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Sonic Syndicate

Storie von: arne, am 25.09.2008 ]

Es ist absehbar gewesen, dass weder Nuclear Blast noch SONIC SYNDICATE viel Zeit verstreichen lassen würden: Nur ein Jahr nach dem phänomenalen Labeleinstand „Only Inhuman“ erscheint mit „Love And Other Disasters” bereits das dritte Album der größten schwedischen Metal-Hoffnung.

 
Vom Fleck weg punktete das Sextett auf breiter Front und nahm die Herzen der Fans von In Flames und Soilwork im Sturm. Nuclear Blast tat gut daran, eine junge potente Band aufzubauen, die in die Bresche sprang, wo die neuen Platten der genannten Melodic Death-Urgesteine nicht mehr ganz so hohe Wellen schlugen und nur bedingt an die kommerziellen Erfolge der Frühwerke anknüpfen konnten: „Es könnte uns nicht besser gehen, denn ein neues Album zu veröffentlichen, ist immer etwas Besonderes.“, bestätigt es Gitarrist Robin Sjunnesson. „Natürlich bedeutet es eine Menge Arbeit, aber gleichfalls auch eine Menge Spaß. Gerade jetzt, wo wir schon vorab die Gelegenheit erhalten, in andere Länder und Städte zu gehen, um Interviews zu führen oder In-Store-Gigs zu spielen. Das lieben wir, denn über Langeweile können wir uns so nicht beschweren. Irgendetwas ist immer. Das Beste überhaupt ist jedoch, dass wir so unglaublich stolz auf „Love and Other Disasters“ und froh darüber sind, wie gut es bei den Leuten ankommt. Natürlich sind unsere Erwartungen nach den durchgängig positiven Reaktionen auf „Only Inhuman“ sehr groß. Mit Spannung erwarten wir, wie die Fans unsere Weiterentwicklung aufnehmen werden. „Only Inhuman“ war ein guter Einstand, um mit SONIC SYNDICATE richtig loszulegen, und mit „Love and Other Disasters“ gehen wir jetzt den nächsten Schritt. Es ist ein in allen Aspekten reiferes und besseres Album entstanden.“

Rollenspiele mit „Masken-Jason“

Als Indikator für tatsächlich erreichte Relevanz einer Band gilt stets die rein quantitativ betrachtete Anzahl an Interviews und sonstiger Anfragen: „Was die Promotion der Platte anbelangt, sind unsere kühnsten Erwartungen schon jetzt gesprengt. Seit Wochen sitzen wir jeden Tag da und geben ein Interview nach dem anderen. Es ist verrückt und toll zugleich. Die letzten Tage war es fast immer so, dass ich morgens aufgestanden bin, per Mail mein Tagesplan entgegen genommen habe und dann per Telefon mehrere Interviews mit Magazinen aus Spanien, Großbritannien und Deutschland geführt habe, um anschließend mit E-Mailern weiter zu machen. Und ich bin nicht der einizige in der Band, dem es so geht. Vor eineinhalb Jahren kannte uns noch niemand und kaum jemand wollte uns interviewen, doch heute rennen uns die Leute die Bude ein. Wenn man sich überlegt, dass wir quasi gestern weder ein Label noch attraktive Tour-Angebote hatten, wirkt es allein unwirtlich. Heute gehe ich in Plattenläden oder den Zeitungskiosk und sehe unsere Gesichter auf Postern oder auf den Covern von Magazinen. Leute fragen auf der Straße nach Autogrammen, egal, wo wir gerade sind. Mit so etwas haben wir niemals gerechnet und erst nach und nach können wir uns daran gewöhnen. Richtig verarbeitet haben wir das alles noch lange nicht.“ Und doch sehen sich SONIC SYNDICATE in ihrem Promo-Marathon bisweilen auch ungewöhnlichen Situationen ausgesetzt: „Da erinnere ich mich vor allem an unsere erste Tour in den Staaten an der Seite von Nightwish.“, äußert der Gitarrist. „Karin und ich waren auserkoren, Interviews zu geben, als plötzlich jemand mit einer „Jason-Maske“ kam und sie während der ganzen Unterhaltung nicht abgenommen hat. Seine letzte Frage war: „Hast Du Dir jemals den Daumen in den Arsch gesteckt und anschließend daran gerochen?“ Obwohl klar war, dass es sich um einen Scherz handelte, wussten wir im ersten Moment nicht, wie wir reagieren sollten. Was sagt oder tut man in einer solchen Situation? Auf derselben Tour gab es auch ein witziges Rollenspiel, als ein Typ Karin und mich gebeten hat, für das Interview unsere Rollen zu wechseln. Sie hat also für mich und ich für sie geantwortet. Auch wenn es nicht lange ernsthaft blieb, war es doch eine witzige Geschichte.“

