheibe kaufen?

War From A Harlots Mouth: Wir haben keinen Image-Plan oder so etwas. Wir werden also nicht versuchen, der besondere Entertainer zu sein, oder besonders lustig oder böse rüberzukommen. Wir wollen ne gute Show liefern und werden unser Bestes geben. Das spricht dann hoffentlich für sich…

Musicscan: Mir scheint dieses Album noch schwerer verdaulich als das Letzte… Resultiert das aus Jam-Sessions heraus oder stückelt ihr Ideen, die euch gefallen, zusammen und schaut was am Ende dabei herauskommt?

War From A Harlots Mouth: Bisher haben wir zu „In Shoals“ eigentlich eher gegenteiliges gehört, also das es ein bisschen schlüssiger wäre. Und das mit dem stückeln und schauen was dabei herauskommt, war eigentlich mehr die Arbeitsweise, mit der wir „Transmetropolitan“ geschrieben haben. Dieses mal haben wir uns etwas mehr auf den Song als solches konzentriert…wir wollten „richtige“ Songs und nicht Ansammlungen von Parts schreiben. Und wir wollten eine höhere atmosphärische Dichte erschaffen, indem wir eben Songs miteinander verbinden, gewisse Melodien wieder aufgreifen (wenn auch variiert) und so weiter. Ich bin im Endeffekt sehr zufrieden mit dem Ergebnis und finde es auch schlüssiger und Song-dienlicher als „Transmetropolitan“, aber im Endeffekt wird das wohl jeder anders empfinden.

Musicscan: Seht ihr euch auch als sogenannte „T-Shirt“-Band? Sprich, viel Merch-Sales, wenig CDs? Wie seht ihr das?

War From A Harlots Mouth: Nein, wir sehen uns nicht als „T-Shirt-Band“, sondern als Band. Wir machen ja keine Musik um der T-Shirts willen. ;) Im Endeffekt haben wir auch mehr CD’s als Shirts etc. verkauft, was erfreulich ist. Nichts desto trotz ist Merch wichtig und wir geben uns Mühe damit. Wir haben immer sehr genaue Vorstellungen von unseren Designs und wissen auch, wer das für uns umsetzen kann. In der Regel machen wir Designs zu Songs, es gibt also immer auch eine inhaltliche Verbindung zwischen Musik und Merch / Design.

Musicscan: Denkt ihr dass man es als Band im Jahre 2009 noch wirklich zu was bringen kann? Was sind eure gesteckten Ziele, was erwartet ihr von euch selbst?

War From A Harlots Mouth: Das ist eine gute Frage. Im Endeffekt sind es bis zu einem gewissen Level immer die Bands, die an der ganzen Sache nichts verdienen, obwohl sie den Teil der Arbeit erledigen, um den es dabei eigentlich geht. Keiner von uns kann von der Sache leben, aber natürlich würden wir das gerne. Zumindest die nötigsten Rechnungen zu bezahlen, wäre schon eine schöne Sache. Wie realistisch das ist, wird sich wohl in Zukunft zeigen. Und die Zukunft endet ja nicht mit dem Ende des Jahres 2009. Unser Hauptziel ist es weitermachen zu können. Weiter touren, weiter Alben aufnehmen, weiter Musik veröffentlichen. Wohin man es als Band heutzutage bringen kann, hängt wohl immer von vielen Faktoren ab. Talent und gute Musik tut es heutzutage denke ich alleine nicht mehr. Ein dickes Marketing kann eine Band mittlerweile viel weiter bringen, habe ich ab und an das Gefühl. Oft ist es eben doch leider mehr das Business, als die Musik. Die allein macht jedenfalls nicht mehr den Unterschied von erfolgreich zu erfolglos…

 
 Links:
  myspace.com/warfromaharlotsmouth
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Bastard Grave
  Gatecreeper
  Insomnium
  Mass Worship
  Yonder

Interviews/Stories:

  Issues
  Aviana
  Guilt Trip

Shows:

  13.11. Jamie Lenman - Karlsruhe
  13.11. The Vintage Caravan - Cologne
  13.11. Deez Nuts - Karlsruhe
  13.11. Fallbrawl - Karlsruhe
  13.11. Opeth - Cologne