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Obscura

Interview von: arne mit Christian, am: 19.02.2009 ]

Nachdem Necrophagist mit ihren Relapse-Platten weltweit für Furore sorgen konnten, wird der Quasi-Nachfolge-Kombo OBSCURA, die flux auf demselben Label gesignt worden ist, sogleich oberste Priorität zugesprochen. Dabei markiert „Cosmogenesis“ nicht einmal das erste Release der deutschen Tech-Deather, die bislang kaum mehr als ein heißer Gehemintipp waren.

 

Musicscan: Erstmal Glückwusch zum neuen Album, das schön variabel und anspruchsvoll ausgefallen ist. Was hat zur deutlichen Straffung des Bandsounds geführt? Verglichen mit dem Debüt ist die neue Platte insgesamt deutlich fokussierter und in sich stimmiger.

Obscura: Vielen Dank für den positiven Feedback! Ich denke, für Retribution hatte die Band die gleiche Vision die wir jetzt in der neuen Zusammenstellung haben, in welche Richtung der Band Sound gehen soll. Allerdings waren die Jungs damals im Schnitt gerade mal 17 oder 18 Jahre alt und spielten noch nicht besonders lange. Sie waren zwar schon sehr gute Musiker, allerdings braucht es oftmals doch noch ein wenig mehr Erfahrung, um genau den Sound umzusetzen, den man in seinem Kopf hört. Bei vielen Bands wirst du feststellen, dass das erste Album verglichen mit den späteren noch sehr roh und ursprünglich ist und die Einflüsse noch nicht so fokussiert sind, was durchaus auch seinen Reiz hat wie ich finde. Wir spielen nun alle schon deutlich länger, jeder hat schon bei einigen Produktionen mitgewirkt, somit wissen wir nun wesentlich besser, worauf es ankommt und was nötig ist, um genau das in der Praxis umzusetzen, was man sich vorstellt.

Musicscan: Gab es im Prozess des Songwritings Diskussionen darüber, ob ihr die Ausrichtung noch deutlicher in Richtung "moderner" Stil-Elemente verlagert? Insgesamt ist "Cosmogenesis" eher traditionell angelegt und trotz eines gewissen "Crossover-Potenzials" sehr geradlinig und verbleibt letztlich klar im technischen Death-Metal.

Obscura: Nein, das verlief alles sehr natürlich. Obwohl das Material von verschiedenen Mitgliedern komponiert wurde, passten die Riffs und Melodien bzw. die verschiedenen Songs automatisch sehr gut zusammen. Das liegt sicher daran, dass die Bands, die uns im extremen Metal Bereich inspiriert haben, für alle Mitglieder die gleichen sind. Wir alle mögen progressiven Death Metal der Marke Death oder Cynic, genauso aber auch Bands wie Dissection, At The Gates, Opeth oder Emperor. Somit ergab es sich ganz natürlich, dass sich unser Stil als eine Fusion aus progressivem Death Metal und nordischen, black metallig angehauchten Sounds ergibt. Außerdem ist jeder Musiker auch sehr viele anderen Metal und nicht Metal Stilen gegenüber sehr aufgeschlossen, und uns allen war klar, dass auch eigentlich stilfremde Einflüsse und Elemente nicht außen vor bleiben würden.

Musicscan: "Cosmogenesis" stellt heraus, dass OBSCURA seit "Retribution" an Reife insbesondere im Songwriting hinzugewonnen haben und heute ganzheitliche Songs schreiben, die einen stimmigen Rahmen haben und miteinander in Verbindung stehen. Oder anders: Es gibt keine Technik zum Selbstzweck, sondern ein sich entwickelndes Album. Wie kams und was habt Ihr auf der neuen Platte anders gemacht, um diese Wirkungsrichtung zu erlangen?