Kein schreiender Boss

Das Interesse an den jungen Schweden ist von jetzt auf gleich so stark angewachsen, dass nach einer ersten Pressung von „Only Inhuman“ im letzten Jahr schnell eine Tour-Edition mit Bonus-DVD nachgelegt wurde, um die große Nachfrage zu befriedigen und die unermütlichen Live-Aktivitäten von SONIC SYNDICATE weiter zu pushen: „Natürlich schauen wir auf die Verkaufszahlen. Als Künstler bist du so stolz darauf, dass sich die Leute zwischen den vielen Releases und Bands gerade für dich entscheiden.“, sagt ein sichtlich zufriedener Robin Sjunnesson. „Dadurch, dass wir viele Alben verkaufen, können wir als Band in Ruhe wachsen und wir bekommen bessere Tour-Angebote. Fast noch wichtiger ist es allerdings, dass wir uns eine große Fan-Basis aufbauen, die uns treu bleibt, was noch besser ist. Das Release mit der DVD war eine tolle Geschichte, und viele der Leute, die schon die normale Version hatten, haben sich auch die zweite zugelegt, weil sie noch mehr von SONIC SYNDICATE haben wollten. Es ist schon verrückt, aber das sage ich heute nicht zum ersten Mal. Der Gig, den man auf der DVD sieht, ist unser erster überhaupt in Deutschland gewesen, zumindest als Headliner. Den Tag davor waren wir ja bereits Support von Megadeth in Leipzig. Als wir nach Deutschland kamen, sind wir alle so nervös gewesen, denn wir wussten ja nicht, wie die Leute uns aufnehmen würden. Und dann auch noch gleich die Aufnahmen für die DVD. Mannomann, daran mag ich gar nicht zurück denken, haha.“ Die Erstauflage von „Love And Other Disasters” dürfte nach den positiven Erfahrungen im letzten Jahr von Beginn an höher ausfallen. Dabei birgt der konsistente und rundum starke Zehn-Tracker das Potenzial, für noch mehr Furore zu sorgen. Und das, wo das Album ohnehin schon eines der am meisten erwarteten Metal-Releases des Jahres ist: „Was soll ich dazu schon sagen? Die Fans bombardieren uns seit Wochen und Monaten mit Fragen nach der neuen Platte, denn sie sind so heiß, endlich neue Songs zu hören. Uns geht es ja nicht anders. Wir sind so gespannt, wie das Album ankommt. Da wir um die Erwartungen der Fans wussten, haben wir unglaublich hart an der Scheibe gearbeitet und unser Bestes gegeben, so wie immer. Auch wenn es blöd klingt, doch wie tun all das, was getan werden muss. Und mehr noch. Schließlich sind wir immer noch eine junge Band, die sich weiter entwickeln und weiter wachsen will. Unser Anspruch ist es, noch besser zu werden. Wie du es aber richtig sagst, darf man den nötigen Spaß nicht außen vor lassen. Wenn man sich seine Lockerheit nicht bewahrt, kannst du nichts gewinnen und schon gar nicht mehrere Jahre als Einheit mit Erfolg zusammen bleiben. Musiker zu sein, ist vielleicht der einzige Job, bei dem man jederzeit Party feiern kann, ohne dass dein Boss dich anschreit. Natürlich ist es nicht einfach, auf Tour zu sein, doch spätestens wenn du auf die Bühne trittst, sind alle Unannehmlichkeiten vergessen. Ich hatte noch nie so viel Spaß wie auf der Bühne. Dafür lebe ich.“

