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Gojira

Storie von: arne, am 15.08.2008 ]

Die Uhr tickt: Am 13. Oktober wird der vierte Longplayer von GOJIRA erscheinen. Die südfranzösische Band aus der Nähe von Bayonne hat spätestens mit ihrem letzten Album „From Mars To Sirius“ für flächendeckende Begeisterung unter Hörern, Musiker-Kollegen und Presse-Vertretern gesorgt. Nun scheint die Zeit reif, größere Ziele in Angriff zu nehmen. Bereits der Titel der neuen Platte – „The Way Of All Flesh“ – lässt erahnen, dass der Vierer wiederum ein schwer verdauliches, dichtes Werk erschaffen hat.

 
Die prägenden Stilelemente bleiben die alt bekannten und doch werden die Franzosen zu einem guten Teil „ganz anders“ klingen. Das verspricht Drummer Mario, der direkt nach dem Durchhören des finalen Mixes für ein Interview zur Verfügung stand: „Das Ergebnis ist verdammt nah an unserer Vorstellung der Platte, insofern sind wir vollends zufrieden. Es stimmt schon, dass wir uns in der letzten Zeit rar gemacht haben, doch jeder Musiker, der mit der Arbeit an neuen Songs beginnt, wird zum Bären und zieht sich in seine Höhle zurück. Bei uns ist es immer so, dass wir unser Songwriting mit einer ruhigen Phase einleiten, in der wir Kraft tanken und unsere Ideen sammeln. Wir ziehen uns in uns selbst zurück und stellen uns so auf das Ziel ein, möglichst vielschichtige und gleichsam harte Songs zu schreiben. Im Arbeitsprozess und auch bis die Platte dann tatsächlich erscheint, muss man Geheimnisse bewahren und darf nicht zu früh zu viele Einzelheiten verraten. Sonst wären die Spannung und der Überraschungseffekt dahin. Glücklicherweise gibt es für Künstler keine Verpflichtungen, über die eigene Arbeit Rechenschaft ablegen oder immer wieder informieren zu müssen. Das würde nicht zu uns passen.“

GOJIRA lassen lieber die Musik sprechen und doch sieht sich das Quartett auch externen Einflüssen ausgesetzt, die über die Rezeption der Musik hinaus gehen: „Alle Künstler stehen vor demselben Problem: Von außen dringen Erwartungen und Fragen zu einem, die man weder beantworten noch zu sich durch dringen lassen will.“, so Mario. „Von psychologischen Aspekten lassen wir uns aber nicht beeinflussen. Die Songs schreiben wir zunächst nur für uns selbst, für niemanden sonst. Jedes Album ist im ersten Moment nichts anderes als die Selbstverwirklichung der involvierten Musiker. Bewahrt man sich diese Einstellung, kann man frei von jedem Druck arbeiten.“ An der Labelsituation der Franzosen hat sich bislang noch nichts verändert, doch ein Wechsel rückt in greifbare Nähe: „Es stimmt, Roadrunner wollte uns schon nach der letzten Platte signen, aber wir hatten mit Listenable den Vertrag über ein weiteres Album per Ehrenwort. Für uns ist das bindend, denn wenn wir eines sind, dann aufrichtig und zu unseren Worten stehend.“

Trotz aller „Erfolge“ und der gestiegenen Aufmerksamkeit bleiben GOJIRA bescheiden: „Das starke Interesse an „From Mars To Sirius“ hat uns schon überrascht. So richtig haben wir die Breitenwirkung erst auf unseren Touren mitbekommen. Die guten Besprechungen in den Magazinen hatten wir natürlich gesehen und auch etliche Interviews hat es gegeben, doch wenn du dann Abend für Abend Fans, Musiker und Leute von Plattenfirmen trifft, die dir sagen, wie gut sie dich finden und wie viel ihnen deine Scheibe bedeutet, ist das schon noch einmal etwas anderes. Gerade dann, wenn es Leute wie Angela Gossow (Arch Anemy), Gene Hoglan (Death, Strappin Young Lad) oder die Jungs von Chimaira, Mastodon und Lamb Of God sind. Dann muss man einfach akzeptieren, dass es ein reges Interesse am eigenen Schaffen gibt.“ Was den besonderen


