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Callisto

Storie von: arne, am 30.03.2009 ]

Drei Jahre nach dem fulminanten „Noir“ treten CALLISTO mit „Providence“ den Beweis an, das sie den Zenit ihres kreativen Schaffens längst noch nicht erreicht haben und problemlos nachlegen können. Die Finnen zeigten sich von jeher dem Ansatz verschrieben, musikalische Ästhetik durch das Erschaffen „erhabener Kontraste“ und vielschichtiger Post-Rock-Sounds zu kreieren. Egal, ob sich die Stücke des Viertwerks nun episch breit oder zurückhaltend entwickeln: Den Musikern gelingt es, ihre Hörer zu fesseln.

 
Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass CALLISTO hierzulande nach wie vor nicht mehr als ein heißer Geheimtipp sind: „Das stimmt wohl, doch als Band haben wir uns stets mit dem zufrieden gegeben, was wir erreicht haben,“, entgegnet Gitarrist Markus. „Nach mehr, was auch immer das sein mag, haben wir nie gestrebt. Es ist offenkundig, dass unsere Songs nicht unter dem Gesichtspunkt entstehen, ob sie kommerziell erfolgreich sein könnten. Die Musik und das kreative Ausleben stehen klar im Vordergrund. Ich für meinen Teil fühle mich durchaus erfolgreich, auch wenn nur ausgewählte Hörerkreise Notiz von uns nehmen. Da wir ohnehin nicht unseren Lebensunterhalt mit der Band bestreiten wollen, haben wir viele Freiheiten, die wir schätzen und ausleben. Solange wir gute und interessante Musik schreiben, bin ich zufrieden.“

Der zweite Gitarrist Johannes sieht indes auch die Nachteile des Daseins als „Nischenband“, die CALLISTO sind: „Es scheint mir so zu sein, dass das Kennen und Treffen der „richtigen Leute” darüber entscheidet, wie weit man es mit einer Band bringen und wie viele Platten man verkaufen kann. Ohne Verbindungen hast du in der Plattenindustrie nur geringe Chancen. Im schlimmsten Fall ist es so wie bei unserem „Noir“, das in den USA erst gar nicht erschienen ist. Das hat uns enttäuscht und ist ein Rückschlag gewesen. Da wir eine Band sind, die weniger tourt, als es nötig wäre, dürfen wir uns wohl aber nicht beschweren. Auf der anderen Seite gibt es so viele Bands, die unentwegt touren und die einen tollen Vertrieb haben, die aber doch niemand kennt. Über die Jahre haben wir uns einen treuen Hörerkreis erarbeitet, auf den wir stolz sind, und haben zu schätzen gelernt, was wir mit CALLISTO haben.“ Das kreative Ausleben der eigenen Ideen ist den Finnen Lohn genug, und auch nach Jahren gemeinsamen Beisammenseins schaffen es die Musiker noch immer, zu überraschen:

„Es stimmt, wir sind schon einige Jahre beisammen, aber wir haben immer wieder Neues versucht,“ äußert sich Markus. „2001 sind wir zunächst als Quartett gestartet und haben vier Jahre später ein fünftes Mitglied, einen Keyboarder, aufgenommen, der uns musikalisch entscheidend weiter gebracht und neu inspiriert hat. So ähnlich verhielt es sich vor gut zwei Jahren, als wir einen cleanen Sänger hinzugefügt haben, der uns neue Möglichkeiten eröffnet hat. Diese bauen wir auf dem neuen Album weiter aus. Wir bleiben dem, was wir können, treu und entwickeln uns in den Feinheiten weiter. Wenn man bescheiden bleibt und beständigt danach strebt, besser zu werden, wächst man zwangsläufig. Auch wenn es ein Klischee ist: Die Musik ist nicht unser Hobby, sondern unser Leben. Gemeinsam kreativ und produktiv zu sein, und immer weiter zu gehen und keine Grenzen zu akzeptieren, ist mit das Erfüllendste, was ich jemals erlebt habe. Damit kann man nicht aufhören und davon wird beständig neu motiviert. Man darf nur nie zufrieden sein. Ich bin gespannt, was die Zukunft für uns noch bereithält.“ Hinsichtlich der bislang intensivsten Erfahrungen mit CALLISTO führt Gitarrist Johannes Verschiedenes an:

