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Minion

Storie von: arne, am 02.01.2009 ]

MINION, eine Band um aktive Mörser- und frühere Carol-Musiker zeigt sich stilistisch der „Bremer Schule“ verschrieben. Obwohl man nicht ganz so destruktiv und nihilistisch wie die einstigen „Aushängeschilder“ agiert, teilt man doch eine gemeinsame Vorliebe für intensive und brachiale Metal-Sounds, die mit einer spürbaren DIY-Einstellung kombiniert werden.

 
Standesgemäß ist „Out Of The Carnage…“, der dritte Longplayer der Jungs, in den Kuschelrock Studios eingespielt worden, während der Schwede Göran Finnberg (u. a. The Haunted und Arch Enemy) für das Mastering verantwortlich zeichnet. Die deutsch-schwedische Kooperation zur Entstehung der Platte passt, denn auch stilistisch zeigen sich im Verlauf der zehn Stücke beide Länder verbunden. Ein nicht zu leugnender Einschlag von At The Gates paart sich mit dem rigorosen Ansatz einer Band wie Mörser, ohne diesen allzu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. MINION verbleiben viel lieber durchgängig als Metal-Kombo, die ebenso mit harten Strophen und aggressivem Shouting, wie auch mit eingängigen Melodien und einer „charmanten Kratzigkeit“ arbeitet. Dieser Anlage ist es zu verdanken, dass „Out Of The Carnage…“ über ungemein viel Substanz und Klasse verfügt.

„Okay, dann stelle ich unseren Haufen mitsamt seinem musikalischen Treiben mal vor,“ leitet Gitarrist Svenion zum Auftakt ein: „Da wäre André an den Drums, auch bei Mörser und damals bei Carol tätig. Matt am Bass, der noch eine zweite Band namens The Emission hat. DC brüllt bei uns, spielt aber auch Schlagzeug bei Zodiac und war damals bei Turnover. Dennis von Mörser an der der einen Gitarre und last but not least mit mir ein weiterer Mörser-ianer an den anderen Gitarre! Wir fünf sind MINION aus Bremen und machen böse und laute Musik.“ Was die Nordlichter verbindet, ist eine lange gemeinsame Historie, die einer der Schlüssel zu den gleichsam effektiven wie kompromisslosen Abrissbirnen der Jungs sein dürfte: „Außer DC haben wir alle zu unserer Schulzeit so im Alter zwischen 11 und 14 Jahren angefangen, zusammen in Bands zu spielen. Wir machen also echt schon lange gemeinsam Musik. Wir haben anfänglich alle möglichen Stile, die im Hardcore zu finden waren, in unseren Songs verwurstet, wie man recht deutlisch auf unserer ersten Single von 1997 hören kann. Dann kam aber ziemlich schnell die Vorliebe für die härteren Klänge zum Tragen und mehr und mehr wichen die schönen Melodien den fiesen Riffs, die eben eher zum Metal als zum Hardcore gezählt werden.“ Das hat sich über die Jahre immer weiter fortgesetzt.

Trotz der Betätigung in anderen Gruppen sind die Prioritäten hinsichtlich des musikalischen Schaffens klar verteilt. Das Outlet existiert immerhin bereits seit 1994: „Um das klarzustellen: MINION ist die (!) Band für uns, während Mörser anfänglich nur ein Projekt sein sollte. Wir proben wirklich von Anfang an konstant einmal die Woche, wobei uns der Probetermin fast schon heilig ist. Wir hatten einfach nur Probleme, mit der Band weiterzukommen und live zu spielen, weil wir zunächst keinen richtigen Sänger hatten, sondern jeder von uns abwechslend das Mikro besetzt hat. 2001 kam dann glücklicherweise DC zu uns. Er hatte voll Bock, obwohl er vorher noch nie ein Mikro in der Hand hatte.“ Am Shouting gibt es tatsächlich nichts zu deuteln, doch auch hinsichtlich der Kooperationspartner auf Label-Seite hatten MINION einige Schwierigkeiten, die im Ergebnis dazu führten, dass die zweite Platte der Bremer – „Exile Of Fear“ – vor zwei Jahren offiziell nur in Malaysia erschienen ist:

„Hier in Europa haben wir nur Absagen für das Album bekommen. Es war teilweise schon komisch, dass Labels von allein auf uns zugekamen und dann doch einen Rückzieher machten. Am Merkwürdigsten war die Anfrage von Nuclear Blast, die uns zunächst kontaktiert und dann eine Standardabsage geschrieben haben!? Nach gut drei Jahren des Suchens waren die Songs irgendwann für uns selbst nicht mehr aktuell, und wir wollten sie eigentlich gar nicht mehr rausbringen. Dann kam die Anfrage von Pure Mind. Wir haben ehrlich gesagt gar nicht damit gerechnet, dass er das Album bis nach Europa vertreiben würde.“ Für den aktuellen Longplayer „Out Of The Carnage Let Me Back In” zeigte Vendetta frühzeitig Interesse und legte das Vinyl der Scheibe auf. Blickt man noch weiter zurück, kommt man nicht umhin festzustellen, dass MINION in der Wahl ihrer Label durchaus Pech hatten. Vergebenen Chancen trauern die Bremer dennoch nicht nach:

