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Lifeforce Part 1

Interview von: arne mit Stefan, am: 06.10.2002 ]

Die Verdienste des Chemnitzer Lifeforce-Verlages für die Hardcore- und MetalCore- Szene sind unbestritten. Stefan Lüdicke steht hinter dem "Imperium", der 1997 mit der "Mother Earth - Straightedge Compilation" auf Impression Recordings sein erstes Release vorlegte. Einige Zeit später sollte er Lifeforce übernehmen und mit dem Label GROßES erreichen. Grund genug mit Stefan über seine Erfahrungen und Einstellungen in bezug auf Label und Musik zu sprechen...

 

Musicscan: Stelle Dich bitte kurz vor...

Lifeforce Part 1: Hallo, mein Name ist Stefan, 29 Jahr alt, gut gewachsen, aber leider schon vergeben. Einige von euch kennen mich vielleicht als den Kopf hinter Lifeforce Records/ Impression Music.

Musicscan: Wie bist Du zum Hardcore/Metal gekommen? Welche Bands haben Dich in ihren Bann gezogen?

Lifeforce Part 1: Zum Metal bin ich eigentlich über meinen Bruder gekommen, da war ich so 13-14 Jahre alt und mein Bruder war ein eingefleischter Metalhead. Das war ja noch in der ehemaligen DDR und es war wirklich schwierig an Platten zu kommen, so das es mehr oder weniger über Tapetrading lief. Mein Bruder hat für die ganzen Leute aus der Szene um Gera herum immer Shirts von Bands gemalt!! und wenn ich eins haben wollte, musste ich immer erst die ganzen Titel der Bands auswendig lernen, was ich damals schon ziemlich hart fand. Die Bands, auf die ich damals stand waren Mercyful Fate, Slayer, Destruction, Kreator, Celtic Frost und natürlich unsere damaligen Lokalhelden Argus (später Moshquito). Zum Hardcore bin ich eigentlich dann so 1988/ 89 durch Bands wie SOD und DRI geraten. Es gab dann auch eine Sendung namens Zündfunk auf dem Bayerischen Rundfunk, die dann einmal im Monat ein Special mit Hardcore Bands und japanischen Grindcore hatten. Dort habe ich dann auch zum ersten Mal Bands wie Youth Of Today und Agnostic Front gehört. Meine erste Hardcore Platte war dann New York Hardcore - The Way It Is, die ich mir damals noch in Ungarn gekauft habe. 1991 habe ich mir dann die Haare abgeschnitten und nur noch Hardcore gehört, was ziemlich bescheuert war, weil mir so einige der besten Metalacts durch die Lappen gegangen sind.

Musicscan: Warum hast Du Impression gegründet? Aus welcher Intention heraus?

Lifeforce Part 1: Die Intention Impression zu gründen war es, jungen Bands die Möglichkeit zu geben, etwas auf CD oder Platte zu veröffentlichen. Die meisten Bands haben ja doch nicht das Geld ihre Songs selbst herauszubringen. Damals war das ganze Impression Ding auch nur als Hobby gedacht und sollte niemals diese Dimensionen annehmen. Wir wollten am Anfang eigentlich auch nur Straightedge Bands herausbringen, was sich mangels ausreichender qualitativ hochwertiger Bands aber schnell als Sackgasse herausgestellt hat, so das wir die Labelpolitik dahingehend ändern mussten. In der Zwischenzeit finde ich es auch ziemlich bescheuert eine Band mehr nach ihrem Lifestyle zu beurteilen und weniger nach ihren spielerischen Fähigkeiten, wie wir es leider in der Vergangenheit auch getan haben.

Musicscan: Dein erstes Release war ja die Mother Earth- Compilation. Warum hast Du mit einer Compilation gestartet?

Lifeforce Part 1: Diese Frage habe ich mir schon kurz nach dem Start gestellt. Es ist für ein Label, welches niemand kennt und um was sich die Leute einen Dreck scheren, fast unmöglich an vernünftige Bands zu kommen. Wenn Du dann noch eine Compilation machen willst, ist das schon eine ganz schön dumme Aktion. Ich war zu dieser Zeit auch drauf und dran alles sein zu lassen und lieber weiter nur zu konsumieren. Im Endeffekt hat mich diese Erfahrung aber weiter gebracht und uns auch gute Kontakte geschaffen, von denen wir heute noch zehren.

Musicscan: Was kennzeichnet in Deinen Augen gute Musik?

Lifeforce Part 1: Gute Musik muss mich sofort mitreißen. Dabei spielt es für mich überhaupt keine Rolle, ob das Metal, Hardcore, Hip Hop oder sonst für eine Art von Musik ist. Die Hauptsache ist, dass mir die Sachen gefallen.

