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A Sailors Grave

Interview von: Dimitrios mit Dirk, Tobias, Olli, Leo, Chris, am: 06.09.2008 ]

A Sailors Grave gelten im Underground als viel versprechender Geheimtipp. Mit den Wurzeln im 90er Hardcore und mit den Ambitionen im Do It Yourself verwurzelt, hat die Band ein eigenständiges verzweifeltes Debüt kreiert, dass durch seine rohen Sound ein Exempel statuiert. Es wurde mal Zeit, die fünf Jungs hinter „A Sailors Grave“ zu einem Interview zu bitten.

 

Musicscan: Für alle die euch noch nicht kennen. Erklärt eure Motivation eine Hardcore Band mit mit 90er Jahre Szene-Attitüde zu gründen? Was sind eure Einflüsse, Vorbilder?

A Sailors Grave: Dirk: Ich glaub nicht dass diese Szeneattitüde geplant war. Das „Problem“ ist nur das wir alle in den 90ern mit Hardcore bzw. Metal in Kontakt gekommen sind und dort zu der Zeit auch alle schon in Bands gespielt haben. Ich glaube da bleibt der Einfluss der ganzen 90er Bands nicht aus. Vorbilder an sich sind nichts für mich aber meine Lieblingsbands aus der Zeit sind u.a. Chokehold, Abhinanda oder auch deutsche Bands wie Loxiran und Enfold.

A Sailors Grave: Tobias: Ich denke auch dass die Szeneattitüde die ihr da nennt ein reiner Zufall war. Wir haben einfach losgelegt mit dem songwriting ohne nen bestimmten Stil oder ähnliches im Hinterkopf zu haben. Was dabei entstanden ist, klingt eben nach Hardcore und Metal der uns beeinflusst hat. Ich habe keine erklärten Vorbilder, denn meiner Erfahrung nach versuchen Bands mit Vorbildern meistens diesen nachzueifern, was dann leider meist nach einer Kopie klingt. Deswegen versuche ich beim songwriting in erster Linie darauf zu achten dass es nach etwas klingt was mir Spass machen wird.

A Sailors Grave: Leo: Szene? Attitüde? Szeneattitüde? Bin mir nicht sicher ob ich jemals eine Motivation in dieser Hinsicht hatte. Wollte einfach nur in einer Metal/Hardcore Band mit meinen Jungs spielen und A Sailor’s Grave ist, was dabei herausgekommen ist.

A Sailors Grave: Olli: Bei manchen auch schon Einfluss aus den 80ern. Ich denke, dass es da keinen Plan gab, wie die Band genau sein soll. Vieles ist eben doch Zufall und ergab sich aus der Mischung der Beteiligten.

A Sailors Grave: Chris: seh das genauso. Keiner von uns hat gesagt “hey, lasst uns was im Stil der guten alten 90er spielen“. Aber die 90er haben halt für fast alle von uns die einflussreichsten Bands hervorgebracht. Außerdem wollte ich eh Emo-Pop machen…

Musicscan: Der Name A Sailors Grave klingt schon nach einem konzeptionellen Hintergrundgedanken. Auch das Artwork auf der Demo-EP greift den Namen auf. Gibt es da eine konkrete metaphorische Vorstellung?

A Sailors Grave: Leo: Auch hier muss ich wieder enttäuschen: Es gab nie einen diabolischen Masterplan, mit einem bestimmten Konzept um bei wem auch immer zu punkten. Wenn Leute so Sachen sagen wie: „Oh, das sind die Piraten von ASG“ oder „Jack Sparrow hätte wahrlich seine Freude daran“ freuen wir uns natürlich aber geplant war da nix. Ab und zu (wie auch in dem Artwork zur Demo-EP oder in ein paar Texten) nehmen wir die ganze Thematik auf und spielen damit. Wichtig ist: Sich bloß selber nicht zu ernst nehmen!

A Sailors Grave: Tobias: Naja, ursprünglich war das ganze eigentlich vollkommen Konzeptlos. Es hatte ziemlich gedauert bis wir uns bandintern auf nen Namen einigen konnten. Ich persönlich mag in erster Linie die Atmosphäre die von dem Namen heraufbeschworen wird. Es ist ein vielschichtiges Bild das eine Fülle an Assoziationen zulässt, und das gefällt mir daran. Dass das Seemannskonzept im Design des Demos aufgeriffen wurde, ist die künstlerische Interpretation des Designers.

Musicscan: Das neue Artwork zum Album „Eponymous Bastards“ ist schon sehr gelungen. Die ästhetische Optik und Atmosphäre die vom Cover ausgeht ist mehr als beeindruckend. Steckt dahinter eine versteckte Message?

