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General Surgery

Storie von: arne, am 03.03.2009 ]

Kaum zu glauben, aber wahr: Nur drei Jahre nach ihrem Debüt-Album „Left Hand Pathology”, das noch 18 (!) Jahre auf sich warten ließ, legen GENERAL SURGERY bereits ihren zweiten Longplayer „Corpus In Extremis: Analysing Necrocriticism“ vor. Und damit nicht genug. Die seit Jahren angekündigte und immer wieder verschobene Split-CD mit den Japanern von Butcher ABC ist endlich ebenfalls erschienen.

 
Haben die Stockholmer etwa Lunte gerochen? Mit den Jahren scheinen die legendären Gore-Grinder immer produktiver zu werden und ihren Veröffentlichungsrhythmus zu intensivieren. Dabei hätte es sogar noch schneller gehen können, wie Gitarrist Dr. Carlsson berichtet: „Das neue Album war überfällig, aber wie du weißt, hatten wir ein wenig Ärger mit dem Line-Up. Das hat die Fertigstellung letztlich um ein Jahr hinaus gezögert. Darüber hinaus haben wir mehr denn je Zeit darauf verwendet, noch stringentere und stärkere Stücke zu schreiben und diese bis zum Recording aufzupolieren. Am Ende hatten wir mehr, als wir brauchten und konnten uns die besten Songs aussuchen. Es sind sogar fünf Tracks übrig geblieben. Ich würde tatsächlich sagen, dass das Album ein ziemlich genaues Bild von dem abgibt, was GENEREAL SURGERY aktuell darstellen.“

Da zum Zeitpunkt des Interviews noch nichts Hörbares zur Verfügung stand, beschrieb der sympahtische Gitarrist die Entwicklung hin zu „Corpus In Extremis…“ kurzerhand in Worten: „Generell hatten wir keine wirkliche Strategie. Doch die Art und Weise, wie die Songs entstanden sind, hat sich deutlich verändert. Der größte Unterschied zu „Left Hand Pathology” ist es, dass es mehr eine Gruppen-Leistung ist. Wir haben den Hauptteil der Platte zusammen im Proberaum geschrieben, während das Debüt noch von mir alleine am Computer zusammen gesetzt worden ist und der Rest der Band erst später involviert wurde. Für das neue Album habe ich nicht so viele Songs geschrieben. Das hatten wir im Vorfeld beschlossen. Gemeinsam haben wir eine Menge verrückter Dinge herausgearbeitet. Neben den abgedrehten Tempowechseln, die man von uns kennt, sind die Arrangements insgesamt reifer und durchdachter. Es ist schlicht und ergreifend organischer und damit besser zu hören. Ich glaube, dass die neue Herangehensweise gut funktioniert hat, denn „Corpus In Extremis…“ ist im Ergebnis vielseitiger und dynamischer als alles, was wir davor rausgebracht haben.“ GENEREAL SURGERY bleiben ihrer Marschrichtung dennoch mehr oder minder treu und leben ihre extreme Passion gewohnt temporeich und brutal aus. Dabei steht auch das Zweitwerk des Quintetts überdeutlich in der Tradition von Carcass. In Zeiten, in denen direkte und old schoolige Extrem-Musik ein mittelgroßes Comeback feiert, passt das wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge:

„Da könntest Du Recht haben, auch wenn ich nicht wirklich weiß, was heute trendy ist.“, erwidert Dr. Carlsson. „Ich bin nicht in irgendeine Szene involviert, gehe kaum auf Shows und lese auch keine Magazine. Ich würde sagen, dass in regelmäßigen Abständen alles wiederkehrt. Das ist unvermeidlich und war schon immer so. Selbst Carcass kamen zurück und es schien, als seien sie größer als zuvor. Wenn sich das heute wiederholt, wollen die Leute das noch einmal hören. Das ist doch toll. Ich war schon beim ersten Mal dabei und ich mag den alten Kram immer noch. Also kann ich das verstehen, auch wenn es für mich persönlich nicht mehr ganz so interessant ist wie damals vor 20 Jahren.“ Kein Wunder, dass die Schweden so konsequent straff und traditionsbewusst aufspielen. Die legendären Gore-Grinder haben ihre Passion vor Jahren gefunden und seither kaum verändert: „Ich kann ehrlich sagen, dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem äußere Einflüsse für uns nicht mehr existent sind. Das gilt eigentlich schon eine ganze Weile. Innerhalb der Grenzen unserer kleinen Nische machen wir das, was wir am besten können. Wir konzentrieren uns darauf und versuchen, so gut wie möglich zu sein und immer auch irgendetwas ein klein wenig anders zu machen. Deshalb klingen wir einfach nur nach uns. Wir haben es irgendwie geschafft, mit GENERAL SURGERY etwas Einzigartiges zu schaffen. Vielleicht liegt es daran, dass wir Songs nur dann verwenden, wenn sie uns persönlich gefallen. Ich bin ein Fan unserer eigenen Musik und so muss das auch sein. Natürlich wird es immer kleine Kompromisse geben, aber 95 Prozent unseres Materials tritt ziemlich erxtrem Ärsche, meinen eingeschlossen.“

Entscheidend ist, dass der Fünfer seine Spielart mehr als nur verinnerlicht haten und tight wie prägnant auf den viel beschworenen Punkt prügelt.


