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Earth Crisis

Storie von: arne, am 20.04.2009 ]

Auf ihrem Comeback-Album „To The Death“ pendeln sich EARTH CRISIS zwischen ihren beiden Klassikern „Breed The Killers“ und „Destroy The Machines“ ein. Will heißen, dass die Kult-Kombo aus Syracuse ungemein metallisch in Erscheinung tritt, ihre Hardcore-Wurzeln aber mindestens ebenbürtig mit einarbeitet. In den neun Jahren ohne neuen Longplayer hat sich bei Karl Buechner & Co. Einiges an Wut und Aggression angestaut. „To The Death” ist das Ventil, mit dem sich die New Yorker lautstark und vehement Gehör verschaffen und mit dem sie gnadenlos austeilen.

 
„Es wird dich nicht überraschen, wenn ich sage, dass ich es kaum erwarten kann, mit dem neuen Album auf Tour zu gehen,“ beginnt Gitarrist Scott Grouse das Gespräch. „Uns allen hat es gefehlt, mit EARTH CRISIS unterwegs zu sein. Das Interesse der Fans ist unglaublich und es fühlt sich toll an, dass uns die Leute nicht vergessen haben und sich über unser Comeback freuen. Unsere Erwartungen sind umso größer, als dass wir glauben, ein verdammt starkes Album abgeliefert zu haben. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, „To The Death“ ist die bislang beste Veröffentlichung von EARTH CRISIS überhaupt.“ Vor dem Hintergrund unvergessener Klassiker ist das ein mehr als selbstbewusstes Statement, das Bands über ihre neuen Longplayer quasi geben müssen. Scott begründet seine Einschätzung wie folgt:

„Seit mehr als zwei Monaten höre ich „To The Death“ nun schon mindestens ein Mal am Tag, und bislang habe ich mich noch immer nicht satt gehört. Die Magie ist nach wie vor da, und deshalb kann ich aus tiefster Überzeugung sagen, dass es unsere bislang beste Platte ist. Vergleiche zu „Destroy The Machines” oder „Breed The Killers” möchte ich erst gar nicht anstellen. Das sind andere Zeiten gewesen, die man nicht vergleichen kann.“ Musikalisch haben Buechner & Co. eine kleine Frischzellenkur genossen, denn das Schaffen von Bands wie Hatebreed, Sworn Enemy etc. ist nicht spurlos an EARTH CRISIS vorbei gegangen. Angriffslustig und ungemein brutal entwickelt sich „To The Death” als moshige und moderne Metal-Hardcore-Scheibe, die der Szene-Legende auch heute einen Platz unter den wichtigen und einflussreichen Gruppen sichern wird. Beabsichtigt war das Comeback übrigens nur bedingt:

„Es ist wirklich so gewesen, dass wir das Kapitel EARTH CRISIS beendet hatten. Für uns alle stand außer Frage, jemals wieder unter diesem Banner zusammen zu spielen. Das lag nicht daran, dass wir zerstritten gewesen wären, oder menschlich nicht mehr miteinander klar gekommen sind. Das passiert vielen Bands und führt zu deren Ende, doch bei uns war es nicht so. Nach Jahren auf Tour ohne die nötigen Pausen waren wir komplett ausgebrannt und am Ende. Deshalb haben wir EARTH CRISIS zu Grabe getragen. Freunde sind wir aber geblieben. Das hat man ja nicht zuletzt daran gesehen, dass Ian, Erick und Karl Freya aus der Taufe gehoben haben, und wir alle gemeinsam mit weiteren Freunden als Path Of Resistance unterwegs gewesen sind. Der Schritt, auch wieder als EARTH CRISIS aktiv zu werden, hat sich quasi von selbst aufgedrängt. Wir haben einige alte Stücke gespielt und es war, als hätten wir nie damit aufgehört. Wir hätten ohne Probe direkt zur ersten Show gehen können und hätten sie gerockt. EARTH CRISIS ist Teil unserer DNA, schließlich haben wir die Band gelebt, seit wir Teenager sind.“

