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Unearth

Storie von: arne, am 13.10.2008 ]

Mit dem vor zwei Jahren erschienenen „III: In The Eyes Of Fire” legten UNEARTH eine solide, jedoch keine herausragende Platte vor. Das Drittwerk der Bostoner Band zog eher überschaubare Kreise, denn es fehlte sowohl an Struktur als auch an neuen Ansätzen, die das Quintett voran gebracht hätten. Anno 2008 meldet man sich nun mit dem unerwartet starken „The March“ eindrucksvoll zurück.

 
Katalysator der zurück gewonnenen Klasse ist der neue Drummer Derek Kerswill, der sich am Telefon sympathisch und bescheiden zeigte: „So ganz neu bin ich ja nun auch wieder nicht. Fest zur Band zähle ich seit eineinhalb Jahren, doch auch schon davor hatte ich mit den Jungs zu tun. Nach meinen Erfahrungen mit Seemless, Kingdom Of Sorrow und damals mit Shadows Fall bin ich mit dem Kaliber einer Band wie UNEARTH vertraut gewesen, also wusste ich, worauf ich mich einlasse. Es hat ja bereits bei „The Oncoming Storm“ angefangen. Bevor Mike zur Band stieß (gemeint ist Mike Justian/ex-The Red Chord, heute Trap Them), haben die Jungs mit mir an den Songs der Platte gearbeitet und sie fragten mich schon damals, ob ich nicht fester Teil der Band werden wolle. Es passte zeitlich noch nicht, da es gerade mit Seemless losging, so dass wir nur fünf Songs geschrieben hatten, als Mike mich ablöste. Als sich UNEARTH von ihm trennten, riefen sie gleich am nächsten Tag bei mir an und diesmal sprach nichts dagegen, also sagte ich zu.“

Der „neue“ Mann hinter der „Schießbude“ fährt gleichsam souverän schnellste Tempo-Attacken, wie er in den MidTempo-Momenten gute Grooves und kleine Feinheiten setzt. Der Einstieg bedeutete für Derek zu Beginn jedoch harte Arbeit: „Die Integration lief problemlos, denn wir alle kennen uns schon seit Ewigkeiten und schätzen uns gegenseitig sehr. Anfangs musste ich aber schon viel üben, da ich aus einer Rock-Band kam und zwei-drei Jahre lang keine Double-Bass mehr gespielt hatte. Dann ist man ein wenig aus der Übung. Als ich zurück in die Welt des Metals kam, war das schon eine Herausforderung. Doch die Fertigkeiten waren schnell wieder da. Seit der ersten Show läuft es super und es macht richtig Laune, Teil der Band zu sein und mit diesen Jungs zu spielen.“

Die langjährige Erfahrung und die professionelle Einstellung Dereks zu seinem Instrument wurden zunächst auf eine Belastungsprobe gestellt: „Ich kam gerade von einer Tour mit Seemless zurück, als mich die Jungs anriefen. Ich hatte eine Woche, um mich auf die erste Show vorzubereiten und sprang ins kalte Wasser. Es gab eine gemeinsame Probe und das war es. Am Abend des Gigs war ich noch längst nicht 100%ig fit, doch mehr war einfach nicht drin. Den Fans ist nichts aufgefallen, also kann es nicht so schlecht gewesen sein. Das richtige Feeling hat sich dann sehr schnell eingestellt. UNEARTH sind ja beständig unterwegs. Bis wir damit anfingen, an „The March“ zu arbeiten, war das lange durch.“ Dereks Drum-Stil stützt seine Vorderleute und baut die Dynamiken der einzelnen Stücke aus:

„Im Gegensatz zu Mike bin ich ein sehr Song orientierter Musiker. Ich spiele, um aus den Kompositionen das Beste heraus zu holen und nicht, um mich selbst darzustellen. Momente, in denen du im Mittelpunkt stehst, kommen


von ganz alleine. Das muss man nicht künstlich erzwingen, und gerade darunter leiden viele Tracks extremer Bands.“ Nicht so auf „The March“: Es ist ein in allen Aspekten tightes und markantes Album entstanden. Angesichts der dynamisch und variabel vorgetragenen Stücke kommt erst gar nicht die Frage auf, wo der musikalische Schwerpunkt der Bostoner heute eigentlich liegt. Der Fünfer zeigt sich angriffslustig und temporeich und setzt nur vereinzelt auf Moshparts oder Core-like Breakdowns. Stattdessen stellt man die eigene Affinität für melodische Metal-Hymnen in den Vordergrund. Derek verleiht den Stücken Struktur und verhilft ihnen zu einem ausgewogenen Sound-Bild:

„Das entspricht genau meinem Anliegen, obwohl viele Leute das nicht einmal mitbekommen, geschweige denn würdigen. Ich hoffe, die Leute merken wenigstens, dass etwas anders ist und UNEARTH nicht mehr so klingen, wie in der Vergangenheit. Mit dem ganz chaotischen Drum-Spiel kann ich nun einmal nichts anfangen. All die großen Metal-Songs haben klare Strukturen und sie wirken in sich geschlossen und ausbalanciert. Nur dann stellt sich die natürliche Dynamik ein, die ich in den Stücken, an denen ich mitwirke, spüren will. Pantera sind in dieser Beziehung ein gutes Beispiel. Vinnie Paul spielte immer das, was der jeweilige Song erforderte, doch dabei war er nicht durchgängig technisch orientiert. Er hat auf den Vibe der Tracks geachtet, so wie ich es tue. Ich würde mich freuen, wenn den Fans diese Veränderung auffallen würde.“

Die vierte Scheibe der Metal Blade-Kombo beinhaltet etliche Songs mit ausgeprägten Hit-Qualitäten. Produzent Adam Dutkiewicz hat ganze Arbeit geleistet, denn der Sound ist ultra brutal. Die gleichsam härtere und melodie-lastigere Anlage von „The March“ kommt optimal zur Geltung:

„Wenn man mit ihm arbeitet, stellen sich das melodische Gespür und die catchige Anlage der Stücke fast von selbst ein. Was oftmals vielleicht nur schwach ausgeprägt im Hintergrund existiert, wird von ihm heraus gekitzelt und an die Oberfläche gehoben. Die harte Seite kommt aber auch nicht zu kurz, so dass du vor den Aufnahmen stets die Gewissheit hast, dass ein gutes Album entstehen wird. Als ich zu UNEARTH kam, habe ich mir die nächste Platte genau so vorgestellt. Schon zu Beginn des Songwritings habe ich den Jungs gesagt, dass sie fokussiertere Songs schreiben müssen. Da ich heute ein fester Teil des Teams bin, habe ich daran mitgewirkt, denn ich bin ja nicht nur Drummer, sondern auch Gitarrist und Bassist und konnte ich mich auf vielfältige Weise einbringen. Mein Ziel ist es stets, Songs zu schreiben, die meine positive Lebenseinstellung widerspiegeln. Die Anderen sind mir gefolgt, so dass auf „The March“ jeder Song für sich alleine stehen kann, es aber auch ein verbindendes Element gibt.“

 
 Links:
  myspace.com/unearth
 
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