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Warship

Storie von: arne, am 12.12.2008 ]

Das Ende von From Autumn To Ashes kam im letzten Jahr für viele Fans der Post-Core-Vorreiter überraschend. Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass die beiden kreativen Köpfe hinter der Band mit WARSHIP sogleich ein neues Outlet aus dem Boden gestampft haben und bereits ihren Debüt-Longplayer „Supply And Depend“ vorlegen.

 
Sänger / Drummer Francis Mark und Gitarrist / Bassist Rob Lauritsen wählen für ihren Neustart einen stark erdigen und stilistisch anders gelagerten Ansatz. Für Auftritte stößt The Bled-Bassist Darren Simoes zum Outfit, doch daneben genießen die beiden Musiker größtmögliche Autonomie in ihrer Konstellation als Duo. „Supply And Depend“ steht für das Zusammenspiel rückwärts gewandter und „dreckiger“ Heavy Rock-Passagen, die mit modernen Post-Core-Versatzstücken und einem wuchtigen Rollen versehen werden. Die New Yorker verändern ihr Antlitz permanent und mit voller Absicht. Das Selbstverständnis des Outlets führt Francis Mark mit klaren Worten ein: „WARSHIP ist eine Band. Die einzige Band, in der ich derzeit aktiv bin. Das lässt mir die Freiheit, mich auf alle Belange rund um WARSHIP zu konzentrieren. Wenn wir in der Zukunft die richtigen Leute treffen, werden wir das Line-Up erweitern. Falls das nicht der Fall sein wird, werden Rob und ich einfach weiter machen, zusammen Songs schreiben und diese dann aufnehmen. Wir haben genug Freunde, die uns aushelfen können, wenn wir live spielen wollen.“ Für den Sänger und Schlagzeuger ist es eine Herzensaufgabe, sowohl kreativ als auch produktiv zu sein:

„Musik hat mich stets begleitet und schon in meiner Kindheit eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt. Sie war mein liebster Zeitvertreib, seit ich denken kann. Was auch immer um mich herum passiert und wie schlimm die Randumstände auch sein mögen, in der Musik finde ich immer eine Möglichkeit, meine Gefühle auszuleben und mit mir ins Reine zu kommen. Was ich mit den Songs versuche, ist, eigene Emotionen wieder aufleben zu lassen, um sie mit anderen zu teilen. Da es mir nie möglich sein wird, dass zurück zu geben, was die Musik mir gegeben hat, werde ich wohl auf ewig unzufrieden bleiben, aber das lässt den nötigen Freiraum und ist mein Antrieb, immer weiter zu machen und neue Dinge auszuprobieren. Auch wenn es immer heisst, dass es schon alles in der Musik gegeben hat und man nichts Neues mehr machen kann, denke ich, dass es doch geht und die Leute mit ihrer Einschätzung wenigstens teilweise falsch liegen.“ Mark und Lauritsen spielen sowohl mit dem Tempo als auch den Schweregraden und den verwobenen Stilelementen. Im Fall von „Supply And Depend“ ist der Weg das Ziel, denn dem Vagrant-Duo scheint es darum zu gehen, „lebendige“ und anspruchsvolle Nummern zu spielen, die ihre Hörer „gefangen nehmen“ und in ein ganz eigenes Post-Universum einführen:

„Musikalisch versuchen wir, eine Balance zu erschaffen. Natürlich nehmen wir den kreativen Schaffensprozess sehr ernst und geben unser Letztes, doch sich zu verausgaben bringt auch nichts, so dass man darauf achten muss, sich auch Spaß und Motivation zu bewahren, ohne die es nicht geht. Es gibt ja genug Beispiele von Gruppen, die es übertreiben. Ich kann mich schief lachen, wenn ich junge Bands sehe, die sich mit The Beatles vergleichen und sich selbst als Rock-Stars darstellen. Von der Beachtung, die man erfährt, darf man sich nicht verrückt machen lassen und abheben. Jugen Musikern fällt das bisweilen schwer.“ In gewisser Weise sind WARSHIP ein Gegenentwurf zu den aktuellen Trends, immer technischer oder immer „verkopfter“ zu werden: „Ich habe bewusst aufgehört, Doublebass zu spielen, um uns von den technischen Trends zu entkoppeln. Egal, wie verrückt und abgefahren die vielen Tech-Bands auch aufspielen, irgendwann fangen sie alle an, zu langweilen. Ich habe es nicht mehr nötig, irgendwem irgendetwas zu beweisen und auf Krampf aufzufallen. Mein Interesse gilt heute eher schönen


