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Portugal.the Man

Storie von: Alexandra, am 19.09.2008 ]

Portugal.The Man rocken das Schocken in Stuttgart. Mal wieder. Zum dritten Mal in zwei Jahren. Und seit dem ersten Konzert hat sich einiges verändert. Aus der Not ist eine Tugend geworden.

 
Noch vor Kurzem wussten die Herren aus Alaska nicht, dass man in Deutschland von einem Konzert etwas mehr erwartet als 45 Minuten Musik. Um ihr Set auf Konzertlänge zu strecken wurde gejammt, was das Zeug hält. Und genau das ist nun fast zu einem Markenzeichen der Band geworden. Jedenfalls live. Wer die Songs bisher nur von der Platte kannte, wird diese kaum wieder erkannt haben. Aber die Jungs haben es drauf, ihre Fans auch durch entfremdete Songs nicht zu enttäuschen. Im Gegenteil. An diesem Abend im Schocken waren alle hellauf begeistert. Und das waren eine ganze Menge Leute. Zwar war das Konzert nicht ausverkauft, aber proppenvoll war es dennoch.

Nach zwei Vorbands, Steaming Satellites & Saboteur, kamen gegen 22.20 Uhr endlich Portugal.The Man auf die Bühne und eröffneten ihren Abend gleich mit einem ganz großen Song vom ersten Album „Waiter: „You Vultures!“. „Aka M80 the Wolf“. Dieser Song ist im Original, auf der Platte 3:56 Minuten lang. Live bringt er es auf etwas über 8 Minuten. Ein typisches Beispiel für PTM Konzerte. Die Songstrukturen werden oft von anderen Melodien, von Jam-Einlagen unterbrochen, um danach in geordneten Bahnen zu Ende geführt zu werden. Weiter ging es mit „Telling Tellers Tell Me“. Einem Song vom zweiten Album „Church Mouth“. Erst der dritte Song „1989“ ist vom aktuelle dritten Album „Censored Colors“. Das Konzert beginnt also in chronologischer Reihenfolge. Schöne Idee. Danach geht es bunt gemischt weiter. Es gibt viele Songs vom zweiten Album zu hören, wie „Bellies Are Full“ oder den Titeltrack „Church Mouth“. Ein paar vom neuen Album (And I ) und vom Debüt (Stables & chairs, Tommy). Dann eines der besten Stücke vom neuen Album „Colors“. „IŽm not afraid to die“ heißt es in dem Text, und das glaubt man Gourley, so inbrünstig, wie er diese Zeilen singt.

Das Publikum ist von Anfang an dabei, geht sofort mit. Mein Highlight des Abends, ganz klar, der Song „Chicago“, das Rockmonster. Laut und aggressiv. Spätestens jetzt schwitzt jeder im Schocken. Schon nach ein paar Songs dürfte einem aufgefallen sein, dass die Band gewachsen ist. Nicht nur musikalisch, sondern auch in der Anzahl. Auf der Bühne stehen, neben den mittlerweile 4 festen Bandmitgliedern, auch 2 weitere Musiker. Der Sound wird unterstützt durch eine Rhytmsektion, Bongos und eine Orgel. Der Gesang ist meist zwei- oder


sogar dreistimmig.

Doch eines hat sich nicht geändert. John Baldwin Gourley ist immer noch der scheue Sänger, der er vor zwei Jahren war. Man hat das Gefühl, das er am Liebsten das ganze Konzert über mit dem Rücken zum Publikum stehen würde, was er auch immer wieder tut. Sein Mikrofon baut er nie frontal, sondern immer seitlich zur Bühne auf. Und auch diesmal hat es ganze 4 Songs gedauert, bis Gourley mal ein paar Worte an das Publikum gerichtet hat. Diese sind wie immer knapp. Er freut sich wieder in Stuttgart zu sein. Bedankt sich bei allen fürs Kommen. Gegen Ende des Konzertes taut er dann wieder etwas auf. Aber zur Frontsau wird er wohl nie werden. Muss er auch nicht. Dafür ist Basser Zac da, der auch in seiner „Nebenrolle“ eine wahnsinnige Publikumspräsens zeigt. Oft ruhen die Augen mehr auf ihm, am linken Bühnenrand, als auf John. Außerdem ist Gourley, auch trotz seiner stillen Art, oder gerade deswegen, umwerfend. Ich meine welcher Mann kann in blau/weiß längsgestreiften Hosen und blau/gelb quergestreiften Socken sexy sein? Und noch dazu mit Pornobalken? Das ist schon ein Kunststück, das nur er, John Baldwin Gourley, beherrscht.

Musikalisch orientiert sich die Band zum Finale des Konzertes sehr am Ende des aktuellen Albums. Die Songs gehen nahtlos ineinander über, oft wird nur noch gejammt. Gesang wird überflüssig. Und wenn Gourley dann doch singt überschlägt sich seine Stimme fast, wird rau. Er schreit und kreischt aus vollem Leib. Es folgt “Lay me back down“ und zum Schluss „My mind“, das von 3:50 min auf fast 10 min ausgebaut wird. Nach ca. 1 œ Stunden ist das Konzert dann erst mal zu Ende. Gourley und Co verlassen durch die Menge die Bühne. Manche nach draußen, vor das Schocken, andere bahnen sich quer durch den Saal einen Weg in den Backstage Raum. Im Schocken eigentlich ein Zeichne dafür, dass das Konzert beendet ist. Viel zu umständlich sich da wieder zurückzukämpfen. Es gibt eine ca. 5 minütige Pause bis das erste Bandmitglied wieder auf der Bühne steht. Dann wird dem Bitten des begeisterten Publikums aber doch nachgegeben. 2 weitere Songs, dann ist aber wirklich Schluss. Portugal the man haben wieder bewiesen, dass sie eine einzigartige Liveband sind, die auch beim vierten Konzertbesuch garantiert nicht langweilig wird. Dann freuen wir uns mal auf ihren nächsten Besuch im Schocken.

 
 
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