Musicscan: Wählst Du für Deine Releases ausschließlich Bands aus, die Deinem Anspruch guter Musik gerecht werden?

Lifeforce Part 1: Dies ist das Hauptkriterium, nach dem wir unsere Bands auswählen. Sicherlich wird es mit der zunehmenden Anzahl der Releases schwieriger diesem Anspruch auch gerecht zu werden. Letztendlich können wir als Label auch nicht immer nur nach unserem eigenen Geschmack gehen, sondern müssen uns auch nach dem Massengeschmack richten, da wir als Label ja schließlich noch ein Weile existieren möchten. Es wird aber sicherlich auch weiterhin keine Veröffentlichungen geben, mit denen wir persönlich überhaupt nichts anfangen können.

Musicscan: Du hast ja Lifeforce von Rüdiger "übernommen" - sage doch bitte einige Worte dazu: Wieso hat Rüdiger aufgehört und gerade Dich ausgewählt?

Lifeforce Part 1: Rüdiger hat sich einfach nicht mehr so recht heimisch im Hardcore gefühlt, da er in letzter Zeit mehr und mehr HipHop gehört hat und darin seine eigentliche Passion entdeckt hat. Er hört sich auch nach wie vor noch Hardcore und Metal an, aber ich denke, seine jetzige Liebe gilt wohl eher dem HipHop und Reggae. Er hat letztes Jahr auch damit begonnen seine Ausbildung zu beenden, was er mit dem Label wahrscheinlich doch nicht geschafft hätte. Da es aber letztendlich Rüdigers Entscheidung war, möchte ich nicht für ihn sprechen. Ich denke Rüdiger hat uns ausgewählt, da er uns einfach für die geeigneten Leute gehalten hat, die das Label Lifeforce Records in seinem Sinne weiterführen können. Ich hoffe, es ist uns gelungen.

Musicscan: Welchen Ruf/Status hatte Lifeforce, als Du es "übernommen" hast?

Lifeforce Part 1: Als wir Lifeforce übernommen haben, war es sicherlich eines der bekanntesten Labels in Europa aber wirtschaftlich in einem sehr desolaten Zustand. Der Ruf/ Status innerhalb der Szene war sehr gut, da die Leute überdurchschnittliche Releases bekommen haben. Unter den Labels und leider auch den Bands hatten wir am Anfang mit dem Ruf der schlechten Zahlungsmoral zu kämpfen. In der Zwischenzeit hat uns diesen Ruf zum Glück ein anderes deutsches Label abgenommen.

Musicscan: Inwiefern hat er sich seither verändert - Was denkst Du?

Lifeforce Part 1: Lifeforce hat sich besonders dahingehend verändert, dass wir heute in der Lage sind unsere Rechnungen "halbwegs" pünktlich zu bezahlen. :-) Spaß beiseite, Lifeforce ist zum jetzigen Zeitpunkt präsenter als jemals zuvor. Wir scheuen uns nicht mehr davor das Label kommerzieller auszurichten, was sicherlich einige Die Hard Hardcorekids verschrecken wird. Als Label sind wir aber an einem Punkt angelangt, an dem wir entweder stagnieren oder uns weiter nach außen über die eng gesetzten Grenzen der Hardcoreszene heraus entwickeln müssen. Das sind wir letztendlich auch unseren Bands schuldig, denn diese erwarten von uns, dass wir einen guten Job für sie erledigen. Wir werden bei dieser ganzen Entwicklung die Hardcore-Attitüde nicht verlieren, da dies eine Sache ist, die uns extrem wichtig ist. Wem nützt es letztendlich, wenn unsere Veröffentlichung zwar in jedem verdammten Mega Markt zu haben sind, wir als Label aber den Bezug zur Szene völlig verloren haben?

Musicscan: Wie siehst Du Lifeforce in der Label-Landschaft positioniert? (in Deutschland, in Europa & in der Welt)

Lifeforce Part 1: Wenn man den Leuten Glauben schenken darf, die uns täglich Emails schicken oder uns sonst irgendwie anders "lobpreisen", ist Lifeforce im Moment sicherlich das erfolgreichste deutsche und wohl auch europäische Hardcore-Label. Diese Position ist einerseits schön für uns, aber es heißt auch für uns, dass wir härter denn je arbeiten müssen, um diese Position zu halten und auszubauen. In letzter Zeit sind extrem viele neue, gute Labels entstanden, die uns sicherlich noch die Hölle heiß machen werden. Weltweit liegt sicherlich noch einiges im Argen, was vor allem am immer noch recht dünnen Vertriebsnetz liegt. Wir arbeiten aber an diesem Manko und hoffen uns auf Dauer auch weltweit eine gute Position verschaffen zu können. In den USA ist uns dies besonders durch die Hilfe von Lumberjack Distribution schon recht gut gelungen. Das ist eine Sache, auf die wir aufbauen können.

