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Ascsension Of The Watchers

Storie von: Daniel, am 20.01.2009 ]

Wer noch immer den Sound von Fear Factory im Hinterkopf hat, wenn er an Burton C. Bell denkt, der findet sich bei ASCENSION OF THE WATCHERS auf einer gänzlich falschen Fährte wieder. Keine maschinenhaften Stakkato-Riffs, kein Metal. Nichts von alledem, was wohl einen ganzen Schwung Musiker beeinflusst und inspiriert haben dürfte, ist auf „Numinosum“ (ein lateinischer Begriff der auf ein spirituelles oder religiöses Erweckungserlebnis verweist) zu hören. Im Gegenteil, wie schon das erste Lebenszeichen, die „Iconoclast“ betitelte EP von 2002, ist „Numinosum“ ein kleines Wunderwerk der eher stillen, introvertierten Töne.

 
Mittlerweile, und auch Burton selbst sieht es so, ist ASCENSION OF THE WATCHERS weit mehr geworden, als ein bloßes Projekt, das er zusammen mit seinem kreativen Widerpart John Bechdel gründete. Es ist das logische nächste Kapitel in der Geschichte eines gewachsenen Musikers, der eigentlich Autor werden wollte, aber doch seinerzeit beeinflusst von Grunge und Metal eine eigene Band startete und wegweisende Alben schrieb. Hier jedoch, entgegen der laut heraus gebrüllten Aggression vergangener Tage, beschränkt sich Bell auf seine reine, klare, perfekt mit der Atmosphäre der Songs korrespondierende Klar-Stimme. Dazu setzt er gekonnt hier und dort Gitarrentupfer, während John Bechdel für den elektronischen Part der Musik verantwortlich zeichnet. Und dann diese über allem schwebende spirituelle Note, die die Musik zutiefst durchdringt. Diese Grundstimmung resultiert nicht zuletzt aus Burtons intensiver Beschäftigung mit spirituellen Dingen, u.a. den Schriftrollen vom toten Meer, die eine neue Perspektive auf die Bibel erlaubten, auf Schriften Carl Jungs, der den Begriff „Numinosum“ prägte und ebenso auf Burtons eigene Erlebnisse (so entstammt das Artwork einem Traum, den er hatte).

Während Fear Factory in Musik und Texten eher ein Endzeitszenario beschrieben, voller Bedrohlichkeit und maschineller


Kälte, so beschreiten ASCSENSION OF THE WATCHERS ganz andere Pfade. Von Atmosphärischer Dichte geprägt, entfalten sich hier schon fast an Singer/Songwriter – Verhältnisse erinnernde, teil sehr intime Songs, atmosphärisch dicht und wie eine zu Musik gewordene Reflektion des Lebens. Ein Leben, das trotz oder gerade wegen der düsteren Momente in den bejahenden Augenblicken umso strahlender, positiver klingt. Könnte man zunächst annehmen, der Name des Duos sei in einen Zusammenhang mit Verschwörungstheorien zu stellen, so irrt man. Doch wer sind die geheimnisvollen „Watcher“? Burton erzählt von seinem Studium des Buches Henoch. Es handelt sich um eine apokryphe Schrift, die von der Entrückung des Protagonisten erzählt und den Dingen, die er nach seiner Himmelfahrt erfuhr. Dort sind diese „Wächter“ Engel, die auf die Erde herniedersteigen und mit menschlichen Frauen Kinder zeugen. Dies erregt den Zorn Gottes, der sie schließlich in den Himmel verbannt…

So oder so, Burton C. Bell ist mit „Numinosum“ ein Album gelungen, das nicht nur schlicht gelungen ist, in sich stimmig und begeisternd zu hören, es ist auch ein Kunstwerk, das Offenheit vom Hörer fordert und dann umso mehr mit Tiefe, Emotion und Hörgenuss entlohnt. Diese Musik ist zutiefst menschlich, sie ist Burton C. Bell.

 
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