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Fire In The Attic

Interview von: arne mit Ole, am: 14.06.2008 ]

Seit Bekanntwerden des neuen „Vertriebskanals“, den Fire In The Attic und ihr Label Redfield zur Veröffentlichung des neuen Longplayers „Cum Grano Salis“ gewählt haben, ist eine heiße Diskussion darum entbrannt, ob es okay ist, ein Album gratis allen Käufern des Visions (oder einer anderen Zeitung) zur Verfügung zu stellen, oder ob es das aktuelle Marktmodell der Musikindustrie nicht ad absurdum führt. Fest steht, dass die sympathischen Rocker für beträchtliche Aufmerksamkeit gesorgt und ihren Namen noch stärker ins Gespräch gebracht haben.

 

Musicscan: Was gibt’s aktuell Neues aus dem Lager von Fire In The Attic zu berichten?

Fire In The Attic: Nun, aktuell zu berichten wissen wir, dass wir seit einigen Tagen unser neues Album draußen haben, welches den klangvollen Namen "Cum Grano Salis" trägt, unsere dazugehörige Promotour erfolgreich absolviert haben und uns jetzt natürlich auf die Festival-Saison freuen die wir am kommenden Wochenende starten werden.

Musicscan: Wie wird eine Visions-Gratis-Beilage generell aufgenommen? Welches Feedback gab es a) von Hörern / Fans und b) von anderen Bands und befreundeten Musikern?

Fire In The Attic: Grundsätzlich freuen sich die Leute natürlich erstmal darüber, dass wir ihnen die Platte auf dieses Weise zugänglich gemacht haben und finden die Idee auch gut. Auch haben wohl recht viele kapiert, dass es eben ein erster Schritt in Richtung "Geben und Nehmen" sein muss, der unserer Meinung nach in Zukunft immer mehr stattfinden wird. Denn trotz der Veröffentlichung via Musikmagazin, verkauft sich auch unsere eigentliche Platte nach wie vor weit über unseren Erwartungen, was ich persönlich so interpretiere, dass die Leute durchaus verstanden haben dass nur eine Investition in die favorisierte Musik auf lange Sicht gesehen auch eine breit gefächerte Musiklandschaft garantieren kann und unabhängige Künstlern die Arbeit ermöglicht , die abseits von verkaufsfördernder Belanglosigkeit und profaner Baukastenmusik, wie sie seit einigen Jahren die Radiolandschaft bestimmt, stattfindet. Befreundete Bands und Musiker, um die Frage vollständig zu beantworten, loben teilweise den Mut und haben bisher auch ausschließlich löbliche Worte für die Aktion gefunden.

Musicscan: Habt Ihr vorab mit einer derart massiven Aufmerksamkeit und Diskussion um die „Visions-CD“ gerechnet?

Fire In The Attic: Ehrlich gesagt hat mich das Ausmaß der negativen Kritik aus dem Szene-Lager doch sehr verwundert, wobei das Wort "Kritik" in diesem Fall eigentlich fehl am Platze ist, da es diese Hetz-Geschreibsel wo verzweifelte Figürchen versuchen ihre persönliche Exklusivität durch die Ablehnung von Bands die eben mehr als 4 Leute kennen, nicht verdient hat, mit dem Wort "Kritik" im gleichen Atemzug genannt zu werden. Bisher war nämlich noch keiner von den Vögeln in der Lage mir auch nur ein einziges fundiertes Argument zu liefern, was daran schlecht sein soll wenn man mit seinem Indie-Label im Rücken versucht alternative Konzepte zur Verbreitung von Musik zu bestreiten. Bei den weit überwiegenden Diskussionen wo ernsthaft über unsere Idee und das Konzept als Solches diskutiert wurde, haben wir genau das ausgelöst, was wir uns vorgestellt haben. Wir wollten aus dem Abseits heraus etwas schaffen, dass die Leute zum Nachdenken bringt. Die gleichsam entgegengebrachte Aufmerksamkeit, ob nun verursacht durch die Szene-Idioten und ihre schlechte Laune oder eben den Leuten die sich gerne mit der Sache als Solche auseinandergesetzt haben, ist uns natürlich auch durchaus willkommen.

Musicscan: Gibt man als Künstler mit so einer Aktion nicht der Diskussion Nahrung, dass Musik generell zu teuer und das Medium einer kaufbaren CD inzwischen überholt ist? Wenn so etwas häufiger passiert, könnte sowohl die gefühlte Wertigkeit für die Kunst und die Bereitschaft, später wieder etwas zu kaufen, abnehmen. Oder nicht?

