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Cult Of Luna

Storie von: arne, am 17.06.2008 ]

Wenn etwas gewiss ist, dann ist es der Wandel: Die schwedischen CULT OF LUNA erfinden sich auf ihrem fünften Longplayer “Eternal Kingdom“ (Earache) abermals neu und verändern den Erfolgen der Vergangenheit zum Trotz ihr musikalisches Gesicht. Die grundlegende Anlage zwischen Rock, Post-Hardcore und Heavy-Metal ist geblieben, doch in der Gewichtung der drei Sound-Bestandsteile ist eine neuerliche Schwerpunktverschiebung zu verzeichnen.

 
Doch bevor sich das Gespräch mit Sänger und Gitarrist Johannes Persson auf die musikalischen Aspekte des neuen Albums richten konnte, brachte der Frontmann sein Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass “Eternal Kingdom“ bereits lange vor seiner offiziellen Veröffentlichung als illegaler Download zu haben war. Eine kurze Frage in diese Richtung reichte aus, um einen emotionalen Ausbruch auszulösen, den nur allzu gut nachvollziehbar ist:

„Die Frage, ob bzw. inwieweit Filesharing okay ist oder das Fortbestehen von Bands beeinflusst, besteht inzwischen schon einige Jahre lang und beschäftigt auch CULT OF LUNA. Dieser Tage mehr denn je und wir sind richtig angepisst. Irgendein Journalist hat die Frechheit besessen, unser neues Album schon jetzt online zu stellen. Das ärgert uns sehr, denn wir verstehen unsere Musik als Kunst, die sich aus mehreren Bestandteilen zusammen setzt. Neben den bloßen Songs erfahren auch Texte und Artwork Relevanz, da alles miteinander in Verbindung steht. Wir haben einen Aufruf gestartet, um heraus zu finden, wer für den Upload verantwortlich ist. Dabei geht es nicht um Geld, denn eine Band wie CULT OF LUNA wird niemals von ihren Plattenverkäufen oder Tour-Einnahmen leben können. Es geht darum, dass man als Künstler mehr als ein Jahr an seinen Kompositionen arbeitet und ein Gesamtkunstwerk schaffen will. Für die Lyrics und den thematischen Faden haben wir lange recherchiert und sehr viel Kraft und Mühe aufgewendet. Bei der Musik war es sogar noch intensiver, schließlich haben wir unsere tiefsten Emotionen in Songs überführt. Niemand hat das Recht, unsere Stücke in einem unfertigen Status und einem miserablen Sound ins Internet zu stellen. Das ist respekt- und rücksichtslos! Dessen sollte sich derjenige bewusst sein, der es getan hat. Ohne den Kontext von Texten und Artwork können Fans nur einen Teil des Konzeptes aufnehmen, was uns nicht in vollem Umfang repräsentiert. Schon gar nicht angesichts der reduzierten Klangqualität.“

Die Position von Johannes ist so verständlich wie sein Ärger berechtigt ist: „Natürlich können wir nachvollziehen, dass unsere Fans starkes Interesse daran haben, die Songs so früh wie möglich hören möchten, doch darum geht es nicht. Ich kann einfach nicht akzeptieren, dass sich jemand das Recht heraus nimmt, die Songs vorzeitig und unfertig zu verbreiten. Nur CULT OF LUNA befinden sich in der Position, darüber zu entscheiden, wann unsere Songs fertig sind und veröffentlicht werden können. Die Person, die verantwortlich ist, sollte wenigstens so viel Anstand haben, sich bei uns zu melden und sich nicht hinter ihrem Computer verstecken. Die Anonymität der Technik bietet einen vermeintlichen Schutz, doch es geht um leibhaftige Menschen, denen Schaden zugefügt wird. Wir legen Wert darauf, unsere Platten als Gesamtkunstwerk verstanden zu wissen. Illegales Handeln hat Konsequenzen und macht Vieles kaputt. Zu wenige Leute, die im Internet Songs up- oder downloaden denken darüber nach, was sie den Künstlern damit antun.“

