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Medeia

Storie von: arne, am 22.10.2008 ]

Die kürzlich erschienene MCD von MEDEIA hat nur unzureichend auf das vorbereitet, was einen auf dem ersten Fullstream - Longplayer der Finnen erwartet. „Cult“ ist ein bissiges und ungemein extremes Album. Die Jungs aus Tampere halten sich nicht mit „unnützem Beiwerk“ auf, sondern gehen sofort in die Vollen.

 
Zwischen modernem Death Metal, füllenden Keyboard-Passagen und einem Hang zu abgefahrenen Experimenten entwickelt sich eine spannende und fesselnde Scheibe, die auf Seiten der Presse bereits viele Fans gefunden hat: „Der gute Zuspruch hat uns im Grunde nicht überrascht.“, erwidert Gitarrist Samuli Peltola. „Es hat uns eher gefreut, dass die Leute unseren in vielen Belangen Stil übergreifend angelegten Crossover-Sound annehmen. Neben dem offensichtlichen Headbanging-Stuff bieten wir ja noch einiges mehr. Doch obwohl wir eine Metal-Band sind, haben wir es mit Hörern einfacher, die nicht ausschließlich aus dem Metal stammen und die über den Tellerrand hinaus blicken. Insofern ist es wichtig, dass sich Leute mit unterschiedlichen musikalischen Vorlieben für uns interessieren. Bislang scheint das zu klappen.“

MEDEIA tun gut daran, sich vom Gros der skandinavischen Death-Kapellen zu entkoppeln. „Cult“ wird gleichsam kompromisslos wie latent episch aufgebaut. Entfesselt scheinende High-Speed-Attacken, mit denen die Musiker immer wieder an die Grenzen des handwerklich Machbaren gehen, wechseln mit atmosphärisch dunklen Mid-Tempo-Parts, die immer dann gesetzt werden, wenn man „Gefahr“ läuft, zu extrem zu werden: „Das kreative Potenzial, das in unserer Band steckt, hat mich angenehm überrascht, denn mit derart viel Talent habe ich gar nicht gerechnet.“, gibt der Gitarrist zu. „Natürlich hatten wir stets das Gefühl, ein Haufen guter Musiker beisammen zu haben, aber als wir mit der Arbeit an „Cult“ begonnen haben, sind wir alle über uns hinaus gewachsen. Jeder hat mindestens 110 Prozent gegeben, so dass alle unsere Erwartungen um Längen übertroffen worden sind. Schau dir allein die Dynamik an, über die jedes einzelne Stück verfügt. Mehr geht kaum. Als wir die ersten Ideen für die Platte sammelten, haben wir uns zunächst ein verbindendes Thema gesucht, das einen gedanklichen Rahmen setzte. Der Rest hat sich dann wie von selbst ergeben, denn die grundlegende Atmosphäre und Wirkung waren ja gewissermaßen gesetzt.“

Die Finnen fordern sich selbst und den Hörern alles ab, geben jedoch auch eine Menge zurück. Der Einstieg von Rotten Sounds Shouter Keijo Niinimaa erweist sich spätestens mit „Cult“ als Glücksgriff, denn die kreative Eruption von MEDEIA scheint auf seine Beteiligung zurück zu führen zu sein. Mit seinen Vocal-Linien geht er schließlich mit gutem Beispiel voran. Niinimaa gibt sich angriffslustig bis „verrückt“, dabei stets auf der Höhe des Geschehens. Die anderen Band-Mitglieder tun es ihm gleich. Die geschickt eingewobenen Melodien und füllenden Keyboards verhelfen der Scheibe zu unglaublicher Tiefe und einem immens vollen Sound, den man erst mit der Zeit unter den rigorosen Tempo-Attacken entdeckt: „Stolz bin ich insbesondere auf unser Songwriting und die Art und Weise, wie wir unsere


Songs arrangieren. Dass sie im Endeffekt alle einen zusammenhängenden Vibe aufweisen und dabei sogar so etwas wie eine eigene Note entwickeln, die MEDEIA auszeichnet.“

Die technische Komponente ist für Samuli Peltola dabei weniger wichtig: „Unsere handwerklichen Fertigkeiten sind notwendig, aber nachrangig, da sie letztlich nur ein Mittel zum Zweck sind. Gitarre zu spielen ist für mich dasselbe, wie ins Fitness-Studio zu gehen. Ich gebe stets mein Letztes und mache auch dann noch weiter, wenn ich eigentlich besser aufhören sollte. Doch man muss nun einmal hart arbeiten, um brutal und tight zu klingen.“ Mit „Cult“ tritt die Fullstream-Kombo den Beweis an, dass sie tatsächlich präzise und gnadenlos brutal ist. Und doch hat man bislang noch nicht wirklich viel vorzuweisen: „Unsere Band sehe ich aktuell noch immer in ihrer Startphase, auch wenn wir nun schon zwei Alben und die MCD veröffentlicht haben. Wir haben eine Handvoll guter Shows gespielt und wenige gute Releases vorzuweisen. Bis wir wirklich Relevanz erreichen und die Leute uns wahrgenommen haben und dann auch kennen, wird es noch dauern und es ist ein weiter Weg. Beschweren möchten wir uns aber nicht. Das Presse-Feedback für „Cult“ fällt überwiegend positiv aus und wir haben einige richtig klasse Reviews für die neue Platte erhalten. Da es das erste Album ist, das in größerem Stil veröffentlicht wird, verfolgen wir die Reaktionen natürlich besonders aufmerksam. Bislang bin ich zufrieden.“

Dem Gitarristen ist anzumerken, dass ihm seine Gruppe doch mehr bedeutet, als er bereit ist, zuzugeben. Wertschätzung von Kollegen, Fans und Presse hat doch jeder Musiker gern, wie bescheiden er sich auch gibt: „Für mich persönlich ist MEDEIA genau die Band, in der ich immer spielen wollte. Schon allein durch diesen Fakt ist mein eigener Anspruch längst erfüllt. Alles Weitere ist nur noch ein Bonus. Verglichen mit anderen Gruppen sind wir schon ungewöhnlich und eigen, aber genau das macht den Reiz aus. Wir nehmen alles, was kommt, und freuen uns über die Chancen, die sich uns eröffnen. Momentan richten sich unsere nächsten Ziele vor allem auf das Songwriting für ein neues Album, denn wir versuchen, uns mit jedem neuen Stück weiter zu toppen, um beim nächsten Mal eine noch bessere Platte einzuspielen. Daneben wollen wir natürlich auch touren, denn nur wenn man live unterwegs ist, kann man sich Fans erspielen und seinen Namen ins Gespräch bringen.“

Für die Band dürfte sich „Cult“ als Meilenstein erweisen, der mit dem Debüt nicht mehr zu vergleichen ist. MEDEIA sind heute schließlich auch eine völlig andere Band, die mit ihrem ersten international veröffentlichten Album ihren Sound erst definiert. Dabei sollten sie Fans moderner Extrem-Death-Klänge unterstützen, oder wie es Samuli formuliert: „Support Your Local Finnish Idiots!“

 
 Links:
  medeiaband.com
 
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