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Jazzkantine

Interview von: arne mit Christian Eitner, am: 12.07.2008 ]

Hell’s Kitchen“ ist das Metal-Album der Braunschweiger Jazzkantine, auf dem zwölf Klassiker der Metal- bzw. Hardrock-Historie neu interpretiert werden. Das Songmaterial weist einen klaren Schwerpunkt in den 70er und 80er Jahren auf. Die beteiligten Musiker sind mit Gruppen wie Van Halen, AC/DC, Kiss, Aerosmith oder Black Sabbath aufgewachsen und den einst innovativen und bis heute wirkungsstarken Sounds zollt man nun Tribut. Live hat die Formation den einen oder anderen härteren Songs schon immer im Programm gehabt, so dass „Hell’s Kitchen“ nicht ganz unvorbereitet erscheint.

 

Musicscan: Was gibt’s Neues aus dem Lager der Jazzkantine zu berichten, vom neuen Album einmal abgesehen?

Jazzkantine: Nein, ich finde das reicht auch für´s erste ;-)

Musicscan: Welches Feedback gab es bislang von Fans, anderen Bands und befreundeten Musikern? Wie wird die "Metal-Platte" der Jazzkantine aufgenommen?

Jazzkantine: Durchweg sehr positiv, man versteht das Konzept, es gibt viele die die Songs in den 80ern "gelebt" haben und sich jetzt über eine Interpretation aus dem Hause Jazzkantine erfreuen.

Musicscan: Wie ist die Idee entstanden, sich an Metal-Klassikern zu versuchen? Wie lief der Auswahl-Prozess für die Songs? Letztlich sind ja ausschließlich Songs enthalten, die sehr bekannt sind. Das riecht nach Absicht?!

Jazzkantine: Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Konzepten für die Kantine. Diese Projektband ist von Anfang an dafür ausgelegt um sich sich ständig zu erneuern. Hells Kitchen war eine spontane Bauchentscheidung, anknüpfend an unsere alten Metal Leidenschaften und den ohnehin immer schon in unsere Live Shows eingebauten Rock Klassiker.

Musicscan: Vor welcher Herausforderung steht man als Swing-, Funk-, Jazz-Musiker, wenn man sich an die Interpretation von Metal-Songs macht?

Jazzkantine: Manche Songs funktionieren einfach nicht im Jazz/Funk Style, manche machen textlixh keinen Sinn oder sind zu schräge. Sam Leigh-Brown hat sich z.B. geweigert Maiden´s Textzeile „..to kill the unborn in the womb“ (das Ungeborene in der Gebärmutter zu töten) aus „2 Minutes to Midnight“ zu singen. Sie war grad frische Mutter. Auch The Number of the beast funktionier textlixh z.B. nicht so gut als Jazzballade wie z.B. „I was made for loving you“

Musicscan: Positiv fällt auf, dass Ihr wirkliche Interpretationen der Stücke entwickelt habt und nicht einfach nur nachspielt, wie es die meisten Bands tun würden. Worin liegt Eurer Meinung nach der Grund dafür, dass so wenige Bands wirklich auch ihren eigenen Stil in Cover einfließen lassen?

Jazzkantine: Na ich denke es gibt schon immer wieder grad im Rockbreich gute Coverversionen - wahrscheinlich sind wir negativ beeinflusst von Bohlens Superstar Scheisse und all dem was da im Umfeld 1:1 covert oder einfach nur einen Beat unter irgendwas legt.

Musicscan: Wenn Ihr Eure Erwartungen und Vorstellungen von vorher mit dem nun vorliegenden Album vergleicht: Was ist gut gelungen? Wo hättet Ihr ggf. besser sein können? Welche Songs sind Eurer Ansicht nach am besten gelungen?

Jazzkantine: Es hat tatsächlich alles sehr gut funktioniert, unsere Wunschsänger/innen habe alle zugesagt und toll performed. Mein Favourite ist "Back in Black" mit Max Mutzke. Der blieb zuletzt übrig, ist in der sehr langsamen Funk Version von uns nicht easy zum grooven zu kriegen. Das hat Max echt amtlich hinbekommen

Musicscan: Nach welchen Kriterien habt Ihr die Sänger ausgewählt? Welche Stücke magst Du persönlich am liebsten? Entgegen meiner Vermutung ist für mich "Nothing Else Matters" mit Xavier Naidoo die schwächste Nummer auf "Hell's Kitchen", auch wenn ich mit dieser Meinung vielleicht alleine da stehen werde...