Fans selbst in der Pampa

Innerhalb kürzester Zeit haben sich SONIC SYNDICATE zu einem der heißesten schwedischen Export-Schlager im Metal gemausert. Der steile Aufstieg ist eine Erfolgsgeschichte sonder gleichen, die auch für den Gitarristen noch immer unheimlich ist: „Mit der Aufmerksamkeit, die wir heute erfahren, haben wir zu Beginn der Band niemals gerechnet, nicht einmal davon geträumt. Wir kann man es sich schon vorstellen, dass Leute in einer Schlange vor dem Tour-Bus stehen, nur um sich ihre CDs oder Poster signieren zu lassen. Immer häufiger passiert es, dass wir von Fans Geschenke zu unseren Geburtstagen bekommen. Das ist unglaublich und wir sind dafür so dankbar. Es soll nicht abgedroschen klingen, aber wir leben unseren Traum. Wir können mitten in der deutschen Pampa einen Burger King aufsuchen und es dauert nicht lange, bis jemand kommt und sagt: „Cool, ihr seid meine Lieblingsband und ich habe euch schon da und dort gesehen.“ Ich meine, wie kann es sein, dass inzwischen so viele Leute wissen, wer wir sind und uns auch noch auf der Straße erkennen.“ Eine Erklärung für den breiten Zuspruch oder Tipps für interessierte Newcomer hat Robin allerdings nicht: „Ein wirkliches Erfolgsrezept gibt es nicht. Ich kann nur jedem empfehlen, möglichst viel Arbeit und Anstrengung in die eigene Band zu stecken und an die eigene Stärke zu glauben. In jedem Fall musst du hart an dir arbeiten, denn wenn man sich im Sessel nur seinen Arsch platt sitzt, passiert bestimmt nichts. Zu Beginn haben wir Radio-Stationen und Clubs mit unseren Songs und Infos über uns überflutet, bis sie gar nicht mehr anders konnten, als uns zu spielen bzw. spielen zu lassen, um endlich wieder Ruhe vor uns zu haben. Unsere Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt und die Reaktionen von Hörern und Zuschauern waren durchweg positive. Bis heute hat es niemand bereut, uns geholfen zu haben. Eine weitere Sache, die man als Band berücksichtigen sollte, ist, sich niemals als Rock-Stars aufzuspielen und nichts für selbstverständlich zu halten. So, wie du dich gibst und präsentierst, wirst du auch behandelt. Diese Weisheit hat auch in der Musik Gültigkeit.“ Im Tour-Bus haben die Schweden alles Notwendige gelernt, um im Business zu bestehen: „Wenn man es erst einmal so weit schafft, dass man erste Touren mit großen Bands spielen kann, lernst du jeden Tag dazu. Wir haben unseren Einstand vor Dark Tranquillity gegeben und werden diese Erfahrungen wohl niemals vergessen. Sie waren so etwas wie Lehrer für uns und haben uns die ersten Abende geholfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie haben uns gezeigt, was man machen kann und wovon man lieber die Finger lassen sollten. Obendrein haben sie uns auch für die Songs und unsere Show gute Tipps gegeben. Es muss für sie schon komisch gewesen sein, mit unserem unerfahrenen und jungen Haufen unterwegs gewesen zu sein. Doch man wird sehr schnell erfahren, wenn man unterwegs ist. Heute sind wir es, die anderen Gruppen von unseren Erfahrungen erzählen und die anderen helfen. Inzwischen kann man uns sicherlich mit Recht als professionelle Band beschreiben. Was wir von Dark Tranquillity übernommen haben, ist unsere bodenständige Art und Weise und die Fähigkeit, trotz Stress, den Spaß nicht zu verlieren. Als Nuclear Blast uns gesigned haben, ging es los und bislang ist kein Ende in Sicht. Wir spielen live für MTV, großartige Touren mit Gruppen, von denen wir Fans sind und sogar die großen Festivals vor tausenden von Leuten. Wenn ich das letzte Jahr jetzt so zusammen fasse, merke ich erst, wie toll die letzte Zeit gewesen ist.“

Deutschland ist nicht Schweden

Für viele Bands ist die „Banalität des Alltags“ der größte Feind des Daseins als tourende Musiker. Nicht so bei SONIC SYNDICATE: „Die Zeit zwischen den Touren genießen wir sehr intensiv. Dann hat man ja alles, was einem fehlt, wenn man unterwegs ist, wie


