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Shai Hulud

Storie von: arne, am 20.06.2008 ]

Der Exkurs The Warmth Of Red Blood ist schnell beendet und SHAI HULUD neu belebt worden. Nach zahlreichen Line-Up-Wechseln und akuter Unzufriedenheit mit der eigenen Situation hatten sich die beiden Gründungsmitglieder und Ausnahme-Gitarristen Matt Fox und Matt Fletcher dazu durchgerungen, einen glatten Schnitt zu wagen und unter einem neuen Namen von vorne zu starten. Die musikalische Nähe zu „alt bekannten“ und komplex-melodischen New School-Sounds, die allein nach SHAI HULUD klangen, führte den Neustart schnell ad absurdum und bedingten die Wiederbelebung der Florida-Institution.

 
Als zählbares Ergebnis folgt nun der dritte Longplayer und Metal Blade-Einstand “Misanthropy Pure“: „Wenn du mich vorab gefragt hättest, wäre meine Vermutung gewesen, dass es schon einige Leute gibt, die sich über unser Comeback freuen.“, erzählt ein gut gelaunter Matt Fox am Telefon. „Es gibt ja Kontakte, die wir über die Jahre gepflegt haben und die sich immer wieder nach dem aktuellen Stand erkundigt haben. Dass das Interesse an uns allerdings so groß ist, wie es sich jetzt darstellt, überrascht mich schon. Und doch freut es mich, dass unsere Songs gehört werden und wir eine gewisse Relevanz für die Szene zu haben scheinen. Es gibt ja so viele Bands, dass es fast an ein Wunder grenzt, wenn einige Tausend Leute dich kennen.“

Diese Aussage besitzt auch für den virtuellen Raum und junge HC-Kids Gültigkeit: „Es ist witzig, dass du nach myspace fragst, aber ja, es scheint auch unter den jüngeren Kids ein gewisses Interesse an uns zu geben. Das zeigen jedenfalls die Freundschaftsanfragen, Kommentare und Mails, die wir bekommen. Ich kann es nur begrüßen, dass sie sich mit der Geschichte des Hardcore beschäftigen und die Bands, von denen sie gelesen oder von Älteren gehört haben, auch selbst antesten. So muss es ja auch sein, wenn die Szene funktioniert. Myspace hilft dabei und ist ein für Bands und Künstler wichtiges Tool. Über die letzten Jahre hat sich diesbezüglich ein Druck aufgebaut, dem man sich nicht widersetzen kann. Wir sind auf myspace, auch wenn ich es nur als Kommunikationskanal zu unseren Fans verstehe und darüber hinaus nicht mein halbes Leben dort verbringe, wie es viele andere tun. Wenn man es anders auslegt, kann man myspace als modernes Tape-Trading verstehen. Was wir in den Achtziger und Neuziger Jahren mit Tapes gemacht haben, tun die Kids heute online mit MP3s. Das vereinfacht die Sache ungemein und ist zudem nicht so zeitintensiv. Andererseits ist die Halbwertzeit von Songs und auch von Bands kürzer geworden, weil es ein krasses Überangebot gibt. Über kurz oder lang wird es einen Knall geben, denn langfristig kann diese Flut nicht funktionieren. Irgendwann wird es auch dem Letzten zu viel.“

Apropos Unübersichtlichkeit: Das ganze Hin-und-Her mit Ausstiegen, Splits und der Reunion fasst Matt auf Nachfrage wie folgt zusammen: „Nachdem wir uns von Geerd getrennt haben, wussten wir nicht so recht, wie es weitergehen sollte. Die Entscheidung, den Namen zu ändern, haben wir schon ernsthaft gefällt, auch wenn wir nicht sicher waren, ob es so richtig war. Fest stand nur, dass wir weiter Musik machen würden. Nachdem wir SHAI HULUD hinter uns gelassen hatten, gingen wir an die Arbeit, neue Songs für ein neues Album zu schreiben. Live haben wir zu diesem Zeitpunkt aber nach wie vor alte Stücke und zu allem Überfluss eine Europa-Tour mit Geerd gespielt. Die Veranstalter haben diese als unsere letzte angekündigt, obwohl es niemals so intendiert gewesen ist und wir uns immer gegen diese Darstellung gewehrt haben. Als The Warmth Of Red Blood haben wir danach recht bald ein Drei-Track-Demo für Metal Blade aufgenommen. Für uns war es klar, dass wir auf dieses Label wollten, schließlich waren dort alle unsere Freunde,