Jazzkantine: Naidoo polariert ungemein, ich selbst finde den Song fantastisch, den Kantinen Kollegen geht´s genauso. Ist eben Geschmackssache

Musicscan: Inwieweit verfolgt Ihr aktuelle Entwicklung in der Metal-Szene? Im so genannten DeathCore-Bereich integrieren vor allem amerikanische Bands seit Jahren Jazz-Elemente und geben sich unheimlich Rhythmus-fixiert. Wie wertet Ihr solche Strömungen?

Jazzkantine: Mit all den Speed/Hardcore etc. Sachen kann ich nichts anfangen, ist mir zu unmelodiös. Deshalb kann ich nichts dazu sagen...

Musicscan: Metal-Songs sind aufgrund ihrer Aggressivität und ihres Tempos von ihrer Wirkung her häufig aufputschend, "negativ" und destruktiv. Die Interpretationen der Jazzkantine wirken genau in der entgegen gesetzen Richtung. Worauf habt Ihr bei der Arbeit an den Songs geachtet und gab es bestimmte beabsichtigte Wirkungen, die Ihr umsetzen wolltet?

Jazzkantine: Die Songs die wir gepickt haben sind eigentlich in gewisser Weise ja fast schon Pop Songs mit Tanzflächen Option, also nicht allzu sehr negativ behaftet (Jump, I was made, Highway to hell etc.). Dennoch kann man mit einem Tempowechsel, ein paar jazzigen Chords, einer unverzerrten Gitarre und ein paar funky Bläsern schon ein Menge erreichen...

Musicscan: Welche "Effekte" beabsichtigt die Jazzkantine mit "Hell's Kitchen" zu erzielen? Ist ein Ziel vielleicht die "Eroberung" älterer Metal-Fans?

Jazzkantine: Das ist sicher auch ein Aspekt, aber da gibt es natürlich viele (was ich auch respektieren kann) die da ihre heilige Kuh geschlachtet sehen. Interessanter sind eigentlich die Leute, die mit den Songs groß geworden sind und heute sagen, sie fühlen sich an die Zeit erinnert. Haben vielleicht ihre Hörgewohnheiten geändert, sprich mögen auch Jazz, Soul etc. - und natürlich wollen wir in erster Linie die Jazzkantine Fans beglücken. Die kennen und mögen unsere Ausflüge. Live geht es ja ohnehin immer ganz gut zur Sache...

Musicscan: Ganz generell: Mit welchem Selbstverständnis geht Ihr der Jazzkantine nach? Was treibt Euch an, beständig neue Songs zu schreiben, Euren Sound immer wieder ein Stück weit neu zu erfinden und auch beständig live unterwegs zu sein? Es ist nach wie vor ein Projekt in dem Musiker kommen und gehen, sich für eine CD Produktion/Tour treffen und dann wieder in ihre Soloprojekte abtauchen. Dadurch hast Du nicht diesen typischen Banddruck. Wo der Sänger irgendwann sagt er will sich stilistisch verändern. Die Band nicht und zack, lösen sie sich auf. Wir haben uns immer als kreativen Spielplatz gesehen, waren neben dem Hauptkonzept Jazz meets HipHop stets neuen Grenzen zu überschreiten. Dadurch kommt nie Langeweile auf, das hält frisch...

Musicscan: Was darf man 2008 außer "Hell's Kitchen" von der Jazzkantine erwarten?

Jazzkantine: nichts, findest Du nicht dass das reicht neben Festivals und Tour im November, wir jedenfalls schon...

Musicscan: Letzte Worte?

Jazzkantine: Keep it hard, keep it heavy and don´t forget to change your clothes (Tony Jasper, BFBS Heavy Metal Show)

 
 Links:
  jazzkantine.de
 
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