Reiz von GOJIRA ausmacht, kann der Drummer nur bedingt beantworten:

„Scherzhaft sagen wir immer, dass es an unserem besonderen Groove liegt. Nein, im Ernst: Wir legen uns selbst keine Limitierungen auf, wenn wir neue Songs schreiben und führen unglaublich breite Einflüsse zusammen. Das reicht von klassischer Musik bis hin zum Black Metal. Was zählt, ist allein die Qualität, denn schon bevor wir Musiker wurden, waren wir Musik-Liebhaber. Die Basis unseres Sounds ist Metal, doch wir verstehen diesen als subtile Kunstform. Durchgängig hart sind wir schließlich nicht. Ein großer Teil der Wirkung entspringt ohnehin den emotionalen Momenten unserer Stücke und dem atmosphärischen Kontext, in den sie eingebettet sind.“ Im Sound der Franzosen trifft eine harte Stakkato-Schlagseite auf vielschichtige, noisige Atmosphären und knallige Death Metal-/Grind-Parts. Die Musiker legen hörbar Wert auf das Erschaffen eines Maximums an Variabilität, so dass ungemein fordernde und spannende Stücke entstehen: „Im Songwriting gibt es kein Geheimnis, außer dass wir mit Neukompositionen jeweils unsere aktuelle Stimmung umsetzen wollen. Es geht uns nicht darum, beständig neue Wege zu suchen oder unseren Sound immer wieder neu zu erfinden. Es geht uns allein um die Wirkung, die wir auf teils unkonventionelle Art und Weise erschaffen. Dabei bewahren wir uns jederzeit unsere Spontanität, die für GOJIRA sehr wichtig ist.“

Als Appetizer für alle Wissbegierigen fasst der Drummer das Viertwerk wie folgt zusammen: “The Way Of All Flesh” gleicht einem Pfeil, der direkt im Bulls Eye einschlägt. Alle Kompositionen basieren auf prägnanten Riffs und darüber hinaus weist jeder einzelne Track eine melodische Basis auf, die ihn gewissermaßen als Emblem repräsentiert. Wir haben mit neuen Sounds experimentiert, ohne den Geist unserer früheren Platten aufzugeben. Mit dem Einsatz eines Keyboards unterstreichen wir den melancholischen Anstrich von GOJIRA und auch daneben gibt es viele weitere Überraschungen. Als Maßgabe hatten wir uns auferlegt, ein Album zu schreiben, das geradliniger und in gewisser Weise auch einfacher als unsere früheren werden sollte. Am Ende sind wir natürlich wieder in komplexen Strukturen angekommen, doch das ließ sich im viermonatigen Songwriting-Prozess einfach nicht vermeiden.“

Der gehobene und reflektierte Ansatz setzt sich auch in den Lyrics fort: „Die Texte beschäftigen sich mit dem Einfluss des Todes auf unsere Leben. Jeder denkt über ihn nach und weiß, dass er unausweichlich ist, doch selbst in unseren „zivilisierten Zeiten“ wissen wir noch immer nicht, wie wir unsere Kinder über den Tod aufklären und mit ihm umgehen sollen. Wir glauben an die Unsterblichkeit der Seele, was für viele Menschen sogar ein unumstößlicher Fakt ist. Der Album-Titel spielt darauf an, dass der bloße Körper nach dem Tod wieder zu Staub wird, während sich die Seele weiter entwickelt und neue Erfahrungen erlebt. In diesem Konstrukt kann man den Tod als Veränderung verstehen, vor der man keine Angst haben muss.“

 
 Links:
  myspace.com/gojira
 
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