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Narziss

Interview von: Gab mit Johannes, am: 25.08.2002 ]

Es gibt nicht viele Bands, die in ihren Songs deutsche Lyrics bevorzugen. Noch weniger ist die Zahl derer, denen dies herausstechend gut gelingt. Für mich ist Narziß solch ein seltenes Beispiel. Mit ihrem Debut Release 'Die Hoffnung stirbt zuletzt' haben Narziß ein absolut solides Metalcore abgeliefert. ...nun ein paar Fragen an die Jungens im Bezug auf sie und ihre Platte...

 

Musicscan: Stell uns einfach mal deine Band vor. Wie lange es euch schon gibt. Wer alles mit dabei ist. Was jeder einzelne so macht... all so was!

Narziss: Hi, Narziß gibt es so richtig seit Dezember 1998, unseren ersten Auftritt haben wir im März 1999 gespielt. Vorher gab es uns ein halbes Jahr lang mit einer fast komplett anderen Besetzung, von der nur noch ich (Johannes) übrig geblieben bin. Seit Dezember 1998 sind Adi und Robert dabei, Michael, unser 4. Sänger, ist im Mai 2001 dazu gekommen und der Steffen ist seit der Minitour im Winter mit dabei. Adi spielt Schlagzeug, Robert Bass, Micha singt, Steffen und ich versuchen uns an der Gitarre. (Natürlich jeder an seiner eigenen!)
Das vielleicht auffälligste außer-musikalische Merkmal an Narziß ist, das wir bis auf Steffen alle schon Väter sind, hehe! (Also wir haben eine komplette Zweitbesetzung in der Rückhand!) Ansonsten arbeiten und studieren wir, was man eben so nach der Schule macht. Obwohl Schule bei einigen von uns schon eine ganze Weile her ist.

Musicscan: Eurer Musik zufolge könnte man euch sowohl in die Metal- , als auch in die Hardcoreszene einordnen. In welche zählt ihr euch, in welcher haltet ihr euch auf? Und wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben?

Narziss: Ich würde sagen, dass wir eindeutig im Hardcore zu Hause sind, da wir auch fast ausschließlich unsere Shows in der HC-Szene bestreiten. Der Trend im Hardcore geht ja schon seit einiger Zeit Richtung Metal, so dass man also auch ohne Gewissensbisse eine metal-lastigere Band dem Hardcore zu ordnen kann. In wie weit wir nun Metal sind oder nicht, kann ich schlecht sagen, dass muss jeder für sich selber bestimmen. In einigen Songs haben wir auch ein paar Emo stellen dabei - vielleicht macht uns diese Mischung wieder mehr zu einer HC Combo. Hinzu kommt noch, dass die Hardcoreszene für mich eine Szene ist, die auf Idealen aufgebaut ist. Erst beides macht meiner Meinung nach eine HC-Band aus. Harte Musik kann jeder machen!
Wir selbst beschreiben uns als NewSchool HC Band mit Metal Einflüssen und einer Menge Melodien, dennoch finde ich es besser, wenn sich jeder seine eigene Meinung über unsere Musik bildet. In jedem Review kann man etwas Anderes lesen, sogar gegenteilige Meinungen! Jeder hört und fühlt Musik eben anders.

Musicscan: Ist Narziß eure erste und einzige Band, oder habt ihr schon vorher in anderen Musikprojekten mitgewirkt (Seitenprojekte...)?

Narziss: Vorher haben wir alle in verschiedenen Bands gespielt, aber ich glaube, keine davon war besonders prägend für Narziß. Ich habe erst bei Narziß mit Gitarre spielen angefangen, vorher habe ich in ein paar Kellerbands Schlagzeug gespielt. Seitenprojekte hat es auch nie gegeben, da Narziß für uns unserer größtes Hobby ist. Demnächst wollen wir mal Projekt-mäßig ein ganzes Set nur covern, aber nur ganz altes Zeug, so 108, Morning again, Cultur ... .

Musicscan: Euer Debut "die Hoffnung stirbt zuletzt" ist als Splitrelease erschienen, also auf zwei Labels zugleich (Circulation & Per Koro Records). Wie kam es dazu?