Fire In The Attic: Nun, dass unterschreibe ich so nur teilweise, da ich der Überzeugung bin, dass es die entsprechende Verantwortung auf beiden Seiten und nicht nur beim Künstler liegt. Wir sind absolut der Meinung, dass ein signifikant hoher Anteil der aktuell auf dem Markt positionierten Tonträger ein nicht befriedigendes Preis-Leitsungsverhältniss an den Tag legt und versuchen eben dies durch Einwirkung auf den ganzen Apparat für uns und unseren Fall zu verbessern, in dem wir hingehen und zusammen mit unserem Label, zu erst die Platte via eines Printmediums umsonst raushauen und dann eben im Laden zuzüglich einer Sonder-EP und einem weit überdurchschnittlich umfangreichen Booklett zum Durchschnittspreis von 11 Euro anbieten, was ich für vollkommen legitim halte und womit ich finde, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben. Jetzt liegt es eben am Konsumenten, der dann eben in diesem Fall das ganze würdigen sollte und ja auch zur Zeit durchaus tut, in dem er sich die Platte eben bei gefallen kauft oder zu einer unseren Shows aufkreuzt. Denn wie oben schon mal erläutert: Nur eine gewisse Investition der Musikinteressierten in die Bands die sie jeweils favorisieren, hält diese Band am Leben und fast noch wichtiger: Sicherer der Band eine gewisse Unabhängigkeit in ihrem Schaffen. Schon jetzt stehen Bands sehr oft unter dem wahnsinnigen Druck, der aus Verkaufsvorstellungen und Investitionen der Plattenfirmen resultiert und gehen dann eben auf natürliche Art und Weise den sicheren Weg, was künstlerisch aber dann eben weitaus weniger Substanz besitzt, als wenn eine unabhängige Band eben den kreativen Prozess sucht. Die CD sehe ich für mich persönlich übrigens nicht als "Überholt" an, da das angebliche Folgemedium die "MP3" eben schlicht und ergreifend scheiße klingt. Klar kann man sich dran gewöhnen und wer immer nur scheiße Frisst, findet eben irgendwann sogar McDonnalds lecker, aber das ändert ja nix an der Tatsache das es eben nicht mit einer vollwertigen Mahlzeit vergleichbar ist. Nur das man von schlechter Soundqualität eben nicht fett und krank wird;)

Musicscan: Wie ist denn die Kauf-Variante von Cum Grano Salis angekommen? Reichen ein umfangreiches Booklet und Bonus-Songs, um die Fans in die Läden zu ziehen, oder haben sich viele mit der abgespeckten Cardsleeve-Version begnügt?

Fire In The Attic: Ein umfangreiches Booklet, eine Bonus EP, ein fairer Preis und vor Allem eine erläuterte Idee hinter der ganzen Sache haben in so fern gereicht, als dass die Verkaufserwartungen weit über unserer vorher gesteckten Kalkulationen liegen. Das freut uns natürlich auch wenn wir wohl keine goldene Schallplatte verliehen bekommen werden;)

Musicscan: Einen anderen kostenfreien Vertriebskanal haben The Blackout Argument mit einer Gratis-Online-EP gewählt, während es Radiohead oder Nine Inch Nails ihren Fans freigestellt haben, zu zahlen, was ihnen die Musik wert ist. Wird man zukünftig aus Eurer Sicht häufiger mit ähnlichen oder anderen unkonventionellen Aktionen rechnen müssen? Wie bewertet Ihr den Weg der „Kollegen“?

Fire In The Attic: Die "Kollegen" machen in so fern alles richtig, als dass sie sich ebenfalls oder natürlich vor uns mit der allgemeinen Situation beschäftigen, die eben so aussieht, dass nach wie vor riesige Budgets für Promoaktivitäten gegenüber von immer weiter fallenden Verkaufszahlen stehen. Auch wenn ich persönlich die MP3 einfach nicht mag, aber da bin ich ja wahrscheinlich auch eher Sonderling. Man hat da eben so seine persönlichen Vorlieben und ein echter Autofreak wird auch nicht verstehen, dass meine Karre stets ungeputzt, voller Müll und lediglich für den Zweck des Vorwärtskommens von a) nach b) seinen Einsatz findet und nicht tiefer gelegt und mit Breitfelgen bestückt als Foto auf meinem Nachttisch steht. Da haben wir eben alle so unseren Knall, meiner heißt: Guter Sound kommt nicht aus IPods"

Musicscan: Welche Effekte kann man als Band mit einem Gratis-Release denn erreichen? Was waren Eure Erwartungen bzw. Ziele?

