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Opeth

Interview von: Daniel mit Mikael und Fredrik, am: 30.05.2008 ]

Was könnte man noch Kluges zu OPETH sagen, was nicht schon längst in anderen Interviews hinlänglich abgearbeitet wurde? Die Historie der Band ist bekannt. Und doch fiebert die mittlerweile große Fangemeinde, die Schweden um Mikael Akerfeldt schaffen es mühelos unzählige Musikgeschmäcker hinter sich zu vereinen, jedem neuen Release entgegen. Gleichsam scheint es OPETH mühelos zu gelingen, sich mit jedem neuen Album ein Stück weit selbst neu zu erfinden und zu überraschen. Dies gilt auch für "Watershed", in vollem Umfang. Ein Album, das mit einer für OPETH typischen Vielseitigkeit brilliert, mit ungewohnten Tönen und selbst für diese Band untypischen, neuen Ideen.

 

Musicscan:Köln, Hilton Hotel. Nach einer kleineren und letztlich ergebnislosen Wanderung durch die Räumlichkeiten des Hotels, mit dem Ziel sich in Mikaels ruhigem Zimmer zum Interview niederzulassen, entscheidet man kurzfristig und spontan (die Keycard funktioniert nicht) sich im Geiste des Rock'n'Roll in der edlen Lobby des Hotels auszubreiten.

Opeth: Ich finde es ein wenig schade, daß wir uns heute nicht über die Texte unterhalten können, die ja immer ein wichtiger Bestandteil des Gesamtkunstwerks ausgemacht haben.

Musicscan:Mikael: Eigentlich nicht so schlimm, da ich beim neuen Album ohnehin nicht über die Texte sprechen werde.

Opeth: Gibt es dafür einen besonderen Grund?

Musicscan:Mikael: Diesmal sind die Texte wesentlich persönlicher ausgefallen. Ich bin zwar sehr stolz auf die Texte, aber sie sind zu nah an mir, um es einmal so zu sagen.

Opeth: Hast Du vielleicht das Gefühl gehabt, zu viel von Dir als Person preiszugeben?

Musicscan:Mikael: Ja, deshalb sind die Texte sozusagen "codiert", auf eine besonders verwirrende Art und Weise. Diese Idee war allerdings eher als "Gimmick" gedacht, denn nachdem ich entschieden hatte, daß ich in Interviews nicht darüber sprechen möchte, nicht möchte, daß die Fans sie lesen, sie interpretieren, kam uns eben der Einfall sie zusätzlich zu "verschlüsseln".

Opeth: Ist es vielleicht auch deswegen, weil du realisiert hast, daß die meisten OPETH eher als dein Soloprojekt sehen? Du gibst die meisten Interviews, und der Name der Band ist unbedingt mit deinem verknüpft.

Musicscan:Mikael: Nun, ich wäre froh, diesmal überhaupt keine Interviews zu geben, wenn ich ehrlich sein soll. Aber, ich verstehe, daß die Leute mit mir reden wollen, eben weil ich die meiste Musik komponiere und die Texte schreibe. Doch, wir sind eine demokratische Band.

Opeth: War es denn zu irgendeinem Zeitpunkt eine bewußte Entscheidung die alleinige Verantwortung für das Songwriting zu übernehmen?

Musicscan:Mikael: Im Grunde sind wir damals als Gruppe von Freunden gestartet, die zusammen Musik machen wollte. Es kam nie die Frage auf, wer welchen Beitrag leistet, irgendwie bin ich dann in diese Position geschlittert. Jetzt bin so etwas wie der Kopf der Band. Allerdings tragen die anderen Jungs ihren Teil dazu bei. Für dieses Album hatte ich eine klare Idee, wie die Songs werden sollten, daher vielleicht diese Arbeitsaufteilung.

Opeth: Würdest du es besser finden, wenn die Person Mikael Akerfeldt hinter dem Gesamtkunstwerk OPETH verschwindet? So, wie es seinerzeit Kraftwerk gemacht haben? Vier Konzerte in vier unterschiedlichen Städten und niemand wußte, wo sie tatsächlich auftauchen würden, schließlich auf drei Bühnen lediglich die bekannten Roboter?

