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Millencolin

Interview von: Daniel mit Nikola & Mathias, am: 27.07.2008 ]

Berlin im merkwürdigen Frühjahr 2008. Während draußen Temperaturen herrschen, die weit unter dem liegen, was wohl normal wäre für diese Jahreszeit, sitzen in einem unscheinbaren, eher versteckt liegenden Hotel inmitten der pulsierenden Hauptstadt Nikola Sarkevic und Mathias Färm, Sänger/Bassist und Gitarrist der schwedischen Punk-Legende MILLENCOLIN und geben ein Interview nach dem anderen. Der Anlass? Das neue Album "Machine 15".

 

Musicscan: Manch ein Fan wird das im Kopfe überschlagen und stirnrunzelnd zu dem Ergebnis kommen, daß MILLENCOLIN doch noch keine fünfzehn Jahre existieren. Je nach Rechenart wäre es wohl erst im nächsten Jahr soweit, doch, wie später noch zu lesen sein wird, die Band rechnet anders. Gelöst und entspannt stellen sich Nikola und Mathias den Fragen der anwesenden Journalisten und auch, wenn es etwas ruhig geworden war um die Jungs Örebro, alle Beteiligten waren inzwischen mit Nebenprojekten beschäftigt, zudem befand sich die Band, wie es sich für Punks "gehört" konstant auf Tour, man bemerkt, daß die Popularität ungebrochen ist, was man allein daran sieht, daß das Video zu 'Detox' verdächtig häufig bei MTV läuft. Jetzt, nachdem seit "Kingwood" schon drei Jahre ins Land gezogen sind, wohl umso mehr.

Musicscan:Das erste "Highlight" des Interviews ergibt sich, nachdem der ahnungslose Interviewer durch einen Lapsus in der Recherche die Band eigenmächtig zu Norwegern erklärte und daraufhin nur schallendes Gelächter erntete. So brach wohl eher unfreiwillig das Eis...

Musicscan: Also müssen wir doch bei Englisch bleiben, denn mein Schwedisch ist auch nicht besonders.

Millencolin: Was aber ganz lustig ist, denn manchmal haben wir Schweden den Eindruck, Norwegisch wäre so etwas wie die Comedy-Version unserer Sprache. Wir lachen uns immer schlapp, wenn wir Norweger bei einer Unterhaltung zuhören.

Musicscan: Zunächst muß man euch wohl gratulieren, denn "Machine 15" ist erneut ein richtig gutes Album geworden. Was unterscheidet dieses Album von seinem Vorgänger "Kingwood" in euren Augen, denn verschiedentlich war schon vorab zu lesen, ihr wäret noch melodiöser geworden.

Millencolin: Was denkst du zu dieser These?

Musicscan: Ich finde es in jedem Falle melodisch, was per se eine gute Sache ist.

Millencolin: Ich denke einer der größten Unterschiede ist diesmal, daß wir aus einer größeren Menge an Material auswählen konnten, was die Songs vielleicht ein wenig fokussierter erscheinen lässt. Das letzte Album war eher breitgefächerter.

Musicscan: Liegt darin der Unterschied, daß ihr diesmal drei Jahre lang benötigt habt, währenddessen konstant Songs geschrieben wurden, anstelle eventuell jedes Jahr ein Album zu veröffentlichen?

Millencolin: Nicht so ganz, denn wenn auch einige der Song schon etwas älter sind, so entstand doch ein Großteil erst während des letzten Jahres. Wir haben ja auch nur deshalb so lange gebraucht, weil wir konstant auf Tour waren und nebenbei ja auch noch andere Projekte laufen haben.

Musicscan: Also eher eine natürliche Pause, denn ein bewußtes Break?

Millencolin: Wir sind immer mit MILLENCOLIN aufgetreten in der Zwischenzeit. Zieht man das dann alles ab, war der Schaffensprozess zu "Machine 15" gar nicht so lang, nicht länger als gewöhnlich.

Musicscan: Und während dieser drei Jahre sind kontinuierlich neue Songs entstanden?

Millencolin: Genau. Manchmal braucht man eben auch das Gefühl dafür, wann es der richtige Zeitpunkt ist ins Studio zu gehen. Wenn die richtige Ideen zusammenkommen, wenn du merkst, daß die Songs fertig sind. Diesmal hatten wir eben eine Fülle an Material.

Musicscan: Aus wievielen Songs mußtet ihr denn am Ende auswählen?

Wir hatten wohl so etwa Demos von 22 Songs. Allerdings gab es wesentlich mehr Ideen, denn wäre mir mein Computer nicht zwischendurch abgeschmiert....da waren bestimmt Ideen zu 50 Songs drauf (lacht).

Musicscan: Was macht ihr mit dem ganzen Material? Wird es zukünftig Verwendung finden?

Millencolin: Auf jeden Fall. Manchmal entdeckt du nach einer Zeit einen Song wieder und bemerkst wie gut er eigentlich war. Nimm nur 'Vicious Circle', den ich wahrscheinlich schon geschrieben hatte als "Home From Home" erschien (2002). Ich dachte nicht einmal daran, ihn jemals als MILLENCOLIN-Song zu verwenden.