A Sailors Grave: Leo: Olli und ich sind große Hellboy/Mike Mignola Fans und wollten was in der Richtung. Ich mag einfach den Gedanken das nichts ist wie es scheint, was denke ich recht gut in dem Artwork zu tragen kommt. Gemacht hat das Max Nicklas, in der Richtung kein unbeschriebenes Blatt und ein guter Freund von uns. Wir haben generell bisher sehr genossen Freunde zu haben die um einiges talentierter sind als wir, hehe.

A Sailors Grave: Olli: ich weiß mittlerweile selbst nicht mehr was wir damit sagen wollten [hatte irgendwas mit Ikonoklasmus im übertragenen Sinne zu tun] aber das Ergebnis ist umwerfend. Max Niklas hat nach unseren Vorstellungen etwas Großartiges erarbeitet, dass unsere Vorstellungen weit übertroffen hat. Ist im Übrigen nicht als Religionskritik gemeint.

Musicscan: Ihr habt den Vorteil, dass ihr mit Dirk gleich einen Mann mit an Bord habt, der ein relativ bekanntes Underground-Label führt. Ein Labelwechsel wird daher wohl nicht in Frage kommen.

A Sailors Grave: Dirk: Nein. Unser Demo, die EP und auch unser Album wird auf My Favourite Toy Records erscheinen. Ich selber mache ja das Label und von daher waren wir auch nicht wirklich auf der Suche nach einem neuen Partner. Jetzt haben wir alles selber in der Hand und das ist auch ganz gut so.

Musicscan: Wie entsteht ein typischer A Sailors Grave Song. Was sind die thematischen Einflüsse eurer Musik, und was steht bei euch im Vordergrund?

A Sailors Grave: Leo: In der Regel kommt einer der 3 Axtschwinger mit einem Riff oder schon einem ganzen Song in die Probe und wir nehmen das dann auseinander. Dann schreib ich entweder einen Text dazu, nehm einen der noch nicht anderweitig verwurstet ist, aber gut passt oder nehme Publikumswünsche entgegen.

Musicscan: Die deutsche Hardcore/Screamo Szene wird ja immer undurchlässiger. Das typische Problem, das Fashion-Gedanken und Tattoos wichtiger erscheinen als Inhalte wird immer mehr zum internen Abkoppelungsprozess vieler Die-Hard-Fans. Wie sehr ihr das in eurer Heimatstadt oder in bisher betourten Städten?

A Sailors Grave: Dirk: Gute Frage. Ich selber kann ehrlich gesagt nur noch wenig mit der aktuellen Szene anfangen. Ich komme aus der Szene der 90er und dort war einfach alles sehr geprägt von dem DIY Gedanken. Es gab viel mehr engagierte Leute die Labels, Bands, kleine Fanzines, Konzerte oder was auch immer gemacht haben. Auch die Bands sahen nicht aus wie Klone und haben auch nicht versucht die angesagten Metalcore Bands zu kopieren.

A Sailors Grave: Olli: Design follows function.

A Sailors Grave: Tobias: Kann mich was das angeht nur Dirk anschließen. Manchmal hat man mittlerweile auf Shows das Gefühl, die Leute gehen dort nur hin, weil man eben da gewesen sein sollte, und nicht weil ihnen die Musik etwas bedeutet. Im *brigen ist Fashion natürlich schon damals ein stressiger Faktor gewesen, aber die Gewichtigkeit die mittlerweile der richtigen Frisur oder dem cooleren Shirt oder sonstigem Scheiss beigemessen wird, ist schon nervig.

A Sailors Grave: Leo: Hauptsächlich komm ich mir bei der Szene heutzutage alt vor. Aber schönes Bubonix Zitat. ;)

Musicscan: Was war eine der bisher besten Shows von A Sailors Grave?

A Sailors Grave: Dirk: Die besten Shows haben wir bisher in Hof gespielt. Ich habe echt noch nie so ein unglaubliches Publikum gesehen. Dort wird noch richtig Party vor der Bühne gemacht. Ansonsten haben wir mal mit Elision in Essen gespielt und wurden danach im Keller eingeschlossen. Da Olli und ich die einzigen waren die nicht besoffen waren stand uns die Angst und Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Bis heute ist auch nicht geklärt warum Chris am nächsten Tag NACKT in seinem nassen Schlafsack aufgewacht ist und der Sänger von Elision den ganzen morgen gelächelt hat.

A Sailors Grave: Leo: Hehehe, ja Hof ist immer wieder gut und die Sache in Essen war alleine deswegen denkwürdig weil’s die erste „Tour“ war. Eine meiner Lieblingsshows war in Mannheim auf der Airbase, inklusive übertriebener Sicherheitschecks und allem was dazu gehört. Obwohl wenig los war sind die Leute abgegangen und waren alle super nett!

Musicscan: Wie würdet ihr eure Musik selbst mit einigen Adjektiven treffend beschreiben?

