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Myra

Storie von: arne, am 06.12.2008 ]

Die vor drei Jahren gegründeten MYRA haben sich bereits erste Sporen durch explosive Support-Gigs für Maroon, Heaven Shall Burn und Himsa verdient. Mit den Genannten teil(t)en die Leipziger nicht nur die Bühnen, sondern auch die musikalische Orientierung. Ergänzungshalber sollte man noch Darkest Hour ins Feld führen, um eine ungefähre Vorstellung davon zu erhalten, wie das Quintett klingt.

 
Das Debüt-Album „The Venom It Drips“ lässt erahnen, das MYRA nicht die erste Band ist, in der die einzelnen Mitglieder aktiv sind. Think About Mutation und Full Speed Ahead sind zwei der früheren Stationen, doch musikalisch geht es bei den Sachsen in eine andere Richtung: „Als wir MYRA gestartet haben, wollten wir unabhängig von den alten Sachen musikalisch neue Wege gehen. Man wächst persönlich, der musikalische Geschmack ändert sich mit der Zeit und wir haben eine neue Herausforderung gesucht. Abgesehen davon ist Musik für uns mehr als nur einmal pro Woche in den Bandraum zu gehen und ab und zu ein paar Shows zu spielen. Musik ist für uns, so abgedroschen wie das jetzt klingt, eine Art, kreativ zu sein, sich auszudrücken und etwas auf die Beine zu stellen. Konkret bedeutet das, so viel möglich unterwegs zu sein, Shows zu spielen, sich weiter entwickeln und gemeinsam mit der Sache zu wachsen. Dass wir aktuell so klingen, wie wir nun tun, ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von fünf Leuten, die alle versuchen, mit der Band ihren persönlichen Geschmack zu realisieren. Das ist nicht immer leicht. Eine Band ist halt wie eine Beziehung. Es gibt Höhen und Tiefen, aber durchgehend einiges an Spaß.“

Der interne Abstimmungs- und Entwicklungsprozess hin zum eigenen Sound fiel MYRA nicht schwer: „Als wir angefangen haben, standen wir etwas mehr in der Metalcore-Ecke. Das hört man auf der EP noch deutlich, hat sich aber danach in eine andere, eher metallische, rohe und brachiale Richtung entwickelt. Wir alle hören Musik aus unterschiedlichen Bereichen. Das pendelt von Punk über Hardcore und Metal bis hin zu Black Metal und Country. In der Vorbereitung zur Platte haben wir uns gefragt: „Was wollen wir wirklich machen? Auf was haben wir alle gemeinsam Bock?“ Der Kompromiss, der sich daraus ergab, macht schließlich den Sound von MYRA aus. Ich denke, dass wir unserem Sound mit „The Venom It Drips“ ein ganzes Stück näher gekommen sind und damit auch unser „Gesicht“ zeigen.“ Frei jedweder Bedenken oder irgendwelcher Scheuklappen zelebrieren die Leipziger auf ihrem Debüt intensiven und schön brachialen MetalCore im besten Sinn, der zwar letztlich typisch, jedoch prägnant und fokussiert ausfällt. Dank einer exzellenten Produktion und eines über jeglichen Zweifel erhabenen Songwritings gehen die zwölf Stücke der Scheibe super ins Ohr. Neben der druckvollen Bratzigkeit nehmen sich die Leipziger auch die nötige Zeit, füllende Atmosphären und prägnante Hooklines zu setzen:

„Wir haben den Anspruch, in unseren Songs das zu verarbeiten, worauf wir Lust haben, ohne uns auf eine so enge Bezeichnung festzulegen. Bei der Sache mit dem MetalCore hast du völlig Recht. Der Trend, Slayer-Riffing und cleanen Gesang zu mixen, scheint durch zu sein. Das ist halt die Sache mit der Schnelllebigkeit. Aber wir sehen uns nicht in dieser Tradition. Wir würden uns selbst als sportlichen Metal im weitesten Sinn kategorisieren.


Unser Anspruch ist, die Songs nicht nach Schema X zu machen, sondern Stücke zu schreiben, die etwas ausdrücken und hängen bleiben.“ Als MetalCore tituliert zu werden, ist für MYRA jedoch kein Problem: „MetalCore war ursprünglich mal die Bezeichnung für einen Mix aus Hardcore und Metal – Slayer-Riffing, cleaner Gesang und Moshparts. Dass der Begriff heute fast schon zum Schimpfwort mutiert ist, liegt sicher daran, dass zu viele Bands das gemacht haben und heute ganz andere Sachen trendy sind. Das sollte man allerdings nicht als absolutes Urteil über die Qualität einer Musikrichtung sehen. Es gibt in jedem Genre sehr gute Bands, auch im MetalCore. Am Ende ist das immer eine Frage des persönlichen Geschmacks.“ Die Sachsen positionieren sich stilistisch geschickt, wobei „The Venom It Drips” weitaus mehr Melodie und Tiefgang besitzt, als es im ersten Moment den Anschein hat. Im Songwriting bewegen sich MYRA stets auf der Höhe des Geschehens und erschaffen einen straffen und stimmigen Sound zwischen straighten Tempo-Tracks und zurück genommenen Passagen, die man als progressiv bis experimentell bezeichnen kann:

„Damit hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Arbeitsweise, mit der wir vorgehen, ist einfach. Einer kommt mit einer Idee an und dann sehen wir, was sich daraus machen lässt. Wir gehen da demokratisch vor und versuchen, innerhalb der Band einen Konsens zu finden, was manchmal gar nicht so leicht ist. Erst wenn es allen gefällt, nehmen wir es. Aber meist merkt man schnell, ob sich etwas gut anfühlt. Auf die Melodien und Hooklines haben wir sehr großen Wert gelegt. Wir wollen Songs mit Wiedererkennungswert und Abwechslung, die nicht gleich wieder vergessen sind, wenn die CD wieder im Schrank gelandet ist.“ Dafür hat das Quintett eine Menge getan: „Eine Sache, die sofort ins Auge oder vielmehr ins Gehör fällt, ist sicherlich der Song ‚Doomed From The Outset’, der im Refrain mit seinen weiblichen Vocals besticht. Da musste von unserem Sänger anfangs ganz schön Überzeugungsarbeit geleistet werden, bevor alle damit einverstanden waren. Nichtsdestotrotz sind wir mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Wir werden uns selbst jedenfalls keine Beschränkungen auferlegen, auch wenn das Songwriting manchmal eine echte Herausforderung ist. Wir werden sehen, wo uns das noch hintreibt.“

Die Ziele, die MYRA mit der Veröffentlichung von „The Venom It Drips“ verbinden, sind dabei bescheiden: „Wir sind unserem eigenen musikalischen „Gesicht“ weitaus näher gekommen, als wir es vorab für möglich gehalten haben. Für jeden einzelnen von uns bedeutet die Platte sehr viel, denn in ihr steckt viel Herzblut und Leidenschaft. Sie ist sozusagen das Produkt eines Prozesses, der über ein Jahr gedauert und uns sehr viel Kreativität, Nerven und Geld gekostet hat. Wenn irgendetwas von der Platte bei den Hörern ankommt und jeder für sich daraus etwas ziehen kann, dann ist das das Einzige, was wir erwarten können.“

 
 Links:
  myspace.com/myrametal
 
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