Narziss: Erst war geplant, das Per Koro die CD alleine herausbringen sollte. Allerdings reichte das Studiobudget nicht aus, so dass wir selber in die Tasche hätten greifen müssen. Da wir alle Pleite waren und sind (schließlich hatten wir auf unsere eigenen Kosten schon die Split-CD mit Nail, die Mini "Ebenbilder" und die Songs für die "Killing Fields" auf Beniihana aufgenommen bzw. selbst herausgebracht), hat das Circulation für uns übernommen. Daraus hat sich dann die Zusammenarbeit beider Labels entwickelt.

Musicscan: Wenn ich mir die Lyrics näher betrachtete, dann erweckt es teilweise den Anschein, daß das Ganze konzeptartig aufgebaut ist. Ist das richtig?

Narziss: Hhhmm, schwere Frage. Natürlich hat die gesamte CD ein Konzept. Zuerst einmal sind da natürlich die Songs. Hier versuchen wir Musik und Text so gut wie möglich miteinander zu vereinen. Allerdings entsteht oft die Musik zuerst und die Texte kommen später dazu, so dass sich die Texte eher nach der Musik richten, vor allem im Aufbau. Die Songs sind über einen längeren Zeitraum entstanden, so ist z.B. "Gefangen" der erste Song überhaupt, den Narziß geschrieben haben. (Da Michael sich nie richtig mit ihm anfreunden konnte, hat ihn unser alter Sänger Alex noch mal eingesungen. Das zeigt den Leuten auch, dass wir uns trotz der getrennten Wege noch gut verstehen.) Die anderen Songs sind alle von Frühjahr 2001 bis April 2002 entstanden. Es ist also so in den Songs kein gewolltes Konzept. Meiner Meinung nach hört man auch sehr genau heraus, welche Songs noch älter sind und welche neuer. Wenn sie dennoch gut zusammen passen, dann freut uns das natürlich noch mehr.

Im Artwork haben wir schon versucht, den Inhalt der Songs, ihre Titel und unseren Bandnamen miteinander zu verbinden. Ich denke, das hat auch ganz gut geklappt, wir sind sehr zufrieden damit. Der Titel der CD wirkt vielleicht etwas pathetisch, dafür regt er die Leute zu Reaktionen darauf an, und das ist ja der ganze Sinn. Ich denke, deutsche Texte wirken im allgemeinen pathetischer als z.B. englische, da Deutsch einfach schwerfälliger ist. Man findet selten wirklich gute deutsche Texte, entweder sie sind zu hoch gestochen und klingen nach bekifftem Studenten oder sie sind einfach prollig.

Musicscan: Habt ihr spezielle Intentionen, die ihr ihr mit den poetischen mystischen Lyrics ausdrücken wollt?

Narziss: Das unsere Texte mystisch sind, ist mir noch nicht aufgefallen. Allerdings könnte es sein, das bestimmte Satzanordnungen dazu verleiten, das zu denken. Oft sind wir gezwungen, Satzstellungen zu ändern, da es sich im normalen Wortlaut gar nicht oder nur schlecht singen lassen würde. Aber das kennt man ja auch aus Gedichten, und in gewisser Hinsicht sind Texte ja auch Gedichte. Ich denke, die Intentionen sind keine anderen als bei englischen Songs, die Grundlagen sind einfach nur unsere Gefühle, Wüsche und Ängste. Wir versuchen, den Inhalt so deutlich als möglich zu verpacken, ohne das der Song plump oder, wie schon erwähnt, prollig klingt.

Musicscan: Kannst du den Hintergrund von Songs wie 'Gotteskrieger' und 'Schatten' näher erläutern?

Narziss: "Gotteskrieger" und "Schatten" sind vom Inhalt her zwei völlig verschieden Texte. Während "Gotteskrieger" ein eher für alle allgemeines Thema zur Grundlage hat, ist Schatten mehr so eine persönliche Sache. Bei "Gotteskrieger" handelt es sich um einen Aufruf, sein eigenes Leben, fern von "Führern" zu leben. Es gibt einfach zu viele Menschen, die irgend einem Mammon hinterher rennen, ohne sich die geringsten Gedanken über die Konsequenzen dabei zu machen. Es geht nicht nur um Krieg, aber der ist natürlich auch ein Geschwür der Menschheit, dass sie nie los wird. Der Text sollte keine Anspielung auf den 11. September sein, Parallelen dazu sind aber nicht zu leugnen.

