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Prosperity Denied

Storie von: arne, am 19.08.2008 ]

Das österreichische Trio PROSPERITY DENIED geht auf seinem Debüt-Album „Consciousless“ mit einer straffen Mischung aus Thrash-/Death-Metal, Grindcore, etwas Hardcore und einer kleinen Prise Punk an den Start. Neben schroffer Härte setzt die Band gleichfalls auf ein eingängiges Moment, das sich in melodischen Tendenzen und wieder erkennbaren „Refrains“ ausdrückt.

 
Die variable Durchmischung direkter Brutalität und heftiger Grooves umschreibt das Label Noisehead treffend als „Moshpit-Bolognese“, denn die einst noch als Ravenhorst gegründeten Österreicher scheinen vor allem eine Live-Kombo zu sein: „Die Wertigkeit der Band war für uns immer schon sehr hoch, wobei gerade bei früheren Gruppen die Prioritäten oft woanders lagen. Seit es PROSPERITY DENIED gibt, hat sich das verdichtet. Wir leben alle drei noch viel mehr für unser gemeinsames Tun und somit nimmt es auch mehr Zeit in Anspruch. Was das Leben neben der Band angeht sind wir ein recht bunter Haufen. Matthias (Gitarre) ist Mechatroniker, Tom (Bass, Vox) ist unser Freak, der begeistert Japanologie studiert, und mich (Georg – Drums) hat es mit meinem Helfersyndrom in die soziale Schiene geschmissen, wo ich gerade geistig behinderte Menschen betreue.“ Dass beim Trio der Spaß nicht zu kurz kommt, wird deutlich, wenn Georg die eigene Motivation in Worte fasst:

„Bei solchen Fragen kommen meist Antworten wie „will mich verwirklichen“ oder „Leute mit der Musik begeistern“. Natürlich gehört das dazu! Wir drei knüppeln uns jedes Mal die Seele aus dem Leib, einfach weil es uns in den Fingern juckt, weil der Drang da ist, etwas zu schaffen, was dann auch irgendwie geil klingt und außerdem anderen Menschen gefällt. Ist doch super! Beim Recorden kann man sich Zeit lassen, experimentieren, das Maximum herausholen. Live rennt das Ganze dann direkter, da trittst du denen in den Arsch und sie treten zurück. Es macht einfach riesigen Spaß!“ Umso mehr, wenn das Feedback stimmt und das eigene Tun auf Gefallen trifft:

„Der größte Erfolg für uns war und ist der Deal mit Noisehead Records. Wir haben uns mit unserer 4-Track-Promo auf die Suche nach einem geeigneten Label gemacht und hatten dabei zwar große Motivation, aber nicht allzu viel Hoffnung, da wir wussten, wie schwer es ist. Zu unserer Überraschung gab’s von NHR sehr schnell eine Antwort. Sie waren sehr interessiert und der Rest ist für uns schon Geschichte. Im August 07 unterzeichnet, bereits im September das Debüt „Consciousless“ aufgenommen, und Ende Oktober ist diese unglaublich tight produzierte Scheibe dann auf den Markt gekommen!“ Und das trotz eines unaussprechlichen Bandnamens und Album-Titels: „Wir mögen es manchmal einfach kompliziert!“, klärt Georg auf. „Noch dazu weckt ein nicht eindeutiger Bandname irgendwo auch die Frage, was das jetzt heißen könnte, wie es ausgesprochen wird, etc! Gerade bei PROSPERITY DENIED kann man auch noch schön über den thematischen Inhalt diskutieren. „Wohlstand verweigert“ – Dürfen wir uns anmaßen, so einen Bandnamen tatsächlich auf uns und unser Leben umzumünzen? Man kann ihn natürlich auch als Provokation verstehen, für alle Leute, die sich eben diesem Wohlstand unreflektiert hingeben und nicht darauf achten, was unter ihnen passiert. Oder diese Wohlstandsverweigerung soll gerade auf all die Milliarden Menschen auf unserer Erde hinweisen, die nicht wissen, was Wohlstand bedeutet; die keinen Zugang dazu haben. Eigentlich ein spannendes Thema, oder?“