A Sailors Grave: Olli: Andere Leute finden da immer die besseren Worte. Ich denke aber, dass wir eben nicht so sehr drauf schauen, was andere Leute hören wollen, sondern das machen, was wir wollen. Und wir wollen laut, intensiv, brutal und eigenständig sein aber auch von Herzen kommen.

A Sailors Grave: Chris: slayeresque (ist mein Lieblingsadjektiv). Es ist etwas problematisch seine eigene Musik treffend mit ein paar Adjektiven zu beschreiben. Da kommt am Ende nur grandioser, ultraharter, blastbeatgetriebener, angepisster, breakdowntriefender, geiler Scheiß raus. Oops ;)

Musicscan: Pickt doch bitte 3-5 Songs aus dem Album aus und verseht sie mit Liner-Notes. Freie Gedanken sind immer informativ genug.

A Sailors Grave: Leo: Waging the Promise – Wahrscheinlich mein Lieblingssong. Macht einfach unglaublich Spaß zu spielen und zu hören. Verleiht mir das Gefühl großen Rock n’ Roll zu machen. Außerdem ist „Children’s lullabies are lies“ eine meiner liebsten Textzeilen. Kriegaffe #10 – Ein weiteres Mike Mignola Zitat und wohl einer der kompliziertesten Songs die wir haben. Hat bei seiner Geburt für einiges an Kopfschmerzen gesorgt. Sind übrigens keine Triolen . . . Oh, und der Slayerpart. The Beastman – Unser erster Song überhaupt. Trotzdem immer noch heiß geliebt. Verdammt anstrengend zu spielen, meistens improvisieren wir bei irgendeinem Part was, nur so zum Spaß. Blindside Blitz – Früher Move me Sideways, wohl der song mit der undankbarsten Rolle, weil wir bis heute nicht wirklich wissen wie wir ihn denn jetzt schlussendlich spielen sollen.

Musicscan: Was sind potentielle Wunsch-Tourpartner?

A Sailors Grave: Dirk: Hm.. vor Elision bzw. deren Einfluss auf uns hätte ich sehr große Angst. Mit Dioramic wäre es sicherlich sehr lustig... oder mit Arcana Cain.

A Sailors Grave: Tobias: Ja, dioramic würde extrem viel Spass machen. Ansonten geht meine Stimme an Every Time I die

A Sailors Grave: Leo: Um jetzt mal hochzugreifen: Everytime I die.

A Sailors Grave: Chris: Keine Ahnung. Ich könnte ein paar Bands nennen mit denen ich nicht auf Tour ginge. Elision wäre wahrscheinlich auf Dauer zu krass für unser aller Gesundheit. Glaube Killswitch Engage wären lustige Spielkameraden, aber das bleibt ein Traum. Die Entwicklung der deutschen Szene? Seit ich die Mucke höre, hat sich da einiges entwickelt. Von ganz wenig - zu ganz viel - zu wenig und einseitig. In den 90ern wusste man teilweise nicht auf welches der 7 Konzerte man die Woche über gehen sollte. Heute ist das irgendwie nicht mehr so. Früher war halt alles besser ;)

Musicscan: Was nehmt ihr euch mit „A Sailors Grave“ persönlich noch vor?

A Sailors Grave: Dirk: Da wir alle schon sehr alt sind und feste Jobs haben geht da glaube ich nicht mehr viel haha. Aber ein paar Alben und viele Shows wären super. Mal sehen was die Zukunft bringt. Uns wurde auch schon eine Tour in den USA angeboten aber irgendwie klappt so etwas dann doch nie...

A Sailors Grave: Tobias: Ein Grammy sollte schon drin sein. Dirk’s Pessimismus kann ich da nicht teilen. Nee, aber ernsthaft, wir machen das ganze ja in erster Linie um dabei Spaß zu haben, nicht weil wir groß rauskommen wollen.

A Sailors Grave: Olli: Das Alter sollte aber kein Hinderungsgrund sein. Und unsere Jobs kann man ja gegebenenfalls kündigen. Das ist doch die Stelle im Interview, wo wir uns mit großkotzigen Sprüchen in die Scheiße reiten sollen, oder? Also Vorband von Slayer auf der nächsten Unholy Alliance Tour!

A Sailors Grave: Chris: Japan-Tour! Danach Selbstmord!

Musicscan: Das Abschiedswort gebührt euch!

A Sailors Grave: Leo: Der Captain ist ein Pimmelzwerg! Oh, und danke an alle die unsere Sachen mögen. Und wenn nicht, kommt einfach mal mehr zu Shows, wackelt mim Popo und um Himmels willen, nehmt euch nicht immer so furchtbar ernst! Ich hab euch jetzt schon lieb!

A Sailors Grave: Dirk: Danke fürs Interview. (Gehört sich so)

Musicscan: Danke für das Interview und viel Erfolg mit der Platte!

 
 Links:
  myspace.com/asailorsgrave
 
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