wie The Red Chord, As I Lay Dying oder The Black Dahlia Murder. Alle haben erzählt, wie toll das Label sei und dass wir dort auch hin müssten. Als wir das Demo vorab einigen Freunden vorgespielt haben, sagten sie alle: Wow, endlich gibt es etwas Neues von SHAI HULUD. Ich intervenierte sofort und verwies auf unseren neuen Namen, doch jeder erwiderte, dass es original nach SHAI HULUD klingen würde, und wenn es das nicht ist, sei es der größte SHAI HULUD-Rip-Off überhaupt. Also blieb uns nichts Anderes übrig, als den alten Namen wieder anzunehmen und uns zu unserem Sound zu bekennen. Wenig später waren wir als SHAI HULUD auf Metal Blade gesignt. Das bringt uns schon fast in die heutige Zeit, wo wir zunächst mit wechselnden Sängern live unterwegs waren, um die Band am Laufen zu halten, bis wir dann einen festen Shouter gefunden haben, der gut genug war, die Position längerfristig auszufüllen. Sein Name ist Matt Mazzali und mit ihm haben wir das neue Album aufgenommen. Seit einem Jahr läuft nun endlich alles rund.“

Der Legenden-Status ist der Neu-Metal-Blade-Kombo nicht mehr zu nehmen, doch es ist bemerkenswert, dass SHAI HULUD mit jedem ihrer Alben ein essentielles und überdurchschnittlich gutes Werk vorleg(t)en. Mit dem unvergessenen Debüt “Hearts Once Nourished With Hope And Compassion“ definierte man neue Standards im intensiv-destruktiven New School und etablierte die Spielart als Speerspitze auf der ganzen Welt. “That Within Blood Ill Tempered“ führte den eingeschlagenen Weg Jahre später fort und setzte einen Kontrapunkt zur MetalCore-Welle, während sich die Band mit “Misanthropy Pure“ treu bleibt und den eigenen Stil dank einer gelungenen Produktion in die heutige Zeit überführt:

„Für das Songwriting gab es keinen besonderen Anspruch, außer, dass wir danach gestrebt haben, smart, catchy, heavy und melodisch zugleich zu sein. No FX hatten mal einen Song, in dem sie sinngemäß gesungen haben, dass Musiker wenigstens versuchen müssen, etwas zu spielen, was man vor ihnen noch nicht gehört hat. Das ist der Punkt: Natürlich ist es illusorisch zu glauben, dieses Ziel jedes Mal zu erreichen, doch man muss wenigstens versuchen. Das tun wir, egal, ob musikalisch oder mit den Texten. Schließlich wollen wir keine Stücke, wie sie auch auf Hunderten anderer CDs zu finden sind. Aufgrund dieser Einstellung sind wir kommerziell vielleicht nicht so erfolgreich wie andere, doch mit sich selbst sind wir so im Reinen. Schließlich geht es darum, sich und seine eigene Liebe zur Musik auszuleben. Um das zu erreichen, kann man sich nicht von aktuellen Trends beeinflussen lassen. Die Musik schreibt man letztlich für sich selbst und das darf man nie vergessen. Es klingt einfach, doch genau diesen Punkt scheinen viele junge Gruppen zu vernachlässigen, wenn sie danach streben, erfolgreich zu sein.“

Diese Aussage liefert die Begründung dafür, dass sich auf “Misanthropy Pure“ gegenüber dem Vorgänger im Grunde nicht so viel verändert hat. Die Art und Weise, wie SHAI HULUD zugleich kraftraubend und Motivation stärkend aufspielen, ist indes einzigartig. Keine Frage: Matt Fox & Co. haben nichts verlernt und die Szene braucht sie mehr denn je!

 
 Links:
  hulud.com/
 
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