Freundinnen, Katzen etc. Gäbe es diese Auszeiten nicht, wären wir innerhalb kürzester völlig durch und könnten wohl bald schon nicht mehr weiter machen. Doch es ist verrückt, wenn man zu viel freie Zeit hat, fehlt dir wiederum schnell das Touren und du willst wieder los. Bald geht es ja wieder kreuz und quer durch Europa.“ Gitarrist Robin Sjunnesson ist heiß, in den Live-Support für die zweite Nuclear Blast- Scheibe zu gehen und hat klare Vorstellungen bzw. Wünsche: „Die bunt durchmischten Shows favorisieren wir, denn bei ihnen weiß man vorab nie, was passieren wird. So, wie es vor einigen Monaten hier in Schweden gewesen ist, als wir bei einigen Festivals auf einer Bühne mit Hip Hop-Bands gespielt haben. Das war eine Erfahrung. Gelingt es dann auch noch, sich Fans außerhalb des Metals zu erspielen, gibt es nichts Größeres. Nur so kannst du dich pushen. Immer nur vor den eigenen Fans zu spielen, die dich alle kennen, wäre zu wenig, um sich weiter zu verbessern. Wir sind aufgeschlossen und erwarten von Musik-Fans dasselbe. „Love And Other Disasters“ hat Songs für jeden Geschmack. Es gibt sowohl schnelle und harte Metal-Songs, aber auch verträgliche Balladen und alles dazwischen. Die Scheibe ist stilistisch breit angelegt und bietet unglaublich viel.“ In allen Belangen ist ein „Mehr“ entstanden, ganz egal, ob man sich nun das Songwriting, die Nachhaltigkeit der tollen Hymnen, die druckvolle und optimal getimte Produktion oder das abermals schicke Artwork anschaut. Die Eingängigkeit des Materials zeigt sich dank eines gesteigerten Pop-Appeals ausgeweitet, während auch die metallische Schlagseite stärker akzentuiert und um technische Raffinesse ausgebaut worden ist. Ähnlich Raunchy auf „Death Pop Romance“ liefern SONIC SYNDICATE eine nahezu perfekte Symbiose aus Pop und modernem Metal, ohne dabei Authentizität oder Härte einzubüßen. Nur deshalb können die Schweden heute auch bombastische MidTempo-Balladen spielen, ohne cheesy zu wirken. Mit den Erwartungen der Fans können die Schweden umgehen, und selbst die „Hits“ von „Only Inhuman“ haben sich bei den Musikern noch nicht abgenutzt: „Warum sollten wir damit Probleme haben? Im Zweifel könnten wir die Setlist umstellen, doch das tun wir nicht. Die Leute bezahlen schließlich Geld, um uns zu sehen. Deshalb haben sie auch das Anrecht, die Stücke zu sehen, die sie kennen. Sie bekommen eine gute und intensive Show mit all ihren Favoriten. Inzwischen haben wir ein gutes Gespür dafür, welche Songs in welchen Ländern besonders gut ankommen. Da gibt es zwischen Deutschland und Schweden durchaus Unterschiede. Schon allein durch diese Anpassungen wird es nicht langweilig, schließlich spielen wir niemals 30 Tage hintereinander dieselben Tracks in derselben Reihenfolge. Darüber hinaus sind es ja immer wieder neue Leute, vor denen du spielst und die die Chöre mitsingen. Davon lässt man sich jeden Abend aufs Neue mitreißen.” Das Sextett wird schon bald mit In Flames und Gojira durch Europa touren. Robin Sjunnesson stellt nicht weniger als ein Feuerwerk in Aussicht: „Die Leute sollen sich auf neue, bessere und noch explosivere SONIC SYNDICATE einstellen. In übertragendem Sinn werden wir das Publikum killen. Der Fokus wird auf den neuen Stücken liegen, doch die alten Tracks lassen wir natürlich auch nicht außen vor. Unsere Mischung aus straightem Metal, Singalongs und Hüpf-Parts wird jeden mitreißen. Ihr solltet eure Stimmen und Schuhe schon einmal in Form bringen, haha. Einige der Shows sind bereits ausverkauft. Es scheint ein Monat voller Spaß und guter Shows zu werden.“

