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The Agonist

Storie von: arne, am 12.03.2009 ]

Mit ihrem Debüt „Once Only Imagined“ verbuchten THE AGONIST vor zwei Jahren einen amtlichen Release-Einstand, der dem Montrealer Quartett sofort viele Sympathien einbrachte und den Weg für eine länger währende Bandkarriere ebnete. Die Kanadier sind verdammt heiß, die positiven Eindrücke sowohl zu bestätigen als auch auszubauen und ruhen sich auf den erworbenen Lorbeeren nicht aus. Mit „Lullabies For The Dormant Mind” legen sie vielmehr ein Zweitwerk vor, das zum einen wirkliche Eigenständigkeit dokumentiert und zum anderen in der vertonten Vehemenz weit über das Material des ersten Longplayers hinaus geht.

 
Ihre Einstellung teilen THE AGONIST mit Landsleuten wie Fuck The Facts, Cryptopsy, Buried Inside, Ion Dissonance oder Despised Icon. Will heißen, dass der Vierer uneingeschränkt Stil-übergreifend, progressiv bis experimentell und unerbittlich hart aufspielt: „Auch wir stoßen auf „Lullybies For The Dormant Mind” an Grenzen, allerdings nicht in dieser Grindcore-Art, wie andere Bands das tun,“ sagt Frontfrau Alissa White-Gluz. „Wir haben uns grundlegend dagegen entschieden, irgendwelchen Regeln zu folgen und haben einfach gemacht, was wir für die Musik als richtig erachteten. Wir haben mit Melina Soochan eine klassische Pianistin, die für die Orchestration des Zweitwerks sorgte. Daneben habe ich mich gesanglich völlig ausgetobt. Den Reaktionen zufolge müssen die Drums auch wahnsinnig sein. Ich schätze jeden, der sich selbst an die Grenzen treibt und die Norm herausfordert. Die Arbeit steht für mich an erster Stelle. Ich bin definitiv ein Workaholic. Die Jungs können etwas besser entspannen und Spaß haben, was auch sehr wichtig ist. Wir nehmen alles einfach nicht zu ernst und genießen die Reise, die die Musik uns ermöglicht.“ Was für Hörer im Falle von THE AGONIST das Kämpfen durch einen undurchdringlich scheinenden Dschungel bedeutet:

„Ich glaube, dass mit jeder neuen Idee erst Skepzis und dann Lob kommt. Egal, ob eine neue Musikrichtung, eine neue Kunstbewegung oder eine neue Erfindung. Die Leute fürchten das Unbekannte, werden aber auch durch ihre Neugierde angezogen und es bringt allen etwas, gegenüber neuen Ideen offen zu bleiben. Ich hoffe, dass der Grund für eine gestiegene Akzeptanz der ist, dass die Leute mehr Interesse und Bewusstsein für die Vielschichtigkeit der Musik entwickeln.“ Damit im Ergebnis dennoch ein hörbarer Gesamtsound steht, integrieren die Montrealer auch melodische Momente, groovige Rock-Passagen und sogar poppige Refrains. Erlaubt ist, was gefällt und in den jeweiligen Song passt: „Wir wachsen als Individuen und als Band und unsere Musik wächst mit uns. Es gibt schon eine große Entwicklung von „Once Only Imagined” zu „Lullybies For The Dromant Mind”. Ich kann nur hoffen, dass wir das für Album Nummer drei beibehalten oder übertreffen können. Wir sind nicht die allerbesten Freunde, wie andere Bands es sein mögen, aber wir sind eine Familie in dem Sinne, dass wir arbeiten, streiten, hassen und einander lieben können und gemeinsam etwas Kreatives und Besonderes erschaffen.“ Alissa White-Gluz beschränkt sich übrigens nicht nur auf die Musik, um sich zu verwirklichen und auszuleben: „Ich bin auch Malerin und ich würde wahrscheinlich meine Anstregnungen auf das Malen, Schule, öffentliche Vorträge und den Tierschutz richten, wenn ich nicht in einer Band wäre. Tatsächlich wird es bald Nachdrucke eines meiner Gemälde geben, das ich zum Album gemacht habe.“