Der Idee, das World Wide Web als legalen und Fan-freundlichen Vertriebskanal zu nutzen, steht der Schwede indes aufgeschlossen


gegenüber. Radiohead haben es vorgemacht: „Dieser neue Vertriebsweg ist großartig und bietet in meinen Augen einen guten Kompromiss für all diejenigen, die sich nicht für die physische CD oder Vinyl entscheiden. Wer anders als Radiohead hätte einen solchen Schritt so früh wagen können? Sie haben unglaublich viele treue Fans und befinden sich in der komfortablen Lage, so etwas anbieten zu können. Der Ansatz, dass Hörer für ein Album nur so viel zahlen, wie sie wollen, ist fantastisch. Wenn dann jemand nicht zahlt, ist es auch okay, allerdings sollte mindestens ein Pfund bei jedem drin sein. Denn was ist schon ein Pfund? Das ist letztlich eine Frage der Wertschätzung von Kunst und Kreativität. Ich gehe davon aus, dass zukünftig noch weitere Bands diesen Weg gehen werden. Nine Inch Nails haben es ja beispielsweise auch schon getan.“

Für die gerüchteweise mit Earache unzufriedenen CULT OF LUNA kommt ein rein digitales Release perspektivisch ebenfalls in Frage: „Jedes Label hat Stärken und Schwächen, mit denen man sich als Band arrangieren muss. Formulieren wir es mal so: Die beste Lösung wäre es, wenn wir wie Radiohead selbst veröffentlichen könnten. Für eine der nächsten Platten kann ich mir so etwas durchaus vorstellen.“

Für die Arbeit an “Eternal Kingdom“ verständigten sich die Musiker frühzeitig darauf, dass sie neue Wege gehen würden: „Ich kann dir sogar noch genau sagen, wann wir uns dazu entschlossen haben. Das ist gleich nach dem Gewinn des schwedischen Radio-Awards für das beste Rock-Album gewesen. Natürlich haben wir uns über diese Ehrung sehr gefreut, doch schon als wir im Backstage saßen, war für uns klar, dass wir auf der nächsten Platte anders klingen müssen. Wenn man einen solch wichtigen Preis gewinnt, wäre es ein Leichtes, eine zweite Scheibe der gleichen Machart vorzulegen, aber genau das wollten wir nicht tun. Für uns stand von Beginn an fest, dass wir dunkler und metallischer werden würden. Das Post-Rock-Genre, dem wir häufig zugerechnet werden, stagniert und langweilig uns. Am Anfang unserer Karriere war das anders, doch als immer mehr Post-Core-Bands auf der Bildfläche auftauchten, die alle gleich klangen, hat der Reiz schnell nachgelassen. Wir mussten eine neue Richtung einschlagen. Obwohl wir noch immer als CULT OF LUNA zu erkennen sind, haben wir unsere Aufstellung doch bewusst verändert. Im Unterschied zu unseren früheren Platten haben wir die Veränderungen auf “Eternal Kingdom“ bewusst herbei geführt.“

Im Songwriting profitieren die Schweden davon, dass die Mehrheit der Mitglieder gar keinen Metal und auch sonst wenig harte Musik hört: „Für mich, der es als einer der wenigen tut, erwächst daraus unsere Stärke.“, bestätigt Johannes die Vermutung. „Da wir unverkrampft und frei von Vorurteilen in die Arbeit gehen, bewahrt uns das die Freiheit, außerhalb der gängigen Schemata zu agieren und beständig Neuland zu betreten. Daraus resultiert meiner Meinung nach ein Großteil unserer Wirkung, wodurch wir uns von vielen anderen Bands absetzen. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass CULT OF LUNA eigenständig klingen.“ Dem ist nichts hinzu zu fügen.

 
 Links:
  cultofluna.com
 
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