Grooves, die als Basis unserer Songs fungieren. Das spielt sich leichter und hört sich noch dazu besser an. Gleich zu Beginn habe ich an meinem Drum-Set geschraubt und es auf die wesentlichen und nötigen Bestandteile reduziert. Darüber hinaus arbeiten wir bewusst nur mit einem Gitarristen und verfolgen insgesamt einen minimalistischen und bodenständigen Ansatz. Das Album sollte weder überproduziert noch vom Sound her steril ausfallen. Da viele Musiker heute dieselben Studio-Technik und gängige „Tricks“ nutzen, klingen sie am Ende alle gleich. Das wollten wir auf jeden Fall vermeiden.“

So ist es kein Wunder, dass komplexe und dichte Parts neben fragilem Minimalismus und latent eingängigen Momenten stehen. Produzent Andrew Schneider hat in der Vergangenheit bereits mit Acts wie Pelican, Cave In, Keelhaul oder den Daughters zusammen gearbeitet und kennt sich mit fordernden, über den Tellerrand blickenden Post-Sounds bestens aus. Der Querschnitt der Genannten taugt überdies für eine vage Verortung von WARSHIP: „Rob und ich saßen einfach zusammen in einem Raum und haben so lange vor uns hin gespielt, bis wir etwas fanden, das uns beiden zusagte. Das klingt simpel und alltäglich, doch genau so ist das Songwriting gewesen. Bei den Lyrics war es hingegen anders. Pro Tag ist immer nur ein Song entstanden, denn mehr ging nicht. Der Biorhythmus muss sich immer erst darauf einstellen, denn zunächst braucht man eine Idee, dann gilt es den Text zu schreiben und dann braucht man die richtige Stimmung, ihn aufzunehmen. Wenn ich das Studio verlassen habe, war ich immer sogleich auf der Suche nach neuen Anregungen für den nächsten Tag. Wenn mir nichts einfiel, bin ich U-Bahn gefahren und haben alltägliche Gespräche normaler Leute aus New York belauscht.“ Der Blick in „normale Leben“ kann jedoch ernüchternd ausfallen, wie Francis bestätigt: „Wenn man sich umschaut und objektiv aufnimmt, was um uns herum passiert, kommt man nicht umhin, festzustellen, dass die Menschheit dem Ende zugeht, weil sie ihre Probleme nicht in den Griff bekommt. Dennoch versuche ich, diese Erkenntnis vom Songwriting fern zu halten und mit einer positiven und optimistischen Einstellung an die Musik zu gehen. In allem Schlechten gibt am Ende auch etwas Gutes und darauf möchte ich mit meiner Musik hinweisen.“ Mit „Supply And Depend“ dürfte genau das Album entstanden sein, das WARSHIP im Blick hatten: ein wuchtiges und drückendes Post-Release, mit dem Francis Mark und Rob Lauritsen kreatives Neuland betreten:

„Als wir gestartet sind, haben wir uns keine bestimmte Marschrichtung auferlegt und allein unsere persönlichen Vorlieben zusammen gebracht, wie es uns stimmig und interessant erschien. Von Slayer bin hin zu Iron And Wine schätzen wir viele Künstler und Stile, die sich partiell alle bei uns wieder finden. Die Herausforderung bestand darin, die vielen Zwischentöne und Subgenres adäquat mit einfließen zu lassen. Denn was auch immer du tust; wichtig ist, dass du erkennst, wo deine individuellen Stärken liegen, was du besonders gut kannst und wovon du lieber die Finger lassen solltest. Wenn man sich man dem richtet, was sich von selbst einstellt und natürlich entwickelt, ist man in jedem Fall auf dem richtigen Weg. Das sind die Stärken, die man bewusst betonen muss. Das heißt aber nicht, dass man sich zurück lehnen kann und nichts mehr tun muss. Das Gegenteil ist der Fall, denn die komfortable Basis liefert lediglich die Möglichkeit, sich in anderen Feldern auszuprobieren. Am Spannendsten ist es für jeden Musiker, wenn er sich ausleben kann und gefordert wird.“

 
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