Zurück zur Musik: Trotz offensiver Tempo-Orientierung bzw. vertrackter Spielereien weist „Lullabies For The Dormant Mind” fesselnde Hooklines


und viele wiedererkennbare Parts auf. Das ist die entscheidende Stärke des Albums. Es ist verdammt abgedreht und bösartig und doch jederzeit auch nachvollziehbar: „Die Songs werden für gewöhnlich wie folgt geschrieben: Danny zeichnet für die Grundideen verantwortlich. Somin und Chris fügen ihre Instrumente hinzu und helfen, dem Song etwas mehr Struktur zu geben. Dann geben sie den Entwurf an mich, so dass ich den Gesang und die Texte sowie die Songtitel schreibe. Anfangs war ich dieses Mal ungewöhnlich unsicher über das Resultat meiner Arbeit, aber während der Aufnahmen im Studio konnte ich mich immer wieder begeistern und sehen, wohin es führt. Die Harte Arbeit hat sich zweifellos gelohnt.“ Die Konsequenz, mit der THE AGONIST ihre vielschichtige, anspruchsvolle Modern-Metal-Vision auf einem hohen technischen Niveau umsetzen, beeindruckt. Nicht zuletzt aufgrund der Breite der integrierten Einflüsse: „Ich glaube, das ist das Resultat unseres breiten Musikgeschmacks innerhalb der Band. Wir müssen unsere eigenen unterschiedlichen Vorlieben erfüllen und so drückt sich das in umfangreichen Songs aus. Die größte Veränderung bzw. der stärkste Einfluss für uns als Musiker ist jedoch die Tourerfahung. Dieses Mal haben wir jedoch bewusst zum ersten Mal Songs aufgenommen, die wir nicht schon live gespielt hatten. Wir haben uns nicht vorrangig auf den Live-Sound konzentriert, sondern darauf, ein schönes und zeitloses Album zu erschaffen. Nun ist es daran, auch live eine gute Figur zu machen.“

Dabei dürfte es wiederum Frontfrau Alissa White-Gluz sein, die mit ihrem variablen und markanten Gesang, Gegrowle und Geschrei den Unterschied ausmacht und auch als „optisches Markenzeichen“ der Kanadier fungiert: „Ich denke, man könnte meine Texte als melancholisch interpretieren und den Sound als sehr leidenschaftlich. Meine Texte drehten sich nie um negative, klagende oder wütende Dinge. Ich sehe sie als Befreiung und als Anreiz, etwas Positives zu tun. Die Kraft in der Musik ist wie, als wenn man Benzin ins Feuer gibt. Die Songs haben atmoshärische Momente und es gibt einige wenige, die mehr auf Melodie und Gefühl setzen als auf Brutalität. Aber es gibt auch Stücke, die noch extremer sind als auf dem letzten Album. „Lullybies For The Dormant Mind” ist total entfesselt und unkontrollierbar, was es von einem Hördurchlauf zum nächsten so interessant bleiben lässt.“

Das verspricht explosive und fordernde Auftritte: „Jede Show ist eine Herausforderung für uns. Ist es ein Publikum, das uns kennt und liebt, wollen wir sie glücklich machen und mit dem Gefühl zurücklassen noch mehr zu wollen. Ist es aber ein Publikum, das uns nicht kennt und unsere Musik noch nie gehört hat, wollen wir sie von uns überzeugen, weil wir mehr als nur eine Stilrichtung in unserer Musik vereinen. Das hängt alles von der Stadt, dem Publikum, dem Veranstaltungsort und den anderen Bands ab. Doch egal,wie der Kontext ist – wir geben immer unser Bestes.“

 
 Links:
  myspace.com/theagonist
 
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