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Callejon

Storie von: arne, am 24.11.2008 ]

Die Jungs von CALLEJON polarisieren bereits seit fünf Jahren und sind in der Zeit ihres Bestehens musikalisch immer besser geworden. Für den zweiten Longplayer „Zombieactionhauptquartier“ hat man eine Offerte von Quasi-Major Nuclear Blast angenommen, was Szene-Puristen neues Futter für ihr Backstabbing beschert.

 
Den Kölnern dürfte es egal sein, denn sie stehen ohnehin im Ruf, „arrogante Rockstars“ zu sein. Was soll da noch passieren? Es gibt im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Entweder feiert man den variabel und frech vorgetragenen „Screamo-Metal“ des Quintetts gehörig ab, oder man verabscheut ihn von Grund auf. Gitarrist Bernhard Horn gibt zunächst einen kurzen Abriss des bisherigen Weges der Band: „CALLEJON sind seit 2003 aktiv und wurden damals von Basti (Vocals) und mir gegründet. Mittlerweile sind wir die einzig verbliebenen Ursprungsmitglieder. Ansonsten sind noch Thorsten (Bass), Buschi (Gitarre) und Bodo (Drums) mit an Bord. Zu Beginn hatten wir einfach nur die Idee, dass es ziemlich cool wäre, eine Band zu haben, also haben wir ohne Erfahrung oder großes Nachdenken einfach mal losgelegt. Da das Ganze bald ernster wurde und auch mehr Arbeit und Einsatz forderte, hatten wir immer wieder Probleme, ein stabiles Line-Up zu finden. Nach und nach haben wir dann die richtigen Leute gefunden, bis Bodo unser Team Anfang des Jahres komplettiert hat. Eigentlich wollen wir nur Musik machen, Alben aufnehmen, Konzerte und Touren spielen. Das ist natürlich mit viel Arbeit und Engagement verbunden, aber der Spaß hat bei uns eindeutig die Oberhand. Uns verbindet eine enge Freundschaft und immer, wenn ich mit den vier Vögeln unterwegs bin, denke ich: Du willst nichts anderes machen. Trotzdem sind die Musik und die Texte alles andere als Klamauk, sondern bitterer Ernst. Der Spagat zwischen Betäubung, Reflexion und Katharsis ist charakteristisch für CALLEJON.“

Die Kölner setzen klare Prioritäten und nehmen ihr „Zombieactionhauptquartier“ zum Anlass, noch härter zu arbeiten: „Mittlerweile hat die Band bei uns allen den höchsten Stellenwert eingenommen, was sehr schwierig zu managen ist. Einerseits kommen neben dem reinen Musikmachen Dinge wie Verträge, Steuern, Promo-Pläne, Booking-Planungen etc. dazu, und andererseits müssen wir alles andere auch noch unter einen Hut bekommen. Unsere Beziehungen und Jobs bzw. Studium leiden darunter, aber wir würden das alles nicht auf uns nehmen, wenn uns das Musikmachen nicht dafür entschädigen würde. Bei CALLEJON können wir nicht anders, als immer 110% zu geben.“

Für die Band hat es sich bislang als gangbarer Weg erwiesen, sich über provokante und eigenwillige Stücke und Lyrics nur die Fans „heran zu ziehen“, die wirklich hinter ihr stehen. Mit voller Absicht und augenfälliger „Dreistigkeit“ spielen sich die Kölner durch einen modernen Stil-Mix aus extremem und melodischem Metal, Hardcore und Emo/Screamo, dem man nicht widerstehen kann, egal, wie die musikalische Schwerpunktsetzung der einzelnen Stücke auch ausfällt: „Wir forcieren es in der Regel nicht, etwas Anderes zu machen, oder großartig herumzuexperimentieren, aber wir setzen uns auch keine Grenzen.


Wir lassen die Dinge so passieren, wie sie sich gut anfühlen und vermeiden es, uns selbst zu kopieren. Das neue Album kehrt die Extreme der Band stärker nach außen. Auf der Platte sind sowohl der ruhigste als auch der heftigste Song, den CALLEJON bislang gemacht haben. Außerdem haben wir uns zwei Gäste auf die Scheibe geholt, von denen zumindest einer unserer Musik einen völlig neuen Anstrich verpasst, was für ziemlichen Wirbel sorgen wird.“

Im finalen Stück ‚Porn From Spain’ gibt sich Nico von K.I.Z. die Ehre. Die Berliner Hip Hopper agieren ebenso rücksichtslos, Stil übergreifend und kompromisslos wie es die Kölner tun, so dass die Kollaboration denkbar gut gewählt ist. Aufgrund eines straffen Zeitplans musste das Quintett in der Phase des Songwritings stringent an seinem „Zombieactionhauptquartier“ arbeiten: „Es war unser erklärtes Ziel, das Album so gut zu machen, wie es uns unter dem zeitlichen Druck möglich war. Das hat uns sehr viel abverlangt, denn die Songs sind in nur viereinhalb Monaten entstanden. Der Druck hat uns in gewisser Weise gut getan, da wir gezwungen, waren, uns voll auf unsere Musik zu konzentrieren.“

CALLEJON sind alles und nichts zugleich. Möglichen Kategorisierungsversuchen entzieht sich die Band geschickt, indem sie beständig ihr Erscheinungsbild verändert und niemals still steht. „Zombieactionhauptquartier“ bietet jenseits seiner prägenden Stil-Elemente auch (Halb-)Balladen, intensive Atmosphäre und ein besonderes Moment, das sich vor allem aus den beißenden deutschen Vocals von Fronter Basti ableitet. In den lauten und wilden Nummern setzt der Shouter die Akzente, die CALLEJON aus der gesichtlosen Masse heraus heben:

„Wir haben mit den deutschsprachigen Lyrics wohl deshalb immer noch einen gewissen Exotenstatus, weil im härteren Metal nach wie vor wenige Bands damit arbeiten. In anderen Musikbereichen sieht das völlig anders aus, von den Flippers und LaFee über Mia und Tomte bis zu den Toten Hosen und Rammstein. Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht ja daran, dass viele Bands Angst davor haben, international nicht konkurrenzfähig zu sein, weil sie sich an englischsprachigen Vorbildern orientieren. Oder vielleicht daran, dass sich ihre deutschen Texte „Banane“ anhören würden. Ich kann das nicht einschätzen, aber es gibt ja immer mehr Ausnahmen. Auf unserer Platte sind einerseits Texte, die sich auf die Zombie-Thematik des Albums stützen, jedoch immer vor einer dahinter liegenden, zweiten Bedeutungsebene. Andere Lyrics befassen sich offenkundiger mit Themen, die uns bewegen. Persönliche und emotionale Inhalte sind genauso dabei wie Texte über die Gesellschaft im Medienzeitalter, über lächerliche Szene-Dogmen oder über das Gefühl, nachts alleine und besoffen in der Straßenbahn zu sitzen und mit der inneren Leere klar zu kommen.“

 
 Links:
  callejon.de
 
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