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Today Forever

Storie von: arne, am 23.04.2009 ]

Bereits mit ihrem Debüt „The New Pathetic“, das vor vier Jahren über den Facedown-Ableger Strike First erschienen ist, positionierten sich TODAY FOREVER als schlagkräftige und international konkurrenzfähige Hardcore-Gruppe mit Potenzial zu mehr. Allein in der eigenen Heimat nahm man trotz einiger Touren im Vorprogramm von Silverstein zu wenig Notiz von der Band aus Kassel. Mit „Profound Measures” geht das Quintett nun selbstbewusst und offensiv in die nächste Runde und veröffentlicht sein Zweitwerk via Bastardized.

 
Obwohl die Nordhessen keine Christen -Band sind, sehen sich die Musiker nach dem Release auf Strike First mit diesem Vorurteil belegt: „Wir haben den Eindruck, dass diese Wahrnehmung unsere Band limitiert und viele Dinge unnötig erschwert hat, wie z. B. von Magazinen reviewt oder sogar interviewt zu werden und in bestimmten Clubs eigentlich passende Shows zu bekommen,“ fassen Gitarrist David und Bassist Marco ihre Erfahrungen zusammen: „Der Großteil der Hardcore-Szene scheint dabei toleranter zu sein, als es so mancher Schreiber ist. Schon das unbegründete Vorurteil, TODAY FOREVER seien eine Christenband, reicht vielen, um das Thema unserer Gruppe zu den Akten zu legen und sich nicht einmal mit uns zu beschäftigen. Das ist ein Stück weit frustrierend, denn wie sollen wir vermitteln, dass wir keine Christenband sind, wenn man nicht einmal die Chance bekommt, das richtig zu stellen und etwas dazu zu sagen. Was kaum besser ist, sind Interviews, die sich ausschließlich um Fragen in Bezug auf das Christen-Ding drehen, die unsere Musik und alles andere, was die Band ausmacht, einfach außen vor lassen. Andere Gruppen haben es da weitaus leichter.“

Aufgesteckt haben TODAY FOREVER glücklicherweise nicht, und sie unternehmen mit „Profound Measures” nun einen weiteren Versuch, mit ihrer Musik zu überzeugen. Die Kasseler haben 14 mitreißende Tracks im Gepäck, die eine optimal ausbalancierte Mischung aus melodisch-intensivem Hardcore, vertrackteren New School-Passagen und eingängigen Pop-Zitaten darstellen. Das Timing scheint optimal, denn derartige Sound, noch dazu in dieser Konsequenz, spielen heute nur wenige europäische Bands, was die Differenzierung zum Gros moderner HC-Kapellen vereinfacht: „Das stimmt schon, aber nur, weil Hardcore gerade nicht so präsent ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass er weg ist. Es war schon immer so, dass bestimmte Underground-Richtungen gerade besonders „In“ sind und Mainstream werden, wie z. B. Crossover, Nu-Metal oder aktuell Deathcore, und dann wieder verschwinden und die Leute sich neue Sounds suchen. Woran das nun genau liegt, sollte man vielleicht mal erforschen. Mit TODAY FOREVER spielen wir von jeher einen Stil, der bisher noch nicht total in Mode oder so extrem präsent war, der unseren Namen aber schon ins Gespräch gebracht hat, denn wir sind aufgefallen. Es ist so ähnlich wie bei Bands wie Sick Of It All oder Ignite, die auch seit Jahren ihr Ding durchziehen und sich nicht von Trends beirren lassen.“ Anders als den internationalen Größen fällt es den Hessen jedoch etwas schwerer, sich als deutsche Hardcore-Kombo ohne ausgewiesene Metal-Kante Beachtung in der Szene zu erarbeiten:

„Es stimmt schon, man kann uns vom Sound her nicht so leicht in eine Sparte stecken, was eine genaue Positionierung erschwert. Wir begreifen das aber als etwas Positives, das uns langfristig helfen wird. Denn mit unseren leidenschaftlichen Live-Shows und unserem speziellen Sound haben wir einen hohen Wiedererkennungswert.“ Das stimmt und gerade durch ihre Tour-Aktivitäten sind die Nordhessen über die Jahre immer


besser geworden, wie „Profound Measures” beweist: „Seit „The New Pathetic“ sind ja mittlerweile vier Jahre vergangen. In dieser Zeit haben wir einige größere Touren gespielt, waren mehrere Wochen in den USA und im europäischen Ausland unterwegs und haben als Band in dieser Zeit Höhen und Tiefen durchlebt, die uns im Ergebnis noch fester zusammenwachsen haben lassen. TODAY FOREVER ist für uns mittlerweile viel mehr als nur ein Hobby. Wir sind fünf Typen, die eine gemeinsame Leidenschaft ausleben.“ Jenseits der ausgetretenen Pfade des hundertfach gehörten Hart-Zart-Schemas gelingt es dem Fünfer, musikalisch etwas Neues zu erschaffen und erkennbar eigene Akzente zu setzen. Die latente Hymnen-Orientierung der Tracks, die wohl dosierten Mosh-Parts und die effektiv eingestreuten Chor- bzw. Shout-Out-Parts tragen das ihre dazu bei, dem Zweitwerk zu weiterer Nachhaltigkeit zu verhelfen und Hardcore-Hörer zu begeistern. David und Marco sehen ihre Hörer dabei nicht unbedingt in den jüngeren Jahrgängen, die melodischem Hardcore häufig schneller verfallen:

„Unsere Zielgruppe liegt definitiv nicht nur unter zwanzig Jahren. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass wir sowohl bei einem jüngeren als auch bei einem älteren Publikum und sogar bei Leuten, die sich selbst nicht unbedingt der Hardcore-Szene zugehörig fühlen, gut ankommen. Wobei wir natürlich zugeben müssen, dass die meisten Typen, die Shows mit uns buchen oder die Jungs aus den anderen Bands, mit denen wir spielen, oft jünger sind als wir. Das ist allerdings weniger ein Problem als eher eine Chance uns unseren jugendlichen Leichtsinn zu bewahren.“ Das Zweitwerk „Profound Measures“ tritt den Beweis an, dass TODAY FOREVER auch musikalisch jung und spritzig geblieben sind: „Bevor wir im Studio waren, hatten wir das Material komplett fertig, Einiges sogar schon live gespielt, so dass sich der Soundfluss auf der Platte wie von selbst ergeben hat und alles frisch klingt. Wir streben immer danach, im Studio unter optimalen Bedingungen einzuspielen und alles auch problemlos live umsetzen zu können. Deshalb findet sich in allen Stücken viel Intuition und alles klingt natürlich. Songs entstehen bei uns meistens so, dass einer von uns mit einer Grundidee zur Probe kommt und wir alle an dieser Idee dann so lange feilen, bis alle den Song geil finden. Das kann mal schneller gehen, kann sich aber auch über Monate ziehen, wie z. B. bei ,Cellphone Slaves’. Den hatten wir eigentlich schon einmal komplett fertig, fanden ihn aber irgendwie unrund, und mit etwas Abstand ging’s dann noch mal dran. Ausschuss gibt es bei uns aus diesem Grund nicht. Wenn ein Part nicht passt oder eine Idee scheiße ist, dann fliegt er/sie bereits im Proberaum raus.“

Mit „Profound Measures“ liefern TODAY FOREVER ein rundum stimmiges und starkes Hardcore-Album ab, das als letztes i-Tüpfelchen auch noch mit Gast-Vocals von Final Prayer’s Stephan, Marco von Bury My Sins und Silverstein’s Shane aufwartet. Haltet die Augen offen, denn in Support ihrer zweiten Platte wollen die Hessen in diesem Jahr intensiv touren.

 
 Links:
  todayforever.net
 
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