Musicscan: Wahrscheinlich benötigte er Zeit, um zu reifen?

Millencolin: Wie ein guter Wein.

Musicscan: Mögt ihr es im Studio zu sein, oder betrachtet ihr es als lästige Pflicht?

Millencolin: Ich mag es eigentlich ganz gern, obwohl es manchmal extrem nervig sein kann. Jedesmal wenn ich ins Studio gehe und anfange meine Gitarrenspuren aufzunehmen, erinnere ich mich daran, warum ich das versucht habe zu verdrängen. Dann bemerke ich wieder, wie nervig es ist. Es ist harte Arbeit. Gesangspuren aufzunehmen ist echt kein Spaß.

Musicscan: Wie entstehen Songs bei euch. Jamt ihr viel, steht ihr klassisch zusammen im Proberaum?

Millencolin: Die Ideen zu Songs entstehen schon getrennt von den anderen. Wenn wir fühlen, daß es Zeit ist ein neues MILLENCOLIN-Album aufzunehmen, dann tauschen wir diese Ideen aus. Ab und zu Jammen wir auch. Weißt du, meine Hauptinspiration beim Songwriting sind McCartney und Lennon und ich denke mal, die beiden haben auch nicht unbedingt "gejammt".Wir sind definitiv keine Band, die zusammen ganz klassisch probt.

Musicscan: Ist der Albumtitel denn ein Hinweis auf das fünfzehnjährige Bestehen der Band? Wenn man rechnet, daß die Band 1992 gegründet wurde, wäre das ja ein bisschen falsch...

Millencolin: Nun ja, wir sind in der Band seit fünfzehn Jahren, es sind fünfzehn Songs auf dem Album...

Musicscan: Und warum dann "Machine"?

Millencolin: MILLENCOLIN funktioniert wie eine gute geölte Maschine. Ehrlich gesagt, es klingt einfach gut.

Musicscan: Eine durchaus ehrliche Antwort.

Millencolin: Manch einer wird an etwas kühles, kaltes denken. Aber eine Maschine kann auch etwas schönes sein. Ich verbinde damit etwas Positives, schließlich helfen sie uns.

Musicscan: Ist MILLENCOLIN denn immer auch mit einem Augenzwinkern zu verstehen? Unabhängig von den Inhalten scheint doch auch immer ein wenig Humor durchzuschimmern.

Millencolin: Ja, unbedingt. Wir haben schon ernste Inhalte, aber das schließt ja den Humor nicht aus. Als wir anfingen, hatten wir eher einen verrückten, "goofy" style. Wie unsere Vorbilder, wie NoFX. Vielleicht ist es auch eine Frage des Alters, daß wir ein bisschen "seriöser" geworden sind.

Musicscan: Würdet ihr selbst von euch denn noch behaupten eine Punk-Band zu sein? Eine Punkrock-Band?

Millencolin: Ich habe uns nie so gesehen. Ich habe im Grunde immer nur an die Musik gedacht. Ich denke, als wir seinerzeit anfingen, war das mit "Punk" auch alles noch wichtiger. In dem Alter ist es halt enorm wichtig zu einer Szene, zu einer Gruppe zu gehören. Wir wissen eben mittlerweile wer wir sind. Vermutlich sind wir eben Punk. Wir machen, was wir eben machen.

Musicscan: Wenn du dich selbst so kategorisierst, dann schränkst du dich ein. Du bist entweder so oder so. Es wäre einfacher eine Popband zu sein. Wenn du dich selbst Punk nennst, dann kommen die Kritiker und sagen "Warum verkauft ihr 50000 Alben, das ist nicht Punk".

Millencolin: Als wir anfingen wurden wir sogar Skate-Punk genannt. Wir waren Skater und spielten Punk, also waren wir Skatepunk. In Schweden ist das immer noch so.

Musicscan: Im Grunde wäre dann jede Punkband mit einem Skater darin auch Skatepunk.

Millencolin: Bei Flogging Molly würde auch niemand auf die Idee kommen, sie Skatepunk zu nennen, nur weil Matt Hensley dabei ist.

Musicscan: Es ist doch augenfällig, daß schwedische Bands, und ich rede nicht unbedingt von ABBA, enorm melodiös sind. Das gilt ja selbst für Band aus der extremen Metal-Ecke. Habt ihr eine Erklärung dafür?

Millencolin: Wir haben, so glaube ich, eine enorme Tradition an Volksmusik, die enorm melodiös und auch melancholisch ist. Ich glaube, diese Tradition hält sich bis heute und davon weichen selbst Punk- und Metalbands nicht ab. Außerdem gilt unsere Sprache für Ausländer als recht melodisch. Und dazu kommt natürlich auch, daß wir als kleines Land aber recht kosmopolitisch denken, also beeinflussen uns auch us-amerikanische und englische Subkulturen sehr.

 
 Links:
  myspace.com/millencolin
 
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