Musicscan:Mikael: Ich liebe diese Idee. Nun, am Anfang unserer Karriere haben wir ja auch ein bisschen Geheimniskrämerei betrieben. Keine Bandfotos, keine Namen, kein LineUp. Irgendwie ist es dann mehr und mehr "eskaliert".

Opeth: Letztlich wird es wohl aber immer so bleiben, daß gerade im harten Musikbereich viel des Enthusiasmus über die Identifikation mit Einzelpersonen läuft.

Musicscan:Mikael: Stimmt, und ich sehe das auch nicht als etwas Negatives an.

Opeth: Um auf das Album zu sprechen zu kommen. Würdest du die Behauptung wagen, daß "Watershed" all das repräsentiert, was du bis zu diesem Punkt musikalisch zu sagen hattest? Vielleicht auch das Ende einer Entwicklung?

Musicscan:Mikael: In gewisser Weise summiert ein neues Album immer das, was du bis zu jenem Punkt zu sagen hast. Aber, ich denke "Watershed" ist ein größerer Schritt, eher der Beginn einer Entwicklung und ich bin jetzt schon auf das nächste Album gespannt. Bei früheren Alben hatte ich hinterher nie ein klares Bild der Zukunft vor Augen, das war diesmal anders. Ich bin jetzt schon ganz aufgeregt. Vielleicht ist "Watershed" aber das Ende einer Ära. Wir sind eine "neue" Band, es ist zwar immer noch ganz klar OPETH, aber doch vielleicht der Beginn von etwas neuem.

Opeth: Mein persönlicher Eindruck war, daß "Watershed" noch mehr als jedes andere Album zuvor emotional offen ist. Von Beginn an, war eine Konstante in der Musik das Wechselpiel mit Dynamik. Würdest du zustimmen, daß das neue Album offener ist? Vielleicht nicht positiver insgesamt, denn es ist immer noch düster und melancholisch, aber mit einem Sonnenschein hier und dort versehen?

Musicscan:Mikael: Das variiert wohl von Hörer zu Hörer. Für manchen ist es unser düsterstes Album und ich weiß nicht, wem ich zustimmen soll. Persönlich gesprochen ist es zumindest in textlicher Hinsicht unser düsterstes Album. Auf jeden Fall gibt es hier und dort leichte Verweise auf Hoffnung.

Opeth: Gab es eine veränderte Herangehensweise an das Songwriting?

Musicscan:Mikael: Ich hatte neues Equipment, das es mir ermöglichte alles recht einfach selbst aufzunehmen. Das Album ist recht schnell entstanden, innerhalb eines Jahres und für unsere Verhältnisse waren wir auch im Studio recht fix. Es gab auch im Studio noch ein paar spontane Einfälle. Die Songs waren komplett fertig und ich habe sie den Jungs sozusagen "hingeschmissen" und sie aufgefordert damit zu machen, was ihnen einfällt.

Opeth: Also vertraust du deinen Mitstreitern unbedingt?

Musicscan:Mikael: Ja, unbedingt. Allerdings war ich auch immer zugegen, schon weil sie das auch wollten.

Opeth: Findest du, daß "Watershed" besser ausbalanciert ist? Eure Musik bewegt sich ja immer im Spannungsfeld zwischen technischem Anspruch und hoher Emotionalität. Gelingt dir/euch dieser Spagat heute besser?

Musicscan:Mikael: Lass es mich so formulieren: Dieses Album balanciert das aus, was OPETH in den letzten 18 Jahren war und das, was noch kommen wird.

Opeth: Immerhin sind die Blast-Beats defnitiv neu! Vermutlich hat auch jeder eine Frage dazu gestellt.

Musicscan:Mikael: Die sind tatsächlich neu. Ich hatte mir eine neue Drum-Software besorgt und experimentierte damit rum. Das kam dabei herum. Ich mochte die ungewöhnliche Idee klaren Gesang über Blastbeats zu legen, auch wenn es sonst nicht unsere Haltung ist zu sagen: Wir müssen etwas Extremes tun, nur um herauszustechen. Es klang einfach gut.