Obscura: Wir versuchten bewusst, möglichst eingängige und kompakte Songs zu schreiben. Ich bin der Meinung, dass der technische Death Metal Trend die Musik langsam aber sicher zur Parodie werden lässt. Etliche Bands versuchen nur noch, möglichst viele technische Kunststücke und tausend verschiedene Riffs in einem „Song“ unterzubringen und versuchen, sich selbst dadurch zu definieren, dass sie besonders gute Techniker sind. Allein schon Begriffe wie Math Core oder Math Metal oder was auch immer sagen doch schon aus, dass Bands dieser Stilistik möglichst komplex sein wollen, nur um der Komplexität willen. Darum geht es unserer Ansicht nach in der Musik nicht. Unsere Songs haben allesamt keine komplexen Strukturen und sind sehr einfach aufgebaut. Meistens ist ein Chorus vorhanden und man findet häufig traditionelle Strukturen wie Verse, Bridge, Chorus, Mittelpart etc. Außerdem sind unsere Songs nicht besonders breaklastig, da es uns wichtig war, einen natürlichen Flow zu erzeugen. Es fliegt beim Komponieren durchaus auch mal ein Riff in den Mülleimer, das vielleicht an sich ein geiles Riff ist, den Song aber nicht weiterbringt und das ganze eventuell zu sperrig wirken lässt. Musik kann zwar durchaus technisch sein, sollte für uns aber nicht technisch klingen.

Musicscan: Was muss ein Song haben, um Euch zu rocken? Und wann wisst Ihr, dass ein Track fertig ist?

Obscura: Ein Song sollte eine bestimmte Stimmung bzw. Atmosphäre rüberbringen und seine eigene individuelle Melodik haben. Außerdem sollte ein Song meist möglichst dynamisch sein und durchaus auch unterschiedliche Emotionen vermitteln. Das kann natürlich auch mal anders sein. Beim Titeltrack zum Beispiel hatten wir das Ziel, einen Song zu machen, der möglichst kompromisslos und brutal auf die Mütze ist, wohingegen wir z.B. mit Noosphere einen Song schreiben wollten, der möglichst catchy, melodisch und zugleich futuristisch atmosphärisch ist. Ich denke, wir haben das ganz gut hingekriegt. Ich denke auch, dass jeder Song auf seine eigene Art eine Hookline besitzt.

Musicscan: Wo liegen Eure Stärken bzw. Trademarks? Was zeichnet Euch als Band aus?

Obscura: Ich denke eine besondere Stärke von uns ist es, eine gewisse subtile Melodik in den Songs zu verbraten, die aber nicht so viel mit dem typischen Schweden Death Sound zu tun hat, da 80% unseres Materials auf coolen Akkordfolgen basiert, welche dann in Riffs zerlegt werden, obwohl das manchmal relativ unbewusst geschieht. Ich denke, dass dieser Ansatz im Death Metal von anderen Bands nicht so sehr verfolgt wird. Der Fretless Bass ist sehr dominant in unserem Sound und mit dem neuen Album definitiv zum Trademark von Obscura geworden. Ausserdem sind unsere Songs leicht nachzuvollziehen und haben wie gesagt keine komplexen Strukturen. Wir schalten auch öfter mal einen Gang zurück und haben sehr ruhige und straighte Momente in der Musik, was die Songs recht dynamisch macht.

Musicscan: Mit welchen Absichten seid Ihr in das "Abenteuer" der neuen Platte gegangen? Welche Ziele habt Ihr Euch gesteckt, und warum klingt das Relapse-Debüt nun so, wie es vorliegt?

Obscura: Unser Ziel war ganz einfach, möglichst gute Songs zu schreiben und die Musik zu machen, die uns selbst auch gefällt, sozusagen ein Album, das wir uns selbst gerne kaufen würden. Wir wollten auch jedem Musiker den Freiraum lassen, in jedem Song etwas von seiner eigenen Persönlichkeit unterzubringen und nicht jedem genau vorzuschreiben, was er zu spielen hat. Der Grundstein der Songs waren immer die Riffs und die Songstruktur, bei Drumfills, Basslinien, Gesangslinien und Gitarrenleads hatte dann jeder freie Hand, weshalb die Songs letztendlich so klingen, wie man sie nun auf der Platte hören kann.

Musicscan: Wie wichtig ist es Euch, mit neuen Tracks immer wieder auch Neuland zu betreten und "Sachen" auszuprobieren, die Ihr bis dahin noch nicht versucht hattet? Was habt Ihr diesbezüglich für das Zweitwerk getan?