Songs für „Nicht-Metaller“

Mit ihrer Stil übergreifenden und Scheuklappen freien Anlage zwischen Metal und Pop haben die sechs Schweden den Zeitgeist getroffen, wie kaum eine andere Band in den letzten Jahren. Gitarrist Robin überrascht das nicht: „Wir stechen aus der breiten Masse hervor, weil wir das Genre auf das nächst höhere Level hieven. Die Leute haben niemals Gewissheit darüber, was wir als nächstes tun werden. Das hält ihr Interesse wach und fordert uns heraus. Schließlich wollen wir uns nicht wiederholen und immer besser werden. Schaut man sich die Unterschiede zwischen „Only Inhuman“ und „Love And Other Disasters“ an, stellt man fest, dass es gerade kein zweites „Only Inhuman“ ist. So soll und muss es auch sein. Die breite Mischung zwischen hartem Metal und seichteren Melodie-Parts eröffnet uns viele Möglichkeiten. Gerade erst vor kurzem habe ich Leute getroffen, die SONIC SYNDICATE mit dem Video zu ‚Enclave’ kennen gelernt haben und dieses mögen. Ansonsten haben sie mit Metal nichts am Hut, doch unsere Ballade hat sie überzeugt. Nur deshalb haben sie sich das Album besorgt und auch alle anderen Songs gehört. Heute sind sie treue Fans. Wir versuchen, als Brücke zwischen unterschiedlichen Genres zu fungieren. Wenn die Leute ihre Vorurteile überwinden, können sie auch offen für Neues sein, das sie noch nicht kennen. Wir tun das mit jedem neuen Stück. Hinsichtlich des Songwriting sind wir noch nie Kompromisse eingegangen. Wir haben immer nur die Musik gespielt, die wir wollten und die sich richtig angefühlt hat. Dabei ist es ganz egal, ob es MetalCore oder kommerzieller Radio-Rock ist, wir bleiben immer SONIC SYNDICATE.“ Um die eigene Kreativität zu pushen und in den Grenzbereich des Möglichen vorzustoßen, haben sich die Schweden für „Love And Other Disasters“ bewusst unter Druck gesetzt: „Als wir das Studio buchten, waren wir gerade auf Tour und hatten noch nicht einen neuen Song geschrieben. Wahrscheinlich brauchten wir eine klare Deadline, an der wir uns orientieren konnten. Den ganzen Januar über haben wir hart an den Tracks gearbeitet. Dabei ist es zum ersten Mal die gesamte Band gewesen, die die Platte geschrieben hat, und nicht mehr nur einzelne Mitglieder. Natürlich ist es schwer und teilweise langwierig, wenn sich sechs Leute austauschen, einbringen und auf einen gemeinsamen Nenner einigen müssen. Wir haben allerdings eher das Positive gesehen, wie die unterschiedlichen Ideen und Sichtweisen. Am Ende war es weniger schwierig, als erwartet. Dass wir nach nur einem Monat fertig waren, zeigt ja, wie produktiv wir gewesen sind. Zwei oder drei Tage vor dem Termin waren wir fertig.“ Im Studio ließ man es dann ruhiger angehen, wie Robin Sjunnesson berichtet: „Bei den eigentlichen Aufnahmen zu „Love And Other Disasters” haben wir eine Menge neuer Sachen ausprobiert, wie Gitarren-Effekte, von denen wir vorher nicht einmal wussten, dass sie existieren. Wir haben uns die Zeit genommen, zu experimentieren und es hat viel Spaß gemacht. Es ging uns ja gerade darum, unerwartete Dinge zu tun und die Leute zu überraschen. Wenn man dieses Ziel hat, muss man experimentieren, um sich nicht zu wiederholen. Unser Sound sollte neu und frisch klingen, jedoch noch immer als SONIC SYNDICATE erkennbar sein. Im Ergebnis steht eine leichter erschließbare Platte, mit der auch Leute etwas anfangen können sollten, die um metallische Klänge sonst einen weiten Bogen schlagen. Die vielen Melodien bieten Halt. Ich selbst bis vor allem darüber überrascht gewesen, wie schnell und flüssig die neuen Tracks entstanden sind. Vorab hatte ich längere Diskussionen oder Schwierigkeiten erwartet, doch rückblickend lief alles wie von selbst. Wir hatten viele tolle Ideen, die in Summe in klasse Album formen. Ebenfalls überrascht hat mich der homogene Stil-Mix der Platte. Alles passt perfekt zueinander und noch immer singen wir jedes Mal mit, wenn wir Stücke im Radio hören. Das ist ein gutes Zeichen.“