„Mir persönlich bereitet die Arbeit im Studio viel Freude, denn es ist ein Ort, in dem es allein um Kreativität und deine Fertigkeiten geht. Man wird gefordert, sein Bestes zu geben, und du bist mit dem Produkt


deiner Arbeit direkt konfrontiert. Doch auch unsere erste Tour im UK an der Seite von High On Fire ist eine Erfahrung gewesen, die ich nicht missen möchte. Immer wieder reicht es mir aber auch, zu Hause zu sitzen und Songs zu schreiben. Das Gute ist, dass jeder Tag eine neue Erfahrung bringen kann. Weniger schön ist es, wenn man proben muss, um sich für eine Tour fit zu machen, aber das gehört nun einmal dazu.“ Die finnischen Musiker genießen es auf „Providence“ offenkundig, ihre Hörer im Dunkeln stehen zu lassen oder hinters Licht zu führen. Ähnlich wie bei Khoma bestimmt das Aufeinandertreffen von zaghaftem Optimismus und bedrückender Schwere die Entwicklung der Platte. Doch anders als bei dem Cult Of Luna-Nebenprojekt dominiert bei CALLISTO im Ergebnis die Schwermut: „Die Fans dürften inzwischen mitbekommen haben, dass keine zwei Platten von uns gleich klingen und sich unsere Releases stark voneinander unterscheiden,“, so Schlagzeuger Ariel. „Der beständige Wandel macht es nicht einfach, unsere Absichten nachzuvollziehen, doch er fordert heraus. Jeder, der aufgeschlossen ist und gute Musik schätzt, wird Ansatzpunkte finden, uns zu mögen. Es ist jedenfalls nicht unsere Absicht, die Leute zu verwirren oder vor den Kopf zu stoßen. Die Entwicklung, die wir bis heute durchlaufen haben, vollzog sich natürlich und intuitiv. Geplant haben wir nichts von all dem. Von Beginn an ging es uns allein darum, möglichst perfekte Songs zu schreiben, die unseren eigenen Ansprüchen gerecht werden. Am Ende unseres Weges sind wir noch längst nicht angekommen. Für die Zukunft bieten sich viele Ansatzpunkte, noch weiter zu gehen und weitere Sachen auszuprobieren.“

Trotz weniger eruptiver Passagen wirkt das vierte Album der Fullstream-Kombo insgesamt schwer und als musikalischer Downer. Daran ändern auch die über weite Passagen clean gesungen Vocals nichts, die anders als zuletzt auf „Noir“ häufiger und dominanter zum Einsatz kommen: „Es gibt offensichtliche Veränderungen, wie unseren neuen Sänger und seine Art zu singen,“ so Ariel. „Als Musiker sind wir heute selbstbewusster, indem wir allein unseren eigenen Vorlieben und Stärken folgen. Es fühlte sich gut an, das Tempo anzuziehen und ein wenig mehr zu grooven. Insgesamt ist die neue Platte etwas genereller gehalten als „Noir“, das eher introvertiert gewesen ist. Entscheidend ist, dass wir gute Songs mit einer besonderen Aura geschrieben haben. Um das zu erreichen, vertrauen wir auf unsere Intention. Das ist eine unserer Stärken, die uns niemals im Stich lässt. Es spielt uns in die Karten, dass heute mehr Leute an Sounds interessiert sind, die ihre Absichten nicht sofort offenbaren und in die man sich hineinhören muss. Mindestens ebenso wichtig ist es aber, dass sich die Leute heute endlich auch die nötige Zeit nehmen. Das schien mir in der Vergangenheit nicht immer der Fall zu sein.“

Auch wenn Freunde anspruchsvollen Post-Rocks bei CALLISTO genau richtig sind, wird doch nicht jeder das progressive Treiben der Finnen verstehen, schließlich ist das Viertwerk überaus experimentell gehalten: „Zuallererst geht es uns darum, uns selbst herauszufordern und als Künstler zu wachsen. Die ersten Reaktionen belegen, dass „Providence“ eine gewagte Platte ist, die Zeit braucht. Eben so wollten wir es auch haben.“

 
 Links:
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