Obscura: Wie bereits erwähnt mögen wir alle auch viel Musik, die mit Death Metal nichts zu tun hat. Wir hatten nicht bewusst das Ziel, möglichst viele neue Sachen auszuprobieren, viel mehr war der Konsens, dass es keine Restriktionen in der Musik geben sollte. So gibt es z.B. auch mal Akkustikgitarrenparts, fusionige Soloparts oder cleane Vocoder Vocals, was sicherlich Elemente sind, die viele andere Bands im Vorfeld abgelehnt hätten. Ich habe nichts gegen solche Bands, für uns kam dieser Ansatz aber nicht in Frage, da uns dies als Musiker und Komponisten nicht zufriedengestellt hätte. Wir versuchten aber nicht, das Rad neu zu erfinden oder bestimmte Elemente in den Songs unterzubringen, nur um anders zu sein.

Musicscan: Wie viel Intuition und Bauchgefühl steckt in Euren Songs?

Obscura: Mehr als man denkt. Natürlich sind die Riffs als harmonische Basis und die Struktur der Songs vorgegeben und jeder Song ist in seiner Grundstruktur vorher auch mit Hilfe von Notationssoftware (Guitar Pro) ausnotiert. Allerdings hat jeder Musiker viele Freiheiten und viel Drumsfills, Basslinien oder Gitarrenleads sind improvisiert bzw. erst im Studio im Rahmen des Aufnahmeprozesses entstanden. Beispielsweise hat Hannes beim Solopart von Desolate Spheres sehr coole Drumfills improvisiert, an welche Jeroen seine Bassfills angepasst hat. Das Zusammenspiel zwischen Drums und Bass hat dann wiederum meine Phrasierung bei der Aufnahme des Solos beeinflusst. Ich will damit sagen, dass die Dinge, die man spiel bei uns auch davon abhängen, was den anderen so einfällt.

Musicscan: Neben den Tempo- und Technik-Parts liefert "Cosmogenesis" immer wieder auch melodische Passagen und wuchtige Grooves, die letztlich als quasi roter Faden durch das Album führen. Mit welcher Intention habt Ihr diese Parts auf die Platte genommen?

Obscura: Das liegt daran, dass uns wie gesagt auch sehr viele melodischere Bands gefallen, die nicht besonders technisch sind und einfach nur geile Songs schreiben und eine coole Atmosphäre erzeugen. Als Beispiele seien hier nochmals vor allem Dissection und At The Gates genannt. Diese Art von neoklassischeren Tonfolgen gefällt uns eben und findet somit ganz natürlich ihren Weg in unsere Musik.

Musicscan: Wie wichtig ist es Euch, in den einzelnen Songs wieder erkennbare Elemente, wie Melodien, Hooklines und Grooves zu haben?

Obscura: Die Melodik und der Abgehfaktor in den Songs sind uns mindestens ebenso wichtig in wie die progressiveren Elemente, wenn nicht sogar noch wichtiger. Das sind eben die Dinge, die einen Song ausmachen. Die Technik ist dann eigentlich nur noch das Mittel zum Zweck. Coole Drum und Bassfills so wie Gitarrensolos sind dann nur noch I-Tüpfelchen, die einen Song weiter ausschmücken.

Musicscan: Welche Entwicklungs- bzw. Erkenntnisetappen könnt Ihr rückblickend in der Entwicklung von OBSCURA ausmachen, die nun zum Zweitwerk geführt haben?

Obscura: Hm, Steffen könnte diese Frage sicher besser beantworten als ich, da er ja der einzige ist, der von Anfang an noch übrig ist. Ich denke, dass sich Steffen in den letzten Jahren als Musiker extrem verbessert hat. Eine wichtige Erkenntnis seinerseits war sicherlich, dass er, um den nächsten Schritt mit der Band zu gehen, Musiker braucht, die 100%ig hinter der Sache stehen und einen Großteil ihrer Energie auf die Band fokussieren können. Ansonsten denke ich, dass man nicht so viel dazu sagen kann – Entwicklungen und Lernprozesse eines Musikers gehen meist recht natürlich vor sich und sind den entsprechenden Personen in der Regel nicht so sehr bewusst. Cosmogenesis ist eine logische Konsequenz zum ersten Album wenn du die Jahre an Erfahrung, die dazwischen liegen, hinzurechnest.

