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Misery Index

Storie von: arne, am 01.02.2009 ]

Da sind sie wieder: Die aus Baltimore, Maryland stammenden MISERY INDEX legten mit „Traitors” ihren längst überfälligen neuen Longplayer vor und sorgen mit diesem für kleinere Überraschungen. Es ist absehbar gewesen, dass der Vierer über kurz oder lang etwas (!) gemäßigter und stilistisch vielschichtiger aufspielen würde. Im Herbst 2008 erschien nun das Album, vor dem sich die Musiker schon einige Zeit lang „gedrückt“ haben. Natürlich zeigt sich die Relapse-Kombo nach wie vor einem irrwitzigen und tempofixierten Mix aus viel Brutalo-Death und einer gut gesetzten Grindcore-Edge verschrieben, doch in den Zwischentönen offenbart „Traitors“ ein weitaus breiteres und verspielteres Metal-Verständnis, als man es vom Quartett bislang kannte.

 
Jason, Bassist und einer der Sänger, bestätigt im Gespräch zunächst die Vermutung, dass MISERY INDEX in der Zeit ihres Bestehens eine nahezu optimale Band-Chemie entwickelt haben, die das Entstehen möglicher Motivationsprobleme quasi ausschließt, die weitere kreative Entwicklung indes pusht. Das Selbstverständnis stimmt: „Der Spaß ist unser vorrangiges Ziel und wir opfern eine Menge im Leben, um sicher zu stellen, dass wir Musik machen, durch die Welt reisen, Menschen treffen, neue Speisen essen, neue Biere trinken und die Bühne schrotten können, wann immer es möglich ist. Es ist also ein Job, aber wir haben nebenher noch andere Jobs, zu denen wir zurück kehren, wenn wir nicht auf Tour sind. Zurzeit ist das aber ausgeglichen und wir haben ein sehr gutes Arbeit-Spaß-Verhältnis mit MISERY INDEX.“ Musikalisch gibt es klar definierte Ziele, wobei die „mighty Riffs“ ganz klar im Zentrum stehen, ebenso wie ein gewachsenes Verständnis für die Wirkungsweisen brutalen Metals: „Irgendwie denke ich, waren diese extremen und technischen Elemente schon eine Weile da und vielleicht werden sie mehr wahrgenommen, weil sich die Möglichkeiten, neue Musik zu entdecken, gewachsen sind. Wie auch immer, es ist egal, wie extrem oder technisch du einen Song machst. Man darf nicht vergessen, dass der Song das Wichtigste ist. Zumindest wir sehen es so, dass es mehr und vorrangig um die Riffs geht und dass die Komplexität zweitrangig ist. Es geht um die Riffs Mann, die Riffs!”

Gerade in Zeiten, in denen es auch rigorosen Underground-Kombos möglich ist, für breitere Aufmerksamkeit unter eher „gemäßigteren“ Metal-Hörern zu sorgen, erweist es sich als klarer Vorteil, dass MISERY INDEX mit „Traitors“ so zwingend und prägnant wie niemals zuvor aufspielen: „In Mainstream-Kreisen gibt es eine schrittweise wachsende Akzeptanz des Growlens und des Schreiens, so wie die kommerziellen Emo-Hübschlinge es in ihr Image einbauen. Und was die technischen Elemente in der Musik angeht, so denke ich, waren die auch schon eine Weile hier. Die Entwicklung der modernen und digitalen Aufnahmetechnik erlaubt heute jedoch eine sauberere und hörbarere Studioleistung (oder was eine Leistung zu sein scheint - besonders im Bereich des Schlagzeugs) und dazu kommt, dass die Schlagzeuger in den letzten acht Jahren viel getan haben, da Typen wie Pete Sandoval den Weg geebnet haben für Grind und Blast Beats als reguläres Element im Metal.“ Verbindet sich die genannten Qualitäten dann auch noch mit der richtigen Einstellung, entstehen krasse Platte fast von selbst: „Die Liebe, zu reisen und Songs live zu spielen, treibt uns an. Wir wollen einfach raus und so viel Touren, wie nur möglich, und das Leben unterwegs erfahren, statt einfach nur passiv den Dingen entgegen zu sehen, rumzusitzen


und zu warten, bis was passiert. Metal ist die Musik, die wir leben und die hauptsächliche Art, wie wir uns auf unserer Reise durch das Leben ausdrücken.“

Jason sieht kein Ende der kreativen Entwicklung von MISERY INDEX, aber selbst wenn es soweit kommen sollte, gibt es ja andere Ausdrucksformen: „Nun, wenn das Feuer für die Musik einmal erlischen sollte, gibt es andere Ventile, aber zurzeit und solange wir vier das machen wollen und gleich eingestellt sind, genießen wir es und sehen, was jeder neue Tag bringen wird.“

Hinsichtlich der Einordnung der bisherigen Longplayer der Band äußert sich der Bassist mit unerwartet deutlichen Worten: „Unser Debüt „Discordia” war ein wenig verfrüht, weil wir als Band gerade erst im aktuellen Line-Up zusammen gekommen waren. Wir haben uns mit dem Songwriting und den Aufnahmen beeilt und schließlich ist auch die Produktion nicht das geworden, was wir machen wollten. „Traitors” ist viel natürlicher und organischer entstanden, weil wir die letzten zwei Jahre auf Tour sehr viel gelernt haben. Wir haben einander gut kennen gelernt und das Komponieren und die Vorbereitung waren viel effektiver. Zusätzlich haben wir uns auch im Studio die Zeit genommen, alles richtig zu machen.“ Etwas konkreter bedeutet das: „Jeder von uns hat seine Songideen zu unserem Schlagzeuger Adam gebracht und mit ihm individuell an ihnen gearbeitet. Wenn sie dann ein grobes Gerüst haben, machen wir dann mit dem Rest der Band weiter, um zusätzliche Kritik und Verbesserungen einzuholen, bevor der Song fertig ist. Mit der neuen Scheibe sind wir sehr glücklich und zufrieden und es fühlt sich an, als sei das irgendwie unser erstes Album.“

Zumal „Traitors“ auch den breiten musikalischen Background der Musiker besser abbildet: „Du hast Recht, aber ich denke, dass die neue Platte nur unsere verschiedenen Einflüsse und Interessen, die schon immer da waren, wider spiegelt. Wir tragen alle vier zum Songwriting bei und deshalb fallen die Stücke so breit gefächert aus. Am Ende sind alle Songs zweifellos MISERY INDEX. Wenn das im Fall von „Traitors“ zu einem umfassenderen Album geführt hat, ist das nur gut für uns.“

Jason selbst kann die wesentlichen Stärken der neuen Platte problemlos benennen: „Ich glaube, es ist vor allem die ausgewogene Balance, weil es viele Variationen in und zwischen den Songs gibt. Da wir in unserem Line-Up seit inzwischen drei Jahren bestehen, ist das Songwriting überdies weitaus fokussierter und durchschlagenden. Ich denke, dass wir hin zu „Traitors“ eine unbewusste und natürliche Entwicklung genommen haben. Wenn jemand die feinen Unterschiede hört, dann ist das großartig. Das zeigt nur das Zusammenwachsen von uns als Band und unsere dynamische Beziehung untereinander als Songwriter und als Kollektiv.“

 
 Links:
  myspace.com/miseryindex
 
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