Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1769

Swwaats

Storie von: arne, am 11.04.2009 ]

Diese Band legt es nicht darauf an, von „der breiten Masse“ gemocht zu werden: SUCCESS WILL WRITE APOCALYPSE ACROSS THE SKY (SWWAATS) aus Tampa, Florida „begnügen“ sich damit, den Extrem-Underground aus den Angeln zu heben und neu zu definieren. Das tun sie nach allen Regeln der Kunst!

 
Der lange und hintergründig scheinende Bandname ist dabei Spiegelbild des besonderen Anspruchs der Nuclear Blast-Kombo, in deren Reihen die früheren Gitarristen von Bodies In The Gears Of The Apparatus (u. a. eine tolle Split-CD mit Despised Icon auf Relapse) und der ehemalige Dehumanized-Shouter John Collett stehen. Das Sextett tritt mit seinem Debüt „The Grand Partition And The Abrogation Of Idolatry” den Beweis an, das im Spannungsfeld zwischen Blast-getriebenem Grindcore, modernem Brutalo-Death und vertracktem Tech-Metal noch immer Raum für Innovation und zur Differenzierung besteht: „Der Name bedeutet für jeden in der Band etwas anderes,“ verrät Gitarrist Ian Sturgill.

„Selbst hier treffen unterschiedliche Extreme aufeinander. Für mich persönlich gibt es dabei keine tiefere Bedeutungsebene, die erklärt werden müsste. Die Aussage ist in meinen Augen klar und deutlich. Die menschliche Gesellschaft steuert auf ihren Untergang zu und scheint sich daran überhaupt nicht zu stören. Dabei gibt es deutliche Anzeichen und offensichtliche Warnsignale, die schlichtweg ignoriert werden. Diejenigen, die etwas gegen die drohende Apokalypse tun und Veränderungen einleiten könnten, reagieren weder angemessen noch so, wie sie es sollten. Wenn es dann irgendwann doch zum nötigen Wandel kommt, kann es schon zu spät sein. Denn es dauert eine Weile, bis Maßnahmen greifen und sich beabsichtige Wirkungen einstellen. In der Konsequenz sind sie aber tendenziell zu spät dran. Eine Gewissheit, dass sich die Verfehlungen wieder umkehren lassen, gibt es überdies nicht. Die Gesellschaft spielt mit ihrem eigenen Überleben und dem Leben jedes Einzelnen. Am Ende blicken alle Hilfe suchend in den Himmel und fragen sich, warum niemand früher etwas bemerkt oder unternommen hat. SUCCESS WILL WRITE APOCALYPSE ACROSS THE SKY stammt aus einem Stück von William Burroughs, das uns alle sehr bewegt hat.“

Thrash & Burn Tour 2009

Musikalisch findet das skizzierte Endzeit-Szenario seine Entsprechung auf dem ersten Longplayer der Band. Gegenüber der Einstands-MCD auf Debello aus letzten Jahr hat sich der Sound der Musiker ein Stück weit verändert, was nicht zuletzt an der Rotation im Line-Up liegt: „Bei uns hat sich seit „Subhuman Empire“ Einiges getan. Darunter fallen nicht allein das Signing auf Nuclear Blast und die Fertigstellung unseres Albums. Wir haben die komplette Rhythmus-Sektion austauschen müssen. Mit Matt Simpson ist ein neuer Bassist und mit JR Daniels ein neuer Drummer zu uns gestoßen. Derzeit prüfen wir verschiedene Tour-Angebote, weil wir heiß sind, loszulegen.“ Für Europa steht in Kürze die „Thrash & Burn Tour 2009“ mit Bleeding Through, Darkest Hour, Beneath The Massacre, War From A Harlots Mouth, Carnifex und Arsonists Get All The Girls an, die zeigen wird, wie groß das Potenzial für eine Band wie SWWAATS hierzulande wirklich ist. Es ist vorprogrammiert, dass die Gruppe aus Florida mit ihrem Debüt „The Grand Partition…“ einer Bombe gleich einschlagen wird:

„Auf die Tour freuen wir uns, denn wir werden mit tollen Bands unterwegs sein. Daneben sind wir natürlich gespannt, zu erfahren, wie wir in Europa ankommen. Das Touren in Europa ist glücklicherweise nicht so verrückt wie hier in den Staaten, und man weiß ungefähr, womit zu rechnen ist. Was das bloße Touren anbelangt, meine ich. Solange wir essen, schlafen und unsere Songs spielen können, ist alles in Ordnung. Wenn die Leute auf uns abgehen, ist es gleich noch besser. Gerade der Umstand, das wir in einigen der bekanntesten europäischen Clubs spielen werden, ehrt uns und motiviert uns zusätzlich.“

Der Wettbewerbsaspekt

Von einer direkten „Fuck Off!-Attitüde“ angetrieben zimmern SUCCESS WILL WRITE APOCALYPSE ACROSS THE SKY ein ums andere Mal bitterböse „Nackenbrechen-Salven“, die durch Mark und Bein gehen und kein Erbarmen kennen. Fans anspruchsvoller Extrem-Sounds können sich dem nicht entziehen: „Für uns ist es spannend, festzustellen, dass so viele Leute auf uns abfahren. Insgesamt scheint es heute ja eher so zu sein, dass neuen Bands vor allem Desinteresse entgegen gebracht wird. Meiner Ansicht nach liegt das daran, dass Leute, die brutale Musik hören, besonders hohe Ansprüche haben und gute Arbeit zu schätzen wissen. Sie sind gelangweilt,


wenn Gruppen immer wieder Dasselbe spielen, denn sie wollen gefordert werden. Radio und TV bieten ihnen überhaupt nichts, also durchforsten sie den Underground und sind offen für Neues. Hinzu kommt der Wettbewerbsaspekt unserer Art von Musik. Die Bands pushen sich untereinander gegenseitig, sowohl technisch als auch im Songwriting beständig besser zu werden und nachzulegen. Im Ergebnis stehen viele interessante und abgefahrene Releases.“