„Corpus In Extremis…“ ist dabei vor allem ein cooler Titel, wie der Gitarrist verrät: „Wir haben versucht, etwas cleverer zu sein, als es gewöhnlich gut für uns ist. Es war ziemlich schwierig einen solch prägnanten Titel wie „Left Hand Pathology” zu toppen. Also ist uns das eingefallen und es passte. Wer weiß, womit wir das nächste Mal aufwarten? Ich bekomme fast Angst, wenn ich darüber nachdenke.“ Vielen Hörern dürfte es so gehen, wenn sie sich mit den schnörkellosen Old School-Attacken zwischen Death, Gore und viel Grindcore auseinander setzen: „Wir haben von uns selbst nie erwartet, „nur“ Grindcore zu sein. Es gibt viele Bands, die das besser können als wir. Höre Dir einfach mal Regurgitate, Sayyadina, Looking For An Answer und sowas an. Dann wirst du verstehen, was ich meine. Wir genießen es, Musik zu machen, die ein wenig dynamischer als das ist und damit vielleicht auch einen breiteren Geschmack trifft. Ich hoffe, dass jeder, der auf extreme Musik steht, zumindest Teile von unserem Schaffen mag.“ Das sollte so sein, denn die Stockholmer verbinden in ihren Stücken zwanglos unterschiedliche Schweregrade und Extrem-Stile: „Yeah, das trifft es ziemlich genau. Man darf dabei nicht den Old School-Metal vergessen, den wir auch mit in den Mix geben. Natürlich könnten wir das nie ohne ein Augenzwinkern tun. Deshalb darf man GENERAL SURGERY nie für bare Münze nehmen. Wir haben uns unsere Punk-basierte Einstellung bis heute bewahrt, was unser Vorteil ist, weil wir alle nicht zu viel erwarten. Inzwischen sind wir ohnehin zu alt und grau, um noch richtige Rockstars zu werden.“ Und doch haben die Schweden in der Zeit ihres Bestehens eine Menge erreicht. Von vielen jüngeren Formationen werden sie als maßgebliche Inspirationsquelle benannt: „Bis zu einem gewissen Punkt sind wir uns dieses Einflusses bewusst.“, gibt Dr. Carlsson zu. „Ich nehme wahr, dass wir für andere Musiker wichtig sind und das schmeichelt mir. Das ist jedoch nichts, mit dem ich mich viel beschäftige. Ich glaube, das trifft auch auf den Rest der Band zu. Wir sind auf dem Boden geblieben und stehen fest mit beiden Beinen auf verrottetem Grund.“ Das bedeutet auch, dass die fünf Musiker hinsichtlich der Band größtmögliche Selbstbestimmtheit leben:

„So weit es geht, behalten wir gerne die Kontrolle über alle Aspekte der Band. Der andere Grund ist, dass wir nicht groß genug sind und es wahrscheinlich auch nie sein werden, um jemandem das Geschäftliche zu übertragen. Das ist nicht nötig, weil wir bislang alles ganz gut alleine regeln konnten. Wir versuchen, die Dinge so professionell wie möglich zu führen, wobei am Ende alles DIY bleibt.“ Für die Schweden, die neben der Gruppe viele andere Verpflichtungen und Interessen haben, ist das nicht immer einfach, denn sie sind „der Szene“ inzwischen entwachsen: „Ich habe keine Ahnung davon, wie die Szene heutzutage tickt, weil ich da nicht mehr involviert bin. Wenn man 35 Jahre alt ist, gibt es andere Dinge, die einen bewegen und in die man Zeit investiert. Es dreht sich nicht mehr alles nur um Musik, auch wenn die Musik eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben ist. Was über die eigene Band hinaus geht, ist längst nicht mehr so relevant wie früher. Wie dem auch sei, ich glaube ohnehin nicht, dass die Musik jemals mehr Charakter hatte als Anfang der Achtziger, als Bands wie Black Flag, Minor Threat und Bad Brains nach oben kamen. Das ist jedoch meine persönliche Meinung.“ Die Entkopplung von aktuellen Strömungen ist eine der wesentlichen Stärken von GENERAL SURGERY. Ihr Kompromiss aus beißender Härte und brutaler Eingängigkeit ist brutal und stimmig inszeniert: „Mit der Band haben wir seit Beginn eine klare Ausrichtung und sind nicht allzu weit davon abgewichen. Das setzt sich auch auf „Corpus In Extremis“ fort, obwohl wir einige Sachen anders machen. Wenn wir jemals das Verlangen haben sollten, mehr in Richtung Dream Theater, Madonna oder Garth Brooks zu gehen, verspreche ich Dir, dass wir uns vorher auflösen werden. Um es zusammen zu fassen: Es wird immer einen kleinen Fortschritt geben, weil wir nicht vor Langeweile sterben wollen, aber Du wirst immer sagen können, ob es GENERAL SURGERY ist, oder nicht.“

 
 Links:
  generalsurgery.se
 
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