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My Minds Weapon

Storie von: arne, am 03.12.2008 ]

Es ist ein offenes Geheimnis: Metal-Kombos, die sich auf dem hart umkämpften britischen Markt durchsetzen können und es auf diesem zu Relevanz bringen, haben das Potenzial für eine internationale Karriere. Mit diesem Wissen im Hinterkopf hat Nuclear Blast Mendeed (RIP) und jüngst Sylosis gesignt, Visible Noise schickt Bring Me The Horizon auf das Festland und Lifeforce die Deathcorler Burning Skies. Drakkar zieht nach und hat sich die Rechte für die Wiederveröffentlichung des Debüts von MY MINDS WEAPON gesichert, das ursprünglich auf Basick erschienen ist.

 
„Unsere Band wurde 2003 gegründet und stammt aus Aberdeen im Norden Schottlands, auch wenn vier der fünf Mitglieder Engländer sind“, stellt Shouter Ben Timpson sich und seine Kollegen vor. „Damals ist jeder von uns noch in anderen Gruppen aktiv gewesen, aus denen wir mit der Zeit herausgewachsen sind. Als wir die Band gründeten, waren wir im Ziel vereint, neue, andere Musik zu machen und diese mit möglichst vielen Hörern zu teilen. Zuallererst sind wir eine modern orientierte Metal-Kombo, doch unsere Einflüsse reichen bis zum Old School-Thrash und Death Metal zurück, die wir mit modernen Momenten und etwas Hardcore verbinden. Auch wir haben nicht das Glück, noch immer im selben Line-Up wie zu Beginn zu bestehen, doch drei der fünf Gründungsmitglieder sind noch immer mit von der Partie; Lead-Gitarrist Dan, Drummer Nick und ich, Shouter Ben. Es sind sogar die Veränderungen gewesen, die uns entscheidend vorangebracht haben. Wer Sounds zwischen Testament und Textures mag, wird zweifellos etwas mit uns anfangen können.“

Briten geben sich stilistisch Scheuklappen frei und im Songwriting ein gutes Stück berechnend. Im Grunde „funktionieren“ alles zehn Stücke von „The Carrion Sky“ nach demselben Strickmuster: harte, vielschichtige Strophen werden mit melodischen und eingängigen Refrains versetzt, so dass automatisch für Erinnerbarkeit gesorgt ist. Und doch sind die Besprechungen und das Feedback auf MY MINDS WEAPON fast durchgängig positiv: „Das fällt mir ebenfalls auf, wenn ich nach Reviews im Internet surfe. Es ist doch toll, wenn deine Arbeit Wertschätzung findet und wir unser Ziel, möglichst viele Leute anzusprechen, tatsächlich umsetzen können. Nichts motiviert uns dabei stärker, als Komplimente von Hörern zu bekommen, die sonst nicht viel mit Metal am Hut haben, und uns dennoch mögen. Das bedeutet, dass wir sowohl interessante und herausfordernde Stücke spielen als dass wir auch wissen, was gute Songs auszeichnet und wie man sie schreibt.“

Die komplexe, dichte und progressive Schlagseite des Bandsounds erinnert an Gruppen wie Textures und Gojira, während die verträglichen Chöre und Melodien an Acts wie All That Remains oder Killswitch Engage denken lassen. Hinzu gesellt sich eine thrashige Kante, die das Quintett mit Trivium teilt. Das Zusammenspiel der benannten Einflüsse wird flüssig, unterhaltsam und handwerklich routiniert vorgetragen: „Zu Beginn haben wir kaum darauf geachtet, was um uns herum geschieht und wie wir von den Leuten aufgenommen wurden,“ fasst Ben die Entwicklung der Band zusammen. „Das hat uns einfach nicht interessiert, denn zunächst ging es uns allein darum, besser zu werden und immer prägnantere Songs zu schreiben. Unser Streben, nach Möglichkeit in kein Genre zu passen, ist ein guter Antrieb gewesen und es bis heute geblieben. Reviewer führen alles ins Feld, von MetalCore bis Tech-Metal, weisen aber zugleich darauf hin, dass uns diese Schubladen nicht erschöpfend gerecht werden. Wir selbst sehen uns ohnehin


von allen Klassifizierungen entkoppelt und führen unsere vielfältigen Einflüsse zusammen. Stolz sind wir insbesondere darauf, dass es uns gelungen ist, einen Sound zu entwickeln, der von den Leuten nicht so leicht zu fassen ist.“

Mehr als einen guten Start haben MY MINDS WEAPON bislang allerdings noch nicht hingelegt, und wenn man Bens Ausführungen zum Thema Touren hört, wird klar, dass die Band noch einen weiten Weg vor sich hat: „Auf Tour haben wir schon viele eigenartige Dinge erlebt, was sich inzwischen sogar auf unser eigenes Auftreten auswirkt. Vereinfacht gibt es zwei Möglichkeiten. Wenn wir vor ein Publikum treten, von dem wir sicher sein können, dass es uns mag, spielen wir selbstbewusst auf und haben mit den Leuten Spaß. Diese Shows sind stets eine sichere Bank und begeistern die Leute. Doch wenn wir nicht so richtig wissen, was zu erwarten ist, oder die Reaktionen auf die ersten Stücke weniger gut ausfallen, werden wir unsicher, bewegen uns kaum und lassen die Köpfe hängen. Dabei sollten wir eigentlich gerade dann in die Offensive gehen. Es ist schon verrückt, doch wir können das irgendwie nicht abstellen.“

Immerhin können die Briten auf ihrem druckvollen „The Carrion Sky“ aufbauen und sich von dessen Erfolg tragen lassen. Routine stellt sich mit zunehmender Anzahl an Gigs dann zwangsläufig ein, denn die Stücke des Debüts bergen unglaubliches Identifikationspotenzial: „In den Texten beschäftige ich mich vornehmlich mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Es interessiert und fasziniert mich, wie zwei Personen ein- und dieselbe Situation durchleben und in dieser völlig andere Empfindungen und Eindrücke erlangen können. Wenn man nach einer gescheiterten Beziehung mit sich selbst nicht im Reinen ist und leidet, kann man sich damit prima auseinander setzen. Im Ergebnis stehen vor allem Gefühle wie Hass und Enttäuschung, und für einen gewissen Zeitraum sieht man kein Licht am Ende des Tunnels. Diese extremen Empfindungen schwächen sich mit der Zeit ab und man ist irgendwann wieder positiver gestimmt, doch die Abstufungen dazwischen sind vielfältig. Musikalisch findet das Skizzierte bei uns seine Entsprechung.“

Wobei MY MINDS WEAPON ihre breit gestreuten Inspirationsquellen geschickt miteinander verweben, um fesselnde und nachhaltig wirkende Stücke zu erschaffen: „Wir alle schätzen „Of Malice And The Magnum Heart“ von Misery Signals sehr. Daneben lassen sich Elemente von Meshuggah, Textures, Underoath, Testament, Metallica, Kreator, Megadeth, Tool, Killswitch Engage, Unearth, Poison The Well, Hopesfall, Evergreen Terrace, etc. nur schwerlich verbergen. Unsere vielfältigen Einflüsse führen zu einem eigenständigen Sound, der den kleinsten gemeinsamen Nenner der benannten Bands darstellt. Es ist unser Ziel gewesen, ein möglichst gutes Debüt abzuliefern und ich bin überzeugt, dass uns das gelungen ist.“ Noch dazu eines, dass überraschend erwachsen und professionell ausfällt. Mit MY MINDS WEAPON wird zukünftig zu rechnen sein.

 
 Links:
  myspace.com/mymindsweapon
 
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