Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1404

Century

Storie von: arne, am 09.07.2008 ]

„Black Ocean” gereicht seinem Titel zur Ehre. Was CENTURY auf ihrem Zweitwerk vom Zaun brechen, ist nur schwer in Worte zu fassen und zweifellos eigen. Ein größeres Kompliment ist einer Band in der heutigen Zeit kaum auszusprechen, doch hier ist es zwingend angebracht. Jenseits der ausgetretenen MetalCore- und Heavy-Pfade erkundet die Prosthetic-Kombo Neuland, indem sie „typische Genre-Parts“ mit unglaublich intensiven Riffs und Unmengen an Breakdowns versetzt. Dazu gesellt sich eine uneingeschränkt progressive Einstellung und die Bereitschaft, anzuecken und nicht jedem zu gefallen.

 
„Mit „Black Ocean” ist es uns zum ersten Mal gelungen, unseren Sound durchdacht und akzentuiert auf Platte zu überführen.“, schwärmt Bandkopf Sänger Carson Slovak, der das Album im Alleingang eingespielt hat. „In der Vergangenheit hatten wir damit Probleme, weil immer irgendetwas nicht passte, doch dieses Mal passt alles zusammen. Bis hin zur Produktion ist alles ganz nah an meiner Vision von CENTURY. Dass es unsere erste Platte für Prosthetic sein würde, hat uns zusätzlich beflügelt. Wenn man das Album jetzt hört, ist es kaum zu glauben, dass es mit der Band eigentlich vorbei war, als das Material geschrieben war. Am Ende bin nur noch ich allein übrig gewesen, der „Black Ocean” vorangetrieben und an die Songs geglaubt hat.“

Die Stärke des Materials ist schnell offenbar. Vom Fleck weg baut es eine dunkle Emotionalität auf, der man sich als Hörer nicht entziehen kann. Irgendwo zwischen Meshuggah, Shai Hulud, Neurosis, Light Pupil Dilate und Mastodon ist das Treiben von CENTURY zu verorten, ohne, dass diese Referenzen das Schaffen von Slovak erschöpfend einzuordnen vermögen:

„Ein entscheidender Unterschied zwischen „Black Ocean” und unserem Debüt „Faith And Failure” ist, dass der neue Longplayer als Konzeptalbum angelegt und in der kurzen Spanne von nur drei Wochen entstanden ist. „Faith And Failure” ist nur die Zusammenstellung allen Materials gewesen, das wir damals geschrieben hatten. Selbst die Stücke unseres Demos haben wir dafür noch einmal verbraten. Die Songs von „Black Ocean” hingegen sind durch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit geprägt, schon weil sie musikalisch alle in dieselbe Richtung gehen. Für das Zweitwerk sind zunächst die Texte und erst danach die Musik entstanden. Über einen gewissen Zeitraum habe ich Phrasen und Textfragmente gesammelt, die emotional in eine Richtung gingen und mich in den gewünschten mentalen Zustand versetzt haben. Nachdem die Lyrics standen habe ich ihre Stimmungen musikalisch umgesetzt, was ein sehr intensives Unterfangen gewesen ist. Die wesentliche Weiterentwicklung sehe ich im Bereich des Songwritings, denn das weist eine deutlich kreativere Anlage auf. Bei den Aufnahmen hatte die Band schon über ein Jahr nicht mehr getourt, so dass ich nicht an meine handwerkliche Leistungsgrenze gekommen bin. Nachdem CENTURY praktisch brach lagen, habe ich ja alle Instrumente selbst eingespielt. Zu diesem Zeitpunkt ist es mein Anspruch gewesen, alle Songs wenigstens aufzunehmen und mir eine gute Autofahr-CD zu erstellen. Als die anderen zurück kamen und wieder ernsthaft an die Band geglaubt haben, überschlugen sich die Ereignisse.“

In einen überstürzten Aktionismus ist die Neu-Prosthetic-Kombo glücklicherweise nicht verfallen und vor dem Hintergrund des formulierten Anspruchs verwundert es nicht, dass Slovak auch für die Produktion verantwortlich zeichnet: „Von Anfang an war für mich klar, dass ich die Scheibe selbst produzieren würde. Neben meiner Arbeit als Designer