Adrenalin-Kick

Sucht man nach SONIC SYNDICATE im Internet, findet man in Blogs und Foren unzählige Gerüchte und Anfeindungen, die auch Robin Sjunnesson nicht verborgen geblieben sind. Erfolg produziert Neid und ruft Missgönner auf den Plan: „In den letzten Monaten habe ich so unglaublich viel Unsinn über uns gehört und gelesen. Man kann das alles gar nicht mehr verfolgen. Das tun wir auch nicht ernsthaft, doch was ist unterhaltsamer, als Nonsens über sich selbst zu lesen? Es fing damit an, dass Leute behaupteten, wir seien eine Casting-Band, die von Nuclear Blast zusammen gestellt worden ist. Das hat inzwischen ein wenig nachgelassen. Heute sprechen viele von Sell-out, doch mir ist nicht so ganz klar, wie wir Sell-out sein können, wo wir doch von Beginn an diese Art von Musik gespielt haben. Moderner und melodischer Metal ist schon immer unsere Welt gewesen. Daran hat sich bis heute nichts verändert. Eigentlich ist es ja traurig, dass einige Leute zu viel Zeit zu haben scheinen, dumme Gerüchte über andere zu verbreiten, die sie gar nicht kennen. Haben sie nichts Sinnvolleres zu tun? Wenn man es wie wir mit Humor nimmt, kann es aber durchaus unterhaltsam sein. Beliebt ist auch das Gerücht, dass Karin gar nicht Bass spielt, sondern dass die Lines von Band eingespielt werden. Was soll man dazu schon sagen?“ Immer wieder wird auch auf ein rasches Ende von SONIC SYNDICATE spekuliert, dabei haben die Schweden doch längst bewiesen, dass sie mehr als eine Eintagsfliege sind: „Kann man One-Hit-Wonder-Bands etwas vorwerfen?“, fragt Robin. „Auch sie haben ihre Berechtigung, denn man kann es nicht planen, einen Hit zu landen. Darauf hast du als Musiker keinen Einfluss. Für diese Gruppen ist es schade, dass sie niemals den Kick mitnehmen können, vor einem großen Publikum ein ganzes Set zu spielen, das von Anfang bis Ende abgefeiert wird. Dieser Adrenalin-Kick ist mit nichts zu vergleichen. Kontinuierlich zu wachsen, ist der bessere Weg, denn man entwickelt sich gemeinsam mit seinen Fans, weil man über Jahre da ist und auch weiterhin bleibt. Einen Radio-Hit zu haben, schadet bestimmt nicht, doch man kann es sich selbst dann nicht erlauben, still zu halten und zu glauben, es ginge immer so weiter. Man muss hart arbeiten, so wie wir es tun. Man darf niemals still stehen und muss zu einem Workaholic in allen Belangen werden, die deine Band betreffen.“ Für SONIC SYNDICATE selbst gibt es dabei klare Regeln: „Wir haben es uns geschworen, niemals Stücke zu schreiben, hinter denen wir nicht stehen. Leuten beim Label einen Gefallen zu tun oder sich zu verstellen, um Kohle zu machen, ist für uns keine Option. Mit Nuclear Blast haben wir ein Label hinter uns, das uns kreative Freiheit gewährt, und so soll es ja auch sein. Sie vertrauen uns und wir ihnen. Das ist eine komfortable Situation für beide Seiten, denn das Ergebnis stimmt. Wir schreiben gute Songs und Platten. Sie pushen uns mit Promotion und tollen Touren.“ Die Zeichen für die weitere Entwicklung des Sextetts stehen anhand des rundum überzeugenden Albums „Love And Other Disasters” mehr denn je auf Sturm. Lasst Euch mitreißen!

 
 Links:
  myspace.com/sonicsyndicate
 
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