Musicscan: Relapse scheint "Cosmogenesis" oberste Priorität einzuräumen und pusht Euch nach allen Kräften. Wie fühlt es sich an, angesichts des imposanten Roasters für den Moment eine Ausnahmestellung inne zu haben?

Obscura: Wir sind total verblüfft, wie viel Mühe sich die Jungs und Mädels geben, das Album zu pushen. Wir hätten so etwas nie im Leben erwartet. Natürlich sind wir sehr dankbar und es ist uns eine große Ehre!

Musicscan: Welche Erwartungen habt Ihr an die Kooperation mit Relapse. Was sind die Ziele, die Ihr euch mittel- und langfristig mit OBSCURA gesteckt habt?

Obscura: Hm, das kann man gar nicht so genau sagen. Als wir in dem Line Up zusammen kamen, wollten wir einfach coole Mucke spielen, die uns selbst gefällt und uns als Musiker zufrieden stellt. Das hat auch nach wie vor oberste Priorität bei uns. Das mit einem Deal verfolgte Ziel ist natürlich, über ein Label und die damit verbundenen Werbe- und Vertriebsmöglichkeiten alle Leute zu erreichen, denen die eigene Musik gefallen könnte. Wir hoffen natürlich, weiterhin regelmäßig Alben zu veröffentlichen und weltweit geile Tourneen fahren zu können. Natürlich hätten wir auch nichts dagegen, wenn wir zukünftig noch mehr Erfolg haben und die Band an Popularität wächst.

Musicscan: Relapse ist ja insbesondere an Gruppen interessiert, die viel touren. Wie wird das bei Euch sein? Die VÖ von "Cosmogenesis" ist ja ein denkbar gewichtiges Argument, die Bühnen zu rocken...

Obscura: Natürlich, wir hoffen in den kommenden Monaten und Jahren so viel wie möglich live zu spielen und unsere Musik weltweit promoten zu können. Im April geht’s einen Monat mit Cannibal Corpse auf USA und Canada Tour, im Sommer wollen wir möglichst die Festivals abchecken und dann im Herbst definitiv noch eine Europatour fahren.

Musicscan: Da Ihr die Erfahrung frisch durchmacht bzw. jetzt mit dem Relapse-Einstand in den Fokus einer größeren Öffentlichkeit rückt: Wie schwer ist es heutzutage, den Namen einer neuen Band unter die Leute zu bekommen? Was hat Euch voran gebracht und was könnt Ihr Newcomern empfehlen, die es Euch gleichtun wollen?

Obscura: In unserem Falle war das natürlich etwas einfacher, da Hannes und ich schon durch unsere Arbeit mit Necrophagist etwas bekannter sind und Jeroen ja auf dem letzten Album der legendären Pestilence mitgewirkt hat, somit ist man natürlich sowieso schon mal stärker im Focus der Öffentlichkeit. Dennoch denke ich, dass auch immer die Qualität der Musik etwas damit zu tun hat. Hätte Steffen nicht schon einige Songs in petto gehabt, die uns überzeugten, wären wir sicher nicht alle bei Obscura eingestiegen. Was ich damit sagen will ist, versucht in erster Linie einfach als Band so gut wie möglich zu werden, arbeitet konstant an euren Fähigkeiten als Musiker und als Songwriter, spielt so viel wie möglich live, dass die Leute von euch hören, und nehmt immer wieder auf. Promotet euch so viel wie möglich. Viele verzweifeln am ersten größeren Rückschlag, doch nichts geht über nacht. Es gibt keinen plötzlichen großen Erfolg, alles ist das Resultat von viel Arbeit und Erfahrung mit einem Quäntchen Glück.

Musicscan: Letzte Worte?

Obscura: Vielen Dank, dass ihr uns im Rahmen dieses Interviews die Möglichkeit gebt, weitere Leser eures Magazins auf uns aufmerksam zu machen! Vielleicht hört ja der/die ein oder andere mal rein und mag unser Album. Danke an alle, die dieses Interview gelesen haben und somit Interesse an unserer Band zeigen!

 
 Links:
  myspace.com/realmofobscura
 
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