Opeth: Wie gehst Du denn ans Songwriting heran? Versuchst du andere Musik, Einflüsse von außen komplett auszublenden, oder lässt du es zu?

Musicscan:Mikael: Manchmal ist es doch recht einfach herauzuhören, was meine Einflüsse sind. Natürlich inspiriert mich andere Musik, aber wenn ich dann etwas komponiere, hört man doch deutlicher, daß es von mir kommt und doch verleugnet es die Wurzeln nicht.

Opeth: Hat dein Dasein als Musiker deine Herangehensweise an Musik verändert? Bist du analytischer geworden?

Musicscan:Mikael: Ja, definitiv. Es sind die kleinen Dinge, die ich mehr zu schätzen weiß, eine Akkordprogression beispielsweise. Eine Dur-Moll-Progression. Hingegen bin ich nicht mehr beeindruckt von schierer Technik, von schnellen Gitarren, oder von Bands, die einfach nur schnell sein wollen. Meine Sicht auf Metal hat sich verändert. Als ich anfing, habe ich einfach alles aufgesogen was einfach nur hart, düster, schnell und brutal war. Dann, als ich mit meinen eigenen Songs anfing, kam mir schnell ein Gedanke wie: "Diese Band, so gut ist sie gar nicht. Ich mochte sie immer, aber mittlerweile verstehe ich nicht mehr warum".

Opeth: Ist Klassik ein Einfluss? Falls ja, welcher Komponist?

Musicscan:Mikael: Ja, ich denke schon, wobei ich keinen einzelnen Komponisten herausgreifen könnte. Ich kaufe mir nicht viel klassische Musik. Aber ich schaue mir gerne Konzerte im Fernsehen an. Vielleicht beschäftige ich mich in Zukunft einmal mehr damit.

Opeth: Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob OPETH in einem orchestralen Gewand nicht gut funktionieren würden?

Musicscan:Mikael: Ja schon, aber es ist doch nicht mehr wirklich originell. Es wäre zu einfach, lediglich ein paar Riffs auf das Orchester zu übertragen. Meine Vorstellung wäre dann für jedes Instrument einen eigenen Part zu komponieren und wir spielen dann eben nicht dumm dada dumm dada dumm....Wir würde uns dann eher ins Orchester integrieren.

Opeth: Eine letzte Frage, weil wir hier schon eindeutige Signale bekommen. Zum ersten Mal habt ihr weiblichen Gesang integriert. Ist es als eine Art Dialog konzipiert?

Musicscan:Mikael: Ja, aber ich wollte es eben icht wie so ein cheesy Duett klingen lassen, daher habe ich meine und Natalies Stimmes auch getrennt gehalten. Es ist ein trauriger Text, romantisch. Trotzdem sollte es kein Liebeslied werden.

Opeth: Fühlst du, daß du jetzt totale musikalische Freiheit hast?

Musicscan:Mikael: Ja, aber im Grunde hatten wir die immer. Trotzdem fühle ich mich auf "Watershed" mehr denn je frei von jeglicher Kategorisierung. So sollte es sein. Letztlich ist nur unser eigener Geschmack unsere Grenze.

Opeth: Fliegender Wechsel. Während Mikael sich auf die Suche nach einem Zigarettenautomat macht, nimmt der neue Gitarrist Fredrik Akesson Platz.

Musicscan: Zunächst muß ich natürlich fragen, wie du an diesen sicher heißbegehrten Posten gekommen bist?

Opeth:Fredrik: Es begann damit, daß ich ihn traf als ich in einem kleinen Club in Stockholm mit meiner Cover-Band auftrat und Mikael traf. Klassischen Stoff wie King Diamond und Judas Priest. Mikael kam auf mich zu und sagte mir, er möge mein Gitarrenspiel und würde gerne Unterricht bei mir nehmen. Schon ziemlich beschämend für mich. Aber der Kontakt riss nie ab. Dann waren wir zusammen in den Staaten auf Tour, er mit Opeth, ich mit Arch Enemy. Sechs Wochen lang hingen wir zusammen rum und ich lernte alle gut kennen. So ergab sich schon damals eine gute Chemie. Letztes Jahr im Januar dann, jammten wir ein wenig und ich bekam mit, daß ich sozusagen heimlich auf die Probe gestellt wurde. Dann wurde ich gebeten Arch Enemy zu verlassen. Ein wenig später fragte mich Mikael dann, ob ich nicht einsteigen wolle.

