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Enslaved

Interview von: Grutle & Ivar mit Daniel, am: 09.11.2008 ]

Hält man sich vor Augen, welche Entwicklung ENSLAVED seit ihrer Gründung durchgemacht haben, dann gibt es nur zwei mögliche Reaktionen: Entweder man attestiert der Band, daß sie seit Gründungstagen die Essenz des norwegischen Black Metal konsequent weiterentwickelt hat, oder aber man lehnt die augenscheinliche Entfernung eben zu diesen Wurzeln völlig ab. Dabei beweisen ENSLAVED auch mit dem neuesten Meisterwerk "Vertebrae", dass Fortschritt auch unter der Respektierung der eigenen musikalischen Wurzeln möglich ist. Sänger / Gitarrist Grutle und Gitarrist Ivar standen Rede und Antwort.

 

Musicscan: Was verbirgt sich hinter dem kryptisch anmutenden Titel "Vertebrae", der ja zunächst nur auf die menschliche Wirbelsäule verweist?

Enslaved:Grutle: "Vertebrae" ist das ultimative Symbol, um sowohl die geistige, wie auch die körperliche Stärke des Menschen auszudrücken. Früher verwies man oft auf das "Rückgrat", um die geistige Stärke eines Menschen zu kennzeichnen. Die "Vertebraes" (also Wirbel) sind die einzelnen Komponenten der Wirbelsäule und auch für den menschlichen Geist unentbehrlich (da durch sie das Rückenmark verläuft, Anm. d. Autors). Irgendwie scheint dies eine Schnittstelle von Biologie und Psychologie zu sein. Wir haben den Titel ausgewählt, da er sich gut zu den Texten der Songs fügte, die sich mehr oder weniger alle mit dem geistigen Aufstieg und auch Niedergang des Menschen beschäftigen.

Musicscan: Demnach verfolgt das Album einen lyrischen roten Faden?

Enslaved:Grutle: Wie ich gerade schon ausführte, die Texte beschäftigen sich mit den Stärken, aber auch Schwächen des menschlichen Geistes. Sie beschreiben, wie extrem zerbrechlich wir sind, wenn es um solche Themen wie Materialismus geht, um Religion, Propaganda etc.. Wir sind extrem schwach, wenn es um individuelles Verhalten geht und dennoch haben wir ein hohes Potential. Doch manchmal wird dieses Potential verschleiert, oder an der Entfaltung gehindert. Wir haben versucht, diese Momente lyrisch aufzugreifen. Während ich die mythologischen Aspekte bearbeitet habe, war es Ivars Part die psycho-surrealen zu übernehmen.

Musicscan: Wenn ihr auf eure Karriere zurückblickt, die Entwicklung weg von einem reinen Viking-BlackMetal-Act, würdet ihr sagen, daß sich die Mittel des Ausdrucks verändert haben, aber die eurer Musik zugrundeliegende Stimmung, der Wikinger-Aspekt geblieben sind?

Enslaved:Ivar: Das ist genau, was wir denken! Tatsächlich eine gute Beobachtung. Wir haben unsere Annäherungsweise geändert, uns als Musiker weiterentwickelt. Die Texte und das Gesamtkonzept sind persönlicher und auch intimer geworden, aber darunter ist die Philosophie und die Energie immer noch aus der gleichen Quelle. Jene, die wir in der Vergangenheit gefunden haben, in der Mythology und in den Runen.

Musicscan: Man könnte sagen, daß ihr neben Bands wie Emperor eine der letzten seid, die den norwegischen BlackMetal-Boom überlebt haben, die zweite Welle. Es scheint mir interessant zu sein festzustellen, daß alle norwegischen Bands eines gemein haben und hatten: Sie haben die Grenzen ihres Genres ausgeweitet. Würdet ihr dieser Theorie zustimmen und denkt ihr, daß tatsächlich eure Herkunft ein bestimmender Faktor ist?

Enslaved:Ivar: Ja, ich denke diese Theorie ist ziemlich akkurat. Für diese Bands ist es wohl nur natürlich nach Ausweitug und Entwicklung zu suchen. Als die norwegische Szene damals in Fahrt kam, erwuchs sie praktisch aus dem Nichts. Die erste Welle war maßgeblich: Bathory, Celtic Frost, Venom, Possessed und andere Helden. Aber von da aus entwickelten wir etwas völlig Neues und Wundervolles. Als die Jahre dann fortschritten und die Szene sich immer weiter ausdehnte, war es wohl nur konsequent, daß die Pionier-Bands neue Herausforderungen suchten. Der musikalische und eventuell kommerzielle Erfolg war nie genug für jene Bands, die einen genuine Vision verfolgten.

Musicscan: Wäre man dazu gezwungen, welche Bezeichung würde man eurer Musik momentan wohl geben?

Enslaved:Ivar: Also für uns ist "Extreme Metal" völlig okay. Manche fügen zusätzlich Wörter wie "progressiv", "düster" und so etwas hinzu, aber wir mögen schlicht "Extreme Metal". Es tut sich im Enslaved-Universum einfach zu viel, um mit zu vielen Präfixen rumzuspielen. Wenn die Leute es aber schon irgendwie benennen möchten, sollen sie das ruhig tun, es sind ja nur Worte und Musik bleibt Musik.

Musicscan: Haben die musikalischen Einflüsse über die Jahre verändert?

Enslaved:Ivar: Einerseits sind sie gleich geblieben. Wir sind immer noch eine Metalband, die von ihrer Position in der Musikgeschichte beeinflusst wird. Andererseits haben wir uns viel stärker anderen Genres geöffnet, insbesondere den eher experimentellen Dimensionen. Wir haben uns viel mit Progrock, Ambient und verrücktem Zeug beschäftigt, schon damals, allerdings blieb das wohl ein wenig außen vor. Zudem scheinen andere Aspekte heutzutage an Einfluß zu gewinnen, unsere Leben, unsere Erfahrungen, Bücher, Filme, die Malerei. Alles, was uns reagieren lässt ist letztlich ein Einfluß.

Musicscan: Wie sehen die Pläne für die nähere Zukunft aus? Mit wem würdet ihr gerne auf Tour gehen, Bands die eurem Stil momentan am nächsten kommen?

Enslaved:Grutle: Nachdem "Vertebrae" erschienen ist, werden wir exzessiv für ungefähr ein Jahr auf Tournee sein, sowoh in Europa, wie auch in den USA. Los gehts am fünften November in Kopenhagen. Informiert euch am besten auf www.enslaved.no ! So gefragt würde ich gerne mit Rush, Pink Floyd, King Crimson, Led Zeppelin, Autopsy, Darkthrone und Carcass auf Tour gehen, alle auf einer Bühne!

 
 Links:
  enslaved.no
 
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