Das wirft unweigerlich die Frage auf, warum man anstelle einer längeren Pause auf andere Band-Konstellationen ausgewichen ist. Eine wirkliche Antwort hat Scott allerdings nicht: „Die Ideen zu den anderen Projekten waren schon da, als wir noch mit


EARTH CRISIS aktiv gewesen sind. Ursprünglich gab es andere Absichten, doch als wir dann stoppten, fühlte es sich okay an, in ähliche Richtungen zu gehen; musikalisch und textlich. Das beste Beispiel sind Path Of Resistance. Wir sind als reine Straight Edge-Band gestartet, die sich anfangs weder mit den Rechten von Tieren noch politischen Fragestellungen beschäftigte. Da wir in der Szene ein Desinteresse für diese Themen bzw. das Fehlen klarer Positionen bemerkten, sind wir in den Texten dann doch in diese Richtung geschwenkt.“ Der Schritt, EARTH CRISIS neu zu aktivieren, lag demnach auf der Hand, denn mit dieser Plattform erfährt die Message ungleich größeres Gewicht: „Die Texte und Aussagen sind das Einzeige, was Metal und Hardcore von der Mainstream-Musik absetzt. Als ich aufwuchs, waren die Texte und die Ideen wichtiger als die Musik. Ich ging auf Shows, um Dampf abzulassen und neue Dinge kennen zu lernen, die mich als Mensch weiterbringen würden. Nicht alles hat einen Sinn ergeben, aber einige Sachen habe ich tief verinnerlicht und bis heute nicht vergessen. Im Bewusstsein, dass ich durch Anregungen aus Texten von Hardcore-Bands ein besserer Mensch geworden bin, muss es für uns wichtig sein, diese Tradition aufrecht zu erhalten und zu versuchen, die Leute zu bewegen.“

Song-Titel wie ,When Slaves Revolt’, ,Against The Current’ oder ,What Horrifies’ belegen, dass EARTH CRISIS keinen Deut angepasster unterwegs sind und nach wie vor ordentlich Dampf ablassen. Die textlichen Feindbilder bzw. Themen sind unverändert: Veganismus, Straight Edge, die Ausbeutung des Planeten – die Welt ist in der Auszeit der Kombo weder ein besserer Ort geworden, noch haben sich die persönlichen Ansichten und Lebensstile der Beteiligten geändert: „Viele Leute identifizieren EARTH CRISIS mehr als alles andere mit direkten und deutlichen Texten. Die Mehrheit der Leute auf unseren Shows ist dabei weder vegan noch Straight Edge. Wir bekommen viele Mails und Anfragen, ob es okay ist, uns trotzdem zu mögen. „Natürlich!“ ist meine Antwort. Es geht uns ja gerade darum, dass sich Leute mit unseren Ideen und Texten beschäftigen und hoffentlich die eine oder andere Anregung für ihre Leben mitnehmen.“

Die Rezeption der Comeback-Platte bringt für Scott aber auch Unerwartetes zutage: „Gerade gestern habe ich einige Reviews gelesen, die sinngemäß thematisiert haben, wie sehr „To The Death“ nach Hardcore klingt. Die Besprechungen waren positiv, doch aus einer heutigen Warte heraus geschrieben. Die Leute kannten unsere früheren Platten offensichtlich nicht. Mir scheint es so, als sei Metal heute in der Essenz das, was früher Hardcore gewesen ist. Deshalb ist es verständlich und richtig, dass die Kids uns als Hardcore sehen, auch wenn „To The Death“ in unserem Verständnis unser bislang metallischstes Album ist. Das ist fast paradox, wenn man darüber nachdenkt. Dennoch hoffe ich, dass unsere Fans das neue EARTH CRISIS-Album positiv aufnehmen werden und wir auch Leute begeistern können, die uns nicht von früher her kennen.“

 
 Links:
  myspace.com/earthcrisis
 
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