„Also Beniihana haben unsere Platte für ihre Möglichkeiten damals schon recht


gut promotet, wurde eben auch Rock Hard, Hammer, Visions etc. besprochen und war auch bei EMP zu haben oder bei Relapse in USA. Die beiden Jungs bekamen dann allerdings intern Probleme. Ab da wurde es schwierig. Schon der bloße Kontakt war kaum noch herzustellen. Sehr schade. Von unserem Label in Malaysia, Pure Mind, bekommt man nur wenig mit. Ich weiß nur, daß er mehr nach Europa und USA vertrieben hat als im eigenen Land. Ein ambitioniertes kleines Label mit Bock auf den deutschen Kram, aber absolut DIY und ohne kommerzielle Struktur. Der tauscht z. B. am liebsten mit anderen Labels. Vendetta aus Berlin haben ja nun unser neues Album auf LP rausgebracht. Der Stefan hat auch alles, was man als 1-Mann-Label machen kann, gemacht, alle mögliche Underground-Magazine bemustert. Die großen nehmen solche Sachen wohl leider nicht mehr an. Ach ja, und die 7” auf Paracelsius wurde wirklich super vertrieben im Underground, als wir `99 mit Mörser in USA auf Tour waren, hatten z. B. sehr viele Fans auch die MINION 7”. Also alles in allem haben alle eigentlich ganz gut gearbeitet. Man darf eben nicht vergessen, es sind ja alles DIY-Labels und weder die Labels noch wir als Band haben je versucht, alles auf eine Karte für eine kommerzielle Karriere zu setzen. Es gibt aber schon Chancen, die man dadurch verpasst. Das Nachtrauern macht nur keinen Sinn.“

Da die involvierten Musiker in mehr als nur einer Formation unterwegs sind, wissen sie zu schätzen, was sie an MINION haben. Es ist durchaus eine Leistung, eine Band seit 1994 am Laufen und darüber hinaus auch das Interesse von Hörern wach zu halten bzw. immer wieder neue Fans zu gewinnen: „Das wichtigste Element ist heutzutage wohl das Internet, allem voran Myspace. Das macht es auf der einen Seite zwar einfacher, viele Leute zu erreichen, auf der anderen Seite geht man in der Flut so enorm vieler Bands auch schneller unter. Ich denke, heute ist das Problem eher, herauszustechen. Damals war jede Band, die eine Platte gemacht hat, noch was besonderes. Jetzt kann fast jeder im Wohnzimmer produzieren, und auch konsumieren. Du lädst dir den Shit schnell mal runter, hörst kurz rein und wenn’s dich nicht sofort packt, durchgefallen! Ich hoffe, den Leuten geht’s mit uns nicht so. Auch sehr wichtig ist es, viel live zu spielen. Das schaffen wir nur leider nicht so häufig!“ Umso wichtiger ist es dann, sich die „richtige Einstellung“ zum eigenen Banddasein zu bewahren: „Viele Bands wirken sehr gewollt und ihr Posing auf der Bühne ist so, weil es eben so sein muss. Ich mag unsere Spackigkeit auf der Bühne zwischen den Liedern, wo wohl jeder merkt, dass wir keine Profis sind, was das Entertainment angeht. Wollen wir auch nicht sein. Wichtig ist uns, den Leuten mit aller Wucht zu zeigen, was wir können: voll hart abrocken!“

Da die Tracks von MINION neben aller Härte auch mit wieder erkennbaren Elementen wie Melodien, Hooklines und Grooves gespickt sind, ist garantiert, das live die Post abgeht: „Ich sag mal so: Es ist einfach wichtig, daß ein Song mehr ist als technisch auf einem hohen Niveau. Er soll eben auch mitreissen, dich umhauen, einfach Emotionen auslösen. Dazu ist vor allem Dynamik wichtig. Die erreicht man auch damit, daß man mal das fiese Riff mit ner Melodie auflockert. Dann kommen die harten Sachen noch härter rüber. Aber wir planen unsere Songs da nicht so durch, wie du schon selber sagtest, alles eher der Intuition folgend.“ Auch wenn die Leute heute an stilübergreifende Sounds zwischen Metal, Hardcore etc. gewöhnt sind, haben viele Metaller mit „Crossover-Mucke“, wie sie die Bremer spielen, immer noch Probleme: „Wir sitzen da schon ein wenig zwischen den Stühlen. Wir sind ja weder MetalCore noch reiner Death Metal oder so. Was solls, entweder, es gefällt oder eben nicht. Wir verbiegen uns nicht, nur um zu gefallen.“

Für die Januar-Gigs mit Keitzer verspricht das Einiges: „Tightes Livespiel natürlich und das Grinsen vor Freude, auf der Bühne zu stehen, das wir nicht verbergen können werden. Wenn man selbst Spass hat, überträgt sich das meistens schnell auf die Leute, so dass wir uns dann nochmehr steigern, was immer so weiter geht bis zur Extase.“

 
 Links:
  myspace.com/minion1994
 
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