"Schatten" hingegen erzählt von den eigenen Ängsten, wenn man einem zerrissenen Selbst gegenüber steht, bzw. man es selbst ist. Man versucht sich und sein Leben zu betrachten, doch wohin man sich wendet, man sieht nur die Scherben seiner Vergangenheit, hat das Gefühl, in einem Spiegelkabinett zusein, das alles noch schlimmer verzerrt. Man sucht nach dem alles erleuchtenden klaren Blick, doch man findet ihn nicht. Einfach ein Text über Selbstzweifel.

Musicscan: Wären da irgendwelche zu nennen, die euch auf dem Weg bis zu eurem Debüt besonders beinflusst haben, egal ob in der Musik oder in der Aussage.

Narziss: Oha, da gibt es sicherlich eine ganze Menge Bands, die da in Frage kommen. Ob uns aber diese Bands direkt beeinflusst haben, werden Außenstehende besser beurteilen können als wir. Zu nennen wären da Boysetsfire, Killswitch Engage, Poison the well, Machine Head, Heaven Shall Burn, Caliban, ... - eben das, was man so den ganzen Tag hört und viel auf Shows sieht. Wir hören uns sehr oft andere Bands an und versuchen zu verstehen, wie sie ihre Songs arrangiert haben, um uns selbst dadurch zu verbessern.

Musicscan: Was habt Ihr für Meinungen im Bezug auf Straight Edge?

Narziss: Str8 Edge ist unserer Meinung nach ein persönliches Ding. Es gibt wichtigere Sachen als nicht zu trinken und zu rauchen, dennoch ist es wichtig, das es Leute gibt, die bewusst auf all den ganzen Kram verzichten um zu zeigen, dass man auch ohne auskommt - daß man sein Leben selbst leben kann. Leider wird auf Str8 Edge oft ein schlechtes Licht geworfen, aufgrund der Intoleranz und der Verachtung, mit der oft Nicht-Edgern begegnet wird. Das ist teils richtig, oft aber auch einfach überzogen. Fakt ist, das Nicht-Edger schließlich Edgern auch mit einer zum Himmel schreienden Intoleranz begegnen! Hardcore ist nicht nur für den einen oder den anderen reserviert ist, sondern alle zusammen bilden erst eine Szene!

Musicscan: Wie steht es um die Hardcoreszene in Erfurt? Sind da noch mehr Bands am Start?

Narziss: Wie die Szene in Erfurt ist, weiß ich nicht, da wir aus Jena kommen. In Erfurt gibt es ein besetztes Haus, da ist immer mal was los, ist aber auch nicht so der Burner. In Jena gibt es gleich gar nichts. Wir haben hier ein sehr große arrogante Rockszene mit hunderten von schlechten Kellerbands, die darauf warten, bei ihrem jährlichen Konzert entdeckt zu werden. Hardcore gegenüber gibt es nur böse Worte, deswegen spielen wir auch kaum in Jena. So erübrigt sich auch die Frage nach mehr Hardcorebands hier, zumindest kenne ich diese nicht.

Musicscan: Wird man euch auch in naher Zukunft in anderen europäischen Ländern zu Gesicht bekommen können?

Narziss: Wir werden im September wieder eine Minitour machen, bis jetzt ist aber nur Österreich sicher. Mal sehen was draus wird. Ansonsten werden wir so wie immer so oft als möglich spielen, soweit wir Zeit haben.

Musicscan: Hast du zum Schluss noch irgendwelche Worte für uns, die unsere Ohren unbedingt hören sollten?

Narziss: Außer "nur die Harten komm´ in Garten" - ihr könnt ja mal unsere Site im Internet unter www.narziss-hc.com besuchen, die wird in der nächsten Zeit neugestaltet. Des weiteren sind wir immer froh, wenn jemand eine show für uns macht, also keine Hemmungen! Danke fürs interviewen und viele Grüße an unsere Mutties!

Musicscan: Danke für Eure Zeit - gab.

 
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