(u. a. für Tribunal) bin ich schließlich schon viele Jahre lang Ton-Ingenieur. Ich nehme so viele Bands auf, dass ich gar nicht anders konnte, als auch CENTURY selbst umzusetzen. Da ich am Ende ohnehin alles selbst eingespielt habe, ließ mir das die Freiheit zu tun, was immer ich wollte. Ohne Zeitdruck oder Erwartungen anderer Bandmitglieder konnte ich in Ruhe an den Songs arbeiten und sie so gut wie möglich machen. Hilfe habe ich nur gesucht, als es an die Vocals ging. Chad Taylor, der in den Neunzigern mit Live recht erfolgreich gewesen und ein enger Freund von mir ist, hat dabei geholfen und die Vocals produziert. Er ist letztlich auch dafür verantwortlich, dass es einige rockige Momente auf der Platte gibt, die den schweren Mix aus Hardcore und Metal etwas auflockern.“

Mit dem Ergebnis ist der Workaholic überaus zufrieden, auch wenn er bereits in die Zukunft blickt: „Wenn man die Umstände bedenkt, unter denen „Black Ocean” entstanden ist, mutet das Album irgendwie eigenartig an. Als ich die Songs geschrieben habe, bin ich ein völlig anderer Mensch gewesen, dessen geistige und körperliche Verfassung mit der heutigen überhaupt nicht zu vergleichen ist. Das war schon im Songwriting-Prozess so und erklärt vielleicht zu einem kleinen Teil, was das Album ausmacht. All die Rückschläge haben Spuren im Sound hinterlassen, der ohnehin ohne definierte Grenzen oder konventionelle Strukturen entstanden ist. Auf der ersten Platte sind meine Einflüsse schnell und leicht erkennbar gewesen, doch dieses Mal haben wir uns davon gelöst. Und doch spiegeln die Stücke nicht das wider, was CENTURY heute sind und denken. Im neuen Line-Up sind wir schon deutlich weiter und haben unseren Sound weiter entwickelt.“

Der Band spielt dabei in die Karten, dass massiv-intensive Heavy-Sounds in der Gunst der Fans nach wie vor hoch angesiedelt sind: „Es stimmt, neben den großen Strömungen hat sich ein breit gefächerter und stellenweise extrem anspruchsvoller und guter Sound etabliert. All die komplexen und abgefahrenen Extrem-Bands müssten viele Fans haben, weil sie rein technisch das Beste sind, was es gibt, doch am Ende setzen sie sich bei der breiten Masse nicht durch, weil ihr Sound zu polarisierend und anstrengend ist. Es reicht allenfalls für kurzzeitige Aufmerksamkeit. CENTURY fallen in eine andere Kategorie von Bands, obwohl auch wir von unserem Publikum sehr unterschiedliche Reaktionen erhalten. Während uns die eine Hälfte mag, kann die andere überhaupt nichts mit uns anfangen. Diese Polarisierung kann ich allerdings nur bedingt nachvollziehen. Meinem Verständnis nach spielen wir Songs für jeden Fan schwerer Musik.“

Mit „Black Ocean“ dürfte sich das Verhältnis zu Gunsten von Slovak & Co. verbessern, denn jeder einzelne Track geht bis an seine Schmerzgrenze, um maximale Wirkung zu erzielen. Der Dualismus von direkter Kompromisslosigkeit und dem Wunsch, gleichzeitig eingängig zu sein, ist spannend wie reizvoll.

 
 Links:
  myspace.com/century
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Jessie Ware
  Magic!
  Nicole Scherzinger
  Schiller
  T.I.

Interviews/Stories:

  Kruger
  Deserted Fear
  Revocation

Shows:

  23.10. In Solitude - Trier
  23.10. Schammasch - Berlin
  23.10. Kadavar - Frankfurt
  23.10. Off - Koeln
  23.10. Sonic Syndicate - Stuttgart