Zweifellos und den skizzierten Gedankengang darf man gerne als Anregung zu einer tieferen Auseinandersetzung aufgreifen. Musikalisch agiert das Trio etwas klarer, auch wenn „Consciousless“ ein extremes „Crossover-Album“ ist: „In einem Review von einem


deutschen Kollegen stand mal, die CD ginge ab wie ein „deutscher ICE bei Tempo 300“. Da ist man als Künstler natürlich erstmal voll begeistert! Dann sitze ich wenige Wochen später tatsächlich in einem ICE und bin enttäuscht, weil der ja mittlerweile so still und sanft fährt wie ein Flugzeug, wenn es nicht gerade in Turbulenzen steckt. Spaß beiseite, die Reviews waren im Grunde sehr gut. Wir sind mit „Consciousless“ ebenfalls nach wie vor zufrieden. Etwas verwundert hat uns allerdings, dass in sämtlichen Reviews zwar auf die Musik, aber gar nicht auf die Texte und nur selten auf das Artwork eingegangen wurde, wo doch beides genauso zu einem Album gehört wie die Musik.“ Angesichts der zuvor ausgeführten Überlegungen zum Bandnamen PROSPERITY DENIED ist die Richtung der sozialkritisch gefärbten Texte gesetzt. Nachdem sich die Musiker mit Ravenhorst bereits aufeinander einstellen konnten, legte das Trio nach der Umbenennung 2006 erst so richtig los:

„Richtig, wir hatten für das geschriebene Material schon gewisse Vorstellungen, da wir ja auch fast die ganze Scheibe vor dem Deal mit NHR in Eigenregie aufgenommen und Zeit zum experimentieren hatten. Trotzdem wurden unsere Erwartungen in praktisch allen Belangen übertroffen. Das Endprodukt „Consciousless“, im NHR Studio aufgenommen, ist in punkto Sound ein Überhammer geworden!“ Kein Wunder also, dass die Österreicher „Lunte gerochen haben“: „Das Bewusstsein, das sich ändert, wenn man den Sprung von einer jugendlichen Undergroundband, die von Zeit zu Zeit zusammenkommt und jamt, zu einer Vertragsband schafft, die professionelle Alben aufnimmt, Promotion für ihre Band macht und in großem Maße Live Konzerte spielt, hat sich verändert. Da haben sich uns neue Bereiche geöffnet, zu denen wir vorher keinen Zugang hatten, und ebenso steigert das unsere Energie, die wir investieren, um das Ganze am Laufen zu halten und weiter anzutreiben. Wir sind immer noch die gleichen Menschen, dieselben drei Musiker, denen es in den Fingern juckt, aber mit einem anderen Bewusstsein!“ Die erste „Hürde“ haben PROSPERITY DENIED schließlich erfolgreich gemeistert:

„Das Debüt ist immer ein Befreiungsschlag, weil man die Musik, die man schon lange macht, den Leuten endlich in einem guten Soundrahmen vorstellen kann. Für die weitere Entwicklung heißt es in erster Linie, dass wir jetzt ein gewisses Level erreicht haben, das wir halten bzw. übertreffen möchten, um sowohl uns als auch unsere Fans zufrieden zu stellen, vielleicht auch zu überraschen!“ Mit der Variabilität im Songwriting verhält es sich ähnlich:

„Auch das war ein Befreiungsakt, da wir mit der Vorgängerband ziemlich eingeschränkt nur Black Metal gespielt haben. Uns dreien ist das bald dermaßen auf den Sack gegangen, dass wir uns geschworen haben, uns musikalisch nicht mehr einzuschränken. Daher die Vielfalt. Wir schreiben das, was uns gefällt und wie es gerade kommt. Der Matthias hat grundsätzlich eine Vorliebe für diese schwedischen Göteborg-Linien, der Tom ist ein alter Crust-Grind-Punker und ich schwanke so zwischen meinen Death Metal- und Hardcore-Phasen.“ Im Ergebnis steht mit „Consciousless“ eine sowohl sehr aggressive Parts als auch in Teilen „relaxte“ Platte: „Ich denke, das ist ein zufälliges Ergebnis. Eigentlich ist es wie beim Sex: Mal braucht man es wild, dann wieder zärtlich.“

 
 Links:
  myspace.com/prosperitydenied
 
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