Fire In The Attic: Nun, man verursacht augenscheinlich ne ganze Menge Diskussionen und das ist eigentlich das Beste was Dir passieren kann. Die Leute sprechen über Dich und machen sich Gedanken über Dinge die Uns wichtig sind und die wir irgendwie auch mit vertreten. Uns war es wichtig einen Vertriebsweg für die Neue Platte zu wählen, mit dem wir überraschen und zum nachdenken anregen konnten und mit dem wir eine Lösung abseits der üblichen Vorgehensweise gefunden haben, wo das Verhältnis der entstandenen Kosten zu den verkauften Platten bzw. den erzielten Promoeffekt aufgeräumter ist als, wenn man den letzt genannten durch konventionelle und weitaus kostspieligere Promo herbeiführen hätte wollen. Und nicht zu letzt erhofften wir uns damit auch Aufmerksamkeit für unsere neue Platte, die wir sehr gut finden und die wir so sehr breitgefächert unter die Leute bringen konnten.

Musicscan: Da Ihr als Fire In The Attic innerhalb letztlich doch recht kurzer Zeit für einiges an Aufmerksamkeit sorgen konntet: Was bedeutet es heutzutage, eine Band zu etablieren, die melodisch und poppig ihren Weg zwischen Emo/Screamo, Punk und Hardcore geht, und die aus Deutschland kommt? Es gibt ja Unmengen an Gruppen und Releases…

Fire In The Attic: Klar die Konkurrenz ist riesig und man darf auch nicht vergessen, dass es sich im alternativen Bereich um einen Trend-Markt handelt, der die Helden wechselt wie gut erzogene Menschen die Unterhosen. Daher ist es im Endeffekt egal unter welcher Flagge Du Musik machst, es ist immer ein weiter Weg und es ist eben schwer planbar, sofern man in der Kategorie "ernsthafte Musik" bleiben möchte. Ich für meinen Fall habe vor langer Zeit aufgehört in den von Dir genannten Schubladen zu denken, fühle mich Niemanden verpflichtet und mache somit die Musik, wie ich ich sie gerne höre. Zwar bewegen wir uns derzeit sicherlich im Dunstkreis der Punk und HC-Gemeinde. Dennoch kann ich für mich persönlich nicht behaupten, ich würde in heutigen Tagen dort weniger engstirnige Menschen und Einstellungen in dieser Subkultur antreffen als irgendwo Anders. Daher mache ich zusammen mit meinen Jungs einfach mein Ding und wie das ganze dann genannt wird und ob es gut oder schlecht ist, darüber könnt ihr Euch dann auslassen. Im New-Buisness-Talk würde man wohl sagen, wir sind Post und ihr Past der Materie;)

Musicscan: Mit welchem Selbstverständnis geht Ihr der Band nach? Was treibt Euch an, beständig neue Songs zu schreiben und auch live unterwegs zu sein?

Fire In The Attic: Na ja...Was soll ich dazu sagen?! Es macht halt Spass. Und da mir und einigen von Uns eben Sachen nur Spass machen, die man auch mit ganzer Kraft betreibt, tun wir eben genau das bisher.

Musicscan: Welche musikalischen oder textlichen Differenzierungs- bzw. Alleinstellungsmerkmale haben Fire In The Attic? Was zeichnet Euch als Band aus?

Fire In The Attic: Puh...In so Selbstbeweihräucherung bin ich ja einfach nicht gut. Ich denke mal wir schaffen es seit der zweiten Platte sehr gut gängige Arrangements, oft genutzte Song-Elemente und Plattitüden eines Genres ganz gut zu umschiffen und dennoch ganz gut Druck zu erzeugen. Textlich geben wir ebenso unser bestes und ich mag den Humor von Dennis, der viel zu Auflockerung der Texte führt. Aber wahrscheinlich gibt es auch wieder Leute, die eben genau das anders empfinden. Aber das ist ja auch nicht wirklich wichtig für Uns.

Musicscan: Was darf man 2008 außer Cum Grano Salis von Fire In The Attic noch erwarten?

Fire In The Attic: Nun, wir schauen mal. Erstmal gehen wir jetzt in eine ausgedehnte Festival-Saison und was danach passiert werden wir mal sehen. Wir werden uns aber bald mal mit alle Mann an einen Tisch setzten und schauen was wir in Zukunft noch so anstellen wird. Ideen gibt's noch viele zu verwirklichen und so lange man sich da einigen kann, worüber ich zuversichtlich bin, werden wir wohl noch ein bisschen weitermachen;)

Musicscan: Letzte Worte?

Fire In The Attic: Ich hoffe nicht, dass es meine Letzten sein werden... Hört mal rein bei uns, kommt bei unseren Shows vorbei und kuckt fleißig "FITA TV", das bildet zwar nicht unterhält aber vorzüglich! Reingehauen!

 
 Links:
  myspace.com/fireintheattic
 
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