Musicscan: Worauf bist Du in bezug auf Lifeforce am meisten stolz? Welche Verdienste hat sich das Label bisher erworben?

Lifeforce Part 1: Stolz... das ist immer so eine Sache. Lifeforce ist letztendlich nicht durch mich entstanden und ich mich immer etwas schwer, auf etwas stolz zu sein, was im Endeffekt jemand anders aufgebaut hat. Ich bin sicherlich stolz, dass wir Lifeforce weitergebracht haben und zu dem gemacht haben, was es heute ist. Ich denke, das Label hat sich dahingehend Verdienste erworben, dass es der Welt gezeigt hat, dass auch aus Europa guter Hardcore/ Metalcore kommt.

Musicscan: Welche Rolle spielt eigentlich Silke? Hat sie in allen Belangen gleichberechtigtes Mitspracherecht?

Lifeforce Part 1: Silke spielt eine sehr wichtige Rolle. Zum ersten ist sie schon einmal die wichtigste Person in meinem Leben, auch wenn ich ihr das nicht immer zeige, SORRY!! Sie kümmert sich um die ganzen Sachen, die mit den Presswerken zu tun haben, da dies meine Nerven manchmal einfach nicht mitmachen. Desweiteren hat sie Mitspracherecht bei finanziellen Angelegenheiten und bei der Auswahl der Bands, wobei ich mir die endgültige Entscheidung vorbehalte. Es ist auch enorm wichtig, dass sie Ihre Meinung zu den Bands einbringt, da ihr Musikgeschmack in manchen Teilen doch etwas von meinem abweicht.

Musicscan: Welche Ziele verfolgt Lifeforce im Jahr 2002 und welche langfristiger?

Lifeforce Part 1: Im Jahr 2002 möchte ich vor allem die Position, die Lifeforce momentan inne hat, weiter festigen und ausbauen. Desweiteren wollen wir das Label weiter aus der Hardcore-Szene heraus öffnen. Das gelingt uns hoffentlich durch Bands wie Caliban, die mittlerweile ja auch einen recht großen Zuspruch bei den Nu Metal Kids haben, und Heaven Shall Burn. Diese beiden Bands stellen für mich persönlich die Schnittstelle zwischen der Hardcore-Szene und der "übrigen Welt" dar. Dies soll jetzt keineswegs so klingen, als ob die übrigen Bands auf unserem Label dies nicht könnten oder gar niedriger bewertet werden, aber Tatsache ist es nun einmal, dass gerade diese beiden Bands in bezug auf eine Gratwanderung zwischen den "Szenen" Pionierarbeit geleistet haben.

Musicscan: In letzter Zeit hast Du ja viele Bands gesigned - befindest Du Dich auf Expansionskurs? Fürchtest Du nicht mit zunehmender Release-Zahl eher auf Quantität denn auf Qualität zu setzen?

Lifeforce Part 1: Sicherlich haben wir in letzter Zeit einige Bands gesigned, was das Wachstum eines Labels aber einfach mit sich bringt. Wir streben in absehbarer Zukunft an wenigstens ein Release pro Monat zu haben, was momentan noch etwas abwegig ist. Wir haben weder die Mittel noch die personellen Kapazitäten dazu. Dabei soll natürlich weiterhin die Qualität unserer Releases im Vordergrund stehen. Wie ich aber auch schon vorhin sagte, kann ich nicht immer hundertprozentig nach meinen persönlichen Vorlieben entscheiden. Letztendlich kann ein Release auch qualitativ hochwertig sein, wenn es nicht meinen Musikgeschmack trifft. Ich bin schließlich nicht das Maß aller Dinge...

Musicscan: Hast Du einen gewissen Qualitäts-Anspruch, den Du mit jedem Release erreichen willst? Wie sieht er aus?

Lifeforce Part 1: Der Qualitätsanspruch liegt wohl darin, dass wir mit unseren Veröffentlichungen Maßstäbe zu setzen versuchen und Impulse zu geben. Das gelingt uns zwar nicht immer, aber doch von Zeit zu Zeit.

Musicscan: Die Fortesetzung der Labelstory kommt in Kürze, denn Stefan hat noch eine Menge zu sagen...

 
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