Kein Wunder, dass die Musiker den extremen Metal-Sektor schlichtweg krass bearbeiten und Fans von Suicide Silence, Job For A Cowboy bis Cephalic Carnage auf SWWAATS aufmerksam werden: „Die Leute sind ebenso angepisst, wie wir es sind. Pop, Country, Rap etc. helfen ihnen nicht, den Alltag und die Aggressionen, die sich in ihnen aufstauen, zu verarbeiten. Wenn man seine Gefühle zu lange unterdrückt, fängt man irgendwann an, durchzudrehen oder Unsinn zu machen. Uns geht es ja nicht anders, denn auch wir gehen zur Arbeit, schauen Nachrichten, etc. – haben Leben, wie andere auch. Einige Leute flüchten sich in Süchte oder Schlimmeres, um mit ihren negativen Tendenzen umzugehen. Wir haben in der Musik den Kanal gefunden, mit dem Wilden und Ungestümen in uns umzugehen.“ Dabei ist die Band mehr als nur die Summe der sechs Involvierten: „Das ist uns wichtig, denn es zeichnet uns als Band aus. Als Musiker fühlen wir die Verantwortung, beständig an unsere Grenzen zu gehen. Das nehmen wir überaus ernst, doch der Spaß bleibt deshalb nicht auf der Strecke. Das Destruktive des Alltags hat bei uns keinen Platz. Könnten wir uns nicht locker machen, käme es alsbald zu einem Knall und die Band wäre am Ende. Das wollen wir nicht.“

Selbstbewusstsein erwünscht

In der thematischen Schwerpunktsetzung ihres Debüts folgen SUCCESS WILL WRITE APOCALYPSE ACROSS THE SKY ebenfalls einem reflektierten und hintergründigen Ansatz: „Der Titel „The Grand Partition And The Abrogation Of Idolatry” spielt auf etwas an, was man in der heutigen Zeit allerorten beobachten kann: Leute weichen von ihren innersten Überzeugungen ab und passen sich an ein Leben an, das nicht ihres ist. Gibt man jedoch die eigene Natürlichkeit, seine Basis, auf, verliert man das eigene Ich, was einen als Mensch auszeichnet. Die Leute scheinen zu vergessen, wie mächtig und bedeutsam jede/r Einzelne als Individuum ist. Wir weisen darauf hin, wie unnötig und gefährlich es ist, sich selbst weniger wichtig zu nehmen, als man eigentlich ist. Stellt alles, was ihr seht, lest und hört auf den Prüfstand. Entwickelt euch als Persönlichkeiten weiter und bleibt nicht still. Wir werden es auch nicht tun.“

Angesichts dieser Skizzierung überrascht es nicht, welch vernichtendes und bösartiges Werk das Debüt der Nuclear Blast-Kombo geworden ist. Die Musiker agieren durchgängig anspruchsvoll und kompromisslos, doch man kann dem wüsten und beinharten Stil des Sextetts aus Tampa, Florida ausgezeichnet folgen: „Im Songwriting fokussieren wir darauf, Momente miteinander zu kombinieren, die zueinander passen und konsistente Gefühle transportieren. Wirkliches Komponieren ist bei uns aber nachrangig. Wir vertrauen diesbezüglich auf unser Bauchgefühl. Der skizzierte Prozess gewährleistet, dass sowohl die Musik im Ganzen als auch wir als Musiker wachsen und niemals still stehen. Zugleich ist es unserer Auffassung nach der beste Weg, unsere Songs, dynamisch und intuitiv zu halten. Was dabei bislang entstanden ist, zeigt, dass wir nicht falsch liegen.“

SWWAATS würzen ihre „irrwitzigen Highspeed-Experimente“ immer wieder mit Mark erweichenden Moshparts, abgefahrener Technik und einem Mindestmaß an Melodie, das für Nachhaltigkeit sorgt: „Es ist unser Anspruch, weder uns selbst noch irgendwen sonst zu wiederholen. Die Breite der verarbeiteten Einflüsse und die Andersartigkeit unseres Sounds vermeiden das. Deshalb ist es schwer, uns mit anderen aktiven Gruppen zu vergleichen oder einen stilistischen Schwerpunkt auszumachen. Wir sind aus unterschiedlichen Gegenden und kulturellen Umständen zueinander gestoßen und nun im Line-Up einer Band vereint. Wir teilen die Überzeugung, das alles, was sich gut anhört und richtig anfühlt, so gut ist, dass wir es in unsere Songs integrieren. Abgesehen davon gibt es für uns weder Grenzen noch Restriktionen.“

 
 Links:
  myspace.com/swwaats
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Aleister
  Beneath The Massacre
  Regarde Les Hommes Tomber
  Sylosis
  Eizbrand

Interviews/Stories:

  Spoil Engine
  Une Misere
  Eskimo Callboy

Shows:

  20.02. Engst - Wiesbaden
  20.02. Erik Cohen - Dortmund
  20.02. Beartooth - Munchen
  21.02. Beartooth - Oberhausen
  21.02. Engst - Weinheim