Musicscan: Was ist denn dein persönlicher, musikalischer Background?

Opeth:Fredrik: Ich wuchs tatsächlich mit der NWOBHM auf. Vorher vielleicht noch ein wenig Kiss und AC/DC. Während Mikael ja eher in den 70ern verwurzelt ist, bin ich eher der klassische Metal-Head. Wir inspirieren uns da auch gegenseitig, denn er stellt mir viele neue Bands vor. So lernte ich gerade Pink Floyd und Rush zu schätzen.

Musicscan: Also nehme ich an, daß du Gitarrenunterricht bekamst?

Opeth:Fredrik: Ja, anfangs habe ich tatsächlich ein paar Stunden genommen, würde mich aber dennoch als Autodidakten bezeichnen. Allerdings habe ich auch anfangs ein bisschen klassisches Zeug mitgenommen, so wie Paganini beispielsweise, der ja auch von Yngwie Malmsteen schon auf die Gitarre übertragen wurde. Seine erste Scheibe hat mich seinerzeit unheimlich motiviert, mehr zu üben. Allerdings finde ich diese Art von neoklassischem Metal eher nicht so cool.

Musicscan: Wie weit warst du denn ins Songwriting involviert? Mikael hat mir ja schon erzählt, daß er euch das komplette Material vorgesetzt hat.

Opeth:Fredrik: Es gibt sogar einen Track ('Porcelain Heart'), den wir zusammen geschrieben haben. Mikael ist sicherlich der Kopf der Band, aber ich habe ein paar Ideen zu Soli beigesteuert.

Musicscan: Meinst du, das könnte sich in der Zukunft noch steigern? Möchtest du involvierter sein?

Opeth:Fredrik: Ich stelle den Jungs immer meine Ideen für Riffs vor und Mikael hat mir von Anfang an gesagt, ein guter Song ist ein guter Song, egal von wem er stammt.

Musicscan: Wie ich Mikael schon vorhin gefragt habe: Empfindest du "Watershed" als das Album ,auf dem der Band der Spagat zwischen den Extremen, zwischen Virtuosität und Emotion am deutlichsten und überzeugendsten gelungen ist?

Opeth:Fredrik: Jedes OPETH- Album hat seine Entwicklung, vielleich dieses am deutlichsten. Wie ich es sehe, hat "Watershed" die extremsten Metal-Parts aller OPETH-Alben.

Musicscan: Mein persönlicher Eindruck war, daß dieses Album, viel mehr als alle anderen eine unterschwellig positive Atmosphäre transportiert.

Opeth:Fredrik: Mikael würde wahrscheinlich das genaue Gegenteil behaupten, aber ich verstehe dich. Es hat zwar ein paar extrem düstere Momente, aber beispielsweise die Ballade 'Burden', dieser Song ist ganz anders, als viele andere OPETH-Songs. Mikael wollte eine Art Retro-Ballade, die allerdings nicht klischeehaft klingt. Die Texte hingegen sind definitiv alles andere als "happy" soviel kann ich Dir immerhin verraten.

Musicscan: Was ist das für ein Gefühl in einer Band wie OPETH zu spielen?

Opeth:Fredrik: Es ist einfach unglaublich!!! Ich war schon vorher ein Fan und jetzt bin ich ein Teil davon. Zudem, es ist einfach sehr angenehm mit den Jungs zu arbeiten. Es gibt keine aufgeblasenen Egos. Es ist eine demokratische Band, wir reden über alles und der Prozess der Integration war sehr einfach.

Musicscan: Also mußtest du kein Martyrium über dich ergehen lassen wie seinerzeit Jason Newsted bei Metallica?

Opeth:Fredrik: (lacht)..Nein, absolut nicht. Vielleicht werden sie mir auf Tour ein paar üble Streiche spielen. Wir werden sehen. Aber OPETH ist wahrlich die Band in der ich alt werden möchte.

 
 Links:
  opeth.com/
 
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